Deutsche Reichsgründung - Warum von oben?

4 Antworten

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Dei Gründung des Zweiten Deutschen Kaiserreichs am 18. Januar 1871 war eine "Reichsgründung von oben", weil:

  • Die Soldaten aus den Einigungskriegen

  • Die Vertreter des einfachen Volkes

  • Die Frauen

Nicht beteiligt waren!


An der Reichsgründung waren nur die Regierenden Könige, Fürsten, Herzöge etc., die Obrigkeit beteiligt. Bei Revolutionen oder Gründungen von oben ist immer die Obrigkeit beteiligt und bei einer Gründung oder Revolution von unten hat das einfache Volk also in einer Revolution gesiegt und gründet einen neuen Staat nach den eigenen Vorstellungen.

Und der Grund für die Gründung, den hast du eigentlich richtig erkannt, denke ich mal. Wichtig war für Otto von Bismarck, dass das Reich auf einem Ausschluss Österreich-Ungarns basiert und dass die süddeutschen Staaten, die vor dem deutsch-französischen Krieg 1870/1 noch auf der Seite Österreichs standen, mit in das Reich eintreten. Er wollte, dass Preußen im Kaiserreich der führende Bundesstaat wird und weiterhin eine führende Rolle hat.. Bismarck wollte ein starkes preußisches Königreich innerhalb des Kaiserreichs schaffen.

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@NickyParis

Danke Dir/Ihnen schon Mal !!!

Ich nehme an weil Bismarck die Vorherrschaft Preußens in Deutschland sichern wollte, sollte Österreich ausgeschlossen werden, da es in Konkurrenz mit Preußen stand, oder ?

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@EpicLala

Gerne!

Ja, genau Konflikte zwischen dem zur Großmacht aufsteigenden Preußen und Österreich gab es schon länger. Stichwort Deutscher Dualismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Dualismus)! Zum Beispiel im Siebenjährigen Krieg oder in den anderen Schlesischen Kriegen gab es Auseinandersetzungen zwischen Preußens König Friedrich II. (der Große) und Kaiserin Maria Theresia von Österreich.

Im 1815 gegründeten Deutschen Bund kämpften die beiden Staaten, wie auch schon im Heiligen Römischen Reich (bis 1806, dazwischen Napoleonische Kriege und französische Besatzung) um die Vorherrschaft im Bund, dieser Konflikt gipfelte im Preußisch-Österreichischen Krieg 1866, den die preußische Armee gewann!

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Um das zu verstehen, darf man nicht die Situation um 1870/71 solitär und isoliert betrachten. Dazu muss man die geschichtliche Entwicklung von dem Konfikt zwischen Friedrich II. von Hohenstaufen und seinem Sohn, dem Armen Heinrich (VII.) betrachten, die zu jener Herausbildung einer handlungsunfähigen Partikulargewalt im Norden des Heiligen Römischen Reiches (deutscher Nation) führte, welche später begünstigte, dass sich alle Völker Europas im 17. Jahrhundert auf dem Gebiet des deutschen Reiches austobten, ohne dass ihm dieses das Geringste hätte entgegensetzen können.

Das Jahrtausendtrauma des Dreißigjährigen Krieges saß den Deutschen tief in den Knochen. Nachgelegt hatte dann Napoleon, der dieses Kasperletheater von einem Reich mit seiner starken und konzentrierten französischen Zentralgewalt zertrümmerte und die Deutschen sogar noch zwang, mit ihm gen Moskau ins Verderben vorzurücken.

Das Volk fühlte und Bismarck hatte begriffen, dass Deutschland als europäische Mittelmacht von dominanter Größe nicht länger auf Grund seiner Uneinheitlichkeit Spielball aller anderen Mächte sein dürfe.

Außerdem war klar, dass die innovativste Industrie keinen Fuß in die Tür der internationalen Märkte bekäme, wenn nicht eine starke, einheitliche Macht dahinter stünde. Also nutzte er seine persönliche Position, um die Reichseinigung voranzutreiben. Das wäre Lieseken Müller und ihrem Verlobten, dem Schreinergesellen, kaum gelungen .

Es galt nämlich, den kleinen Duodez-Potentaten die Macht zu beschneiden und diese beschnittene Macht nach Berlin zu transferieren. Das konnte der einfache Bürger auf der Straße einfach nicht leisten.

So sehe ich das zumindest. Ob ich damit alles richtig eingeschätzt habe, stelle ich hiermit zur Debatte. Anspruch auf Vollständigkeit kann an dieser Stelle natürlich nicht erhoben werden.

Du hast offensichtlich ein umfangreiches geschichtliches Wissen ;) Danke dir/Ihnen für diese Antwort.

Eine Frage habe ich, allerdings noch: Hat Napoleon das deutsche Volk während er es besetzt hielt ausgebeutet, sodass der Franzosen-Hass entstand ?

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@EpicLala

Ach und - Kaiser Wilhelm I wurde 1972 gekrönt. Wann kam Kaiser Wilhelm II ins Spiel ?

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@EpicLala

Kaiser Wilhelm I. wurde 1871 bei der Gründung des Kaiserreichs der deutsche Kaiser, Wilhelm II. folgte 1888! Zuvor aber noch Friedrich III., der aber nur wenige Tage auf dem Thron war!

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@EpicLala

Das deutsche Volk musste schon die Besatzerarmee ernähren und Kontributionen leisten. Das Franzsosenregiment war in weiten Landstrichen jedoch nicht übermäßig hart aber deutlich spürbar.

Es war ja auch nicht so, dass man sie nur abgelehnt hätte. Mit den franzöischen Reformen und dem Codex Napoleon kam viel frischer Wind ins Reich, der vor allem von der Jugend begrüßt wurde. Die hatte nämlich von der Kleinstaaterei und deren restriktiven Mief die Schnauze gestrichen voll!

Man hasst aber im Allgemeinen jeden, der einem den Stiefel ins Genick drückt und das noch dazu in der eigenen Stube. ;-)

Und - gerne doch!

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