Die Gruppe Essener sind eine vermutete religiöse Gruppe im antiken Judentum vor der Zerstörung des Jerusalemer Tempels und haben was gemacht?Zusammenfassung?

2 Antworten

Aus dem Lexikon ''Der neue Pauly''

A. Etymologie

Der Name E. (Ἐσσηνοί, Ἐσσαῖοι) wurde der so bezeichneten Gemeinschaft wohl von Außenstehenden gegeben. Sie stellt die griech. Wiedergabe des aram. ḥasayya dar (ḥsyh ist qumranisch jetzt in dem nichtessenischen Aramaic Levi Document belegt: wl mtmḥ šm ḥsyh mn kwl mh llm, ‘und der Name der Frommen wird nicht ausgelöscht werden in Ewigkeit’; 4 Q 213a 3-4 6). Das zu aram. ḥasayya bedeutungsäquivalente hebr. ḥāsı̂d findet sich als Teil einer Ortsbezeichnung der damals schon zerstörten Siedlung von Qumran auch in einem auf 134/5 n.Chr. zu datierenden Brief (mṣd ḥsydym, “Festung der Frommen”; Murabbaat (= Mur) 45 6) - was die vorgeschlagene Etym. bekräftigen dürfte (vgl. (4. Bd. 2, 164)).

Lange, Armin (Tübingen)

▪B. Antike Quellen

Bis in die Neuzeit hinein war die jüd. Religionspartei der E. nur aus griech. und lat. Quellen bekannt (im wesentlichen Philon von Alexandreia, Quod omnis probus liber sit 75-91; Pro Iudaeis defensio (Eus. Pr. Ev. 8,11; vgl. Phil. De vita contemplativa über die Therapeuten); Ios. bell. Iud. 2,119-161, ant. Iud. 18,11 und 18-22; Plin. nat. 5,73; Hippolytos, Refutatio 9,18,2-28,2; weitere Quellentexte bei (1; 7)). Es ergibt sich das Bild einer etwa 4000 Personen (Phil. Quod omnis probus liber sit 75; Ios. ant. Iud. 18,20) umfassenden und über ganz Palaestina verstreuten Gemeinschaft. Neben der hohen Mitgliederzahl (vgl. Pharisäer: etwa 6000 Personen) belegen auch die Berichte über essenische Seher und Traumdeuter (Ios. bell. Iud. 1,78; 2,111-113, ant. Iud. 13,311-313; 15,371-379; 17,345-348) sowie der “Johannes der Essener” gen. zelotische Heerführer (Ios. bell. Iud. 2,567), daß es sich bei den E. nicht um eine “Sekte” im Sinne einer Randgruppe ohne Einfluß auf das öffentliche Leben handelte (36; 35). Es ergibt sich das Bild einer von Gleichheit der Mitglieder (bei strikt hierarchischer Gliederung), Gütergemeinschaft, gemeinsamer Arbeit, Gemeinschaftsmählern und dem Reinheitsgedanken geprägten Gruppe. Nach Ios. ant. Iud. 18,19 (lat. Übers. und Epitome!; vgl. Phil. Quod omnis probus liber sit 75) beteiligten sich die E. nicht am Jerusalemer Opferkult. Im Zentrum des essenischen Glaubens stehen Mose, die Tora und die Schriftauslegung (Ios. bell. Iud. 2,136; 145; 152; Phil. Quod omnis probus liber sit 80-82). Neben einem ehelos lebenden Zweig berichtet Iosephos von einer zweiten Gruppe, die Ehe und Beischlaf ausschließlich zur Zeugung von Kindern akzeptierte (bell. Iud. 2,160f.). Inhaltlich werden die E. durch ihren Schicksalsglauben und die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele charakterisiert (Ios. ant. Iud. 18,18; vgl. 13,172; 15,373, bell. Iud. 2,154-158). Die Darstellung bei Philon und Iosephos ist tendenziös und von hell. Gedankengut geprägt (s. z.B. die Beschreibung der E. als einer den Pythagoreern vergleichbaren Philosophenschule: Ios. ant. Iud. 18,11). Unter geogr. Gesichtspunkten ist das Zeugnis des älteren Plinius (nat. 5,73) von Interesse, der die E. als eine nördlich von En Gedi an der Westseite des Toten Meers siedelnde Gruppe kennt.

Die von Philon in De vita contemplativa beschriebene ägypt. Gruppe der Therapeuten kann als essenisch beeinflußt oder als ägypt. Splittergruppe der E. gelten.

Lange, Armin (Tübingen)

▪C. Die Qumranfunde

Schon vor den Qumranfunden vertrat Ginzberg (21) die These, daß die in der Geniza der Kairoer Esra-Synagoge und später in Qumran gefundene Damaskusschrift (= CD) essenischen Ursprungs sei (21). Siedlung und Schriftfunde von Qumran wurden zuerst von Sukenik (6) den E. zugeordnet (1948). Für einen essenischen Ursprung eines Teils der Hss. von Qumran sprechen theologische Übereinstimmungen (Determination, Leben nach dem Tod, zentrale Bed. der Tora) und Parallelen in der Lebenspraxis (Gemeinschaftsmähler, Reinigungsbäder, hierarchische Gliederung, dreijährige “Probezeit” für neue Mitglieder, Gemeinschaftseigentum, Einehe, kein Spucken in der Versammlung, Öl als Überträger von Unreinheit; s. u.a. (35; 36; 38)). Die Siedlung von Ḫirbet Qumran ist durch den Keramikbefund, ein jüngst in Qumran gefundenes Ostrakon (17) und ein Fr., das die Umsetzung halakhischer Vorschriften aus den Gemeinderegeln von Qumran dokumentiert (zu 4 Q477 s. (18)), untrennbar mit den Hss.-Funden verbunden.

Die essenischen Texte von Qumran zeichnen das Bild einer von radikaler Tora-Observanz, einem dualistischen Weltbild und eschatologischer Naherwartung geprägten Gemeinschaft, die sich als einzig legitimer Rest des erwählten, aber inzw. dem Frevel verfallenen Gottesvolkes versteht. In ihren Gottesdiensten erfahren die E. Gemeinschaft mit den Engeln. Ihr Geschichtsbild geht von der Prädestination und von einem epochal gegliederten Geschichtsverlauf aus. Eschatologisch ist bes. die Zwei-Messias-Vorstellung von Interesse. Sie erhofft neben dem davidischen auch einen priesterlichen Messias (1 QS IX 11; CD XII 23; XIV 19; XIX 10; 4 Q test; vgl. CD XX 1) und ist wohl von Sach 4 beeinflußt.

Entsprechend dem Restgedanken finden sich neben dem Lexem yaḥad (“neu”) auch Selbstbezeichnungen wie “der Neue Bund” (hbryt hḥdšh; CD VI 19; VIII 21; XIX 33; XX 12; auf ein Vorstadium der E. bezogen) oder einfach “der Bund” (hbryt; z.B. 1 QS I 18.20.24 u.ö.). Wegen der großen Bed. von Dualismus und Eschatologie ist die Gemeinschaft von Qumran immer wieder als apokalyptisch charakterisiert worden (s. z.B. (15; 22)), wogegen jedoch das völlige Fehlen von Apokalypsen unter den essenischen Texten spricht (vgl. (14; 33; 35)). Die zentrale Rolle von Tora-Observanz, Reinheitsthematik und kalendarischen Fragen sowie die große Bed. der Priester legen vielmehr nahe, daß es sich bei den E. um eine priesterlich bestimmte Gruppe handelt. Bes. anschaulich wird dies in 1 QSa II 11-22 illustriert, wenn in der eschatologischen Versammlung der Gemeinde Gottes sowohl beim Einzug als auch beim Mahl die Priester den Vorrang vor dem Messias haben. Auf die priesterliche Prägung der essenischen Gemeinschaft dürfte es schließlich auch zurückzuführen sein, daß sie an dem alten und ab der Hasmonäerzeit nicht mehr verwendeten solaren Kultkalender festhielt (zu den verschiedenen solaren und lunisolaren Kalendern im ‘astronomischen Henochbuch (astrHen = 1 Hen 72-82), ‘Jubiläenbuch (Jub) und den Kalendertexten von Qumran s. (8; 27. Bd. 3, 53ff.)).

Essenische Texte verstehen sich im wesentlichen als Schriftauslegung: Zwei der wichtigsten Gemeinderegeln (zur essenischen Halakha s. (29; 31)) tragen die Titel mdrš (h)twrh hḥrwn (“letztgültige Auslegung der Tora”; s. in den Damaskusschrift-Hss. aus Höhle 4: 4 QDa 11 20f. par 4 QDe 7 II 15) und mdrš lmśkyl l nšy htwrh hmtndbym lhšyb mkl r wlhḥzyq bkl šr ṣwh “Auslegung für den Unterweiser über alle Männer der Tora, die sich hingegeben haben, um zur Umkehr zu bringen von allem Bösen und um festzuhalten an allem, was er geboten hat”; s. in den Hss. der Gemeinderegel aus Höhle 4: 4 QSb 5 1 par 4 QSd 1 I 1). Die Gesch. der Gemeinschaft und ihre eschatologischen Hoffnungen werden in fortlaufenden Auslegungen von Prophetentexten und Psalmen (fortlaufende Pešarim) oder in Auslegungen thematisch kompilierter Schriftzitate (thematische Pešarim) dargestellt. Sowohl thematische als auch fortlaufende Pešarim verstehen sich dabei als inspirierte und nur in Nachfolge des “Lehrers der Gerechtigkeit” mögliche Schriftauslegung (1 QpHab II 1-11; VII 3-5). Auch die poetisch-liturgische Lit. der E. wird gerne aus Schriftzitaten und -anspielungen komponiert (Exegese).

Lange, Armin (Tübingen)

▪D. Geschichte

(Zur Gesch. der E. s. (34; 35; 13)): Die ant. E.-Berichte, die Ausgrabungen und die essenischen Texte von Qumran erlauben eine vage Rekonstruktion der Gesch. der essenischen Bewegung. Lit. Hauptquellen sind die kurze Entstehungsskizze in CD I 5ff. und die eschatologische Vergegenwärtigung biblischer Texte in der Gesch. der E. durch die Pešarim: Nachdem auf die hell. Hohepriester Iason, Menelaos, Alkimos und einen namentlich nicht mehr bekannten Interimsvorgänger (dazu s. (35)) folgend der Makkabäer Jonathan 152 v.Chr. zum Hohepriester ernannt wurde (1 Makk 10,15-21), verließ dessen Vorgänger, von einer priesterlichen Gruppe gefolgt, den Tempel und stieß zu einer sich selbst “Der neue Bund” nennenden priesterlich-chassidischen Gruppe. Diese dürfte 20 J. früher, z.Z. der sog. hell. Religionsreformen, den Tempel verlassen haben. Aus der Vereinigung beider Gruppen erwächst die essenische Gemeinschaft (daß Iosephos die E. in ant. Iud. 13,171-173 erstmals während der Herrschaft Jonathans erwähnt, dürfte diese histor. Verortung bestätigen; vgl. (11)). Movens für das Schisma von 152 v.Chr. ist der von Jonathan befolgte Lunarkalender und die Tatsache, daß er kein Oniade war, also nicht der Priesterfamilie angehörte, die als einzige den Hohepriester stellen durfte. In den essenischen Texten von Qumran wird Jonathans Vorgänger lediglich als “Lehrer der Gerechtigkeit” bezeichnet. Die mit dem Schisma verbundenen Konflikte und Nöte dokumentieren u.a. die von ihm verfaßten Lehrerlieder in den Hodayot und der Bericht 1 QpHab XI 4-8. Aus den am Tempel verbliebenen Priestern entwickelte sich später die sadduzäische Religionspartei.

Schon bald nach der Entstehung der E. kam es zu einer Auseinandersetzung um die rechte Auslegung der Tora. Unter ihrem von den E. als “Mann des Spottes” und “Lügenmann” bezeichneten Führer spaltete sich von den E. eine Gruppe ab. Sie wird als die, ‘die auf glatte Dinge hin auslegen’ (šr drš bḥlqwt bzw. dwršy ḥlqwt, CD I 18 u.ö.) beschrieben. Da die Bezeichnung ein Wortspiel auf zentrale Begriffe des Pharisäismus darstellt (Halakha und Midraš) und die so beschriebene Gruppe in 4 QpNah 3-4 I 6f. mit den Pharisäerverfolgungen des Alexandros (16) Iannaios in Verbindung gebracht wird (30), dürfte es sich bei dem in CD I 12ff. erwähnten Schisma um die Geburtsstunde des Pharisäismus handeln. Die halakhischen und kalendarischen Streitfragen mit den Pharisäern werden eindrucksvoll von einem frühen Brief der essenischen Gemeinschaft an den Jerusalemer Hohepriester illustriert (4 QMMT).

Wie die ant. Quellen mit ihrer Mitteilung, die essenische Bewegung habe 4000 Mitglieder umfaßt (s.o.), belegen, entwickelten die E. sich bald zu einer relativ großen Religionspartei, deren Einfluß keinesfalls unterschätzt werden sollte (vgl. (36; 35)). Bauliche Voraussetzungen in Qumran, die in CD VII 6 (u.ö.) erwähnten Lager (mehrere!), Philon (Quod omnis probus liber sit 75) und Iosephos (bell. Iud. 2,124 ant. Iud. 18,19) legen gegen Plinius (nat. 5,17) nahe, daß die essenische Bewegung nicht auf die Siedlung von Qumran bzw. das Tote Meer beschränkt war. Bei Ausgrabungen in En el-Ghuweir, Ḥiam el-Sagha und Jerusalem wurden Gräber gefunden, die denjenigen der Friedhöfe von Qumran vergleichbar sind und somit essenische Ansiedlungen auch außerhalb von Qumran nahelegen (39). Über den weiteren Verlauf der essenischen Gesch. ist wenig bekannt. Die Notiz über die Pharisäerverfolgung des hasmonäischen Herrschers Alexandros (16) Iannaios (4 QpNah 3-4 I 6f.) macht im Zusammenspiel mit einem als nicht abgesandte Grußadresse an denselben interpretierten Fr. (4 Q448) eine Annäherung an die Hasmonäer während seiner Regierungszeit (103-76 v.Chr.) möglich. Der legendarische Bericht über die Vorhersage der Herrschaft Herodes' d.Gr. durch einen E. (Ios. ant. Iud. 15,375-378) könnte als Hinweis auf einen polit. Einfluß auf diesen König interpretiert werden. Das Ende der essenischen Bewegung dürfte während des 1. Jüd. Krieges (60-70 bzw. 74 n.Chr.) anzusetzen sein - hierauf deuten sowohl der arch. Befund von Qumran als auch der Bericht über essenische Martyrien in Ios. bell. Iud. 2,152f. Daß einer der zelotischen Heerführer Johannes der Essener genannt wird (Ios. bell. Iud. 2,567), läßt im Zusammenspiel mit der Verfolgung der E. durch die Römer eine essenische Beteiligung am zelotischen Befreiungskampf nicht als unwahrscheinlich erscheinen. Die eigentlich pazifistischen E. hätten ihn dann als den in der Kriegsregel beschriebenen endzeitlichen Krieg gegen die Mächte der Finsternis verstanden. Ob Überreste der essenischen Bewegung im frühen Christentum und rabbinischen Judentum aufgingen, ist umstritten, aber nicht auszuschließen.

Lange, Armin (Tübingen)

Danke.Interessanter Bericht.Maria und Josef wird eine evtl. Mitgliedschaft bei den Essenern nachgesagt.Gibt es dafür Nachweise?

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Geht es vielleicht bitte kürzer? Ich muss das nämlich verstehen.

Aber trotzdem vielen vielen Dank.

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@Klasse7G

Ich habs nicht geschrieben. Beschwäre dich bei den Autoren. Ansonsten hier was aus dem Brockhaus:

Essener [wahrscheinlich zu aramäisch ḥạsên »Frommer«], Essäer, von Philo von Alexandrien und Flavius Josephus beschriebene jüdische Gemeinschaft von ordensähnlicher Verfassung. Sie entstand in der Zeit der Makkabäer (um 150 v. Chr.) und bestand bis zum Jüdischen Krieg (70 n. Chr.). Ein Teil ihres Schrifttums wurde am Toten Meer entdeckt. Die Identität der Essener mit der in Qumran lebenden Gemeinde ist unsicher.

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