Die Bibel und ihre Autorität für die Christen und auch warum?

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7 Antworten

Die Frage hat ganz viele Aspekte.

Vielen Christen (die getauft sind und Kirchensteuern bezahlen) ist die Bibel egal. Im besten Fall steht sie im Regal und manchmal wird sie sogar abgestaubt.

Das ist das eine Extrem.

Auf der anderen Seite sind jene Christen, die sich "bibeltreu" nennen. Für sie ist die Bibel eine unfehlbare und widerspruchsfreie Richtschnur für das Leben.

Wenn Gott allmächtig ist, so glauben sie, dann muss die Bibel fehlerfrei und widerspruchslos sein. Und wenn man zeigen kann, dass dies der Fall ist, dann gilt das als ein Beleg für die Autorität der Bibel.

Das Problem dabei ist, dass diese bibeltreuen Christen die Augen verschließen müssen vor den Fehlern und Widersprüchen in der Bibel, und es kostet sie viel Mühe, diese Widersprüche und Fehler wegzuinterpretieren.
In der Realität ist aber gar nicht die Bibel maßgebend für sie, sondern eine angelernte Interpretation der Bibel - obwohl an vielen Stellen  auch eine ganz andere Interpretation möglich wäre, und manchmal die Interpretation bei genauer Betrachtung dem genauen Wortlaut der Bibel widerspricht.

Wegen dieser Probleme hat die Theologie lange Zeit eine andere Lösung gefunden: Sie sagten oft, dass die Bibel in Wirklichkeit von Menschen geschrieben wurde. Gottes Wort an sich gilt da immer noch als fehlerfrei und widerspruchslos. Für die Fehler in der Bibel ist aber nicht Gott zuständig, sondern die Menschen, die nicht so perfekt wie der liebe Gott sind. Vieles, was einem da an der Bibel nicht gefiel, wurde z.B. als "Gemeindebildung" für unrelevant erklärt.

Man glaubte, mit klugen theologischen Theorien sozusagen das Wort Gottes aus dem Menschenwort der Bibel herausdestillieren zu können. Und dann hätte man etwas, das man als göttliche Autorität unbedingt befolgen müsse. Da hat es viele Theorien gegeben, wer von wem wie abgeschrieben habe, aber alle diese Theorien sind letztlich gescheitert. Inzwischen sagen viele Theologen nach jahrzehntelangem Forschen, dass man einfach die Bibel so nehmen soll, wie wir sie haben, und dass man sie so verstehen und auslegen soll.

Ich persönlich sehe es so, dass Gott uns die ganze Bibel so gegeben hat, aber so, wie wir sie haben: Es gibt keine Original-Handschriften, sondern nur Abschriften von Abschriften. Es gibt auch Widersprüche und Fehler, es gibt unterschiedliche Übersetzungen. Und ich glaube, dass Gott uns die Bibel genau so geben wollte.

Dabei ist für mich die große Linie trotz allem klar: Gott liebt die Menschen und möchte, dass es ihnen gut geht. Er will uns bei den Widerwärtigkeiten des Lebens zur Seite stehen, etwa in Krankheit und Tod, aber auch bei unseren eigenen Unzulänglichkeiten und Fehlern.

Wir haben alle unsere Grenzen und Einschränkungen. Und damit wir daran nicht zerbrechen, hat Gott uns solidarisch eine Bibel gegeben, die auch ihre Grenzen hat.

Immer wieder legt sie zum Beispiel großen Wert auf eine religiöse Reinheit und darauf, sich von allem abzugrenzen, was dieser Reinheit widerspricht. Dabei werden aber viele Menschen, die diesen hohen moralischenund religiösen Ansprüchen nicht entsprechen, ausgegrenzt.

Und darum legt die Bibel auf der anderen Seite immer wieder großen Wert darauf, diese Grenzen zu überwinden und aufzubrechen. Allein in Jesu Stammbäumen im Matthäus- und im Lukas-Evangelium finden sich Menschen, die bei einer strengen Beachtung der Regeln für religiöse Reinheit niemals in diesem Stammbaum stehen dürften. Jesus selbst hat sich immer wieder für die Überwindung dieser Grenzen eingesetzt, oder er wurde etwas von der syrophönizischen Frau (die Jesus als "Hündin" über beschimpfte) überzeugt.

Darum besteht die Autorität der Bibel für mich nicht darin, dass sie fehlerfrei oder widerspruchslos wäre, sondern dass sie sich ehrlich auf unsere Lebensbedingungen einlässt und uns auffordert, auch in kritischen Lebenssituationen zu Entscheidungen durch zu ringen, die im Lichte der Liebe Gottes bestand haben. Immer wieder müssen auch wir uns zwischen diesem Anspruch auf religiöse Reinheit und der Offenheit für Menschen und ihre Probleme entscheiden.

Ich bin u.a. auch Notfallseelsorger. Da kommt man immer wieder mit Katastrophen des Lebens in Berührung. Viele davon sind so sinnlos und bestürzend. Ganz ehrlich: In vielen Ereignissen kann ich keinerlei Sinn erkennen. Sie tun nur weh, stürzen Menschen ins Unglück, und wir können so wenig dagegen tun.

Die Autorität der Bibel liegt für mich darin, dass sie uns zu einer gewissen Form von Opposition gegen diese Widerwärtigkeiten und Sinnlosigkeiten des Lebens verhilft. Gott verspricht, dass es mit uns ein gutes Ende nimmt. Und wir haben die Aufgabe, uns mit Gottes Hilfe im Rahmen unserer Möglichkeiten und Grenzen gegen diese Widerwärtigkeiten des Lebens zu stemmen und uns und den anderen Menschen zu helfen, gut durch das Leben zu kommen und uns gegenseitig durch diese Widerwärtigkeiten zu helfen.

Am wichtigsten sind Glaube, Hoffnung und Liebe, und davon am wichtigsten ist die Liebe (1. Kor 13,13).

Diese Rangfolge ist wichtig: Wenn Religion und Glaube in Konkurrenz zur Liebe geraten, dann hat nicht die Religion und insbesndere der (christliche) Glaube den Vorrang, sondern die Liebe. Das aber haben viele Christen und auch viele andere Gläubige nicht begriffen und haben viel Unheil angerichtet, weil sie ihren Glauben absolut gesetzt und die Liebe vergessen haben.

Dies wäre in Kurzform meine persönliche Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Autorität der Bibel.

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Die Bibel ist für Christen daher wichtig, weil sie zeigt, dass Menschen seit jeher in Kontakt zu Gott standen bzw. sich Menschen mit Gott auseinandergesetzt haben. Und unterschiedliche Arten dieser Auseinandersetzung zeigen, die einem als Christ vielleicht bei der Suche nach Gott und der "richtigen" Art zu leben helfen können. Außerdem erzählt sie von der zentralen Figur im Christentum: Jesus Christus. Aus der Bibel erfährt man am meisten über ihn und da seine Lehre das Christum maßgeblich prägt, ist auch das Buch/die Bücher, die davon erzählen, sehr wichtig.

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In der Bibel stellt sich ein Gott vor und sagt, wer er ist, was er von uns Menschen will, und was er uns Menschen bietet.

Die Bibel bietet eine Erklärung für viele Sinnfragen in dieser Welt an.

Im neuen Testament bietet sie mit der Lehre Jesu Christi (liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst) eine zeitlos gültige Leitlinie für ein gelingendes Leben schon hier auf dieser Welt an.

Jesus Christus heißt übersetzt: "der gesalbte (=offiziell rechtmäßig eingesetzte) Retter".

Christen sind "gesalbte", also "offizielle" Nachfolger Jesu, die versuchen, seine Lehre, die in der Bibel aufgeschrieben ist, zu befolgen und umzusetzen.

Die Bibel ist die Grundlage für den christlichen Glauben.

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Die Bibel beinhaltet eindeutige Gesetze und Grundsätze, die unser Gewissen schulen.

Sie läßt kein wichtiges Thema aus: von sittlichen Fragen über die Arbeitsmoral und die Kindererziehung bis hin zur Gottesanbetung.

Sie hat sich im Lauf von Jahrhunderten als absolut zuverlässig erwiesen. 

Da die Moralmaßstäbe der Bibel von der allerhöchsten Autorität aufgestellt wurden — unserem Schöpfer —, sind sie für alle Menschen gültig:

"Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in [der] Gerechtigkeit, 17 damit der Mensch Gottes völlig tauglich sei, vollständig ausgerüstet für jedes gute Werk." (2. Tim. 3:16, 17)

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Kommentar von nachdenklich30
05.03.2017, 02:43

Ach komm - steinigst Du noch absolut zuverlässig diejenigen, die einen Frevel begehen, und rottest sie aus, die Blutwurst essen (3. Mose 17,10),

Und warum konnten die Juden die befestigten Städte im gelobten Land gemäß Richter 1 nicht einnehmen, obwohl er die Menschen dort gemäß 5. Mose 7,1.22 ausrotten wollte?

Und sie lässt sehr wohl wichtige Themen aus, wie man etwa mit Menschen umgehen soll, bei denen man biologisch das Geschlecht nicht eindeutig als männlich oder weiblich bestimmen kann - weswegen manche Christen auch heute noch bestreiten, dass es diese Problematik überhaupt gibt.

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Die Bible beahuptet sie sei von Gott gesand und ist daher selbstverständlich das zentrale Element der Religion.

Von da kommen alll die kruden Thesen und der Zusammenhalt und die Einigkeit. Letztere müssen natürlich noch in Ritualen gepflegt werden.

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Kommentar von Aleqasina
04.03.2017, 18:17

"Die Bible beahuptet sie sei von Gott gesand und ist daher selbstverständlich das zentrale Element der Religion."

Nein.

Weder wird in der Bibel behauptet, dass sie von Gott gesandt sei - die Bibel kommt in der Bibel nämlich gar nicht vor! - noch ist sie das Zentrum des Christentums. Sonst hieße es ja Bibeltum und nicht Christentum. Zentrum des christlichen Glaubens ist die Person Jesus Christus.

Die Bibel ist eine Sammlung von Zeugnissen von Menschen(!), die zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Kulturen und auf verschiedene Weise die Begegnung mit Gott gesucht haben.

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Kommentar von worldquestion
04.03.2017, 18:20

Die moderne Theologie lehrt allerdings, die Bibel sei von vielen verschiedenen Menschen geschrieben worden (was ja auch so ist) und zeige, wie Menschen in verschiedenen Zeiten in Beziehung zu Gott gestanden haben bzw. glaubten, in Beziehung zu Gott zu stehen. Im Religionsunterricht haben wir folgendes gelernt: "Wenn die Bibel von Gott spricht, dann spricht sie von den Erfahrungen, die die Menschen mit Gott gemacht haben." Der Glaube, die Bibel sei irgendwie von Gott gesandt worden, wird nicht mehr gelehrt und macht auch, wenn man sich etwas mit der Bibel auseinandersetzt wenig Sinn, da sie sich häufig selbst widersprechen würde.

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Die Bibel ist sowas wie ein Leitfaden für die Christen, aber es steht nicht im Mittelpunkt des christlichen Glaubens, auch wenn dies viele glauben. Im Mittelpunkt steht der Mensch. Die Bibel soll nur eine gewisse Richtung vorgeben, aber sie ist nicht als Gesetzbuch zu verstehen. 

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Kommentar von Viktor1
04.03.2017, 18:44
Die Bibel ist sowas wie ein Leitfaden für die
Christen

Diese (oft gebrachte) Behauptung greift zu weit.
Die "Bibel" mit ihren unzähligen Ungereimtheiten, Irrtümern und  teils auch völlig abwegigen (a-)moralischen Aussagen kann kein Leitfaden für Christen sein. Sogar das NT ist da nicht uneingeschränkt frei von "Fehlern".
Für Christen ist einfach nur die Botschaft Jesu maßgebend und voll ausreichend so daß keine (Aus-) Richtung der "Bibel" da etwas verbessern könnte.


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Weil die Bibel das "Wort Gottes" ist (Joh.17,17) ?

Leider orientieren sich die meisten Menschen an der "Weltkirche" (Offb.12,9), wleche die Weltbevölkerung irreführt (Offb.17,1-6).

Bei Jesu Rückkehr wird diese verbrannt (Offb.17,15-16).

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