Deutlich höherer Strompreis gut für Klimaschutz und Technologiefortschritt?

9 Antworten

Informieren ist Gold:

Deutschland hat den billigsten Industriestrom

Europas.

Solange andernorts der Strompreis auch hoch ist besteht also durch den aktuellen Preis keinerlei Anreiz.

Allenfalls wäre der Konkurrenzvorteil

bei sparsamer Produktion etwas größer. Aber das nur wenn sich die hierfür notwendigen Investitionen auch langfristig rechnen (nur_wenn_der_Preis_so_bleibt)was nicht der Fall ist sonst hätte man sie längst getätigt.

Wir haben auch in Privathaushalten einen sprunghaften Anstieg an Elektrogeräten. Viele davon lassen sich gar nicht mehr ausschalten.

Und wenn die Temperatur im Frühling das erste Mal über 20 Grad steigt, dann behauptet ein Teil unserer wohlstandsverwahrlosten Mitbürger, sie könnten das ohne Klimaanlage nicht mehr aushalten.

So lange wir uns so ein Verhalten leisten können, ist der Strom immer noch zu billig.

Tendenziell können Preissteigerungen zwar in gewissen Punkten Lenkungswirkung entfalten.

Ein kurzfristiger, starker Anstieg ist dabei aber nicht zielführend für anhaltende Effekte. Dafür bedient man sich eher sanfteren Änderungen über längere Zeit, so dass jene mit Gegenmaßnahmen kompensiert werden können.

Die aktuellen Veränderungen im Strompreis bewirken (bei denjenigen, die es überhaupt betrifft) aber keine Verhaltensänderungen, weil sie dafür nicht andauernd genug sind.

Was meinst du mit dem letzten Satz? Gehst du davon aus das die Preise wieder deutlich sinken werden? Ist das überhaupt realistisch wenn nächstes Jahr die letzten 3 Atomkraftwerke abgestellt werden?

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@kanonierXYZ

Die aktuellen Neukundenpreise (mitunter wird pro kWh 1€ verlangt) sind definitiv ein kurzfristiges Phänomen. Das wird sich so nicht halten.

Die AKWs hatten in Deutschland über die letzten Jahre ohnehin eine untergeordnete Rolle in der Energieversorgung. Insofern wird auch die Abschaltung der letzten drei Reaktoren keine großen Veränderungen hervorrufen.

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@EtaLeporis

Das ist schlichtweg Unsinn. Zwar erfordert der (ohnehin nötige) Netzausbau große Investitionen, es ist aber nicht so, dass erneuerbare Energieträger gegenüber den fossilen grundsätzlich teurer sind.

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@xyz911
Das ist schlichtweg Unsinn

Nein ist es nicht. Du denkst einfach nicht weit genug. Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, wird auch kein Strom erzeugt. Diese Dunkelflauten treten im Schnitt etwa einmal pro Woche deutschlandweit auf - regional noch öfter. Du musst also um Blackouts zu vermeiden für jedes Watt Wind oder Solar ein Watt Reserveleistung mit Kohle- und Gaskraftwerken bereitstellen. Das verursacht sogar deutlich höhere Kosten, als moderne Gas-und-Dampf-Kraftwerke und spart nur ca. 10% der CO2-Emissionen gegenüber GuD. Die Systemkosten steigen dabei exponentiell, je höher der Systemanteil von Wind und Solar ist. Der deutsche Strom wird in Zukunft also teurer werden, je mehr wir EE zubauen. 

Ein mindestens ebenso wichtiger Grund für die hohen Kosten ist das deutsche EEG-Umlage-System. Die EEG-Umlage steigt stetig und soll 2021 über 8 Cent erreichen. Und das passiert, obwohl kaum noch Erneuerbare zugebaut werden. Es liegt daran, dass Solar- und Windstrom nicht viel wert ist. Wind und Solar erzeugen Strom nicht bedarfsgerecht. Wenn sie Strom liefern, dann gibt es oft ein Überangebot. Das wird verschärft durch die vielen deutschen Kohlekraftwerke, die nicht im Lastfolgebetrieb fahren können. Es würde viele Stunden dauern ein Kohlekraftwerk runter und wieder hoch zu fahren. Die laufen also durch, selbst wenn der Solarstrom tagsüber ausreichen würde, weil sie Abends wieder gebraucht werden. Die Folge ist, dass Strom aus Windkraft und Solarenergie an der Strombörse für im Schnitt 3 Cent pro kWh verramscht wird. Angebot und Nachfrage! Die Zukunft dieses Stromdumpings sah man während dem Corona-Lockdown durch die fehlende Nachfrage und den damit höheren Systemanteil von Erneuerbaren. Die Erträge für Erneuerbare sanken im April 2020 auf unter 1 Cent pro kWh. 

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@EtaLeporis

Du unterschlägst an dieser Stelle die Optionen der recht flexibel einsetzbaren Wasserkraft und Biomassevergärung. Zudem ist Offshore-Windkraft deutlich beständiger als die Produktion so manchen deutschen AKWs es war.

Zudem lassen sich Differenzen zwischen Erzeugung und Verbrauch zu gewissen Graden auch im Verbundnetz ausgleichen. Elektrizität macht in Europa nicht an den Staatsgrenzen halt. Und jetzt komm mir nicht mit Frankreich und Polen, es gibt durchaus auch andere Nachbarstaaten, in denen regenerative Energien einen deutlich höheren Stellenwert haben (Skandinavien, Niederlande, Österreich und die Schweiz).

Ebenfalls zum Auffangen von Lastspitzen geeignet sind Pumpspeicherkraftwerke, die im Übrigen für den Bedarfsfall auch schwarzstartfähig sind (AKWs sind das nicht).

Die EEG-Umlage ist für das Jahr 2022 im Übrigen gesunken und soll nach aktuellen Plänen zukünftig sogar gänzlich entfallen.

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@EtaLeporis

Vielen dank für den Beitrag. Das ist sehr interessant und war mir nicht bewusst. Der Energiemarkt ist sehr komplex wie man an deiner Antwort recht schön erkennen kann.

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@xyz911

Auch dir vielen Dank für die Antwort. Das mit dem europäischen Energiemarkt ist ein wichtiger Punkt den man nicht unterschätzen sollte. Ich kann mir auch schwer vorstellen das in ganz Europa gleichzeitig Flaute ist. Aber dafür sind die von dir aufgeführte Wasserkraft und Biomasse in Kombination mit Pumpenspeicher genau der richtige Ansatz. Ich denke Technologisch könnte das wirklich funktionieren. Und das ist sicher noch nicht das Ende des Fortschritta.

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@xyz911
Du unterschlägst an dieser Stelle die Optionen der recht flexibel einsetzbaren Wasserkraft und Biomassevergärung.

Ich unterschlage hier überhaupt gar nichts. Ich bin lediglich Realist und idealisiere mir hier nicht einfach etwas. Der Strom welcher in Deutschland durch Wasserkraft erzeugt wird, liegt etwa bei 3-4%. Biomasse liegt bei etwa 7.5%.

Zudem ist Offshore-Windkraft deutlich beständiger als die Produktion so manchen deutschen AKWs es war.

Ein neues oder technisch aufgerüstetes AKW, ist aber ganz sicher beständiger als Offshore-Windkraft... Zu dieser Aussage hätte ich ja wirklich gerne eine seriöse Quelle. Du glaubst ja nicht wirklich, dass hunderte Windräder beständiger sind als ein AKW, welches kein Wind braucht um zu laufen. Zudem macht Offshore-Windkraft im Vergleich zu Innlandwindkraft einen deutlich geringeren Anteil aus.

Zudem lassen sich Differenzen zwischen Erzeugung und Verbrauch zu gewissen Graden auch im Verbundnetz ausgleichen.

Darauf habe ich doch weiter oben schon angespielt. Es muss im Stromnetz zu jedem Zeitpunkt genau so viel Elektrizität erzeugt werden, wie nachgefragt wird. Zum Blackout kann es dann kommen, wenn dieses Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch gestört wird. Dank der Reserven im Stromnetz reicht ein einziges Ereignis normalerweise nicht um einen Blackout hervorzurufen. Erst das Zusammenkommen mehrerer Ursachen führt zu einem Stromausfall. Je mehr das Gleichgewicht gestört ist, desto mehr weicht sie aber von 50 Hz ab. Wenn der Strom deutschlandweit ausfällt, kann es Wochen dauern zur Wiederherstellung der Stromversorgung. Die Schadenssummen und Zahlen der Todesopfer wären immens hoch.

Die gesicherte Leistung von Solarstrom ist null, weil nachts keine Sonne scheint. Die gesicherte Leistung von Windkraft ist nahezu null, weil eine Flaute meist ganz Deutschland betrifft. Wenn sowohl Wind als auch Solar ausfallen spricht man von einer Dunkelflaute. Es reicht dazu schon, wenn nachts kein Wind weht. An grauen Wintertagen dauern solche Dunkelflauten mehrere Tage oder sogar Wochen, mit entsprechend hohem Blackout-Risiko. Egal wie viel Solar und Wind man zubaut, es muss immer einen konventionellen Kraftwerkspark als Backup geben. Der muss die Spitzenlast in voller Höhe bewältigen können, auch während einer Dunkelflaute. Durch Atomausstieg und Kohleausstieg wird in den nächsten Jahren aber ein Großteil dieser sicheren Kapazität vom Strommarkt genommen.

Ebenfalls zum Auffangen von Lastspitzen geeignet sind Pumpspeicherkraftwerke, die im Übrigen für den Bedarfsfall auch schwarzstartfähig sind (AKWs sind das nicht).

Lass mal hören wie viel diese Pumpenspeicherkraftwerke denn genau ausgleichen. Und wie viele davon in Zukunft geplant sind. Ach ja nur mal so:

Stellt man einem Kohle- oder Kernkraftwerksblock eine schwarzstartfähige Einheit mit ausreichender Leistung zur Seite, so kann für das Gesamtsystem auch hier Schwarzstartfähigkeit erreicht werden. Meist handelt es sich dabei um Gasturbinen, die im Schwarzstart mit Energie aus Akkumulatoren oder Dieselaggregaten in Betrieb genommen werden.

Wäre ja sonst auch ziemlich dämlich..

Die EEG-Umlage ist für das Jahr 2022 im Übrigen gesunken und soll nach aktuellen Plänen zukünftig sogar gänzlich entfallen.

Die EEG-Umlage wäre im Jahr 2021 eigentlich deutlich gestiegen auf 9,65 Cents pro kWh. Corona-bedingt waren die Marktwerte für Wind- und Solarstrom im Keller. Durch das EEG-Paradoxon stieg die EEG-Umlage stark. Das hätte 2021 zu einem Strompreis von gut 37 Cents pro kWh geführt. Gut ein Viertel der EEG-Umlage wurde aber im Konjunkturpaket 2020 quersubventioniert. Mit 11 Milliarden Euro Steuergeldern konnte die EEG-Umlage 2021 um gut 3 Cents auf 6,5 Cents gedrückt werden. Ohne EEG-Deckel würde der Strompreis 2022 bereits auf mehr als 40 Cents pro kWh springen. Laut Prognose der Netzbetreiber bleibt die EEG-Umlage von 2022 bis 2026 auf einem hohen Niveau, wenn auch nicht so hoch wie im Corona-Jahr 2020.

2023 soll die EEG-Umlage ganz abgeschafft und stattdessen vom Steuerzahler übernommen werden. Obwohl die EEG-Umlage unter der Ampel-Koalition 2023 abgeschafft werden soll, ist keine Preissenkung zu erwarten. Wegen der aktuellen Energiekrise mit Knappheit von Gas und Kohle werden die Verbraucherpreise im Jahr 2022 voraussichtlich auf mindestens 37 Cents pro kWh steigen.

Die Preisanstiege durch die Energiekrise lassen sich damit aber nur leicht kompensieren.

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Du triffst damit nur den einfachen Bürger der eh schon immer Strom gespart hat.

Damit dass du etliche Unternehmen ruinierst, hilfst du natürlich auch dem Klimaschutz. Dann bekommen wir 10% Arbeitslosigkeit oder noch mehr, die alle zu Hause sind und mit Computer und Co zu Lasten der Sozialkassen noch mehr Strom verbrauchen.

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Wenn du PV und Co fördern willst geht das anders!!!

Das Problem ist, dass wir mit Subventionen die Investitionen für erneuerbare senken. Das ist der vollkommen falsche Weg.

Der Strompreis muss sich nach seiner Umwelt- und Klimaverträglichkeit errechnen.

d.h. dass ein Atomkraftwerk dieEntsorgung der Brennstäbe selber bezahlen muss und nicht zu LAsten der STeuerzahler und ein Kohle Gas und Co Kraftwerk im Preis bemessen wird nach seiner Umweltverträglichkeit.

Kostet grüner Strom 20 cent und Kohle oder Atomstrom 40 cent rechnen sich langfristig umweltverträgliche Energiegewinnung besser als anderes.

EEG Umlage ist Müll

Co2 Bepreisung geht zumindest in die richtige Richtung

Die Industrie ist nun gezwungen sparsamere Produktionstechnologie einzusetzen.

Jain. Wäre Deutschland die Welt, dann könnte das vielleicht stimmen. Vielleicht würden die Kosten aber auch einfach branchenweit an die Kunden weitergegeben werden.

Das wesentliche Problem ist: Deutschland ist nicht die Welt. Wenn sich die Produktion hier nicht rechnet, dann geht man eben in ein anderes Land mit günstigerem Strom. Innovation ist teuer und aufwändig, da haben nur wenig Unternehmen Lust drauf.

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