Der Mensch ist für die Wirtschaft da, und im Mittelpunkt der Gesellschaft steht das Geld. Ist dies eine treffende Beschreibung des derzeitigen Ätz-Zustandes?

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11 Antworten

Mir sei als Antwort ein Zitat gestattet: "Kapitalismus ist für mich die uneingeschränkte Herrschaft des Geldes. ,Schon in früheren Zeiten war diese Macht groß, aber heute ist sie absolut. Das Schreckliche daran ist, dass wir gar nicht überblicken können, wohin das führt. Wir kontrollieren diese Prozesse nicht mehr. Weder Europa noch Russland noch Asien können das. Wir haben uns verrannt. Die ganze Menschheit rennt dem Geld hinterher und hat dabei völlig die Orientierung verloren. Wir sind auf dem falschen Weg."
(Alexander Sokurow)

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Die Aussage "für die Wirtschaft" trifft nicht den Kern, denn Begriffe wie Wirtschaft, Staat usw. sind lediglich Hilfs- und Verwirklichungsbegriffe. Der präzise Punkt ist jedoch das Wesen von Menschen.

Es gibt zwei grundsätzliche Arten von Menschen und daraus resultierend diverse Zwischenstufen.

Eine Art hat eine Persönlichkeit wie ein nimmersattes Raubtier und sieht den Rest der Welt als Beute an. Dinge wie Wirtschaft, Staat u. v. a. sind dabei die Hilfsmittel, mit denen diese Art ihre Begehrlichkeiten befriedigt.

Die andere Art ist sozial gesinnt und legt Wert darauf, daß es allen gut geht, und nicht nur den Menschen, sondern auch der Natur. Diese Art wurde von der anderen Art als Beute auserwählt, und DInge wie Wirtschaft usw. sind die Fallen, mit denen die Beute gefangen wird.

Das Problem an allem ist, daß die Köder, mit denen die Fallen bestückt sind, gleichzeitig auch die Lebensgrundlage der sozialen Art sind und daß vorsorglich zwecks noch mehr Beute alternative Lebensgrundlagen zunehmend unbrauchbar gemacht werden.

Natürlich könnte Wirtschaft auch etwas völlig anderes sein, als sie es derzeitig ist. Wie sie strukturiert ist, hängt davon ab, wem sie zu welchem Zweck dienen soll.

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Kommentar von NewKemroy
20.09.2016, 22:45

Also das Wesen des Menschen? Das kommt mir langsam auch so vor, dass dies die URsache ist. Also in dem Sinne, dass ihr keine weitere Ursache vorausgeht.

Da nun aber Kirchen, Sozial- und Umweltverbände seit Jahrzehnten oder teilweise auch seit Jahrhunderten versuchen den Menschen zu verändern und doch bis heute keinen Erfolg haben, stürtzt mich das in eine tiefe Traurigkeit.

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Sprücheklopfer gibt es immer wieder. Ausgerechnet Jean-Claude Juncker, dieser Hühnerdieb. Als Premierminister von Luxemburg hat er Gesetzte gemacht, in denen er den Konzernen einräumte, in Luxemburg über Zweitstellen Steuern zu sparen und anderen europäischen Nachbarn zu entziehen. Das ist so ein typischer Politiker, der behauptet, bei mir gilt nur der Mensch und dann verkauft er seine Großmutter für drei Groschen. Jeder Mensch ist Wirtschaft, weil jeder Mensch zum Überleben wirtschaften muss, ob als Geldverdiener oder als Verbraucher. Wenn aber Leute wie Juncker dazu beitragen, dass im gegenseitigen Geflecht der Wirtschaft die Großen die Kleinen übers Ohr hauen können (siehe jetzt auch Irland: 13 Milliarden Steuervorteile für APPLE), dann sollte man sie auspeitschen und nicht noch ihrem Gesabere Glauben schenken. Juncker ist mit keinem Mandat gewählt, gibt aber unsere Steuergelder in Miliardenhöhe aus für windige Geschäfte. Der soll seine frommen Lehren für sich behalten.

Ach und der Papst. Er ist ja ein lieber Kerl und man sollte ihn in seinem Papamobil von morgens bis abends Kreise auf dem Petersplatz drehen lassen, dass er sonst nichts anstellt. Mit seiner Aussage beweist dieser Mann, dass er keine Ahnung hat, was Geld repräsentiert: Unsere Bewertungen. Wir bewerten die Welt mit dem, wofür wir unser Geld ausgeben. An der Mosel liegt Bernkastel-Kues. Da gibt es noch das Geburtshaus von Nikolaus von Kues, einem der ersten großen deutschen Philosophen in der Renaissance. Bei dem könnte der Papst genau das mal nachlesen, da steht das schon, geschrieben um 1540. Wenn dem Papst nicht passt, wofür die Leute ihr Geld ausgeben, muss er nicht das Geld, dann muss er die Leute ändern. Er hat doch einen direkten Draht nach oben! Geld und seine Verteilung repräsentiert die Wertschätzungen der Menschen. Ohne die Wertschätzungen der Menschen ist Geld nichts wert. Wenn aber die Kirche im bitterarmen Afrika einen Millionendom hinstellt und den afrikanischen Stammesfürsten, die ihre Armen an die Multikonzerne verkaufen, den Segen gibt, dann sollte man sich nicht so moralisch aufführen sondern sich selbst an der Nase packen. Meine verstorbene Mutter hat haufenweise ihr kleines Geld für die Mission in  Argentinien gespendet. Eine Sonderaudienz wie die Queen und andere hohe Tiere hat sie dafür nicht bekommen. Und in Argentinien hat ihre Spende auch nichts geholfen. Das Land ist pleite und die Reichen haben ihre Vermögen längst nach USA transferiert. Da kommt er doch her, der Papst. Oder die Korruption der Mächtigen in Brasilien. Soll er mal wieder nach Hause fahren mit seinen frommen Empfehlungen.

"Also wäre es nicht viel netter, wenn die Wirtschaft für die Menschen da wäre und im Mittelpunkt der Gesellschaft der Mensch stünde?" Ja wäre es. Wenn die Menschen alle miteinander das so wollen, wäre das so. Es heißt aber auch, dass sie angeblich Frieden wollen. Und was ist???

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Kommentar von NewKemroy
20.09.2016, 15:55

Nun ja, man könnte ja Junker und dem Papst unterstellen, auch wenn sie sich in einem Strom von unlauterem Gebahren und Mitschurken befinden, dass sie von einem kurzen aufrechten Moment umfangen wurden und einen weisen Spruch tätigten, auch wenn Weisheit sonst möglicherweise nicht zu ihren Stärken zählt.

Aber das ist eine interessante Zuspitzung der Frage: Muss sich der Mensch oder das Geld ändern? Beim Menschen wurde es Jahrtausende erfolglos versucht.

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Kommentar von NewKemroy
20.09.2016, 16:04

Hatte Cusanus sich als Universahlgelehrter auch mit der Natur des Geldes und der Wirtschaft befasst?

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Ich möchte noch einen Punkt hinzufügen, der meiner Meinung nach nicht erwähnt wird, aber doch ein wichtiger ist.

Was ist Geld überhaupt? Geld ist ein Mittel, mit dem wir es möglich machen, die unterschiedlichsten Waren zu bewerten und zu "tauschen".

Warum schreibe ich das?

Wenn man anstatt Geld die Dinge bezeichnet, die man dafür bekommt, kann man sich ja mal fragen, wie wichtig einem "Geld" ist. Also, welche Dinge bekommt man?

Nahrungsmittel
Wasser
Dach über dem Kopf
Heizung
Medikamente, ärztliche Versorgung
Bildung

Hier sind noch nicht einmal irgendwelche Luxusgegenstände aufgeführt, aber die Auflistung dürft klar sein, oder? Ist also Geld wichtig? Na klar, ohne könnten wir nicht überleben, denn ohne Geld keine Nahrungsmittel, kein Wasser, kein Dach über dem Kopf.

Jetzt könnte man sagen: "Ich mache das "Autark", also ich bau mir selber ein Haus aus Lehm, bestelle selber Felder usw.." Das ist kein Widerspruch, sondern eine Bestätigung. Ich muss Leistung erbringen, um zu überleben.

Unterm Strich ist es dann egal, ob ich Buchhalter bin, dafür Geld bekomme und dafür Nahrungsmittel kaufe, oder ob ich sie selbst anbaue. In beiden Fällen muss ich was tun, um mein Überleben zu sichern.

Das wir hier in Deutschland Sozialsysteme haben, die uns vor dem Verhungern (Verdursten....) beschützen, zeigt, wie weit wir hier sind.

Läuft was schief? Meiner Meinung nach ja. Und was? Keine Selbstverantwortung. Damit meine ich, dass wenn etwas nicht so ist, wie man es sich wünscht, sind die anderen:
Politiker
Vorstände
die Reichen
Job
Firmen
Banken
Nachbar
Frau
Ehemann
usw. schuld

Ein aktuelles Beispiel, was jetzt einfach gut passt: Es wird immer bemängelt, dass die Schere zwischen "Arm und Reich" immer weiter aufklafft. Gerne werden dann die "Reichen" an den Pranger gestellt.

Wenn man jetzt aber mal so rumfragt, wie spart ihr denn Geld, z. B. für eure Altersvorsorge? Dann kommen teilweise noch Antworten wie z. B. Sparbuch, Tagesgeldkonto usw, also Anlagearten, die kein Geld bringen. Da brauch man sich doch nicht zu wundern, warum die "Reichen" oder "Wohlhabenden" noch reicher werden. Die werden ihr Geld bestimmt nicht auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten anlegen.

Anderes Beispiel: Es gibt viele Menschen, die motzen über ihren Job, aber sie ändern nichts. Ein Freund von mir hat aufgehört zu motzen, sich weiter qualifiziert und macht nun eine Tätigkeit, die ihm viel Spaß macht.

Und so gibt es noch viele andere Beispiele. 

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Kommentar von NewKemroy
21.09.2016, 09:13

Ja, aber Selbstverantwortung hieße, man käme schon auf einen "Grünen Zweig" wenn man sich bloß anstrengt und seine Ersparnisse in einem breit angelegten Portfolio streut. Das galt einmal, stimmt. Aber darüber sind wir schon lange hinaus.

Das Spiel ist mittlerweile so gestrickt, dass viele nicht mehr auf einen grünen Zweig kommen können - es sei denn sie bedienten sich unlauterer Methoden. Logisch, wenn mein Auto über die Firma läuft, ich in Nahrungsmittel investiere, Grundstücksspekulationen in Afrika mache und meine Ersparnisse Offshore vor dem Fiskus verstecke - ja, dann komme ich vielleicht ganz gut weg.

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Was heißt hier netter, so als wenn es mit Geld unkuschelig, ohne hingegen kuschelig wäre. Das trifft doch nicht das große Problem, dass der Mensch im Kapitalismus nur eine Ware ist, einige wenige kaufen diese ein, die große Mehrheit hingegen verkuaft sich, um so leben zu können. Wieder andere werden überhaupt nicht gebraucht, können noch nicht mal sich verkaufen, können also dann nur gerade so überleben.

Man sieht ja was bei all dem herauskommt:

  • Depressionen
  • Alkoholismus
  • harte Drogen
  • Ängste
  • Abgestumpfheit
  • Rambo-Manieren wozu maßgeblich eine Ellbogen-Mentalität gehört
  • Sexsucht
  • Konsumrausch
  • Esoterik-Trip
  • übersteigerte Hundeliebe
  • Arbeitssucht
  • Familismus

All das in Deutschland millionenfach, sowie in div. anderen Staaten.


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Kommentar von RevatiKKS
20.09.2016, 14:12

Kannst du vielleicht einmal erklären, wie "Familismus" in diese Liste passt?

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Kommentar von NewKemroy
20.09.2016, 14:53

Also ich fände es gut, wenn Geld weniger wichtig würde. Stattdessen habe ich das Gefühl die Wichtigkeit von Geld steigt stetig noch an - also insbesondere, wenn ich einige Beiträge auf Gutefrage.net lese.

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Der Erfolg der Wirtschaft ist eine Voraussetzung für Wohlstand. Da wir es ja eigentlich ganz gern haben, in Wohlstand zu leben, tragen wir üblicherweise zum wirtschaftlichen Erfolg gerne bei.

Leider funktioniert die Verteilung des Wohlstands nicht gut. Aus diesem Grund gibt es dann Betroffene der unfairen Verteilung, die der Wirtschaft die Schuld an ihrer Misère geben.

Ich bin der Ansicht dass nicht die Wirtschaft schuld ist, sondern die Unfähigkeit der Gesellschaft zu einer gerechteren Verteilung.

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Kommentar von DocShamac
20.09.2016, 13:46

(Ergänzung nach dem Lesen der Antwort vom tapri.)

Auch eine warme Wohnung und ein Anspruch auf eine ärztliche Behandlung sind Wohlstand. Viele vergessen das und halten es für selbstverständlich.

Mancher würde die Anarchie ausrufen und sich später wundern, warum nicht einmal mehr Wohnen und Gesundheitswesen gut funktioniert.

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"Mensch" und "Wirtschaft" stehen seit Anbeginn der Menschheit in einem wechselseitigen Verhältnis und sind keine Kategorien, die man einfach so voneinander trennen kann. 

Phrasen wie "die Wirtschaft muss für den Menschen da sein" erscheinen deshalb ziemlich inhaltsleer, selbst ein Firmenchef, FDP-Politiker oder ein Herr Trump, Albrecht, Jobs, Zetsche, Müller oder Gates wird nicht das Gegenteil propagieren oder für richtig halten.

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Kommentar von NewKemroy
20.09.2016, 15:05

Sehe ich anders. Seit feststeht, dass sich das Unternehmen vorrangig um den Sharehoulder Value bemühen muss anstatt um sinnvolle Produkte mit langer Lebensdauer und anstatt ein fairer Partner für die Angestellten und Arbeiter des Unternehmens zu sein, seit diesem Zeitpunkt hat sich die Wirtschaft über den Menschen erhoben.

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Welchen "Ätz-Zustand" meinst du?

Und wann war es mal besser und "netter"?

Tatsächlich leben wir in den wohlhabendsten und sozial abgesichersten Verältnissen, in denen Deutsche jemals in der Geschichte gelebt haben.

Nenn und beschreib mal deine Alternativen.

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Kommentar von NewKemroy
20.09.2016, 15:15

Den großen Volksparteien laufen die Wähler davon. Immer mehr Leute sind reine Protestwähler. Also wenn da nicht was faul ist im Staate Dänemark (gemeint ist Deutschalnd)? Ich finde gerade angesichts dieser Tatsache, dass im Moment sehr viele Menschen angeätzt sein müssen.

Wozu benötigst Du Alternativen? Du lebst Doch in den wohlhabendsten und sozial abgesichersten Verältnissen, in denen Deutsche jemals in der Geschichte gelebt haben.

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stimmt. na und?

Wir als Menschen wollen doch immer mehr und alles haben.... woher soll es denn kommen wenn nicht von der Wirtschaft und wer soll es bezahlen und mit was?

Verzichte doch auf den Konsum. Lebe soweit es geht autark. 

Keiner zwingt dich zu arbeiten und die Wirtschaft zu unterstützen. Aber dann musst du konsequenterweise auch auf die Annehmlichkeiten wie ALG und Krankenkasse und warme Wohnung verzichten......

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Kommentar von NewKemroy
20.09.2016, 13:50

Aber Du würdest schon sagen, dass es einen Ätz-Zustand gibt, der angesichts der Best-Noten, welche Deutschland von innen und außen erhält merkwürdig ist. Wie erklärst Du ihn?

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ja. soweit alles richtig.

Die wirtschaft ist längst nicht mehr für den menschen, es wird sinnlos produziert, und bedürfnisse künstlich erzeugt, um geld zu verdienen und arbeitsplätze zu erzeugen. Die ursachen sind natürlich im Menschlichen wesen selbst, die breite masse ist von Dogmen vergiftet, alles folgt dem Geld.

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Kommentar von NewKemroy
20.09.2016, 22:51

alles folgt dem Geld.

Das wäre ja nicht das Problem, das technisch zu verändern, z.B. indem man die Verfügbarkeit und den Angebotsdruck von Geld steigert. Bloß liegt es wohl am Wesen der Menschen, dass dies nicht gewollt ist. Traurig.

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Es gibt ein Dreieck. Geld - Sex - Macht. Irgendwo in diesem Dreieck musst du dich befinden. Am besten in der Mitte. Wenn nicht, bist draussen aus dem Spiel.

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