Deutsch und germanische Sprache?

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3 Antworten

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Die wichtigsten zuerst:

Quellenlage

Was wir über "germanische" Mythologie wissen, ist fast ausschließlich in nordischen, nämlich altisländischen Quellen überliefert. Diese Quellen sind zudem meist erst im Mittelalter überliefert, auch wenn sie auf die Wikingerzeit zurückgehen und Wurzeln in altgermanischen Religionsvorstellungen haben. Während die Schweden, Norweger und Dänen sich mit einigem Recht als die Nachfahren der Wikinger fühlen und daher diese ollen Kamellen gern wiederbeleben, gilt das für die Deutschen nur sehr eingeschränkt. Die Deutschen sind damals von den Wikingern überfallen und ausgeplündert worden. Von daher eher erstaunlich, wie viele Deutsche Wikingerfans sind. ;-) Auf althochdeutsch gibt es nur ganz vereinzelt Erwähnungen vorchristlicher germanischer Mythologie. Da ist die Auswahl an Liedern schon sehr eingeschränkt. Und alt- oder mittelhochdeutsche Literatur aus christlicher Zeit ist im Moment nicht so in Mode.

Sprache

Die nordische Überlieferung der germanischen Mythologie ist auf Altnordisch geschrieben. Isländisch ist dem noch sehr ähnlich und die anderen skandinavischen Sprachen stammen davon ab. Die Deutschen haben zur Wikingerzeit noch althochdeutsch gesprochen, eine westgermanische Sprache, die vom Altnordischen schon sehr verschieden war, auch wenn beide Sprachen vom Urgermanischen abgeleitet sind. Für Deutsche ist es schon schwer, Althochdeutsch zu verstehen. Umso schwerer sind nordische Sprachen, zumal die auch keinen direkten kulturellen Zusammenhang mit den Deutschen haben. 

Heutige "nordische" Bands singen meistens wahrscheinlich auch nicht auf altnordisch, sondern eher in modernen skandinavischen Sprachen. Welche

In welcher Sprache haben die Germanen geredet?

Das kommt drauf an. In den Jahrhunderten um Christi Geburt sprachen sie urgermanisch. Diese Sprache konnte nur sprachwissenschaftlich rekonstruiert werden. Dasselbe gilt für das Westgermanische, das sich aus dem Urgermanischen abgespalten hat und Vorläufer des Althochdeutschen (ab 8. Jh. n. Chr.) wie auch des Englischen, Niederländischen, Friesischen und Jiddischen ist. Das Altnordische hat sich ab etwa 800 n.Chr. aus dem Germanischen entwickelt. Dann gab es bis in die Völkerwanderungszeit (zum Teil mindestens bis ins 9. Jh. n. Chr.) auch noch Goten, Wandalen, Burgunden usw., die ostgotisch gesprochen haben.

Kulturelle Bezugnahme

Hinzu kommt wie erwähnt, dass sich Skandinavier eher auf nordgermanische Vergangenheit beziehen können, weil es ihre eigene Vergangenheit ist. Außerdem hat man sich in Deutschland schon mal derart aggressiv auf "nordische" Kultur und Rasse berufen, dass das heute immer noch schnell einen hässlichen Beigeschmack bekommt. Das ist für Skandinavier weniger ein Problem.

Ganz so auch wieder nicht ...

So ganz stimmt dein Eindruck auch nicht, dass es das auf deutsch nicht gäbe. Es gab und gibt durchaus auch Gruppen, die altdeutsche Texte singen (früher von Ougenweide z. B.). Oder auch Germanendarstellende Gruppen, die sich mit althochdeutscher oder gar westgermanischer Sprache und Literatur beschäftigen, z. B.:

http://www.ask-alamannen.de/sagen-und-ueberlieferungen

oder hier ein (frei erfundener Bündnisritus), den der Sprecher selber übersetzt hat (ich glaube auf althochdeutsch und mit älteren westgermanischen Sprachformen versehen):

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Kommentar von DerSpirituelle
21.07.2017, 17:49

Vielen Dank erst mal das war sehr hilfreich! Ich hätte da noch paar Fragen 1. Die Band welche die Musik für Vikings machte heisst Warduna. Ich bin mir nicht sicher in welcher Sprache der Sänger singt, jedoch frag ich mich ob es eine ältere Sprache der Wikinger ist oder einfach nur deren normale Sprache bzw hab ich das Gefühl es könnten die selben Sprachen sein. Anders gefragt, in welcher Sprache haben die Wikinger gesprochen und wird die heute immer noch gesprochen? 2. Thema Runen. Haben alle alten Nordischen Völker die selben Runen benutzt und wenn Nein, welche haben die Germanen benutzt?

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Wardruna singt hauptsächlich Norwegisch, hat aber auch ein paar Texte aus der Lieder-Edda, deren Sprache altnordisch heißt, und die fast identisch ist mit dem Isländischen. Diese Sprachen sind dem Germanischen am nächsten, und die Verwandschaft kann man noch studieren bei Althochdeutschen Texten, oder der Gotischen Ulfila-Übersetzung. Das moderne Deutsch oder Englisch, das sind hybride Sprachen, ähnlich wie die griechische Dimotiki oder das indische Hindi. Es ist aber allemal fruchtbar, find ich, sich dieser alten gemeinsamen Sprachen unserer Vorfahren zu erinnern, so kriegen wir ein Gefühl für die eigene Kulturgeschichte, vor der Zeit, als man nur noch Pidgin-German sprach.

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Kommentar von DerSpirituelle
16.07.2017, 10:21

Bezogen auf das Norwegisch von Wardruna. Ich nehme an das ist das heutige Norwegisch. Ist das vergleichbar mit den alten Sprachen der Nordmänner oder ist es ebenfalls so verschieden wie die Sprachen der Germanen und der Deutschen Sprache. Denn aufgrund dieser vielen Nordfans aus Norwegen oder Schweden denk ich immer das sind die selben Sprachen die damals schon die alten Nordmänner sprachen

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Kommentar von Archaeopterix
21.07.2017, 18:04

Die Bemerkung über "hybride Sprachen" kann ich nicht ganz nachvollziehen. Jedenfalls war das Germanische nicht weniger "hybrid" als das Neuhochdeutsche. Es gibt eine große Menge von lateinischen Fremdwörtern, die schon die Germanen in ihre Sprache übernommen haben wie z. B. Fenster, Tisch, Sack, Becher u.v.m. Auch keltische Fremdwörter wie Amt oder reich und finno-ugrische Fremdwörter sind ins Germanische gekommen. Hinzu kommen ungewöhnlich viele Wörter im Urgermanischen, die sich nicht aus dem Indogermanischen herleiten lassen und daher auf eine fremde, nicht indogermanische Sprache zurückgeführt werden. Selbst das Urgermanische war also eine Art Pidgin-Germanisch.

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Tut man doch gar nicht.

Google mal nach althochdeutsch und mittelhochdeutsch!

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