Der Mensch und sein Handeln

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Unterscheiden ist eine Grundhandlung des Denkens. Eine Unterscheidung bei der Beurteilung einer einzelnen Handlung und bei der Beurteilung eines Menschen insgesamt ist möglich.

Für eine näherere Untersuchung ist eine Klärung nötig, was mit „böse“ gemeint ist. Dies gehört zum Gebiet der Ethik. Vielleicht ist mit „böse“ etwas Schlechtes in Bezug auf sittlich relevante Handlungen gemeint.

Bei einem stark verurteilenden Werturteil ist sachlich gesehen eine bewußte und vorsätzliche Schlechtigkeit eine Voraussetzung.

Unterschieden werden können die Ebene der einzelnen Handlungen und die des Charakters/der Einstellung (innere Haltung). Ein Mensch kann mehr oder weniger gute oder schlechte Seiten haben und seine einzelnen Handlungen können in Verbindung mit Charaktereigenschaften stehen oder ohne die Grundlage einer fest ausgebildeten Charaktereigenschaft erfolgt sein.

Wer die Charaktereigenschaft der Gerechtigkeit hat, kann trotzdem im Einzelfall das objektiv Gerechte verfehlen, bemüht sich aber, gerecht zu handeln, begeht also auch, wenn das Ergebnis ungerecht ist, keine Ungerechtigkeit (ein Vorsatz zum Ungerechten ist nicht vorhanden), solange er die innere Einstellung der Gerechtigkeit hat. Bei einer ungerechten Handlung ist zu untersuchen, ob sie aus Ungerechtigkeit als innerer Einstellung herrührt.

Ein Mensch kann sich wandeln. Möglich ist eine Veränderung zum Schlechten, indem im Zusammenspiel von persönlicher Entwickung und Umständen der Umwelt etwas den Charakter verdirbt, oder zum Guten, indem sich das Gewissen regt/eine Einsicht auftritt.

Denkbar ist, zuerst von Idealen geleitet zu sein und dann in einer Machtstellung sich nicht mehr daran zu halten (dann war die Überzeugungen nicht völlig gefestigt) oder bei einer verbrecherischen Diktatur z. B. aus Opportunismus oder in eine Ideologie verstrickt mitgewirkt zu haben, aber durch irgendetwas gleichsam wachgerüttelt Reue zu empfinden und sich von einem Unrechtssystem abzuwenden.

Um diese philosophische Frage zu klären, dürfte der Raum nicht reichen. An Beispielen kann eine Abwägung getroffen werden die dann von Mensch zu Mensch in der Bewertung wahrlich anders ausfallen kann.

Vorangestellt werden muß aber dann auch die Definition gut und böse, schlecht und gut.

Vorsichtig würde ich pauschal nur sagen, ein ansonsten sich vorbildlich verhaltener Mensch hat dennoch keinen Freibrief, dann auch mal eine vorsätzliche Straftat ohne Not zu begehen.

Handlungen sind nach Kant und auch in der Existenzphilosophie von Karl Jaspers ein Kristallisationspunkt der Freiheit. Jeder Mensch kann "Nein" zu moralisch verwerflichen Handlungen sagen. Doch jeder Mensch ist auch fehlbar und nicht durch eine einzelne Handlung beschrieben. Es ist darum immer Hoffnung, dass ein Mensch eine einzelne Fehlhandlung bereut und als moralisch nicht in Ordnung erkennt. Das war dann ein "Ausreißer", der jedem passieren kann.

Allerdings wird im allgemeinen ein Mensch als moralisch schlecht bezeichnet, wenn eine Serie seiner Handlungen erkennen lässt, dass er z.B. seines egoistischen Vorteils wegen "über Leichen geht". Es heißt ja auch: "An ihren Taten (plural) sollt ihr sie erkennen" nicht "An ihrer Tat (singular). Bei einer aus der Richtung gekommenen Lebensorientierung kennt die Bibel z.B. den Ruf des Täufers Johannes: Kehret um! Modern würde man sagen, dass jemand seinen "Lebenszug" auf ein neues Gleis setzt. Teils geht das nicht ohne Begleitung. Denn die Tücken der Gewohnheit, auch gewohnter Erwartungen, sind groß.

Das hängt davon ab, was man unter "böse" bzw. "gut" versteht und wie man eine Handlung überhaupt bewertet.

Ein Widerspruch zwischen der Handlung und dem "Menschen" könnte so aussehen, dass der Mensch es "gut meinte" aber die Handlung dann doch zu unerwünschten, "bösen" Folgen führt.

In dem Fall würde ich sagen, dass es der Person nicht an "Güte" mangelt, sondern an Klugheit.

Die Ohnmacht des Menschen über die Folgen seiner Handlung war ein zentraler Punkt der Ethik Kants.

Der Nachteil einer solchen Ethik ist ja, dass man in der Gesellschaft im Großen und Ganzen die Handlung nach deren Folgen beurteilt. Man kann die "Motivation" des Handelnden eh schwer beurteilen, und überhaupt haben eher die Folgen der Handlung Einflüsse auf die Mitmenschen, und nicht was der Handelnde dabei gedacht hat.

Handeln an sich ist weder gut noch böse:

Diese Begriffe sind Hilfskonsrukte der Menschheit, welche soziale Werte Übereinkünfte beinhalten, die einer Geselsschaft zugrunde liegen. Böse hier ist nicht gleich böse in Nigeria.

Menschen sind selten böse oder gut; sie sind und versuchen sich in einer Regelwelt zurechtzufinden, welche Ihnen mehr oder minder eingetrichtert wurden als sie zu klein waren sich zu währen. Man nennt das Sozialisierung.

Hoffe ich konnte helfen

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