Die Entstehung des Dur- Moll tonalen Systems

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1 Antwort

Das was wir als Ton verstehen ist in wirklichkeit ein Klang, d.h. eine Zusammensetzung verschiedener Töne. Eine Saite schwingt z.B. auch in ihren Bruchteilen (Hälften, Dritteln, Vierteln, etc.) mit und erzeugt so zum Grundton einer komplett schwingenden Saite Nebentöne, z.B. auf der Hälfte der Saite 1 Oktave höher, auf 1/3 und 2/3, eine weitere Quinte, auf den Vierteln 2 Oktaven über dem Grundton, etc.

Das ist der Grund, warum Oktaven, Quinten und die weiter folgenden Brüche, die als Quarten, Terzen und Sekunden wahrgenommen werden als harmonisch bzw. melodisch angesehen werden, da sie physikalisch eine Beziehung zum Grundton haben.

Reiht man nun diese Nebentöne nacheinander auf erhält man eine Durtonleiter. Will heisen, dass die Durtonleiter natürlich und stark klingt. Geht man von der Sexte aus bzw. eine Terz runter und nimmt die gleichen Töne, erhält man eine Molltonleiter.

In unserer heutigen Zeit wurde das Dur/Mollsystem jedoch temperiert, d.h. man kann die Stimmung in andere Tonarten übertragen, machte da jedoch einen Kompromiss von der natürlichen (physikalischen) Stimmung mit 7 Ganztönen mit unterschiedlichem Abstand weg zu 12 Halbtönen gleichen Abstandes (z.B. gleiche Saitenbünde verschiedener Saiten), die frei in andere Tonarten übertragen werden können.

Natürlich kann man von der Durtonleiter aus jeden anderen Ton als Grundton nehmen und so sogenannte Modis bilden, die Kirchentonleitern. Diese haben jedoch nicht die Stabilität, wie sie Dur und Moll besitzen, weil oft keine (starke) Quinte besteht bzw. auch der Quint-Akkort kein Dur ist und ohne ständigen Bezug zum Grundton der Tonart, der Hörer geneigt ist, die Musik nach Dur oder Moll abdriften zu sehen.

Beim Blues versucht man z.B. durch Saitenziehen wieder der natürlichen Tonleiter nahezukommen.

Erstmal vielen Dank!

Eine Frage habe Ich noch:

Wie kam es denn zu dem Umschwung von den Kirchentonleitern in unser System?

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@crissi98

Die Kirchentonleitern sind nichts anderes als jeden dieser sieben Töne mal als Grundton herzunehmen und darauf Melodien aufzubauen, wobei aoelische unser Moll ist und ionisch unser Dur.

Wenn du jedoch nicht ständig den Grundton der jeweiligen Tonart z.B. als Basston oder monotonen Grundakkord mitlaufen lässt, sind die restlichen Tonarten weniger stabil als aeolisch/ionisch, d.h. im Laufe der Melodie klingt diese dann nach Moll oder Dur bzw. die erzeugte Spannung will sich dahingehend auflösen.

Der Hintergrund ist wie gesagt, dass es je nach Modus teilweise keine Quinte oder Quarte gibt oder auch keine starken Harmonien gebildet werden können.

So sind diese "Kirchentonleitern" zwar anwendbar, wenn die Orgel ihren Grundton im Bass mitspielt aber auf Gitarre z.B. weniger. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, z.B. wird gerade Mixolydisch auch im Rock z.B. von AC/DC oder den Stones verwandt. Diese nutzen jedock den Trick, vom Moll aus einfach z.B. einen Durakkord auf der 5. Stufe zu benutzen und variieren innerhalb der Harmonie, um diese Tonart künstlich zu unterstützen.

Auch klingen die Kirchentonleitern eben zu traurig oder zu fröhlich. Dorisch wird z.B. beim Flamenco verwendet. Aber wie gesagt. Das könnte man aber auch als Moll interpretieren, denn die Kirchentonleitern erscheinen immer mit Zug zu Dur oder Moll.

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@jahresurlaub

Zum Umschwung kam es, weil nur Dur und Moll in der Lage sind auf allen strategisch wichtigen Akkordstufen (I-IV-V) starke Drei- oder Vierklänge zu bilden und auch über die harmonisch und melodisch wichtigen (vollen) Quarten und Quinten verfügen.

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Das war jetzt die physikalische Erklärung, warum die Dur-Tonleiter praktisch zwangsläufig entstand. Wenn du den geschichtlichen Hintergrund wissen willst, solltest du mal bei Wikipedia nachschlagen. Die Dur-Tonleiter ist Teil unserer Physik. Es war nur eine Frage der Zeit, bis diese jemand benannte, erklärte und bewusst nutzte.

Sorry, da haben sich unsere Beiträge überschnitten. Einen Moment...

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@jahresurlaub

Vielen, Vielen Dank für deine Mühe!

WÜrde es gerne als 'hilfreichste Antwort' auszeichnen, aber wie?

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@jahresurlaub

Vielen, Vielen Dank für deine Mühe!

WÜrde es gerne als 'hilfreichste Antwort' auszeichnen, aber wie?

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@crissi98

Danke dir! Es müsste in dem Kasten rechts oben wo die Punkte und Anzahl der Antworten stehen auch irgendwo so etwas wie "Fragen ohne hilfreichste Antwort" geben bzw. müsste es einen Knopf hier in dieser Frage oben geben.

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