Deutscher Schäferhund? Überzüchtung

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Der DSH ist in den vergangenen 100 Jahren etwas schwerer im Körperbau geworden, was ihn weniger leichtfüßig macht als beispielsweise seine belgischen oder holländischen Kollegen.

Der Rücken soll beim DSH alles andere als krumm sein. Lediglich bei der Kruppe ist ein Abfallen von ca. 23° zur Horizontalen erwünscht. Eine gerade/weniger stark abfallende Kruppe ist aber weder ein ausschließender noch ein schwerer Fehler, da die Gebrauchsfähigkeit hierdurch nicht beeinflusst wird.

Stärker abfallende Kruppen gelten dann als schwerer Fehler, wenn das Gangwerk dadurch gestört wird und kein raumgreifender, müheloser Trab mehr möglich ist, bzw. die Rückenlinie sich dabei zu stark wölbt. Vorausgesetzt man hat einen Richter, der streng nach den Vorgaben des Standards entscheidet und nicht nach irgendwelchen Schönheitsidealen...

Die häufiger auftretende Hüftgelenksdysplasie (HD) resultiert aus dieser merkwürdigen "Kruppenpolitik".

Interessant hierbei: Schäferhunde mit HD werden nicht zur Zucht zugelassen - lässt sich die HD dadurch nicht eindämmen, muss neben der Vererbung also ein weiterer Faktor das HD-Risiko erhöhen, in unserem Fall aller Wahrscheinlichkeit nach die Kruppe.

Zur Inzucht kann ich dir leider nichts Genaues sagen, da ich die konkreten Bestimmungen nicht kenne. Ich weiß nur, dass es welche gibt und dass die Schäferhundpopulation so groß ist, dass bei den Zuchthunden genug Auswahl bleibt, um Inzucht zu vermeiden.

laut fr. dr. ziegler habe sich allgemein durch den ausschluss von HD-geschädigten hunden die HD-fälle nicht reduzieren lassen. das könne man im vergleich mit england sehen. eine große rolle spiele hier mit sicherheit getreidelastiges fertigfutter. man kann einen genetisch einwandfreien hund zum krüppel füttern.

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@taigafee

Eine Überprüfung dieser These kann jedenfalls nicht schaden. Leider gibt es zur Fütterung keine Vorschriften...

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Hüftdysplasie beim Schäferhund ist eine solche Auswirkung, da man will, dass die Hinterhand des Hundes möglichst niedrig ist um eine ansprechende Form zu erzielen. HD ist schon so verbreitet, dass es in Kategorien von A1 bis E2 bzw. HD0 bis HD4 eingeteilt wird.

Überzüchtet bedeutet, dass der Hund durch das strenge Einhalten von Zuchtregeln sich mit zu verwandten Hunden paart, sodass es zwar nicht direkt zur Inzucht wohl aber zu einer abgeschwächten Form davon kommt.

Daraus ergeben sich dann solche Probleme, dass die Tiere nicht mehr sonderlich alt werden, teilweise ihre guten Charaktereigenschaften verlieren (die Familienfreundlichkeit zum Beispiel, ich kenn da genug bissige Golden Retriever) und einfach auch an Intelligenz und körperlicher Gesundheit nachlassen.

Deswegen ist es auch so, dass gerade Mischlinge besonders gesund, quicklebendig, lebensfroh, freundlich und langlebig sind, weil sie eben absolut nicht überzüchtet sind, weil sich die unterschiedlichen Rassen ja bisher noch nicht begegnet sind.

Direkt an einem Schäferhund überzüchtet ist jetzt eigentlich nur die Rasse selbst. Die Hüft- und Rückenprobleme, wie sie von meinen Vorrednern genannt wurden, liegen einfach nur in der Eigenheit der Schäferhunde. Genauso wie der Mops zum Beispiel die ungute Eigenheit entwickelt, dass die Augen nach außen schielen, dabei ist der Mops gar nicht einmal so überzüchtet.

Überzüchtet bedeutet, dass der Hund durch das strenge Einhalten von Zuchtregeln sich mit zu verwandten Hunden paart

Nicht direkt...Überzüchtung beschreibt einfach nur eine durch Zucht verursachte negative Veränderung im Erscheinungsbild. Gerade wegen dieser schlacksigen bzw. nicht vorhandenen Definition wird der Begriff in der Wissenschaft nicht verwendet.

Zudem hält sich die Überzüchtung beim DSH geringer, als vielfach erzählt wird. Der Körperbau ist schwerer geworden, die leicht (!) abfallende Kruppe steht ebenfalls zu Recht in der Kritik - nichtsdestotrotz werden DSHs nur mit Arbeitsprüfung und HD-A zur Zucht zugelassen. Hunde, die in der Zucht bleiben sollen, müssen nach zwei Jahren erneut angekört werden. Und über Inzuchtproblematik dürfte sich gerade die Schäferhundpopulation am allerwenigsten beschweren.

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@Maro95

Also, wenn ich so in den Nachrichten schaue: Ich habe soweit ich weiß noch nie von einem Mischling gehört, der ein Kind gebissen oder einen anderen Menschen totgebissen hat, das sind in der Regel reinrassige Hunde und auch Schäferhunde teilweise. Das sind für mich überzüchtete Hunde, wenn die Hunde schon geistig sich so ins Negative bewegen, dass sie ihrer ehemaligen Intelligenz gerecht werden und damit ihrem Ruf nicht.

Es gibt sicher tausende Schäferhund, die die tollsten Familientiere sind, aber es gibt eben auch die nicht so geeignet. Dagegen Mischlinge, die wirklich ganz frische Gene haben, sind auch meist sehr intelligent und weiterentwickelt als reinrassige Hunde.

Überzüchtung hat meiner Meinung nach auch etwas mit dem Geist und dem Charakter zu tun, allein aus Erfahrung, aber wenn es wissenschaftlich betrachtet nur körperliche Merkmale meint, dann kann ich das auch akzeptieren.

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@bianchaneunzehn

Ich habe soweit ich weiß noch nie von einem Mischling gehört, der ein Kind gebissen oder einen anderen Menschen totgebissen hat, das sind in der Regel reinrassige Hunde und auch Schäferhunde teilweise.

Dann bist du schlicht schlecht informiert - denn die "Beißstatistik" wird in der Regel von Mischlingen angeführt. Natürlich ist diese Statistik Humbug, denn die Mehrzahl der Hunde hat keine Papiere und ist nicht reinrassig, somit ist auch die Zuordnung unklar, es ergibt sich aber doch recht eindeutig, dass die Hunde, die am häufigsten vertreten sind - Mischlinge und Schäferhunde (wobei alle anderen Schäferhundrassen meist großzügig mit zu den DSH gezählt werden) - auch am häufigsten beißen. Ergo lässt sich kein Zusammenhang zwischen Rasse und Aggressivität herstellen und höchstwahrscheinlich existiert auch keiner.

Beißunfälle sind auf fehlerhaften Umgang und schlechte Sozialisation zurückzuführen, nicht auf die Rasse. Mir ist jedenfalls noch kein psychisch kranker Rassehund begegnet...

Dagegen Mischlinge, die wirklich ganz frische Gene haben, sind auch meist sehr intelligent und weiterentwickelt als reinrassige Hunde.

Autsch. Es mit einer anderen Rasse zu treiben macht die Gene eines Hundes nicht "frischer". Was ein Hund an Genen hat, vererbt er auch, egal wer sein Partner ist. Die unlogische These mit der angeblich besserer Gesundheit von Mischlingen ist längst widerlegt, die Intelligenz kaum messbar. Und gerade viele reinrassige Schäferhunde werden im Hundesport geführt, da passt das Märchen schon mal gar nicht.

Wissenschaftlich betrachtet gibt es diesen Begriff wie gesagt nicht. Und eine charakterliche Negativveränderung ist bei Rassehunden bisher anscheinend nur dir aufgefallen.

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@Maro95

Also, von einer Beißstatistik habe ich noch nie gehört, was aber auch richtig ist, wenn man bedenkt - wie du schon gesagt hast - dass diese Statistik einfach nicht richtig sein kann. "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!" Ich habe diese Statistik bisher weder zu Gesicht bekommen, noch gelesen.

Aber wenn ich mich daran erinnere, was die letzten wirklich schlimmen Unfälle mit Hunde waren: 3 Rottweiler (Deutschland) töten Besitzerin, 3 andere Kampfhunde (England) töten Freundin der Hundebesitzerin, die gerade erst einmal 14 oder so war, 1 Schäferhund (Deutschland), der eine Babywiege umgeschmissen hat. Ich würde dir gern die Artikel suchen, aber das würde zum Einen meine Zeit wahnsinnig beanspruchen, weil es wirklich viele Meldungen aus der ganzen Welt gibt, außerdem werden bei mehr als zwei Links pro Kommentar diese als Spam identifiziert und nicht veröffentlich, also spar ich mir das. All diese Hunde waren aber reinrassig und ich habe wirklich noch nie von einem Mischlingsangriff gehört.

Da ich ja auch täglich mit dem Hund rausgehe, kann ich sogar noch aus eigener Erfahrung berichten: 1 Labrador "Lucky" ist mittlerweile durch falsche Erziehung wirklich zu einem Monster geworden, kann in keine Nähe eines anderen Hundes, hat schon einmal ein Kind in die Nase gebissen auf dem Kindergeburtstag. 1 Golden Retriever (unser Nachbarshund) hat unseren Hund bisher zweimal trotz Leine angegriffen und gebissen, zum Glück ist nichts passiert außer ein Schmerzensschrei und Schock meinerseits und der Besitzerin des "Goldies" 1 Schäferhund (im Urlaub getroffen, wohnte neben uns im Wohnwagen) beobachtet unseren Hund den ganzen Tag ganz steif. Der Besitzer hat uns erklärt, dass er Polizeihund ist/war und mit anderen Hunden nicht klarkommt und schonmal fast 2 Hunde totgebissen hat.

Alles reinrassige Hunde und trotzdem kenne ich mehr Mischlinge als reinrassige Hunde. Zufall? Kann ich irgendwie nicht glauben.

So und jetzt zu den frischeren Genen: Reinrassige Tiere, gerade in den Züchtungen, werden aussortiert und nur die "Besten" dürfen zur Zucht zugelassen werden, das führt dazu, dass die Gene sehr ähnlich werden und verschiedene Eigenheiten einfach immer mehr verstärkt werden. Auch wenn jetzt dann eigentlich nicht zugelassene Hunde es miteinander tun, können sich die Gene nicht wirklich verbessern.

Messbare Gesundheit: Okay, dazu kann ich nichts sagen, hab keine Statistik und kenne jetzt nicht so viele kranke Hunde. Der einzige wirklich kranke Hund, den ich kenne und betreue, ist ein gelähmter Dackel - reinrassig. Daraus lässt sich nichts lesen, aber wir haben einen Mischlingdackel (es ist Dackel und dt. Jagdterrier drinnen), die beiden Dackel sind genaugleich alt, aber der Reinrassige kann seine Hinterbeine nicht mehr benutzen und muss über den Boden schleifen. Nur so...

Im Übrigen habe ich nichts gegen reinrassige Hunde, ich finde Dackel bezaubernd und mag eigentlich sowohl die ganzen Mischlinge und reinrassigen Nachbarschaftshunde (bis auf die oben genannten Ausnahmen). Allerdings aus meiner persönlichen Erfahrung, die sich aus Bekanntschaft mit sehr vielen Hunden aus der Umgebung und aus dem Urlaub und dem allgemeinen Verfolgen der Nachrichten zusammensetzt, ergibt sich für mich eben dieses Bild, dass es bei reinrassigen Tieren häufiger zu negativen Erscheinungen kommt als bei Mischlingen.

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@bianchaneunzehn

Die Statistik ist ein guter Versuch, aber dilettantisch umgesetzt. Ein Labrador aus einer seriösen Zucht hat eine andere Aufzucht bekommen, als einer aus dem Kofferraum. Es wäre also enorm wichtig, die Herkunft des Hundes und nicht nur die augenscheinliche Rasse zu registrieren.

Du musst mir die Artikel nicht raussuchen. Die wenigsten Journalisten kennen sich mit Hunden aus, die Rasseangabe ist daher hinfällig. Denn reinrassig bedeutet Hund aus Zuchtverein mit Ahnentafel. Hunde, die nach einer bestimmten Rasse aussehen, aber keine Papiere haben, sind nicht reinrassig und das wird nie beachtet. Wenn es dann heißt "Schäferhund beißt Kind tot" - dann habe ich als Leser keine Ahnung ob das ein schlecht sozialisierter Hinterhof-Schäferhund oder ein reinrassiger mit Ahnentafel ist. Dieser Unterschied, der so gut wie nie beachtet wird, infiltriert alle Beobachtungen zu dem Thema.

So und nun überlege bitte, wie viele von den "Rassehunden" aus deinem Umfeld (und aus den Medien) tatsächlich über Ahnentafeln verfügen - alle die keine haben, unterlagen auch keinerlei Zuchtkontrollen und sind unter den gleichen Bedingungen entstanden wie Mischlinge. Sowohl was Genvielfalt angeht als auch die Aufzucht.

Zur Gesundheit: Es gab eine Langzeitstudie von 1994 bis 2004, von einer hannoveraner Universität wenn mich nicht alles täuscht, die verschiedene Krankheiten, darunter auch HD, in Zusammenhang mit Rassehund oder Mischling untersucht hat und zu dem Ergebnis kam, dass es hier keinen Unterschied gibt.

Und da frage ich mich auch wieder, was mit vermeintlichen Rassehunden ohne Ahnentafel ist - denn wenn diese häufig krank sind und mit zu den reinrassigen gezählt werden, verfälschen sie wieder mal das Ergebnis zu Ungunsten der wirklich reinrassigen Hunde.

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@Maro95

Gut, ich muss zugeben, dass ich jetzt noch keinen Hundebesitzer eines aus meiner Sicht reinrassigen Hundes nach der Ahnentafel gefragt habe.

Zum Golden Retriever kann ich sagen: Sie hat den Hund für ziemlich viel Geld besorgt und trifft sich häufig mit anderen Golden Retriever Haltern, also nehme ich einfach an, dass er reinrassig ist.

Der Schäferhund aus dem Urlaub hatte sogar tatsächlich eine Ahnentafel, weil der Besitzer ganz stolz davon berichtet hat.

Aber bei anderen Hunden kann ich es natürlich nicht wissen, da hast du recht. Inwiefern die falschen reinrassigen Hunde die Statistik verfälschen, kann ich nicht sagen. Allerdings muss ich dazu sagen, wenn es reinrassige Hunde ohne Ahnentafel sind, ändert sich für mich nicht großartig viel. Immerhin könnten sie sowohl gegen die Statistik arbeiten (indem sie als nicht zuchttauglich gelten und somit wahrscheinlich gewisse Fehler haben, die sich dann noch verstärken, sodass sie die Statistik negativer behaften), andererseits könnten sie auch für die Statistik arbeiten (indem es eher Zufallspaarungen sind, die die Gene doch ein wenig rumwirbeln, weil sie eben nicht geplant wurden, und somit vielleicht ganz frische Welpen hervorbringen, die trotz fehlender Ahnentafel Prachtexemplare sind). Die Frage ist nur, inwiefern sie sich aufheben und wie viele von ihnen in die Statistik miteingehen. Aber das können weder du noch ich beantworten, wir können nur Vermutungen aufstellen.

Zur Gesundheit: Was bedeutet HD? Ist mir gerade in dem Zusammenhang nicht klar... Weißt du, ob hier Ahnentafeln beachtet wurden oder ob sich falsche Adlige gewissermaßen eingeschlichen haben könnten und wieder ein wenig alles verfälscht haben?

Und ich muss ganz klar zugeben: Die Erziehung eines Hundes beeinflusst den Charakter erheblich und jede gestörte Erziehung und Beziehung kann sowohl Mischling als auch Rassehund zerstören. Mir geht es bei meinen Argumenten aber mehr darum, dass die Voraussetzungen für einen intelligenten, gesunden Hund eben sich durch Überzüchtung durchaus verschlechtern können.

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@bianchaneunzehn

Du sagtest, der reinrassige Schäferhund habe eine Polizeihundeausbildung durchlaufen, wenn ich mich recht entsinne...da sollte man mit der Einschätzung sehr vorsichtig sein.

Das ist eben das Problem, das selten unterschieden wird zwischen Rassehund mit und "Rassehund" ohne Ahnentafel. Dabei ist der Unterschied rigoros; erstere unterliegen den Zuchtordnungen, letztere nicht, damit ist bei diesen keine aktive Überzüchtung, aber auch keine Kontrolle und Planung möglich.

HD bedeutet Hüftgelenksdysplasie, eine Fehlentwicklung der Hüfte, die sowohl vererbt als auch erworben werden kann. Ob in der Studie zwischen Rassehund und Pseudorassehund unterschieden wurde, weiß ich wie gesagt nicht genau. Da es hier aber um den Vergleich Rassehund - Mischling ging, gehe ich davon aus, dass Rassehunde und Pseudorassehunde hier nicht unterschieden wurden, was schade wäre.

Mir geht es bei meinen Argumenten aber mehr darum, dass die Voraussetzungen für einen intelligenten, gesunden Hund eben sich durch Überzüchtung durchaus verschlechtern können.

Wenn du mit Überzüchtung meinst, dass auf schwachsinnige Merkmale wie abfallende Kruppe oder Glubschaugen gezüchtet wird, dann hast du Recht, da geht die Gesundheit bei flöten.

Ich habe aber so meine Zweifel daran, dass allein der Mangel an Genvielfalt zur Verschlechterung von Intelligenz und Allgemeinbefinden führt. Andere Rassen mit weitaus geringeren Populationen als der DSH haben nämlich keine so erheblichen Probleme und selbst in freier Wildbahn gibt es sehr kleine Populationen, die trotzdem Überleben.

Übrigens mal ein Zwinkern in deine Richtung, hatte schon lange keinen Diskussionspartner zu dem Thema mehr, der so gelassen und vernünftig geblieben ist...

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@Maro95

Erst einmal danke für dein Kompliment, aber normalerweise bleibe ich gerne auf einem sachlichen Niveau und bin auch bereit meine Meinung zu ändern, wenn sie mir falsch erscheint. Das tut sie in diesem Fall nicht, aber deine Argumente sind nicht falsch, wir spekulieren allerdings auch nur mehr oder weniger. Zumindest auf meiner Seite habe ich keine Verhaltensstudie gemacht oder Ähnliches studiert, es ist nur das, was ich aus meiner Erfahrung und meinem Allgemeinwissen erschließe.

"Zweifel daran, dass allein der Mangel an Genvielfalt zur Verschlechterung von Intelligenz und Allgemeinbefinden führt" - nur ein Beispiel: Down Syndrom, Inzuchtkinder, etc.

Mangel an Genvielfalt führt erwiesenermaßen zur Rückentwicklung. Derzeit wird ja auch aus der Sicht der Wissenschaft vermutet, dass die Menschheit sich nicht mehr weiterentwickelt, weil einfach aussortiert wird. Kranke Menschen (also weniger intelligente Menschen) sind womöglich ein Teil unserer Evolution, aber wir grenzen sie aus der Gesellschaft aus und bleiben damit in der Entwicklung stecken.

Allerdings ist das jetzt eigentlich auch ein wenig zu hoch für die Beantwortung dieser Frage, ich will dir damit nur zeigen, dass Genvielfalt wichtig zur Weiterentwicklung ist und die Menschen da ein gutes Beispiel sind. Warum kleine Populationen dann trotzdem keine Probleme haben können, kann ich dir nicht sagen, ich vermute allerdings, dass es möglicherweise ein Schutzmechanismus der Natur bei vom Aussterben bedrohten Stämmen ist, aber das ist nun wirklich nur noch eine Vermutung.

Und ich muss nochmal sagen, dass es natürlich einen großen Unterschied macht, ob wir nun von reinrassigen Zuchthunden reden oder von pseudoreinrassigen Hunden.

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@bianchaneunzehn

Das Downsyndrom ist meines Wissens nach nicht auf Inzucht zurückzuführen sondern auf Fehler bei der Zellteilung, die entweder vererbt oder durch Gunstfaktoren (hohes Alter, radioaktive Strahlung...) ausgelöst werden...

Aber natürlich ist Inzucht als Extrembeispiel ein gutes Gegenargument. Wobei ich mir da nie logisch erschließen konnte, warum aus zwei gesunden Menschen nur aufgrund der ähnlichen (aber dennoch gesunden...?) Gene geschädigte Nachkommen entstehen.

Und ich muss nochmal sagen, dass es natürlich einen großen Unterschied macht, ob wir nun von reinrassigen Zuchthunden reden oder von pseudoreinrassigen Hunden.

Danke.

Ich hab mich jetzt bei der Tierärztlichen Hochschule Hannover mal nach besagter Langzeitstudie erkundigt, mal sehen ob die mir weiterhelfen können.

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@Maro95

Das ist toll, dass du dich da so reinhängst und nachfragst. Wirklich super von dir!

Das Downsyndrom wollte ich als Beispiel für die Auslese unter den Menschen zwei Absätze später einfügen, aber hab es mir schon einmal aufgeschrieben, damit ich es nicht vergesse. Mit Inzucht hat es gar nichts zu tun, soweit ich das sagen kann, sondern wie du sagtest durch Erbgut oder verschiedene andere Faktoren ausgelöst wird.

Wobei ich mir da nie logisch erschließen konnte, warum aus zwei gesunden Menschen nur aufgrund der ähnlichen (aber dennoch gesunden...?) Gene geschädigte Nachkommen entstehen.

Eigentlich ist es ziemlich einfach (oder zumindest aus meiner Sicht sehr logisch): Jeder Mensch hat verschiedene Erbanlagen, die teilweise natürlich gut sind, aber es sind auch bei einem gesunden Menschen immer irgendwo ganz versteckt in den Genen schlechte Eigenschaften enthalten. Nehmen wir an, zwei Menschen von zwei unterschiedlichen Ecken der Erde hätten Nachkommen, diese hätten wohl eine ziemlich einmalige und frische Genvielfalt in sich stecken, würden diese sich mit Inzucht fortpflanzen, wird es wohl erst einmal nicht so schnell zu negativen Ergebnissen kommen, weil gerade bei sehr unterschiedlichen "Rassen" die besten Gene sich zum Besten entwickeln.

Würden dagegen zwei Menschen aus einem Dorf Nachkommen bekommen, die wiederum sich durch Inzucht weiter fortpflanzen, sind die Gene schon bei den Menschen aus einem Dorf wohl sehr ähnlich (gleiches Klima, gleiches Leben), deren Nachkommen sind natürlich wohl noch gesund, haben aber von beiden Seiten die negativen Gene der Eltern erhalten. Wenn diese sich nun fortpflanzen, vervierfachen sich praktisch die Möglichkeiten, dass schlechte Eigenschaften dominant hervortreten.

Nochmal ganz einfach:

  • A = 1. Generation B = 2. Generation usw

  • N1 = negatives Gen Nummer 1, N2 = negatives Gen Nummer 2

  • Es gibt praktisch unendlich viele negative Genvariationen

In Szenario 1 haben wir zwei Personen aus unterschiedlichen Ländern, die höchstwahrscheinlich völlig unterschiedliche Gene, also auch völlig unterschiedliche negative Gene haben. A (N1) und A (N2) bekommen die Nachkommen B (N1) und B (N2). Wenn B und B jetzt Nachkommen erzeugen, ist es schon wahrscheinlicher, dass C und C die gleiche negativen Gene haben (beide N1). Wenn man das also lange genug macht, wird es auch irgendwann negative Folgen haben.

In Szenario 2 haben wir zwei Personen, die im Grunde derselben "Rasse" entsprechen und im gleichen Klima unter den gleichen Bedingungen aufwachsen. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die erste Generation ähnliche negative Gene hat: A (N1) und A (N1). Damit hat die nächste Generation schon fast keine Chance mehr: B (N1) und B (N1). Daraus wiederum folgen dann schon die ersten negativen Erscheinungen, weil N1 mittlerweile ziemlich fest verankert ist und durch den Inzest zur Verstärkung von N1 führt.

Ich werde dir das hier auch per Nachricht senden, dann können wir uns privat weiter unterhalten ;-)

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