Die Forschung will zu 100% objektiv sein, wieso lässt sie sich dann bei zB bei der Sexualforschung dann so stark von unserer Moral beeinflussen?

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10 Antworten

Erstens: DIE FORSCHUNG gibt es nicht. Daher kann DIE FORSCHUNG auch nichts wollen. Das ist eine unangebrachte Personifizierung. DIE FORSCHUNG ist ein Sammelbegriff für Wissenschaftler, die forschen. Welchen Anspruch sie sich dazu stellen und welchen sie tatsächlich erfüllen, sind zwei paar Schuhe. Forscher handeln immer in einem gesellschaftlichen Rahmen. Keiner steht außerhalb von Gesellschaften. Dass Forscher in Gesellschaftsfragen erst einmal davon ausgehen, was sie gesellschaftlich vorfinden, ist normal. Forschung findet schließlich nicht in Wolkenkuckucksheim statt. Solltest Du der Pädophilie das Wort reden wollen, dann erntest Du in der Tat berechtigterweise eine Shitstorm.

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Kommentar von Funmichi
18.05.2017, 16:08

Gerade in ihrem Alter sollten sie sich aber noch an die Pädophilendebatte in den 80ern erinnern können, in der VIELE menschen das TOLLERIERTEN und sogar unterstützten. genau wie es in gewissen anderen ländern tolleriert wird, zumindest hebephilie, die übrigens unter männern völlig normal ist, da biologisch sinnvoll.

---> Aber das ist nur ein Beispiel, auch Monogamie ist völlig unnatürlich! Mir sind Pädos und Co sowas von gleichgültig, weil ich wertfrei an die Sache gehe!

Das zeigt die Wertlosigkeit von Moral in der Forschung auf, da sie nur ein geselllschaftliches Konstrukt ist, an der sich Menschen festhalten wollen und sich anders als Affen fühlen wollen indem sie sich so über diese erheben. 

Aber die Wissenschaft will sich ja keine verzerrenden  Brilllen aufsetzen wollen, oder? Das verstehe ich nämlich nicht....

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Forschung ist immer ein bisschen subjektiv.

Und sei es nur, dass Daten auf eine bestimmte Art und Weise interpretiert, dass bestimmte Datenpunkte verworfen oder dass nur Teile von erworbenen Daten veröffentlicht werden.
Ich will hier ganz deutlich sagen, dass das nicht passiert, weil man Ergebnisse verschleiert, sondern idR, weil die Daten nicht eindeutig sind, es auf Grund von zeitlichen Vorgaben keine Möglichkeit gab, entsprechend sichere Daten zu generieren oder bestimmte Experimente einfach noch ausstehen.

Was du meinst, ist nicht die Objektivität der Forschung, sondern die Moral.
Großer Unterschied.

Ich bin Naturwissenschaftlerin, deshalb werde ich aus naturwissenschaftlicher Sichtweise argumentieren. Aus sozialwissenschaftlicher Sicht mag das anders sein.

Ich WILL Moral in der Forschung. Wir BRAUCHEN Moral in der Forschung. Was für uns moralisch ist und was nicht, wird durch unser Umfeld und die Gesetzte, die der Staat macht, bestimmt. Manchmal finde ich diese Gesetzte übertrieben, ein gutes Beispiel dafür ist das Verbot, mit menschlichen Stammzellen zu forschen.
Generell wäre es, aus meiner Sicht, aber zu gefährlich, wenn ich tun und lassen könnte, was ich wollte. Klonen, genetische Manipulationene, Experimente an Menschen, uneingeschränktes Experimentieren an Tieren usw., usw.

Ich möchte das nicht. Ich möchte nicht, dass jeder für sich selbst entscheiden darf, was moralisch vertretbar ist und was nicht. Es wird immer den Anteil Arschlöcher geben, die nur deshlab nicht allen möglichen Blödsinn anstellt, weil es eben verboten ist. Aus moralischen oder ethischen Gründen. Und genau für den kleinen Teil Arschlöcher brauchen wir entsprechende Einschränkungen. So einfach ist das - leider.

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Kommentar von Wurzelstock
18.05.2017, 15:53

Rheo - es ist auch in der Sozialwissenschaft nicht anders. Moral und Wissenschaft sind ganz einfach zwei verschiedene Bereiche, die erst am Ende - außerhalb ihres Bereiches - in einer Wechselwirkung zusammenfinden.

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Kommentar von Funmichi
18.05.2017, 15:58

Moral ist ein kurzer Istzustand, der sich ständig enorm ändert. Während vor einigen Jahren Homosexualität noch als Krankheit angesehen wurde und in anderen Ländern immer noch so ist, wird es bei uns als SELBSTVERSTÄNDLICH angesehen, dass es so ist wie es ist, dabei ist moral nur ein ewig währender wandel des aktuellen zeitgeistes, nicht mehr und nicht weniger. daher gibt es auch so viel doppelmoral....

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Ich habe mich vor einigen Jahren intensiv mit Sexualforschung beschäftigt und kann überhaupt nicht bestätigen, dass sie sich "so stark" von unserer Moral beeinflussen lässt.

Natürlich sind auch Sexualforscher (zum Glück) Menschen, die mitten in der Gesellschaft leben, und sie gehen dabei auch auf Fragen ein, die "unsere Moral" an die Gesellschaft stellt. Sie reden ihr aber nicht nach dem Munde, sondern versuchen oft genug, sie zurechtzurücken.

Eine Sonderstellung nehmen freilich die "gender studies" ein. Nach meinem laienhaften Verständnis gehören sie eindeutig nicht zur Sexualforschung, da es ihnen ja nicht um Sexualität, sondern eben um genders geht. Ich habe auch sehr große Zweifel daran, ob man sie überhaupt der Wissenschaft zurechnen kann, oder ob es sich dabei eher um eine neue Religion handelt.
Fest steht meines Erachtens jedenfalls, dass da zuerst eine Moral definiert wird und daran dann die Forschung ausgerichtet.

Wenn Du, funmichi, das gemeint hast, muss ich Dir leider zustimmen.

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Kommentar von Wurzelstock
22.05.2017, 21:23

Ottavio - die "gender studies" scheinen sich mit dem Verhältnis zwischen Geschlechtszugehörigkeit und Moral zu befassen. Wenn die Moral selbst im Forschungsobjekt enthalten ist, muss sie doch auch zunächst definiert werden. Entscheidend für die Objektivität ist doch, dass es nachvollziehbar ist, und dass andere Forscher somit zu anderen Ergebnissen kommen können. Eben dies ist ja allgemein keine Seltenheit.

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Du verwechselst hier einige Dinge.

Objektivität ist neben Reliabilität und Validität ein Kriterium der Forschung. Das hat wenig mit dem Alltagsbegriff der Objektivität zu tun.

Diagnosen (also systematische Kategorisierung von Syndromen) sind kein Forschungsvorhaben, sondern ist ein ganz anderer Prozess.

Man kann sich natürlich streiten, ob man Menschen mit Hebe- und Pädophilie ein Behandlungsangebot macht oder sie einfach für den Rest ihres Lebens wegsperrt; das ist weder eine wissenschaftliche, noch eine medizinische oder klinische Entscheidung, sondern zuerst eine gesellschaftliche und politische in der Anwendung dann eine juristische.

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Kommentar von Funmichi
19.05.2017, 12:03

Guten Tag, Forschung definiert und will definieren. Dabei spielen Dinge wie Stammzellenforschung, Forschung an lebenden Tieren und gar an Menschen eine Rolle. Sie wird moralisch eingeschränkt und es werden Ergebnisse gar verfälscht weil der Moralrahmen es so vorgibt.

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Hallo Funmichi

ich glaube, du spielst implizit auf das Postulat der Werturteilsfreiheit von Max Weber an, welches besagte dass die Wahrheit wissenschaftlicher Aussagen nicht von ihrem normativen Gehalt abhängen darf. Gerade in den Sozialwissenschaften war diese Aussage (bzw. vor allem die Frage nach ihrer praktischen Umsetzbarkeit) stets umstritten. Google doch mal nach "Positivismusstreit", da findest du eine der wichtigsten Debatten zu dem Thema.

Nun ist der gegenwärtige Stand der Dinge so, dass das Postulat der Werturteilsfreiheit zwar immer noch eine Rolle spielt, seine Unmöglichkeit aber weitgehend bekannt ist, da der Forscher, eben immer durch Vorannahmen beeinflusst ist. Dies gilt auch gerade für die klassischen Naturwissenschaften, denn auch hier ist der Forscher nie ein passiver Beobachter, der quasi mit einem allsehenden Auge sein Thema überblickt, sondern er ist immer auch ein Teil seiner Forschung mit einem speziellen Standpunkt/Blickwinkel, dessen Prämissen zwangsläufig in seine Forschung eingehen, was auch nur bis zu einem gewissen Grade verhindert werden kann.

Es können sich aber Einstufungen verändern, dadurch dass eben größere kulturelle Transformationen von statten gehen. Beispielsweise wurde Homosexualität noch im letzten Jahrhundert als psychische Störung klassifiziert und ist mittlerweile, aufgrund gesellschaftlicher Umschwünge, beinahe vollendes entmedikalisiert, soll heißen, wird nicht mehr in medizinischen Termini betrachtet. Beim Thema Transsexualität ist gerade ein ähnlicher Prozess im Gange.

Hoffe das konnte dir helfen

siguesputnik 

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Kommentar von Wurzelstock
18.05.2017, 15:57

Siguesputnik, deine Darlegung bezieht sich auf die wissenschaftliche Aussage. Funmichis Frage aber auf die Forschung.

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Funmichi, die Forschung lässt sich so wenig von der Moral beeinflussen wie das kleine Einmaleins. Schnuppi weist auch ganz richtig auf die Fragwürdigkeit der Perspektive in deiner Frage hin. Was Du vermutlich meinst, ist der Umgang mit Forschungsergebnissen.

Sie passen nicht immer widerspruchsfrei in die gültige Moral. Zudem ist die Bedeutung einzelner Forschungsergebnisse nicht immer auf Anhieb klar. Beides - gesicherte Forschungsergebnisse und gültige Moralgesetze - verhalten sich innerhalb ihres Systems - Forschung und Moral - wie kommunizierende Röhren. Deshalb kann eine neue Erkenntnis nicht immer prompt in Einklang gebracht werden mit der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnis, bzw. ihrer richtigen (!) Korrektur. Dann spielt sich dasselbe mit der Einordnung in die Moral nochmals ab, was noch schwieriger ist. Moral unterliegt nicht allein der menschlichen Kognition, sondern auch dem menschlichen Empfinden.

Das ganze ist ein sehr schwerfälliger Vorgang, während dem man leicht vom Regen in die Traufe geraten kann. Deshalb braucht es oft viel Zeit.

Das "Stichwort Kinsey" ist für deine Mutmaßung ein völlig ungeeignetes Beispiel. So groß auch die moralischen Widerstände gegen seine Forschung und ihre Ergebnisse waren - die Einwände waren rein wissenschaftlicher Art und richteten sich gegen seine Methodik. Auch die lieferten wiederum objektive Ergebnisse im Sinne von richtig oder falsch, und auch das ist wiederum unabhängig von der moralischen Einstellung des Kritikers.

Auch dein Beispiel "Krankheit oder nicht" ist als Beispiel wenig geeignet, wenn es um Verhaltensfragen geht. Der Psychiater ist Arzt. Er beurteilt nach diesem Kriterium. Dafür gibt es auch den Ansatz der Gesundheitspsychologie: "Gesundheit ist ein positiver Zustand".
Die psychologische Forschung als solche interessiert das aber nicht.  Sie will nur wissen, was ist und was nicht ist. Auch das kann von der Moral nicht beeinflusst werden.

Tja - nun guck mal, ob und wie dir das in deinen moralischen Kram passt ;-))

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Kommentar von Funmichi
18.05.2017, 16:12

Kinsey bekam Shitstorms ohne gleichen wegen seiner "speziellen"Forschung, aber er hat auch die Sexualität revolutioniert. Unser Zeitgeist lässt sowas einfach nicht zu, genausowenig wie die Naziforschung. Beide lieferten durchaus stichfeste Ergebnise, sind aber nach aktueller Moral moralisch anstößig. 

Also erstmal sollte in der Forschung Moral keine Rolle spielen, weil sie nur ein gesellschaftliches Konstrukt ist, dass sich schnell MASSIVST ändern kann und uns nur erhaben von Affen fühlen lässt. Moral schützt keine Menschenleben und macht das Leben nicht besser... Hygiene zB ja, aber das ist auch ein wissenschaftliches Ergebnis. Ja, man kann Moral erforschen, aber als Maßstab sollte Moral genausowenig für die Forschung gelten, wie sie auch nicht als Maßstab für Gesetze gelten sollte...

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Pädophilie oder Hebephilie wird keineswegs grundsätzlich als "krankhaft" dargestellt. Da irrst du. Man redet ganz wertfrei von Paraphilien.

Was krankhaft ist, ist auch nicht von Moralvorstellungen abhängig, sondern ist klar definiert. Hier gilt die DSM-5 bzw ICD-10.

https://de.wikipedia.org/wiki/DSM-5

https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_statistische_Klassifikation_der_Krankheiten_und_verwandter_Gesundheitsprobleme

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Kommentar von Funmichi
18.05.2017, 16:17

natürlich sind es moralvorstellungen! man redet von hypersexualität oder nymphomanie wenn jemand seine sexualität frei auslebt! genauso gilt monogamie als natürlich, obwohl diese im tierreich nur sehr begrenzt vorkommt (wenn kinder unerwegs sind) daher alles wird von der aktuellen moral bestimmt und beeinflusst!

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Die Forschung IST objektiv, aber die Moral schränkt sie ein. Sie muss sich an die moralischen "Regeln" halten, da viele dieser Regeln auch im Gesetz verankert sind.

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Kommentar von Funmichi
18.05.2017, 14:43

Eben! Aber wie kann sie dann überall Antworten finden, wenn das gesetz sie einschränkt?? (Stichwort Kinsey)

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Was genau meinst du mit "die Forschung" und "wissenschafrlichen Diskussionen"?

Artikel und Diskussionen in wissenschaftlichen Zeitschriften? Diskussionen in Zeitungen oder im Fernsehen?

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Kommentar von Funmichi
18.05.2017, 14:43

Es gibt Forschungszentren, diese gibt es auch an Universitäten angebunden und dort findet Forschung statt. Psychatrie, Sexualität, Biologie usw...... diese ist nicht objektiv...

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Ich verstehe nicht, was Du meinst. Hast Du ein Beispiel?

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Kommentar von Funmichi
18.05.2017, 14:45

zB ist Monogamie bei uns in der Kultur normal, obwohl sie nur von der kirche vorgegeben ist. das sieht auch die forschung so.

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Kommentar von XY123XY123
18.05.2017, 14:46

Woher hast Du das, dass das die Forschung so sieht?

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Kommentar von XY123XY123
18.05.2017, 14:53

Ich sehe noch immer nicht, wo da die Forschung ist?

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Kommentar von XY123XY123
18.05.2017, 14:57

Gib mal ein Beispiel: Welche Forscher haben was erforscht und sich dabei von Moral/Kultur beeinflussen lassen?

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Kommentar von XY123XY123
18.05.2017, 16:16

Ja, vielleicht. Oder er verwechselt die Interpretation der Ergebnisse mit der Forschung an sich. Oder er denkt, wenn jemand über Moral/Kultur/Ethik forscht, dass er sich zugleich davon beeinflussen lässt.

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Kommentar von XY123XY123
18.05.2017, 17:12

Es sagt doch nicht "die Forschung", dass Homosexualität normal ist. Und die Interpretation von Ergebnissen hat nichts mit der Forschung an sich zu tun. Du solltest Dir mal Gedanken machen, was Forschung überhaupt ist. Ich gebe Dir ein Beispiel, was Forschung ist: Wenn ich mich auf den Bürgersteig setze und eine Liste mache, wie viele Fußgänger vorbeigehen und wie viele davon ein Handy in der Hand haben. Dann komme ich zu einem Ergebnis, z.B. gingen 1000 Leute vorbei und 100 hatten davon ein Handy in der Hand. Das wars, das ist Forschung. Jetzt erkläre mir mal, wo da die Beeinflussung durch Moral/Ethik/Kultur ist? Die Interpretation des Ergebnisses ist dann was anderes.

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