Descartes - Unterschied Erkenntnis eigener Existenz und die Erkenntnisse anderer.

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Die Erkenntnis der eigenen Existenz ergibt sich als einzige einfach aus einem „ich denke“ und hält auch einem radikalen Zweifel stand, weil dieser Zweifel ja selbst eine eigene Denktätigkeit ist.

Die Erkenntnis der eigenen Existenz ist nicht nur eine einfache private Intuition, sondern kann aufgrund allgemein erklärbarer Gründe Geltung beanspruchen. Die Denktätigkeit beim „ich denke“ (cogito) enthält allgemeine und begriffliche Bestimmungen und deren allgemein-notwendiges Verhältnis mit. Aus dem Ichvollzug folgt das Wissen um die Existenz des Ich und umgekehrt wäre das Ich nicht existent, wenn es nicht dächte. Daher existiert das Ich nur, wenn es denkt, und es denkt nur, wenn es existiert. Für das Ich ist im Denken sein Existieren gedanklich-notwendig inbegriffen. Im Begriff eines Denkenden ist in allen möglichen Fällen der seiner Existenz miteingeschlossen bzw. vorausgesetzt. Zu jeder Zeit und in alle möglichen Welten ist der Vollzug des Denkens nicht vom Begriff der Existenz abtrennbar (Anwendung des Satzes vom zu vermeidenden Widerspruch).

Der französische Philosoph René Descartes versteht Ideen als mentale Akte (geistige Tätigkeiten), die Gegenstände repräsentieren. Die Bildung eines wahren Urteils setzt die Bildung einer richtig repräsentierenden Idee voraus. Descartes zufolge liegt dies nur vor, wenn eine klare und distinkte (deutliche) Idee gebildet wird.

Nach den Meditationes 3, 2 wird als allgemeine Regel für Evidenz aufgestellt: wahr ist alles, was ich sehr klar und deutlich erfasse (Illud omne verum est, quod valde clare & distincte percipio).

klar: dem aufmerksamen Geist gegenwärtig und offenkundig

deutlich: bei Voraussetzung der Stufe der Klarheit von allen übrigen Dingen so getrennt und unterschieden, daß sie gar keine andern als klare Merkmale in sich enthalten, die Vorstellung/Idee ist nicht nur in ihrem Gehalt richtig erfaßt, sondern auch unvermischt mit anderem allein in ihrer eigenen Tätigkeit gesehen (Principia 1, 45)

„Ich denke“ ist in mehrfacher Hinsicht eine Prämisse von besonderer Art:

a) Sie ist unbezweifelbar, weil sie dem radikalsten Zweifel standhält.

b) Sie ist selbst-verifizierend, weil zum Erkennen ihrer Wahrheit nichts weiter notwendig ist, als einen Denkakt zu vollziehen.

c) Sie ist selbst-evident, weil kein anderer Satz oder eine besondere Reflexion nötig ist, um sie evident (offensichtlich) zu machen. Immer wenn ich denke, kann ich sofort erfassen, zu denken.

Descartes hat das Wissen der Prüfung durch einen methodischen Zweifel unterworfen.

Dieser hat mehrere Stufen:

1) Grundlage: Beruhen Meinungen auf einer zuverlässigen Grundlage oder stützen sie sie sich auf unzuverlässige Informationen der Sinneswahrnehmung?

2) Zustand: Befinden sich Menschen bei ihren Meinungen in einem Zustand des Wachseins oder des Träumens?

3) Autonomie: Sind die Meinungen die eines unabhängigen Subjekts oder eines Spielballs eines bösen Geistes?

Was für richtig gehalten wird, ist durch die Sinneswahrnehmung oder über sie vermittelt empfangen worden. Die Sinneswahrnehmung kann aber täuschen. Daher ist es nicht klug, ihr ganz zu vertrauen.

Die Existenz von etwas kann nur eingebildet sein und es fehlt ein zuverlässiges Mittel, Wach- und Traumzustand auseinanderzuhalten, solange nichts mit Gewissheit feststeht. Ein übermächtiges und verschlagenes Wesen könnte Menschen täuschen, auch durch Einwirkung auf den Verstand.

Descartes versucht, als Grundlage etwas Unbezweifelbares aufzuweisen. Wenn/solange ich zweifle, ist kein Zweifel möglich, dass ich zweifle und ich es bin, der zweifelt. Das Denken erfaßt unmittelbar: Denken schließt eine Existenz des in diesem Augenblick Denkenden ein und wer tatsächlich in einem Augenblick denkt, muss daher existieren. „Ich bin, ich existiere; das ist gewiss.“ (lateinisch: Ego sum, ego existo, certum est.); später auch: „Ich denke, also bin ich.“ (Ego cogito, ergo sum.)

Damit ist ein erster unbezweifelbarer Satz aufgestellt. Er ist ein beispielhafter Maßstab für richtiges Wissen. Als wahr kann gelten, was ähnlich wie dieser Satz klar und deutlich erfasst wird.

Als Hilfe Bücher zu Descartes in einer Bibliothek nützlich sein, z. B.:

Geneviéve Rodis-Lewis, René Descartes. In: Frankreich und Niederlande (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Begründet von Friedrich Ueberweg. Völlig neu bearbeitete Ausgabe. Herausgegeben von Helmut Holzhey. Die Philosophie des 17. Jahrhunderts – Band 2/1). Herausgeben von Jean-Pierre Schobinger. Basel : Schwabe, 1993, S. 305 - 315

Dominik Perler, René Descartes. Original-Ausgabe, 2., erweiterte Auflage. München : Beck, 2006( Beck'sche Reihe : Denker ; 542), S. 68 – 82 (Der methodische Zweifel) und S. 139 – 148 (Das Cogito-Argument)

Rainer Schäfer, Zweifel und Sein : der Ursprung des modernen Selbstbewusstseins in Descartes' cogito. Würzburg : Königshausen & Neumann, 2006, S. 161 – 166 (Das Erlebnis des Ichgedankens: Selbstbewusstsein als reiner Gedanke und als zeitliches Erlebnis)

danke für diese ausführliche antwort !!! 10 daumen hoch:)

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Ich denke mal, er geht davon aus, dass die reine Denkaktivität nicht eine Täuschung sein könne. Also am Denken erkennt man, dass man denkt, also dass es man gibt. Alles andere könnte eine Illusion sein, z.B. du denkst, du tust es, aber in Wirklichkeit, denkst du es nur. Das kann ja irgendwie nicht auf das Denken selbst zutreffen. Jedenfalls würde man das intuitiv behaupten. Mir fiele jetzt auch spontan keine Widerlegung ein.

Meister Descartes ging nicht unvoreingenommen zu Werke. Das vermochte er nicht, genauso wenig wir, da wir die Welt und uns, als Teil dieser vorfinden. Mit der ich-Vorstellung trat ein besonderer Aspekt, ein neues Moment, in das Leben der Menschen - die Trennung zur Welt. Diese Trennung ist Akt der Willkür, zwar entwicklungsgeschichtlich bedingt, genährt aus Mittelpunktswahn, jedoch aus oberflächlicher Betrachtung erwachsen. Das Individuum denkt, zieht daraus den Schluss zu sein, separiert zu sein. Ist das Individuum bei (s)einem denken? Sind es nicht die Gegebenheiten, die das Individuum vorfindet, die zur Annahme leiten, ein ich zu sein? Aus seiner Trennung zur Welt ergibt sich zwangsläufig die Annahme eines ich.

nachgetragen: Es gibt kein ich.

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