Die fabelhafte Welt der Amelie nach sechs Zeitstunden Klavierunterricht?

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4 Antworten

Hallo,

als ich angefangen habe, klassische Gitarre zu lernen, da war es ein Stück von Francesco Tarrega, einem spanischen Romantiker, das mich fasziniert hat. Es handelte sich um die Tremolostudie Recuerdos de la Alhambra, das ich von dem Gitarristen Narciso Yepes gespielt auf einer CD gehört hatte. Dieses Stück nach sechs Stunden Unterricht auch nur anzusehen wäre vollkommen sinnlos gewesen. Für einen Anfänger ist es unmöglich zu spielen.

So habe ich mich immer weiter herangetastet und mir nach etwa zwei bis drei Jahren Unterricht die Noten besorgt und es versucht zu spielen. Es war immer noch zu schwierig, aber nicht mehr unmöglich. Inzwischen kann ich es einigermaßen hörbar spielen - aber bis dahin habe ich sehr viel üben müssen, viele andere Stücke gespielt, Etüden rauf und runter, Tonleitern, einfache und schwierige Gitarrenliteratur durch 500 Jahre Musikgeschichte aus aller Herren Länder. Dieses eine Stück aber hat mich bis heute begleitet. Immer wieder komme ich darauf zurück und versuche, es besser und klangschöner zu spielen.

Was ich sagen will: Du kannst nicht nach kurzer Zeit wie ein Profi spielen - wenn Du nicht ein Mozart oder ein Mendelssohn-Bartholdy bist, sondern ein normaler Mensch. Mozart hatte mit neun Jahren bereits seine vierte Symphonie geschrieben - eine Symphonie, die auch einem erwachsenen Haydn zur Ehre gereicht hätte. Der gab schon Konzerte vor Adligen, als unsereins noch die Grundschule besuchte. Für uns Normalsterbliche haben die Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt. Du wirst, wenn Du daran Freude hast, eine stark vereinfachte Version des Stückes zu spielen versuchen. Vergiß darüber aber nicht, Dir eine saubere Technik anzueignen, sonst landest Du nach einem raschen Achtungserfolg - hat gerade erst angefangen und spielt schon die wunderbare Welt der Amelie - in einer Sackgasse. Bis Du ein Instrument wirklich beherrschst, kannst Du Dir als Faustregel 10.000 Stunden Spielzeit merken. 10.000 Stunden, in denen Du nicht herumklimperst, sondern ernsthaft übst und systematisch Deine Fähigkeiten erweiterst. Die meisten kommen nicht so weit. Sie geben sich damit zufrieden, ein paar Stücke halbwegs ordentlich zu Gehör zu bringen und wenden sich anderen Interessen zu. Wenn Du Stücke, die Du toll findest, so spielen willst, wie Du sie auf CD oder ähnlichen Medien von Profis gespielt hörst, mußt Du viel Geduld, Disziplin und Eifer investieren. 

Spiel Dein Stück - das ist eine wichtige Motivation für Durststrecken - aber verachte die Etüden nicht, mit deren Hilfe Du Dir die nötigen Techniken aneignest, auch wenn sie Dir ein wenig langweilig vorkommen mögen. Denk dran, daß sie die Meilensteine auf dem Weg zu Deinem Ziel sind.

Erarbeite mit Deiner Lehrerin eine Mischstrategie: Schöne Stücke zum Freuen und vielleicht nicht ganz so tolle zum Arbeiten und Weiterkommen, dann soll es wohl gelingen.

Viel Freude an der Musik und gesegnete Weihnachten,

Willy

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Kommentar von Willy1729
25.12.2015, 02:12

Was Dein Stück anbelangt, ist dieses Ziel durchaus zu erreichen. Bis Du die nötige Koordination beider Hände besitzt, um es flüssig zu spielen, wirst Du aber ein bißchen brauchen. Wenn Du fleißig bist, wirst Du in ein zwei Jahren schon einiges spielen können - und 
Comptine d'Un Autre été hört sich beim nächsten Weihnachtsfest vielleicht schon recht hübsch an.

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Ich denke schon. Deine Lehrerin kann deinen Fortschritt natürlich besser beurteilen als wir, die dich noch nie gehört haben.
Aber ich denke es müsste recht normal sein das jetzt anzufangen, da es ein recht einfaches Stück ist und viele es sehr früh/als erstes Stück lernen.

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Ich muss sagen, dass das sehr früh ist, aber wenn deine Lehrerin meint, dass du das schon lernen kannst, dann stimmt es wohl auch. 

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Ich habe "Für Elise" nach meinen ersten 2 Klavierstunden gelernt.
Alles ist Möglich ;-)

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