Der Mensch von Natur aus gut oder böse?

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Das ist ein interessantes Thema, mit welchem sich fast jeder schon im Laufe der Schulzeit beschäftigen muss... Da hatte ich mal nen Vortrag drüber, und die Diskussion in der Klasse zu dem Thema war sehr sehr interessant, das ist eines der Dinge, welche mir aus der Schulzeit noch hängen geblieben sind :)

Zunächst mal: Schau mal genauer im Internet, ich hab damals zu dem Thema viele Experimente gefunden, welche mit Kleinkindern und auch Erwachsenen durchgeführt wurden. Da findet man sehr vieles.

So, nun zu meiner Meinung: Ich würde sagen, der Mensch ist von Natur aus weder gut, noch böse... Das sind Begriffe, die der Mensch erfunden hat, und deshalb kann man da auch pauschal keine Antwort geben.

Als Denkanstoß.... Es gibt Menschen, die handeln selbstlos. Denken zuerst an andere und tun allen etwas Gutes. Das lässt darauf schließen, dass der Mensch gut ist... Denn: Wieso sollte ein Mensch sonst solch ein Verhalten lernen, wenn er doch böse ist? Aber: Wieso tut der Mensch das? Er tut es, weil er sich selbst dann besser fühlt. Weil es ihm selbst ein gutes Gefühl verschafft, wenn er Menschen hilft. Würde es ihm durch diese "gute Tat" nicht selbst gut gehen, würde er es nicht tun. Er handelt egoistisch, und Egoismus wird eher als "böse" angesehen...

Stellt sich also die Frage: Ist der Mensch jetzt böse, weil er egoistisch handelt oder unterscheidet genau das einen guten von einem bösen Menschen? Die Tatsache, dass dieser sich durch gute Taten gut fühlt?

--> Meiner Meinung nach kann man das nicht sagen, weil es nur eine Definitionsfrage ist.

Der Mensch ist ein kulturelles Wersen; Menschen ohne Kultur gibt es nicht und gab es nie.

Es gibt einige wenige Taten, die der Mensch aufgrund einer angeborenen Disposition als böse empfindet. Z.B. hat er eine Tötungshemmung gegenüber der eigenen Mutter. Ob er einen angeborenen Destruktionstrieb hat (Freuds "Thanatos"), der ihn treibt, eben solche Taten zu begehen, scheint mir zumindest zweifelhaft zu sein. Aber immerhin scheint er auch dazu eine Disposition zu haben, die unter widrigen Umständen zum Durchbruch kommt. Normalerweise aber ist die Hemmung stärker.

Ob der Mensch gut ist oder böse hinsichtlich der von der Gesellschaft festgelegten Normen, hängt natürlich vor allem davon ab, welche Normen sie denn geruht hat festzulegen. Eine an ihnen orientierte Antwort, "Der Mensch ist von Natur aus böse", sagt vor allem aus, dass die zugrunde gelegte Norm realitätsfern ist.  Eine solche Norm ist z.B. das "Zehnte Gebot" der Juden und Christen: "Du sollst nicht begehren ..."

Der Mensch ist frei, das heißt, er ist nicht völlig unfrei.  Er selbst hat die Freiheit, sein Ich-Ideal, sein Idealbild von sich selbst zu entwerfen.Freilich werden sich darin auch die Werte der Gesellschaft, in der er lebt, widerspiegeln. Aber je nach dem Maß seiner geistigen Freiheit, die er sich erarbeitet hat, wird er es selbst sein, der sein Ich-Ideal schafft.  Daran vermag er zu messen, ob er gut ist oder nicht.

Allerdings wird immer gelten: Ein Ideal ist ein Ideal ist ein Ideal. Kein Mensch kann ideal sein. Jeder Mensch wird feststellen, dass es da eine Diskrepanz gibt zwischen dem Ideal und der Realität. Und das ist auch gut so, denn sonst wäre das Ideal eben keines. Es soll ja ein Anreiz zum Guten sein, insbesondere dem Kategorischen Imperativ genügen.

Diese Diskrepanz also ist unvermeidlich und sie ist gut. Es ist wichtig sie zu erkennen., Ein Mensch muss erkennen, dass er nicht wirklich gut ist. Aber dass muss ihm auch verziehen werden. Ist er lutherischer Christ, dann wird er glauben, dass Gott ihm dass verzeiht, allein wegen seines Glaubens und allein aus Gnade. Wenn er an keinen vergebenden Gott glaubt, muss er lernen, es sich selbst zu vergeben. Wenn er das gelernt hat, dann kann er auch anderen vergeben. 


Im Naturzustand (ohne Gesetze) gilt der Satz von Hobbes: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Dass der Mensch im Naturzustand gut sei, ist auch von Aufklärungsphilosophen behauptet worden, ist aber m.E. nicht zutreffend. Man kann das daraus schließen, dass der Mensch sogar in Friedenszeiten und im Zustand der Zivilisation schon extrem egoistisch ist, jedenfalls sind es die meisten (natürlich gibt es hier und da auch barmherzige Samariter, doch das sind Ausnahmen).
Der Egoismus ist sogar - im Grunde genommen - als eine Triebkraft anzusehen, die im Lebenskampf unbedingt erforderlich ist, m.a.W., er ist nicht von vornherein negativ zu bewerten.

Nimmt man noch den Satz von Nietzsche hinzu („Die Welt ist Wille zur Macht und nichts außerdem, und auch ihr alle seid Wille zur Macht und nichts außerdem!“), so ist damit das Verhalten der Menschen - selbst im Zustand der Zivilisation - treffend gekennzeichnet (wenn man dieses Verhalten mal sorgfältig und genau studiert!). Zwar muss man die Radikalität des Nietzsche-Satzes wieder etwas abschwächen (schließlich hat der Mensch eine Seele und er ist auch zum Mitleid fähig); doch im großen und ganzen stimmt dieser Satz. -

Wie aber, wenn es im Status der Zivilisation schon so ist, dass sich die allermeisten egoistisch und machtbewusst (Macht als Metapher verstanden) verhalten, wie verhält sich der Mensch erst im Naturzustand? Homo homini lupus – kann die Antwort nur lauten, und die Schwachen gehen zugrunde!


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