Deutschland um 500 n. Chr.

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6 Antworten

Nehmen wir Deutschland in den heutigen Grenzen, dann hatten wir ganz überwiegend Waldland, von dem von überwiegend freien Bauern Ackerland Stück dem Boden abgerungen werden musste. Da das sehr personalintensiv war, gab es bald Probleme, bei den vielfältigen Kriegszügen regionaler Stammesherzöge zu jederzeit den schuldigen Heerbann zu leisten. Wollten die Bauern nicht verhungern, mussten sie den Kriegsdienst als Preis für ihre Freiheit delegierien; daraus entstand das Lehnswesen als eine der Säulen des mittelalterlichen Deutschland.

Relativ stabile Zustände,etwa zur Stauferzeit, ließen die Bevölkerungszahl sprunghaft ansteigen, Wälder wurden gerodet, bis nichts mehr ging, Folge unter anderem die Ostkolonisation. Im Hochmittelalter war Deutschland recht kahl geschlagen, wer mit offenen Augen heute durch unberührte Wälder geht, kann noch Spuren augelassener Ansiedlungen, insbesondere Äcker finden.

Durch mehrere Pestwellen ging die Bevölkerung rapide herunter. Außerdem - nachdem wir im 10.Jahrhundert ausgesprochen warmes Wetter hatten (Besiedung Islands, Grönland, erste Kontakte nach Nordamerika), verschlechterte sich in den folgenden Jahrhunderten das Wetter erheblich. Die Bewaldung nahm wieder zu und erreichte ihren Höhepunkt in der "leinen Eiszeit"des Barock, wo auch wegen des 30-jährigen Krieges die Bevölkerung nochmals darstisch reduziert wurde.

Mit der Industrialisierung im 19.Jahrhundert haben wir, was die Wälder betrifft, ein Gleichgewicht, zum einen ist der industrielle Bedarf zum Beispiel für den Eisenbahnbau (Schwellen), anfangs auch Schiffbau ennorm, besonders aber der explosionsartig ansteigende Bevölkerungsanstieg mit dem Platzbedarf für Landwirtschaft, Wege, Eisenbahnen mit ihrem Sicherheitsabständen wegen der feuerspeienden Dampflokomotiven der frühen Generationen und Siedlungen, zum andern aber wird in den Wintern (ständiger Temperaturanstieg seit der Mitte des 19.Jahrhunderts) immer weniger mit Holz geheizt, was die noch verbliebenen Wälder schont. Negativ wiederum ist die seit dieser Zeit ansteigende Vermarktung des Waldes durch schnell wachsende und empfindliche Monokulturen.

Sümpfe hab es vorwiegend dort, wo Flussläufwe waren, sie zu kultivieren, bedufte es eines know-how, was erst in der frühen Neuzeit vorwiegend von niederländischen Ingenieuren beherrscht wurde. So rühmte sich später Friedrich der Große durch Entwässerung des Oderbruchs seinem Staat eine Provinz hinzugewonnen zu haben. Er würde dafür heute gewaltigen Ärger mit ökologischen Bürgerinitiativen bekommen.

Moore gibt es nicht nur in warmen Gegenden. ;-) Sie entstehen, weil es feucht ist und unser Wetter hier ist noch immer feucht, so wie es auch in der Antike schon beschrieben wurde. Lies mal bei Tacitus nach, die "Germania" ist immer noch spannende Lektüre. Der Umschwung kam erst mit der verbesserten Rodungstechnik. Bis die Menschen in der Lage waren, wirklich große Flächen zu roden und landwirtschaftlich zu bebauen, dauerte es eine Weile. Heute haben wir so gut wie keinen Urwald mehr in Deutschland, bis auf ein paar Reste Auenwald am Altwasser der Donau etc. Um 500 n. Chr. war ein großer Teil Deutschlands noch von Urwäldern bedeckt. Es war eine Naturlandschaft. Im Gegensatz dazu haben wir heute eine Kulturlandschaft. Was an Wäldern da ist, ist Kulturwald, kein Urwald. Und genau so verhält es sich mit der offenen Landschaft. Das alles ist Kulturland, nicht mehr im natürlichen Zustand. Moore wurden trockengelegt, abgestochen (Torf) und schließlich in landwirtschaftliche Fläche verwandelt. Heute hüten wir die letzten Moore und stellen sie unter Naturschutz. Gruß, q.

Die geologischen Verhältnisse im Territorium der verschiedenen deutschen Stämme sahen vor 1500 Jahren natürlich gänzlich anders aus als wir es uns heute vorstellen können. Riesige Landflächen Germaniens, so will ich es mal bezeichnen, waren mit Urwäldern bedeckt und in den Flußniederungen veränderten die Flußläufe ständig ihre Betten und hinterließen viele Sumpf- und Feuchtgebiete. Warum das so war sollte eigentlich ebenso klar sein; denn die Flußläufe waren in jener Zeit noch nicht in ihren Betten zwangsbegradigt- und einbetoniert. Im Zuge der Bevölkerungszunahmen wurden Wälder gerodet und Sümpfe trocken gelegt, was natürlich die Witterungsverhältnisse neben den natürlichen Wetterveränderungen zusätzlich beeinflußt hat. Die teils sehr unterschiedlichen Landschaften im Süden, Norden und Osten bedingen natürlich auch die unterschiedlichen Wetterphänomene. Zu genaueren Detailaussagen würde ich Dir nachstehenden Link empfehlen, wo Archäologen die Entwicklungsgeschichte unserer damaligen Vorfahren bei den jeweils unterschiedlichen Bodenverhältnissen intensiv erforschen. Viel Erfolg dabei und lG G.

http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/39950525/die-roemer-im-hessischen-ried_fofra_1-12.pdf

Viel Eigenwissen kann ich persönlich hier leider nicht einbringen, aber schau mal hier vorbei:

http://www.planet-wissen.de/natur_technik/moore/mensch_und_moore/index.jsp

"Bereits die ersten Ackerbauern, die in den europäischen Waldlandschaften vor mehr als 5000 Jahren sesshaft wurden, veränderten durch die Rodung der Wälder den Wasserhaushalt ganzer Landschaften. Dadurch wurden großflächige Versumpfungen und Moorbildungen ausgelöst. Vor allem in den regenreichen Gebieten Englands, Schottlands und Irlands erreichten solche "Deckenmoore" riesige Ausmaße. Im deutschen Kulturraum staute man die meisten Fließgewässer in vielen Abschnitten, um Mühlen betreiben zu können. Oft wurde durch einen solchen Mühlenstau ein größeres Gebiet unter Wasser gesetzt, es kam allmählich zu Versumpfungen und zur Moorbildung."

"Heute sind, nach den massiven Eingriffen der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten, in Deutschland nur noch kleine Reste der einst großen Moore übriggeblieben. In anderen Ländern, etwa in Russland oder in der Ukraine gibt es noch ausgedehnte Moorgebiete."

Das kommt im wesentlichen daher, dass die Sümpfe im Laufe der Zeit (in Deutschland vornehmlich um 1600-1700) systematisch trockengelegt wurden um der wachsenden Bevölkerung Wohnraum und landwirtschaftlich nutzbare Fläche zu schaffen.

Die wurden nach und nach trockengelegt ist meine Vermutung. Zum Zwecke der Nutzbarmachung.

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