Deutscher Mauerfall, Fluch oder Segen?

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Warum wird man oft das Gefühl nicht los das vor dem Mauerfall vieles besser war?

Seit zweieinhalb Jahren wohne ich in einem der neuen Bundesländer. Nach 48 Jahre im Westen.

Zu DDR Zeiten haben wir manche Besuche in Ost-Berlin gemacht. Die Grenzübertritte haben die Perversion dieser deutschen Teilung jedes Mal direkt spürbar gemacht.

Die DDR ist zu Recht in den Orkus der Geschichte gewandert. Leider ist die Wiedervereinigung von Birne, dem damaligen Kanzler, gründlich vergeigt worden. An der handwerklich stümperhaften Durchführung dieses historischen Vorgangs krankt die Wahrnehmung dieses wiedervereinten Landes heute immer noch.

Die Arroganz, mit der der Westen den Osten okkupiert statt vereinigt hat, hat zu Verbitterung und dem Gefühl der Hilflosigkeit geführt. "Jetzt wächst  zusammen, was zusammen gehört." hat Willy Brandt skandiert. Aber es ist nicht gewachsen, sondern gekleistert worden.

Die blühenden Landschaften waren der Köder für die totale Vereinnahmung der Ostbürger. Statt die historische Chance zu Nutzen und gemeinsam etwas Besseres aus beiden Teilen Deutschlands zu machen, hat eine verfehlte Politik Millionen von Menschen ihrer Identität beraubt, ohne etwas adäquates dafür anzubieten.

Was nutzt Reisefreiheit, wenn durch den Wegbruch der gewerblichen Infrastruktur kaum einer das Geld hat, diese praktisch auszuleben?

Es gab Dinge in der DDR, die es Wert gewesen wären, erhalten zu bleiben. Und da war mehr, als das Ampelmännchen und der grüne Pfeil.

Wäre nun aber die Nichtvornahme der Maueröffnung eine Alternative gewesen?

Auf keinen Fall. 

Es ist die Korrektur eines historischen Fehlers epochalen Ausmasses gewesen. Leider eben unter falschen Prämissen. Es ist die Entferung eines Stachels aus dem Fleisch des deutschen Volkes gewesen. Leider handwerklich so ungeschickt, dass nach heftiger Entzündung nun schmerzhafte Narben die Freiheit, die gewonnen wurde, wieder einschränken.

Der Westen ist uneingeschränkter Nutznießer dieser unlöblichen Geschichte. Zumindest die, die schamlos genug waren, sich am Osten zu bereichern.

25 Jahre nach dem Mauerfall denken wir immer noch in Osten und Westen. Diese Hypothek wird die Ge(s)chichte dem Dicken aus Oggersheim irgendwann gebührend zurechnen.

Guter Beitrag. Man hat gute Industriezweige der DDR zu schnell zerlegt und kaputt gemacht. Wenn ich z.B. an Simson denke, dem Hersteller der DDR-Roller. Gute Roller und simple Technik. Dazu durften diese 60 km/h fahren und konnten vernünftig im Stadtverkehr mitschwimmen. Heute ist bei 45 km/h Schluss. Ein Humbug in Sachen Verkehrssicherheit.

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@Hierse

Als jemand, der niemals ein motorisiertes Zweirad benutzt hat, ist mir das Beispiel weniger nah als z.B. die Stellung der Frau, die Kinderkrippen, die soziale Absicherung, die auch aus der Not geborene Solidarität der Nachbarschaften.

Die DDR der Menschen ist ein Verlust, der DDR der Politik weine ich keine Träne nach.

Vielen Dank für den Stern. Du hast es geschafft, mich zu überraschen.

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dem Dicken aus Oggersheim, wohl wahr!

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Jeder "Fall von Grenzen" ist etwas Gutes. Es braucht dann immer längere Zeit, bis sich die Verhältnisse angleichen und normalisieren. Diese Probleme werden noch schlimmer, wenn die Beseitigung von Grenzen, mit blödem Geschwätz motiviert wird. 
Die BRD war/ist ein Zusammenschluss von "Ländern" ... da war eine "Wiedervereinigung" von Anfang an ein Unfug. Die "Länder" der DDR haben sich der Republik ANGESCHLOSSEN  und man hätte das so gestalten müssen, dass sich diese "Länder", langsam in den Bundesstaat integrieren und dies, ohne den Rest der Republik zu schwächen.   

Warum dann Russland nicht in die EU aufnehmen? China gleich mit ;-)

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@eka45

Wenn die die Bedingungen erfüllen und sich der EU anschliessen wollen ... warum auch nicht?

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@eka45

Weil die EU auch ein geographischer Zusammenschluss ist. Russland ginge ja noch, China nicht.

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@eka45

Warum dann Russland nicht in die EU aufnehmen? 

Versucht das Putin nicht gerade, also erst mal über die Krim, dann Donbass? Mal sehen, wann Moldawien an der Reihe ist. Irgendwann wird der Russe dann am Rein stehen. 

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@Abahatchi

besser wäre doch wenn er über Sibirien nach Alaska Richtung Kanada vorstossen würde und Amerika kassieren würde, Alaska hatte den Russen ohnehin schon gehört!

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Vieles wurde hier schon vermerkt, fehlt nur noch als Nachteil, der nun wegfallende Systemwettbewerb. Bei jeder Tarifverhandlung saß die DDR unsichtbar mit am Tisch der Verhandlungspartner und auch mußte der BRD-Staat sich Mühe geben, in Sachen Sozialpolitik, um nicht unattraktiv dazustehen.

Mit dem Wegfall der Mauer ergab sich für das Kapital der Vorteil des uneingeschränkten Schaltens und Waltens, also neue Marktchancen, sprich Umsatzerweiterung.

Durch die Deindustrialisierung bzw. "Ost-Konkurrenz kaputtmachen-Strategie" der Westkapitalisten wurde eine viel höhere DDR-Flucht aus der ehem. DDR bewirkt als jemals zuvor.

Die ehem. DDR zerfällt und wird teils absichtlich niedergerissen um z.B. Mietpreiszerfall entgegen zu wirken.

Die DDR-Bürger waren Eigentümer von allem was es dort gab - sie haben alles abgenommen bekommen!

Und viele sind so blöd, dass sie das nicht mal merken, weil das natürlich nie in den Medien gesagt wird.

Erinnert Ihr Euch an Adolfs Sprüche vom Lebensraum im Osten?  Heute will keiner das ehem. DDR-Gebiet!

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Durch die Deindustrialisierung bzw. "Ost-Konkurrenz kaputtmachen-Strategie" der Westkapitalisten wurde eine viel höhere DDR-Flucht aus der ehem. DDR bewirkt als jemals zuvor.

Griechenland hätte eigentlich nie den Euro nach den vereinbarten Kriterien bekommen dürfen. Sie haben trotzdem den Euro und wo das hinführt sehen wir, wie wir es mit der Industrie der DDR gesehen haben. Jeder der in der DDR verfrüht nach der D Mark geschrien hatte, trägt Schuld an dem Untergang vom Rest der Wirtschaft in der DDR. 

Nicht vergessen, die Leute in der DDR haben ihre eigene, erste demokratisch gewählte Regierung 1990 selbst gewählt. Wer wählt was gewählt wurde, musz sich nicht wundern, wenn er von Leuten regiert wird, die er gewählt hat. Den Einigungsvertrag hat ja nicht die BRD alleine bestimmt. Wenn die Leute in der DDR eben eine Regierung wählten, die zu blöd ist, die Interessen der Leute in der DDR gegenüber der BRD durch zu setzen, dann sind sie halt selber schuld. Die DDR hätte ja bestimmen können, dasz das gesamte DDR "Vermögen" an Betrieben und Immobilien usw. in eine VolksAG übergeht und alle Bürger der DDR gleicher Maszen ihren Teil vom "Volkseigentum" in Form von Aktien ausgezahlt bekommt. Dasz die Leute aus der DDR nun von diesen unfähigen Bürokraten der Treuhand noch über den Tisch gezogen wurden... was haben denn sich die Leute in der DDR gedacht? Haben die wirklich geglaubt, dasz Beamte aus der BRD besser sind und mehr wirtschaftliches Verständnis haben als Honecker und Co?

Wenn sich Leute wie die aus der DDR halt 40 Jahre von Ulbricht und Honecker über den Tisch ziehen lassen und gleich im Anschlusz sich noch mal von Beamten über den Tisch ziehen lassen, dann kann ich nur sagen: selber schuld. Wie kann man blosz so blöd sein und glauben, dasz es wahr sein könnte, wenn sich jemand hin stellt und behauptet, in fünf Jahren gäbe es überall blühende Industrie-Landschaften und keinem würde es schlechter gehen als zuvor. Wie naiv musz man eigentlich gestrickt sein, um so eine offensichtliche Lüge nicht zu entlarven. 

Als ich den Spruch von der "beleibten" Birne gehört hatte, was habe ich mich krumm gelacht. Noch überraschter war ich aber, dasz es allen Ernstes Leute in der DDR gab, die diesen Blödsinn für bare Münze nahmen. Da hatte ich mir allerdings an den Kopf gefaszt.

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@Abahatchi

Wie naiv musz man eigentlich gestrickt sein, um so eine offensichtliche Lüge nicht zu entlarven.

Du solltest da nicht so streng sein mit unseren Brüdern und Schwestern aus dem Osten.

Viel weniger haben die eine Kultur des kritischen Denkens lernen können als wir im Westen. Ich habe, da ja jetzt zugezogener Ossi, Geschichten gehört, wie man erst mal begreifen musste, wie verlogen und menschenverachtend gierig der Westen ist. Schließlich gab es ja Jahrzehnte lang eine Glorifizierung des Westens als Schlaraffenland für alle.

Als dann klar wurde, das Gier vom Westen nicht weniger schmerzt als Gier vom Politbüro, sind viele aufgewacht und sind für ihre Interessen eingetreten.

Ich finde, bei aller daraus entstandenen Missgunst, die "Naivität" der DDR-Bürger eigentlich sympathisch. Es wäre mir lieber gewesen, wir hätten hier von ihnen gelernt als anders herum.

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bin da gespalten.. Fakt ist die Verelendung in Osteuropa hat seit dem Mauerfall, der Auflösung der Sowjetunion zugenommen..besonders krass in Ex-Jugoslawien was ja auch eine Folge der Wiedervereinigung ist.der Balkan , die vielen Autokraten  Kleinstaaten in der ehemaligen SU.. .oder auch aktuell der Russland-Ukraine Streit ..auch im Verhältnis zur  EU ( auch umgekehrt) und sich anbahnende Nato - Konflikt, wegen der Beitrittskandidaten.. 

 positiv wäre es , wenn man es unter dem kommunistischen Aspekt ..

 2 Schritte vorwärts einen zurück betrachtet.

.dem Kapitalismus wurde die sozialistische Bevölkerung vor die Füße geschmissen .. mit der der kapitalistische "Westen" überfordert ist( zusätzlich noch die Probleme der arabischen Liga am Hacken hat, die ja teilweise pro sowjetisch waren ) und  somit es nach einigen Jahren (Jahrzehnten) zu einer sozialistischen Weltrevolution kommen könnte auch mit einigen starken Staaten der arabischen Liga..die Verelendung , der unteren Klassen in  kapitalistischen Gesellschaften schreitet ja in Riesenschritten voran..

Deine Aussage das mit den 2 Systemen vieles einfacher war , sehe ich so, die Fronten waren klarer , die Ziele offensichtlicher .. das Freund -Feind Bild leichter erkennbar ..zudem lief der Waffenstillstand des 2. Weltkrieges  irgendwann zur/kurz nach der Zeit der "Wiedervereinigung " aus.. 

 

bin da gespalten

Fieses Wortspiel in diesem Zusammenhang ;))

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