Deutschland und der Sozialismus?

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17 Antworten

Daß Amerikaner nicht besonders gut informiert sind, ist ja nun nichts Neues.

Dreh und Angelpunkt der Sozialismustheorie ist die Vergesellschaftung von Produktionsmitteln. Entscheidend ist also, wem die Produktionsmittel gehören. Sind sie in privater Hand - insbesondere die Schlüsselindustrien - hat das ganze nichts mit Sozialismus zu tun. Und jetzt sieh Dich um, wem was gehört. Inzwischen hat man sogar Post und Bahn privatisiert. Diverse kommunale Wohnungsgesellschaften verhökern ihre Wohnhäuser an private Konzerne usw. usw.

Entscheidend ist nicht, wer was schwätzt, sondern was Realität ist. Ginge es nach dem Geschwätz, könnte man sogar die CDU für sozialistisch halten:

"Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein..."
(Ahlener Programm der CDU)

Nein, natürlich nicht. Kann ja nachgelesen werden, welche Partei wie viele von uns bezahlte Politiker stellt und wo. 

Was allerdings bisher unbehandelt blieb und mir wichtig ist möchte ich noch ergänzen: 

In den USA hat die Einbildung eine große Mehrheit, jeder Mensch sei für sein Schicksal selbst verantwortlich und deshalb stehe ihm auch absolut keine gesellschaftliche Unterstützung zu. Und der Stärkere habe nun mal von Natur aus mehr Rechte ,aber absolut weniger Pflichten als ein Schwächerer. 

Aus dieser Haltung heraus wird dann für den Erhalt dieses seltsamen bis absurden Waffenrechts gefochten. 

Aus dieser Haltung heraus wird akzeptiert, dass die Regierung es Großkonzernen erlaubt, großflächig angelegte Menschenversuche zu machen. 

Aus dieser Haltung heraus lässt sich erklären, dass in USA selbst Obdachlose gegen Obamas Health Care protestierten bzw. protestieren, obwohl sie die tatsächlichen Nutznießer sind. Hier wird dann das Recht auf eigenes Leid verteidigt, das Recht auf gesellschaftlich anerkannte Ablehnung jeglicher Unterstützung auch im allerschlimmsten und unverschuldesten Fall. 

Wir hingegen verdanken Bismarck unsere Sozialgesetzgebung. Die seither sehr oft verändert wurde. Seit manchen Jahren wird sie in kaum merklichen Schritten abgebaut, vernichtet. 

Kopfkratz. Bismarck? Geboren 1865. Lass mich raten: Der lebt schon länger nicht mehr? 

Befasse Dich mal mit ihm. Kann absolut nicht schaden. So als Grundlage zum Thema und für ein Verständnis über die aktuellen Zustände im eigenen Land. 

lupoklick 03.12.2016, 10:54

Bismarck hat also im Kindesalter Deutschland geeint.....  ?

Schappp - oh weia !!!    :-)))

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teafferman 03.12.2016, 10:57
@lupoklick

Wer stellt die von Dir hier aufgestellte Behauptung auf? Du?

Textverständnis will erlernt werden. Scheint mir zunehmend in unseren Schulen nicht vermittelt zu werden. Und was Eltern angeht: Da klagt ja die deutsche Wirtschaft seit über 30 Jahren schon über massive Leistungsverweigerung zum Nachteil ihrer Kinder. Es wäre also vermessen davon auszugehen, dass Eltern die Leistung erbringen in diesem Land, ihren Kindern Textverständnis zu vermitteln. 

Naja. Lässt sich ja immer noch erlernen. 

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Tja, das kommt dabei heraus, wenn Blinde über Farben sprechen.

  • Deutschland ist nicht sozialistisch,
  • die SPD ist weit davon ab, sozialistisch zu sein
  • die SPD stellt nicht den Kanzler.

Und selbst wenn eine sozialistische Partei den Kanzler stellen würde, wäre Deutschland noch immer kein sozialistisches Land. Die USA sind ab nächstem Jahr ja auch kein faschistisches Land, auch wenn der künftige Präsident einige faschistische Attitüden an den Tag legt. 

Die SPD ist nicht sozialistisch, sondern mit viel Wohlwollen sozialdemokratisch, das heißt, dass sie den Kapitalismus nicht abschaffen will, was aber ein erklärtes Ziel des Sozialismus ist.

atzef 02.12.2016, 17:31

Wobei das Kardinalproblem solcher Positionen darin besteht, nicht den leisesten Hauch einer diskreten Idee davon präsentieren zu können, wie denn solch ein Sozialismus aussehen und funktionieren könnte, ohne wieder in einer ineffektiven und unterdrückerischen stalinistischen Bonzokratie zu versinken...

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teafferman 02.12.2016, 18:34
@atzef

Stalin war ganz gewiss kein Sozialist im marxchen Sinne. Lenin hat dieses Subjekt vollkommen falsch eingeschätzt. 

Aber gut: Lenin hat auch so seine eigenen Macken gehabt. 

Bitte vergesse niemals, dass Marx erklärte, er würde auf gar keinen Fall ein Mitglied dieser Partei werden wollen gäbe es für ihn eine entsprechende Möglichkeit. Denn seine Idee war ein fortgesetztes menschliches Fortschreiten hin zu möglichst hoher Allgemeinbildung. Aus der sich dann eben ständige Veränderung zu einem bestmöglichen und immer wieder neu zu definierenden friedlichen Miteinander entwickeln lässt. 

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Ob eine Gesellschaft oder ein Staat sozialistisch ist oder nicht, hat etwas mit den Eigentumsverhältnissen in der Wirtschaft zu tun. In einem sozialistischen Staat befindet sich die Wirtschaft überwiegend in gesamtgesellschaftlichen bzw. staatlichem Eigentum. Das ist in Deutschland nicht der Fall. Die Bundesrepublik ist ein ganz ordinärer kapitalistischer Staat.

Die "Argumente", die das Gegenteil belegen sollen, sind Mumpitz.

Das ist ein Stück elementarer politischer Bildung. Davon scheint es in Ami-Land aber noch weniger zu geben als hierzulande.

„Stellen wir einmal Deutschland vor diesen Hintergrund und betrachten es mit “kapitalistischen Augen”. Wir erkennen ein Land mit einem staatlichen (sprich: sozialistischen) Rentensystem, mit einem staatlichen Gesundheitswesen, einem staatlichen Bildungswesen, mit staatlich und gewerkschaftlich gefesselten Arbeitsmärkten, einem konfiskatorischen Steuersystem, einer Staatsquote am Sozialprodukt von 50%, mit einem erheblich regulierten Wohnungsmarkt, einem massiv subventionierten und regulierten Agrarsektor und einer in ein kompliziertes Geflecht zwischen Markt und Staat eingebundenen Energiewirtschaft, mit mindestens hunderttausend Betrieben in “kommunalem Eigentum” ( = Camouflage-Wort für Verstaatlichung) und einem staatlichen Papiergeldmonopol, ja sogar mit einem Staatsfernsehen samt Zwangsgebühren. Wir erkennen ein Land, in dem fast 40% der Bevölkerung ganz oder überwiegend von Staatsleistungen lebt und in welchem das gesamte Leben der Bürger von staatlichen Regelungen überwuchert ist. Wer diesen 80%-Sozialismus als Kapitalismus bezeichnet, muss mit ideologischer Blindheit geschlagen sein. Und wer gar von Turbo- oder Raubtierkapitalismus redet, den muss der Verstand ganz verlassen haben (oder die panische Angst vor dem Machtverlust zu verbalen Veitstänzen getrieben haben).

Wir haben es also bei dem, was hierzulande (und auch in anderen Ländern) als Kapitalismus bezeichnet wird, in Wirklichkeit mit einem staatsverkrüppelten Rumpfkapitalismus und mit einem vom Sozialismus durchseuchten Schein-Kapitalismus zu tun. Walter Eucken, der Vater des (echten) Neoliberalismus, hat schon in den 50er Jahren von einem “staatlich versumpften Kapitalismus” gesprochen und die permanente Gleichsetzung dieser Karikatur mit “dem Kapitalismus” als die wirksamste Waffe der Antikapitalisten ausgemacht. Man sollte das deutsche Modell also realistischer als Sozialismus mit kapitalistischem Hilfsmotor bezeichnen. Erstaunlicherweise vollbringt dieser Hilfsmotor seit mindestens sechzig Jahren das Kunststück, den sozialistischen Schrottkarren voranzutreiben. Erst jetzt scheint ihm vom Übergewicht des maroden Gefährts allmählich die Puste auszugehen.“

Roland Baader in seinem Buch »Das Kapital am Pranger - Ein Kompass durch den politischen Begriffsnebel« von 2005, Seite 56 u. 57.

Dass die SPD "sozialistisch" ist, wage ich zu bezweifeln, ich glaube, dass ganze sozialistische Gehabe hat eher historische Gründe - die SPD stammt aus einer Zeit, in der man noch nicht zwischen sozialistisch und sozial unterschieden hat (1863!!!)

Und das ist der Knackpunkt: man muss zwischen sozial, sozialdemokratisch und sozialistisch unterscheiden. Klär Deine amerikanischen Kumpels bitte über diese Feinheiten auf.

Da hast du was über die "Informiertheit" der Normalbürger in der elt gelernt. Deutsche Vorstellungen über andere Länder sind eben oft genauso abstrus.

Für einen Normalo-Amerikaner mag "sozialdemokratisch" automatisch wie "Ausgeburt der kommunistischen Hölle" klingen.

Und du solltest zumindest über dein Land bescheid wissen.

In Deutschland wird Sozialismus damit verbunden, dass sich die Produktionsmittel in staatlicher Hand befinden und es kaum Privateigentum von Produktionsmitteln gibt. Amerikaner verstehen unter Sozialismus/Kommunismus in erster Linie das Prinzip, erfolgreichen Menschen den Lohn ihres Schaffens wegzunehmen (etwa über Steuern) und das Geld Leuten zu geben, die nicht arbeiten. Mit dieser Vorstellung von Sozialismus könnte man Deutschland und Europa tatsächlich als extrem sozialistisch/kommunistisch einstufen.

DetlefRuchatz 02.12.2016, 17:20

Ein weiterer typisch Aspekt des Sozialismus ist die Einmischung des Staates in die Angelegenheiten von Bürgern und Unternehmen sowie staatliche Regulierung aller möglichen Kleinigkeiten. Auch hier ist Deutschland ein Vorreiter.

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atzef 02.12.2016, 17:34

Interessanter Aspekt! Der ließe das vom FS geschilderte Phänomen gut erklären!

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Na ja, meine spontane Erstreaktion wäre gewesen, dass Amis wirklich schrecklich politisch ungebildet sind. :)

Aber dem Grunde nach ist die Bundesrepublik nichts weiter als eine Komplettumsetzung der Wahlprogrammatiken der SPD vom Ende des vorletzten Jahrhunderts, als die Sozialdemokratie noch als marxistisch galt...:-)

Und faktisch hat die soziale Marktwirtschaft mehr soziale Gerechtigkeit und Teilhabe der arbeitenden Bevölkerung am gesellschaftlichen Reichtum beschert, als dieser ganze "realsozialistische" Mumpitz.

Dennoch ist diese sozialdemokratisch geprägte Bundesrepublik natürlich kein "Sozialismus". :-)

Ach, immer diese Amerikaner. 

Wenn wir mal betrachten, wielange die SPD in der 67jährigen Geschichte der Bundesrepublik die Regierungsverantwortung alleine oder als Koalitionspartner getragen und die Entwicklung des Landes (mit)geprägt hat, dann kommt man auf 30 Jahre; davon stellte die SPD 20 Jahre den Bundeskanzler, der die Richtlinien der Politik bestimmt.

Die CDU/CSU dagegen kommt auf 47 Jahre Regierungsverantwortung, und in allen diesen Jahren stellte sie den Bundeskanzler.

Selbst die FDP prägte mit 50 Jahren Regierungsbeteiligung deutlich länger die deutsche politische Entwicklung.

Nein, in der Bundesrepublik Deutschland ist mitnichten "die SPD die 'Haupt'partei"! Derzeit ist sie sogar auf dem Wege, den Status einer sog. "Volkspartei" zu verlieren.

MfG

Arnold

Das ist allerdings wein absurder Gedanke, denn Deutschland ist Lichtjahre weit vom Sozialismus entfernt. Nurvwer völlig geistig unbearft und komplett uninformiert ist, kommt auf den närrischen Gedanken,dass ausgerechnet D. was Sozialitsich verkörpern würde. Forget it!

Weder ist die Bundesrepublik Deutschland ein sozialistischer Staat noch die SPD eine sozialistische Partei.

Die wage sogar zu behaupten, dass die ehemals sozialdemokratischen Werte von der heutigen SPD nicht mehr vertreten werden.

teafferman 02.12.2016, 18:38

Damit gehst Du kein Wagnis ein. Du findest massenweise Fakten zur Untermauerung Deiner Feststellung als Tatsache . :)

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Im Vergleich zu den USA ist Deutschland ziemlich sozialistisch. Im Bundestag befindet sich keine einzige Partei, die weniger Staat will.

Na, dann hast du und die Amerikaner ja schon was gemeinsam. Die haben nämlich auch keine Ahnung.

Was erwartest du von diesen ungebildeten Amis? Entweder sind wir sozialistisch oder wir sind Nazis. In Kalifornien hat mich vor ein paar Jahren tatsächlich jemand gefragt wie es Hitler geht. Ich habe geantwortet: "Oh, he is fine, he is building highways." Er hat es mir abgekauft.

...das merkt man deutlich... : (

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