Der Mensch hat ja laut Freud 2 Triebe: er will überleben & ist aggressiv - wie erklären wir dann den Drang von Philosophen (wie mich) alles wissen zu wollen?

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9 Antworten

Den Trieb, überleben zu wollen, hat alles Leben, nicht erst der Mensch. Ich kenne Freud zu wenig um zu bestätigen, dass er tatsächlich eine derartige Plattitüde in die Welt gesetzt hat. Und wenn man den Fluchttrieb, das jämmerliche sich verdrücken als Form von Aggression interpretiert, sind wir natürlich alle aggressiv. Und die Philosophen unterliegen in vielen Fällen dem Irrtum, dass sich die Welt im Himmel der Gedanken abspielt, weshalb sie schon kleinere Erdlöscher übersehen und öfter auf die Nase fallen als alle Dummen um sie herum, die zumindest hin und wieder auf die Erde schauen. Dann klopfen sich die gefallenen Philosophen den Staub aus den Kleidern und tragen die Nase noch höher und halten sich, siehe Platon, als einzige geeignet, den weisen Diktator zu geben. Im Machtstreben allerdings werden die Philosophen bei weitem von den Theologen und vom Klerus, dem die Theologen dienen, übertroffen. Die wollen angeblich nur Gott erkennen, und lehren nebenbei, dass sie allein den Weg zum ewigen Heil kennen, weil nur ihr Gott der einzig wahre ist. Der angebliche Drang nach Wissen ist auch ein gutes Versteck, seine Machtgier zu verbergen.

Na ja, entweder, dein Drang, Wissen zu erwerben, ist Teil deines Lebens-/Sexualtriebes, da umfangreiches Wissen die Möglichkeit erhöht, zu überleben und sich eine Sexualpartnerin zu suchen, mit der du dich fortpflanzen kannst oder aber, du hast deine sexuellen Triebkräfte erfolgreich unterdrückt und ihre Energie auf höhere Tätigkeiten, z.B. Lernen, etc. gelenkt (Sublimierung)...  Aber ich spekuliere nur...;-)! 

LG

Naja, ich würde es so definieren, dass ich, wenn ich alles weiß, nicht so schnell gefressen werde, weil ich Möglichkeiten habe, mich mit meinem Wissen aus der Situation zu befreien? Oder keine Beeren zu essen, wenn ich weiß das sie giftig sind? (Blödes Beispiel, aber so würde ich es dann verstehen).

nun Philosophen und andere Künstler sorgen dafür dass Menschen mit staunen bewunderrn usw beschäftigt sind.

In dieser Zeit können sich Menschen mit weniger Interesse daran in aller Ruhe vermehren da die mit Interesse weniger Zeit haben

So einfach, wie du den Freud dargestellt hast, ist er erfreulicherweise nicht. Im Gegenteil ist die Freudsche Trieblehre sehr komplex strukturiert. Zudem ändert Freud seine Sicht auf dieses Metier im Verlauf seiner lebenslangen theoretischen Betrachtungen.

Um in wenigen Anmerkungen sein Konzept etwas stimmiger darzustellen, kann man sagen, dass Freud den Begriff "Trieb" zuerst 1905 verwendet. Es ist ein energetischer Begriff, der für eine innere konstante "Reizanflutung" steht, der der Organismus nicht ausweichen kann und welche die Triebfeder für das Funktionieren des psychischen Apparates ist. 

In den "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" werden besonders die variablen Ziele des Sexualtriebes thematisiert. Freud spricht auch von Partialtrieben, die ihm zur adäquaten Erfassung der Phänomene geeigneter erscheinen als lediglich einen Trieb vorauszusetzen. 

In "Triebe und Triebschicksale" von 1915 differenziert Freud vier Grundbegriffe: "Drang", "Quelle", "Objekt" und "Ziel". Dabei nähert er sich bedingt der Instinktdefinition aus der Ethologie der späteren Lorenzschule.

Interessant ist, dass Freuds Triebkonzepte immer dualistisch sind, so z.B. der Dualismus zwischen Selbsterhaltungstrieben und Sexualtrieben. In "Jenseits des Lustprinzips" von 1920 stellt er dann dem Lebenstrieb den Todestrieb gegenüber. Dass Freud gegenüber seinen Triebmodellen selbst recht unsicher war, zeigt sich in seiner Aussage von 1932: "Die Trieblehre ist sozusagen unsere Mythologie. Die Triebe sind mythische Wesen, großartig in ihrer Unbestimmtheit".

Nun zu deiner eigentlichen Frage: Das "Wissenwollen" wird triebmäßig aus dem Instinkt des "Neugier- und Erkundungsverhaltens" heraus abgeleitet. Alle höheren Säugetiere zeigen dieses angeborene Verhalten, was damit die Kriterien eines echten Triebes erfüllt. Diese sind: angeboren; lebens- und arterhaltend; auslösbar durch bestimmte Reizkonstellationen und bei allen Individuen einer Art vorhanden. Das Wissenwollen ist dabei dem Macht- und Geltungsbereich zugeordnet, auch dem Dominanzstreben und der Suche nach Wertschätzung und Anerkennung durch die Gruppenmitglieder. Freud hat das Wissenwollen ganz klar zu den Lebenstrieben gerechnet, weil es eine wichtige Basis zur erfolgreichen Gestaltung der Lebenswelt darstellt.

Schon mal was von "Wissensdurst" gehört? Kleinste Kinder denken gar nicht darüber nach, sondern erforschen alles. Die haben einen mächtigen Wissendurst und wollen alles wissen. Du bist aus dieser Phase nicht rausgekommen - macht doch nichts! Es gibt viel zu viele Menschen, die nix hinterfragen, die einfach nur konsumieren und sich regieren lassen. Gut, wenn Du nicht dazugehörst.

Wenn du es mit Überleben erklären willst: Wissen ist Macht und die Vorteile von Macht fürs Überleben liegen auf der Hand.

Nur, weil man einen Haufen teilweise unsinniger Fragen stellt, ist man noch lange kein Philosoph.

Freud hat auch viel Unsinn gelabert

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