Die Armeen Preußens, Frankreichs,Österreich, waren nichts mehr als eine disziplinierte Bauerns-Armada?

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5 Antworten

Eine Wehrpflicht gab es noch nicht, vielmehr wurden die Armeen ausgehoben, d. h. Werber zogen durch die Lande und warben junge Männer als Soldaten an. Hierbei ging es nicht immer gesittet zu, so gibt es Berichte von Werbern, die in Kneipen geeignete Kandidaten erst betrunken machten und dann die Werbeverträge unterschreiben ließen. Der preußische Soldatenkönig, Friedrich Wilhelm I, der Vater von Friedrich II, hat als einer der ersten ein stehendes Heer aufgebaut, d. h. die angeworbenen Soldaten blieben über mehrere Jahre im Dienst und waren damit besser ausgebildet und geübter, als die für einzelne Kriegszüge angeworbenen Soldaten der anderen Armeen.

Gleichwohl war die Anwerbung für viele junge Männer eine gute Gelegenheit, Geld zu verdienen und sich eine Existenz aufzubauen, die eine Heirat ermöglichte, denn um damals heiraten zu können, brauchte man ein gesichertes Einkommen. Auf dem Land hatten das nur die Söhne, die den Hof übernehmen konnten, die zweiten, dritten usw. Söhne einer Familie mussten entweder als Knechte arbeiten, was eine Heirat ausschloss, oder sie fanden eine Frau, die einen Hof erben konnte, da sie keinen Bruder hatte. Als Soldat erhielt man vom Staat einen Sold und wurde nach der Dienstzeit mit einem Posten im öffentlichen Dienst oder einem Stück Land aus Staatsbesitz versorgt, sodass eine Familie unterhalten werden konnte.

Aus dem gleichen Grund machten übrigens die Zweit-, Dritt- oder weiteren Söhne von Adeligen Karrieren als Offiziere, denn auch sie konnten nur so ein Auskommen erreichen, dass die Versorgung einer Familie ermöglichte.

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Kommentar von Sachse69
13.07.2017, 18:25

PS: Im Falle eines Krieges gab es neben der Anwerbung von mehr oder weniger Freiwilligen auch die Vorgabe, dass ein bestimmter Wehrbezirk eine bestimmte Anzahl Soldaten zu stellen hat, diese wurden dann aus der Gruppe der wehrfähigen Männer vor Ort ausgewählt und höchstwahrscheinlich nicht immer ganz freiwillig zur Armee geschickt.

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Ich würde das etwas anders sehen: z.B. von Friedrich d. Großen und Schweden Gustav-Adolf ist bekannt, daß diese den Männerüberschuss --für den Staat sozus. mehr "unnütze Fresser"  als gute Produzenten des Bruttosoz.Produkts---bes. der unteren Schichten (nicht allein Bauern und deren Söhne) durch Kriege lösten-(Aussage v. Friedrich: Hunde wollt ihr ewig leben)-, also wiedermal Männer zum Verbluten da sind, Napoleon verheizte sie beliebig (1 Million letztlich in Rußland) ---Man vermutet auch eine biolog.-histor. Vorhersage-Gesetzmässigkeit betr. Überschuß--    Oft ist ausserdem ein Zusammenhang zw. Kriegen  (auch Bürgerkriegen im Lande !! vergl. heute Konflktaufheizungen-Attentate) und m.o.m. gesteuerten Übervölkerungen, was leider gern ignoriert
wird.

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Durch Aushebung von Jahrgängen, Zwangrekrutierungen..
Je nach Vorlaufzeit wurden die Rekruten örtlich ausgebildet, war weniger Zeit vorhnden, erfolgte die Ausbildung auf dem Marsch.

Berufssoldaten, wie Napoloen, wurden an Millitärschulen ausgebildet.

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Bis ca. 1700 dienten in Preußen nur Freiwillige - viele waren Söldner, die keine Verbindung zum Land hatten, und deshalb auch oft plündernd durch die Region zogen, die sie eigentlich verteidigen sollten.

Danach wurde es aufgrund der langen und häufigen Kriege schwieriger, die Armee nur mit Freiwilligen zu füllen, und man führte Zwangsrekrutierungen ein. Dabei wurde auch auf Hinterhalte und Fallen zurückgegriffen, um genug Männer zu rekrutieren. Manchem gaben die Anwerber einfach ein paar Bier aus, bis er betrunken genug war, in die Kaserne mitzukommen. Wer einmal in der Armee war, blieb dort lebenslänglich. Diese Form der Wehrpflicht war in der Bevölkerung äußerst unbeliebt.

Frankreich

Im Laufe der Französischen Revolution erklärte Frankreich 1792 Preußen und Österreich den Krieg. Schnell schlossen sich diese Länder andere Monarchien an, die die Revolution bekämpfen wollten. Deshalb sah sich Frankreich gezwungen, Massenaushebungen (Levée en masse) einzuführen, um genug Soldaten für den Krieg zu erhalten.

Die Franzosen führten 1798 durch die Loi Jourdan-Delbrel (Gesetz vorgeschlagen durch die Abgeordneten Jourdan und Delbrel) die Wehrpflicht ein. Alle Franzosen zwischen 20 und 25 waren wehrpflichtig; bei der Aushebung zog jeder eine Nummer, und die mit den niedrigsten wurden eingezogen - je nachdem, wie viele Soldaten in dem Jahr gebraucht wurden.

Natürlich war die Wehrpflicht (conscription) nicht beliebt, und reiche oder adlige Familien konnten einen Ersatzmann bezahlen. Dieser hat sich dann anstelle des Wehrpflichtigen freiwillig gemeldet. Obwohl die Wehrpflicht also wegen der Auslosung sehr egalitär und demokratisch wirkt, wurde diese Gleichheit also durch Schlupflöcher für Reiche aufgeweicht.

Andere Möglichkeiten, der Wehrpflicht zu entgehen, waren es, Kinder zu haben oder verheiratet zu sein. Als aber unter Napoléon immer mehr Soldaten gebraucht wurden, reichte eine Heirat nicht mehr aus. Man konnte auch versuchen den Militärarzt zu bestechen, da man mit bestimmten Krankheiten auch nicht zur Armee geschickt wurde. Andere haben sich die Daumen abgeschnitten, damit sie die Waffen nicht bedienen konnten, oder die Zähne ausgeschlagen - die Zähne brauchte man, um die Patrone aufzureißen und das Gewehr zu laden. Wer das nicht konnte, wurde auch nicht eingezogen.

Die Wehrpflichtigen wurde für fünf Jahre eingezogen (im Frieden; in den endlosen Kriegen Napoléons diente man faktisch länger, nämlich bis zum Frieden). Die große Zahl der Menschen waren im 19. Jahrhundert Bauern - deshalb wundert es nicht, dass auch die meisten Soldaten Bauern waren. Bei den Bauern war die Wehrpflicht sehr unbeliebt, da sie Feld und Hof verlassen mussten, um im Heer zu dienen. Und die meisten Bauern waren zu arm, um einen Ersatzmann zu bezahlen - Handwerker dagegen profitierten von der Wehrpflicht, da die Zahl der Arbeitskräfte sank und die Löhne damit stiegen.

Darüber hinaus dienten in der französischen Armee natürlich auch Freiwillige.

Preußen

Durch die Wehrpflicht konnten die Franzosen eine große Zahl von Soldaten aufstellen, weshalb die Preußen sich nach ihren Niederlagen gegen Napoléon im Jahr 1806 bemühten, ein ähnliches System einzuführen. Das Gesetz über die Verpflichtung zum Kriegsdienst (1814) sah folgendes vor:

  • Von 20 bis 23 mussten alle Männer im Heer dienen (Grundwehrdienst). Ausgenommen waren Studenten, die nur ein Jahr lang dienen mussten.
  • Von 24 bis 25 diente man in der Ersatzreserve - man konnte im Krieg also jederzeit zum Heer gerufen werden.
  • Von 26 bis 39 in der Landwehr, die das Heer an sich unterstützen sollte.
  • Von 40 bis 50 im Landsturm, der letzten Reserve.

Dieses System wurde von der Bevölkerung als gerecht empfunden, da es keine Ausnahmen gab - andererseits wurden natürlich nie alle Wehrpflichtigen zum stehenden Heer einberufen. Außerdem gab es weiterhin Freiwillige.

Hoffe ich konnte dir helfen:)

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Sorry, aber eine ARMADA ist eine FLOTTE - das sind (nur !) Schiffe !

pk

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