Die Depression - eine Wohlstandskrankheit?

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20 Antworten

Es ist in der Tat so, dass Menschen, die um ihre Existenz kämpfen müssen, weniger Depressionen haben, weil es Wichtigeres für sie gibt. Die Insassen der KZs hatten so gut wie keine Depressionen, da sie ums nackte Überleben kämpfen mussten. Die Depressionen kamen im Nachhinein, als es ihnen wieder gut ging und sie sich des ganzen Elends bewusst wurden, das sie mit knapper Not überlebt hatten. Aber ich glaube kaum, dass wir uns ein Leben wünschen, das ständig gefährdet ist....

Es gab auch schon Forschungen darüber, welche Menschen am glücklichsten sind. Das sind jene, bei denen Körper, Verstand und Seele im Einklang sind. Und jene, die nicht so viel verdienen, dass sie sich problemlos alle Wünsche erfüllen können, aber auch nicht so wenig, dass die Sorge um ihre Existenz ihr ganzes Denken und Handeln bestimmt. Also: Arme Menschen sind keinesfalls automatisch glücklicher. Sie können sich aber (wie hier schon erwähnt) auch über Kleinigkeiten freuen - aber das ist eine Einstellungssache. Natürlich können sie sich auch übellaunig und missgünstig ständig mit jenen vergleichen, denen es besser geht. Und noch etwas habe ich - aus Erfahrung - gelernt: Armut lässt sich leichter ertragen, wenn sie viele betrifft. Dann hilft man sich eben gegenseitig und tauscht sich aus, unternimmt etwas gemeinsam, das dem Geldbeutel entspricht oder stellt etwas auf die Beine usw. Wenn man dagegen wegen eines schmalen Geldbeutels ausgegrenzt wird und sich vieles nicht leisten kann, was sich Freunde und Bekannte leisten können - und das sind oft Dinge wie ein Restaurantbesuch, eine Reise oder Ähnliches, das wirkt sich dann doch recht negativ auf das Selbstbewusstsein aus. Vor allem, wenn heute der Solidargedanke immer weiter zugunsten des Materiellen zurückgedrängt wird.

Alkoholismus ist keinesfalls ein Problem der Unterschicht. Nur - Reiche können das besser vertuschen. Da steht dann eben ein edler Whisky auf dem Tisch, und es wird ab und zu ein Aufenthalt in einer Privatklinik zwecks Entzugs vorgenommen. Ärmere müssen in einem solchen Fall erst die Krankenkasse von einer Kostenübernahme überzeugen oder lassen es ganz, weil es zu demütigend ist.

Ich denke, an deiner Meinung mit dem perfekten Auftreten der Oberschicht ist durchaus etwas dran. Und wenn sie dazu noch beigebracht bekommen haben, dass nur Äußerlichkeiten und Materielles zählt, sie hier aber alles schon haben, dann tritt Langeweile ein. Und dann suchen sie eben den "Kick". Wenn sie dagegen sinnvolle Aufgaben in der Gesellschaft übernehmen (auch dafür gibt es genügend Beispiele) und dabei auch Erfolge sehen, dann dürfte das der Depression entgegenwirken.

Natürlich, körperliche Leiden die es in anderen Ländern gibt wie z.b hungern sind drastisch aber auch sehr offensichtlich. Doch eine ernste Depression wird nicht ausgelöst weil es uns zu gut geht, es ist ja nicht so das die Welt gut wäre nur weil man Körperlich quasi alles hat was man braucht. Ein Mensch braucht sehr viel mehr. Und ich denke Seelisch gesehen sind die chancen auf der Welt eine depression zu kriegen doch recht gleich groß ist egal in welchem Land man lebt, obwohl leid nicht wirklich gerecht verteilt ist. Man wird nicht traurig wenn man glücklich ist. Man wird nur eine Depression kriegen wenn man so vom Leben geprägt wurde, hier in Deutschland existiert großer Druck man ist nur etwas wen man alles erfüllt, man muss so sein, genauso. Die Meinung anderer ist wichtiger als die eigene, es ist nicht erlaubt sie offen zu äußern sei es nun weil man angst haben muss gemobbt zu werden oder weil man sich einfach anpassen muss um einen Job zu finden. Und natürlich nä, die Pupertät gibts da auch noch.

Hallo

unsere Gesellschaft leidet unter Gefühlsarmut, immer weniger Menschen haben Zeit für Ihre Familien oder für sich, Du mußt in dieser Welt funktionieren Geld regiert die welt. Immer mehr Menschen sind gezwungen das beide Elternteile arbeiten. Menschen machen immer mehr Überstd. und hetzen durch das leben weil sie Angst davor haben Arbeit / Wohnung und lebensstandart zu verlieren. Uns wird vorgemacht alles haben zu müssen Auto / schicke Wohnung / neustes Handy etc. aber viele sind schon nur für normale Dinge wie lebensmittel / Kleidung etc. in diesem System. Die Angst in finanzieller not zu gelangen macht viele Menschen krank, so kommt es meistens zum Burn out wir dürfen dem Chef oder Arbeitskollegen nicht sagen, das wir das nicht mehr schaffen , dann sind wir nicht mehr belastbar. Wenn der Absprung nicht geschafft wird kann es zu Depressionen kommen. Menschen reden kaum noch miteinander vor allem nicht über Ängste und Nöte man hat auch Angst ...wie stehe ich vor den anderen da. Weißt Du wieviele Menschen ende des Monats nur noch 20 Euro in der Tasche zum Leben haben und davon die ganze Familie essen muß...und das sind Menschen die jeden Tg arbeiten gehen. Die lebensunterhaltungskosten sind teilweise zu hoch lies mal das Buch " Wir müssen leider draußen bleiben" geschrieben von einer Soziologin. Da bekommt man Angst ! Dort wird beschrieben das normale Familien wo auch einer oder beide Arbeiten kaum über die Runden kommen und sich und Ihren Kindern keinen Urlaub oder Kino, Zoo etc leisten können....man siehe mal die Eintrittspreise für vier Personen :( Ichglaube auch das viele Eltern dann ein schlechtes Gewissen haben das Sie Ihren Kindern kaum etwas bieten können , wonach Kinder ja automatisch auch verlangen und das das auch zu Sorgen führt! Mann muß immer den gesamt Kontext sehen.

Die Alkoholsucht / Drogen sind nicht nur in der sog. Armen Gesellschaft zu finden sondern überall resultierend an der Summe des ganzen, Ängste betäuben. Es sind viele Jugendliche Alkohol oder Drogenkrank einfach weil es Menschen gibt die Angst vor dem Leben aufgrund dieser Dinge haben, natürlich kommt die eigene Geschichte jeden einzelnen mit dazu. Alkoholsucht / Drogen findest Du in wirklich jeder Gesellschaftschicht und das kannst Du mir glauben!

Trotz dem Überangebot von wellnesss etc. entspannen und sich gut fühlen tun sich heute kaum noch Menschen, der Gesellschaft wird soviel vorgemacht und leiden tun dann viele darunter.

Noirpirate85 13.07.2012, 19:53

klasse geschrieben weiß woran mich dein anfang gerade erinert... meine eltern haben früher immer gesagt das kannste nicht machen, die leute gucken schon oda mach das nicht, da hör ich schon die polizei,

einfach aus der angst heraus sich vor anderen bloß zu stellen

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Vollstreckerin 14.07.2012, 20:10

Hallo, Sie haben sehr gut geantwortet!!! Leider lässt aber die Rechtschreibung zu wünschen übrig, was aber nicht ganz so schlimm ist; schlimmer wiegt meiner Meinung nach, dass Sie keine Antwort darauf geben, wieso das alles so ist, wie es nunmal ist - Arbeitshetze, Armut durch bzw. trotz Arbeit, flächendeckend verbreitete Existenznot, Hungerlöhne, ständig exorbitant steigenede Nachfrage nach Suppenküchen pp., kein Frühstücksbrot für Schulkinder, Vielfachjobs ( eine Person geht bisweilen bis zu 5 odeer 6 Jobs nach ), prekäre Arbeitsverhältnisse und dergleichen verheerende Zustände noch viel mehr, während andererseits ein unvorstellbarer Reichtum beim kleinsten Teil der Gesellschaft vorherrscht, Prunkpaläste, Billionenbeträge an "notleidende Banken", überbordende Rüstungsausgaben ( übrigens auch in Griechenland, was die Merkelsche ultimativ verlangt ), ständig steigende Mengen von Kapital im spekulativen Bereich, während das investierte Kapital im Produktionsbereich stetig sinkt ... Wem nutzt das alles? Das ist die zentrale Frage! Viele Grüsse

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Mit deiner Vermutung hast du definitv Recht. Im Rahmen einer Depressionsgruppe und auch in meiner Einzeltherapie wurde genau über dieses Problem gesprochen: Menschen in den Industrienationen leiden überdurchschnittlich häufig an Depressionen!! Arme Menschen sorgen sich darum, dass sie überleben, verhältnismäßig reiche Menschen sorgen sich darum, dass ihnen der Sinn in dem Ganzen ( Streben nach Luxus, Macht, Anerkennung, Schönheit etc.) fehlt. Reiche Menschen verzweifeln demnach an der Sinnlosigkeit der westlichen "Werte".

Ist Alkoholismus eine Krankheit der Unterschicht? Und frisst die Oberschicht ihre Probleme einfach in sich hinein, weil sie einen "perfekten" Anschein machen müssen, und wird dadurch depressiv? Letzteres trifft m.E. zu; ersteres z.T. auch, aber da auch heute viele Jugendliche zur Flasche greifen – wenngleich sie damit noch nicht zu Alkoholikern werden (aber die Gefahr besteht) – so scheint mir der Alkohol (+ Drogen) auch ein Problem vieler Jugendlicher zu sein, hervorgerufen wohl durch ein Gefühl der Sinnlosigkeit ihres Daseins (keine echten Vorbilder, keine Zukunftsperspektiven wegen Fehlens von Jobs oder von passenden - gewünschten - Ausbildungsplätzen). Die Depression ist allerdings ein Überforderungssymptom, und zwar nicht nur der Oberschicht. Der Zwang zum „perfekten“ Anschein führt in der Tat – wie du es formuliert hast – bei vielen zur Depression. Überhaupt ist der Druck der Gesellschaft, perfekt zu sein, eine Ursache für die Depression; denn perfektes Funktionieren ist etwas, was der Natur des Menschen zuwiderläuft, und die Menschennatur reagiert darauf oft oder meistens mit Depression. Wo muss man perfekt funktionieren? In der Ehe oder in einer Beziehung z.B.; man muss hier gewisse Erwartungen erfüllen; andernfalls wird man zum Versager gestempelt, sieht dann nur noch „kalte Schulter“. Die Angst, hier zu versagen, führt, wenn sie übergroß wird, zur Depression (bei vielen zur Flucht). Im Beruf muss man leistungsfähig, flexibel, dynamisch, kooperativ, teamwork-fähig u.a.m. sein; wer sich dem nicht gewachsen fühlt, weil er eine Schwäche in sich verspürt, versucht die Probleme oft mit Alkohol oder fit machenden Tabletten zu überspielen. Auf die Dauer reagiert das Gehirn aber nicht selten mit Depression, wenn die Versagensängste kumulieren. Am deutlichsten werden die Überforderungssymptome im Profi-Fußball, wo ja auch schon oft Depressionsfälle aufgetreten sind. Der Leistungsdruck ist hier infernalisch, weil ja auch hohe Summen im Spiel sind. Nach meiner Auffassung sind auch die neuen Medien schuld, dass immer mehr Depressionsfälle auftreten. Computer (+Internet) Handy, Smartphone, iPad, iPod, iPhone. Besonders das Smartphone mit seiner Unzahl von Apps überfordert allmählich den Durchschnittsmenschen. Der Informatiker mag mit dieser Technik souverän umgehen können, aber Otto Normalverbraucher muss ständig dem Perfektionsanspruch des Geräts (Smartphone, Tablett-Computer) gerecht werden, was, je älter der Nutzer wird, desto mehr seine Nervenkraft überfordert. Also auch hier: Dauerüberforderung (und dann verbunden mit Depression) durch die perfekt funktionierenden und perfekte Anwendung fordernden neuen Kommunikationssysteme.

Haldor 22.07.2012, 13:55

Noch eine wichtige Ergänzung zu meinem Kommentar: nimmt man zu alle dem noch den ständig steigenden Massen-Autoverkehr hinzu, in dem man ja als Autofahrer auch perfekt funktionieren muss, so müssen sich allmählich bei jedem oder jedenfalls bei vielen Überforderungssymptome einstellen. Wenn eine entsprechende (psychisch-nervliche) Konstitution bei dem Einzelnen vorliegt, wird eine Depression (die ja nicht durch den Willen zu beeinflussen ist) kaum noch zu vermeiden sein.

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ich war noch nicht in der 3ten welt aber ein kann ich dir sagen je mehr man im lebne an schlimmen erfahrungen sammelt desto mehr weiß man es zu schätzen.

und wir in unser "gesundne welt" leben überhaupt nicht gesund ! schau dir mal den supermarkt an alles ist irnwie in plaste verpackt, in kartons in denen giftige farben sind
aber davon profitiert das Gesundheitssystem weil es medikamente dafür verkaufen kann.

ich hab mal nen bericht gelesn, in dme es darum geht, dass sich die krebsrate um 1,5 fache oder mehr erhöht trotz unserem " fortschritt" bzw wegen

glücklichkeit kann man nicht fangen es ist ein momentzustand man kann im nächsten genauso traurig. in unsere welt ist es allerdings nicht gewillt traurig zu sein und dadurch entstehen depressionen... weil die leute dem glück hinterher jagen wenn jeder das machen würde und könnte was ihm "spaß"macht würde es weniger depressionen geben

weil es in unsere geselschaft nicht gewillt ist gefühle zu zeigen z.b. fragst du manchmal leute wies ihnen geht und sie sagen gut, doch ihr gesicht sagt etwas ganz anderes ?

HierStehtNichts. Ueberdruss schafft tatsächlich Depressionen. Du kannst es wenden wie Du willst, Depressionen entwickeln sich nur in UeberflussGesellschaften. Wenn man keine Sorgen mehr hat, dann schafft man sich welche. Und weil man nicht weiss wie damit umgehen, denkt man, dass andere einem helfen müssen. Hier beginnt ein Kreislauf von möchtegern, haben, nicht bekommen, hilfe erwarten, nicht bekommen. Und dann Enttäuschung weil nichts so funktioniert wie man es gerne möchte. Das nennt sich dann Depression. Eigentlich eine Hilfe, wie mit dem Leben umzugehen ist. Jeder praktizierende Psychologe wird dies natürlich in Worte fassen, welche seinen Beruf rechtfertigen. Man darf es ihnen nicht verübeln. Der Lauf der Dinge mit der Konsumwirtschaft und den Markt -angeboten wird es richten, dass die Fantasie die Depression in Zukunft eher anheizen wird.

Ja, weil wir uns zu wenig bewegen und zu wenig Kontakt und Berührung haben. Unser leben ist so steril wie die Verpackungen, die wir kaufen. Ich habe Anfang der 70er Jahre darauf hingewiesen, dass Sport Depressionen vertreiben kann. Heute gehört der Sport allgemein zur Therapie. Aber auch hier tritt die Vereinzelung zu stark auf. Außer dem Zeigen der Zähne, das man umgangssprachlich "Lächeln" nennt, - oder natürlich saufen - haben wir nichts vorzuweisen. Gehe in die Fitness-Center. Fast alles wird allein durchgeführt.

Wir haben Essen auf Nahrungsaufnahme degradiert. Möglichst schnell, möglichst wenig Arbeit. - Und haben den Sinn für das Wesentliche verloren: Die gemeinschatliche Zubereitung, den gemeinschaftlichen Genuss.

Als Karl-Heinz Böhm seine Arbeit in Äthiopien begann kam er sich schon bald wie ein Lehrling vor. Ein Lehrling in Sachen Beziehung.

Schau Dir an, was wir Familie nennen. Was hat diese Zwangsgemeinschaft mit Familie zu tun? Wieviel tut ihr persönlich gemeinsam? Oder verschwindet jeder schnell nach einem 7minütigen Reinfressen vor dem Fernseher in seinem Zimmer um sich vor den Computer zu setzen und mittels Internet zu versuchen seine Beziehungslosigkeit zu übertönen. Gemeinsames Sitzen vor dem Fernseher ist doch keine Gemeinsamkeit.

Ich habe während meiner ersten Ehe gutes Kochen kennengelernt, wobei ich mehr für das Abschmecken zuständig war. Aber es haben sich noch viel mehr Gemeinsamkeiten ergeben. - Heute koche ich selbst immer noch gerne - und ausgesprochen gut. Was sich herumgesprochen hat, weshalb meine Nachbarn bei mir essen. Ich lasse sie dann verschiedene Vorbereitungen treffen, so kochen wir praktisch gemeinsam - obwohl wir lediglich eine gut nachbarschaftliche, aber keine persönliche Beziehung zueinander haben, wenn man von einigen gemeinsamen Fernsehabenden absieht, zu besonderen Ereignissen.

Das macht wirkliches Leben aus. Gemeinsamkeit. Wir haben für alles eine Lösung, die wir kaufen können. Und haben verlernt wie schön es ist selbst etwas zu machen. Ich habe keine Freude mehr am Auto fahren. Nicht nur, weil die Straßen nicht nur mit Autos, sondern auch mit Reglementierungen verstopft sind, sondern weil die Autos so technisiert sind, dass sich kein wirkliches Fahrgefühl mehr entwickeln kann. Und wenn etwas war, dann konnte ich die Motorhaube aufmachen und es selbst beheben. Heute schaue ich lediglich auf einen abgeschlossenen Kasten.

War es im Winter kalt war das eine gute Gelegenheit zum Kuscheln. Heute wird das zur Pflichtübung.

Ich brauche weder ipad noch ipod. Wenn ich unterwegs bin, dann genieße ich das Unterwegs sein. Mein Handy gibt es lediglich für wichtige Telefonate und wenn ich etwas genießen will, dann wird es abgeschaltet. Nachts sowieso. Ich bin einfach nicht erreichbar. Und wenn ich eines dieser vielen Möglichkeiten des iPads nutzen will, dann kann ich das, wenn ich mein Notebook einschalte. Und wenn ich mit einer Frau ausgehe, dann gibt es nur diese Frau und sonst nichts in dieser Zeit.

Vermutlich ist das der Grund, weshalb sich Menschen und Tiere so zu mir hingezogen fühlen. - Und mich andere vor Neid regelrecht hassen. - Und das ist es, was wir von den Menschen der dritten und vierten Welt lernen können: Mehr Gemeinsamkeit und mehr wieder selbst machen. Das macht glücklich.

user1565 14.07.2012, 12:03

Ja, weil wir uns zu wenig bewegen und zu wenig Kontakt und Berührung haben.<< Ich brauche weder ipad noch ipod. Wenn ich unterwegs bin, dann genieße ich das Unterwegs sein. Mein Handy gibt es lediglich für wichtige Telefonate und wenn ich etwas genießen will, dann wird es abgeschaltet.Nachts sowieso. Ich bin einfach nicht erreichbar.<<

Und wenn ich mit einer Frau ausgehe, dann gibt es nur diese Frau und sonst nichts in dieser Zeit. <<

Mehr Gemeinsamkeit und mehr wieder selbst machen. Das macht glücklich.<<

Einige Zitate aus Deinem Beitrag.

WOW! Einfach super! Ich bin so dankbar immer wieder, wenn ich solche Texte lesen kann und solche Texte von mir entdeckt werden.

Du hast dieselbe Einstellung wie ich. Es ist so schön, immer wieder aufs Neue Gleichgesinnten über den Weg zu laufen.

Ich wünsche Dir ein wunderschönes Leben. Danke für diese schönen Zeilen. Sehr wertvoll und so wahr.

Wenn man gegen den Strom schwimmt, dann schwimmt man zur Quelle. Zur Quelle des Lebens. Dort ist das Glück und der Seelenfrieden und man ist im Einklang mit sich selbst.

Peace!

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Enki40 14.07.2012, 15:05
@user1565

Danke Quintusa für den schönen Kommentar und die Gemeinsamkeit. Da ich Dich nicht persönlich drücken kann, tu ich es hiermit im Geiste. Gemeinsam gegen Depressionen.

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Claud18 14.07.2012, 12:11

Super Einstellung! Auch wenn ich mein Handy nicht zu Hause lasse - aber so viele Anrufe bekomme ich gar nicht. Ich erlebe aber immer wieder, wie vor allem junge Leute in der S-Bahn, auf der Straße usw. pausenlos telefonieren und überhaupt nicht mitbekommen (vielleicht wollen sie es auch gar nicht), was um sie herum vor sich geht.

Allerdings ein Einwand in Sachen Familie: In einer autoritären Familie, in der nur einer bestimmt, wo es langgeht und die Kinder nur den Mund zu halten haben, nützt es auch nichts, wenn man auf Fernseher, Computer usw. verzichtet. Die Gemeinsamkeiten werden dann, weil von oben angeordnet, als Gängelei empfunden.

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Enki40 14.07.2012, 15:15
@Claud18

Hallo Claud. Ich lasse mein Handy nicht zu Hause. Ich schalte es einfach ab, wenn ich mit jemandem zusammen bin, wenn ich etwas bewusst genießen will. Ein handy ist wichtig für viele Gelegenheiten, aber ich lasse mich von ihm nicht versklaven und insbesondere nicht den persönlichen Kontakt nehmen. Die Menschen, die am Handy hängen oder am MP3-Player flüchten vor der Wirklichkeit und versäumen damit die wichtigsten Ereignisse des wirklichen Lebens. Das Leben. - Und irgendwann meldet sich die verhungerte Seele z.B. in Depressionen.

Ich stimme Dir zu, was Du in Sachen Familie meinst. Es gibgt eben viele Auslegungsarten. Erzwungene Gemeinsamkeit ist auch nichts anderes als Einsamkeit. Wenn jeden von uns Respekt und Toleranz jedem gegenüber begleiten, gibt es dieses Problem allerdings auch nicht. Und wenn meine passivsportbegeisterter Nachbar mir alle möglichen Ergebnisse erzählen muss - die ich wiederum alle durcheinander bringe - und ich dann mit ihm gemeinsam manchmal eine wichtige Sportsendung anschaue - ich mache lieber aktiv Sport -, dann ist das zwar nicht ganz freiwillig, aber das sind Zugeständnisse, die man gerne macht und wir machen daraus dann immer eine kleine Feier.

Und um Missverständnisse zu vermeiden: Ich schaue auch fern. Allerdings immer über den Receiver, da ich gerne dann schaue, wann es mir passt und unterbreche, wann es mir passt. (Von einigen livesendungen mal abgesehen, die langweilig sind, wenn man sie nicht live gesehen hat.)

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Dem hier gibts nichts mehr zuzufügen , ausser die Anmerkung das in der sogenannten Luxusgesellschaft ( Amerika ) , schon in den frühen Kinostunden des Film´s wo man immer Jung aussehen muß , dieser Druck dafür gesorgt hat das unter den Schauspielern es in - Mode - kam , daß jeder einen Psychiater hatte . Gut zu erkennen an dem Film , Eiskalte Engel ....lg

Hi

Ich könnte mich angegriffen fühlen, weil Du tatsächlich Stereotype aufzählst. Aber Du stellst sie ja als Fragen und das ist ok.

Zweitens stellst Du sehr viele Fragen auf einmal und nicht eine. DAS ist eher das Problem :-)

"Ist Alkoholismus eine Krankheit der Unterschicht?"

Das ist ein Bild, das die Massenmedien zur Unterhaltung und zwecks Transport ihrer politischen Botschaft gerne vermitteln. Und es gefällt der Mittel- udn Oberschicht natürlich. Überall auf der Welt wird den Armen unterstellt, dass sie massenhaft Alkohol konsumierten, womit begründet wird: man kann denen ja noch niedriger Löhne oder Sozialleistungen zahlen, dann können sie keinen Alk mehr konsumieren und wir tun ihnen nich was gutes". Das findet sich in Kalkutta genauso wie in Kiel.

Ich kenne aber bisher keinen statistischen Beleg für diese Behauptung. Was umso erstaunlicher ist, da der sicher relativ leicht zu erbringen wäre. Denn da die Armen grds. staatlich krankenversichert sind, würden die geserzlichen Kassen diese Daten beisteuern können. Die Oberschicht, die privat den Arzt bezahlt, ist aus den Daten raus. Ihr Alkoholismus in massivster Ausprägung würde gar nicht aktenkundig!

"Und frisst die Oberschicht ihre Probleme einfach in sich hinein, weil sie einen "perfekten" , umachen müssen, und wird dadurch depressiv?"

In der Oberschicht gibt es im grunde alle dieselben "Bewältigungsstrategien" wie in der Mittel- und Oberschicht. Die nur nicht so offen zutage liegen und nicht im Fokus der Stereotype sind, die die Massenmedien gerne produzieren.

Und wie schon gesagt: deren Daten sind nicht erfasst.

Die Oberschichtler haben dabei den Vorteil, dass sie erstens an alle Mittel heran kommen könne, da Geld für sie ja kein Problem ist und zweitens mit dem Geld auch alles "diskret" verstecken lassen können. Wenn es sein muss, durch Privatkliniken mit Stacheldraht und Pförtner.

"Was fehlt Menschen, wie Eva Rausing, die vermeintlich doch alles besitzen? Rutscht man schneller in "solche Kreise", wenn man Geld hat?"

Da ich Eva Rausing nicht kenne und Du keinen Link zu ihr gegeben hast, kann ich dazu nichts sagen.

"Aber wieso gibt es dann "so viele" Jugendliche, die abhängig von Drogen sind? (vgl. "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" oder "Engel + Joe")"n

"interessanterweise" mischen sich in der Drogenstricherszene, dem Ende der sozialen Leiter, tatsächlich Kinder aus ALLEN Schichten. Da sind die Kinder von Hartz-IV-Familien ebenso dabei wie solche aus Millionärshaushalten.

Ich kann Dir aus eigener Erfahrung in der Obdachlosenbetreuung, in der auch viele Drogenabhängige sind, jedenfalls diese Einschätzung geben. Um zu sagen, ob da irgendeine Schicht überproportional vertreten wäre, müsste jemand exakte statistische Untefrsuchungen erheben, die die anteile an der Szene und an der Gesamtbevölkerung in Relation setzen, und das kann ich nicht.

""Ich glaube, die Menschen in Entwicklungsländern haben eher physische Probleme, weil sie verhungern müssen. In Deutschland sollte die ausreichende Nahrungsversorgung jedes Menschen ja gewährleistet sein."

dem ist mitnichten so. Du weisst es vielleicht nicht, weil Du an einem privilegierten Gymnasium bist und dort keien Armut sichtbar ist. Es gibt aber seit Einführung des Hartz-IV-Sysrtems mti seinen Sanktionen bei uns durchaus Armut bis zum Hunger und hzur Obdachlosigkeit. Dann wird 0.,00 Euro vom Staat gezahlt und Menschen müssen Schlange stehen, um Abfälle als "Nahrung" zu erhalten. Soviel dann für sie eben übrig bleibt.

Nicht ausführen möcjhte ich das weite Feld vion "illegal" hier lebenden Menschen, die ebfalls von Sozialleistungen, medizinischer Versorgung usw. u.Z. völlig abgeschnitten sein können.

Die Idee, dass arme Menschen, auch bitterarme, nichts als Essen oder Materielles im Kopf haben, ist so eine überhebliche Idee, die aus einer sehr egozentrischen Vorstellung entsteht. Alle Menschen haben tendentiell dieselben Sorgen, Ängste und Bedürfnisse. Und selbst gleichzeitig mit dem Hunger bestehen solche Bedürfnisse wie Liebe weiter und auch der Kummer, wenn damit etwas nicht stimmt.

PS: ich bin selbst arm.

derdorfbengel 09.08.2012, 21:55

Ach ja, und im Zusammenhang damit wichtig: ich bin depressionskrank. Ich müsste eigentlich Medikamente nehmen, die ich aber wegen ihrer Nebenwirkungen und dem Suchtfaktor ablehne. Die Krankheit ist ärztlich bescheinigt, sonst hätte ich ja auch keine Medikamente, und dennoch bin ich kein Mittelschichtsangehöriger.

Die Theorie geht also nicht auf.

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"Glücklich sein" ist bestimmt nicht aus der Mode. Nur fällt es Menschenin Industrieländern bzw reichen Ländern einfach schwerer sich an kleineren Dingen zu erfreuen weil einfach die Maßstäbe (vor allem die Materiellen) höher sind.

"Jeder ist so glücklich wie er sich zu sein entschließt." (irischer Spruch)

tigerkralle71 13.07.2012, 22:12

Und das bekommt unsere Jugend am stärksten zu spüren...lg und DH

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Teils teils. Depri drauf sein ist auch Mode in unserer Wohlstandsgesellschaft. Denkt nur mal an „Emos“, die vielen melancholischen Lieder, die angeblich coole Grundstimmung unter Jugendlichen. Wer Freude oder Gefühle zeigt zählt doch nichts.

Ich denke an die Brille. Eigentlich ein Teil, dass unsere Behinderung beim Sehen weg macht. Eigentlich doof so ne Brille. Dennoch ist die Brille eine Modeerscheinung, etwas mit dem wir uns schmücken. Ich denke so schmückt sich auch eine neue Generation im Kleid der Deprimiertheit.

Ja, zu 95% sind Depressionen, Burnout & Co." Wohlstandskrankheiten", meine persönliche auffassung. Alkoholismus ist keine "Krankheit der Unterschicht", ich sehe Alkoholismus auch eher als eine Charakterschwäche, als eine Krankheit an.

Du musst Dich für die Frage auch nicht entschuldigen.

user1565 14.07.2012, 11:58

TRUE!

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ich denke nein. durch eine studienarbeit und aus eigenen interesse bin ich in meiner großeltern bzw. urgroßelterngeneration auf depressionserkrankungen gestoßen. meine famlie enstammt aus einer landwirtschaftsfamlie, hatte also nicht in großen reichtum gelebt. es ist realistischer, dass die depression als krankheit tabuisiert wird, weil sie einem tabu unterliegt. niemand will in einer gesellschaft, die auf perfektion ausgelegt ist mit schwächen leben. alkoholismus halte ich eher für eine krankheit der oberschicht. gerade in bereichen, die großen erfolgsdruck stehen greifen zur flasche. es ist zu komplex dieses thema in einer solchen ebene zu behandeln, daher belasse ich es bei einigen wenigen kurzen stichpunkten

Huhu,

in Zeiten, wo die Menschen viel weniger hatten, .... haben sie ein Stück Butter gegen ein Stück Brot getauscht, oder eine Hose gegen ein Hemd.

Jeder war auf den anderen angewiesen und der Kontakt zu anderen Menschen war überlebenswichtig.

Heute sieht es (zumindest bei uns in Deutschland) anders aus, .... jeder macht einfach seinen Kühlschrank auf und nimmt sich Sachen raus und wenn er nicht mehr das hat, was er benötigt wird einfach zum Supermarkt gefahren und eingekauft.

So verlernen wir das Geben und Nehmen, das für einander da sein,......... der soziale Kontakt tritt in den Hintergrund und die dadurch positiven zwischenmenschlichen Erfahrungen können nicht mehr gemacht werden.

Dieser fehlende soziale Kontakt (und auch persönliche Probleme) lässt den Menschen vereinsamen und die Person kann in eine Abhängikeit einer Sucht fallen.

Arme Menschen sind nicht automatisch glücklicher weil sie arm sind, sie müssen nur gezwungenerweise lernen, sehr sparsam mit allem um zu gehen und sie können sich sehr wahrscheinlich über frisches Gemüse im Winter mehr freuen, wenn man es ihnen schenkt als jemand, der es sich ohne Probleme jederzeit leisten kann.

depressionen haben, auch wenn es wenig zu tun erscheinen mag, auch mit der falschen ernährung zu tun...

Enki40 14.07.2012, 15:25

Das ist richtig und sogar sehr wichtig! Wir essen die Angst der Tiere, die wir essen mit, genauso, wie die ganze Chemie, die sie oder andere Nahrungsmittel schlucken mussten. Übersäuerung führt auch zu Angstzuständen und Depressionen. Bei Depressiven wurde ein eindeutiger Folsäuremangel festgestellt.

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depressionen als krankheit gab es immerschon, nur wurde sie frueher nicht als solche gesehen oder anerkannt.

hadiz 14.07.2012, 23:11

Ninassica. Man muss den Dingen nur die richtigen Namen geben wenn man damit Erfolg haben will.

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P.S es haben hier in Deutschland nicht alle eine Nahrungsversorgung, hier zu Lande hungern auch noch genug Menschen, man muss nur einmal genau hin schauen!!!

Enki40 14.07.2012, 15:21

Dafür gibt es aber Gründe: 1. sie sind zu stolz um staatliche oder soziale Hilfe in Anspruch zu nehmen. 2. Sie kaufen immer noch nach alten Gewohnheiten ein. Also überteuerte Fertiggerichte. 3. Sie verbrauchen irh Geld für andere Dingen, wie häufig das Saufen und Rauchen.

Hier in Deutschland hat jeder - auch der Obdachlose - Anspruch auf finanzielle Unterstüzung. Selbst der obdachlose erhält täglich 12 €, kann kostenlos in den Heimen übernachten, Kann kostenlos oder für 1 bis 2 € in den sozialen Einrichtungen essen und erbettelt sich meist zusätzlich noch Geld.

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hadiz 14.07.2012, 23:08
@Enki40

Enki40. Alles was Du hier aufgezählt hast, sind genau die Dinge, welche vielen von uns Depressionen entwickeln lassen. Manchmal ist es einfach nur eine Sache der Betrachtung wie man etwas beurteilen möchte. Es haben sich inzwischen bereits ganze Branchen entwickelt, wie solche Probleme behandelt werden sollen.

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Als die Menschen müde von der Arbeit waren, da war keine Zeit für Depressionen.

In der ersten Welt heißt es "depression", in der Dritten Welt heißt es "Volksgemüt"

hadiz 15.07.2012, 19:36

ToniLatinovic78. ...und immer geht es darum, dass andere einem helfen sollen. Einige sind fest davon überzeugt, dass nicht wollen, sondern helfen *müssen, die richtige Einstellung zum Bewältigen der Depression ist. Wie Du richtigerweise werwähnst, die persönliche "Gemütsverfassung" macht es aus.

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