Der Mensch als "Krone der Schöpfung"?

19 Antworten

Wie sollte man den heutigen Menschen klassifizieren?

Ich darf vorstellen:

  • Domäne: Eukaryoten (Eucaryota)

  • Reich: Tiere (Animalia)

  • Unterreich: Vielzellige Tiere (Metazoa)

  • Abteilung: Gewebetiere (Eumetazoa)

  • Unterabteilung: Bilateria

  • Überstamm: Neumünder (Deuterostomia)

  • Stamm: Chordatiere (Chordata)

  • Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)

  • Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)

  • Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)

  • Klasse: Säugetiere (Mammalia)

  • Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)

  • Überordnung: Euarchontoglires

  • Ordnung: Primaten (Primates)

  • Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorhini)

  • Teilordnung: Altweltaffen (Catarrhini)

  • Überfamilie: Menschenartige (Hominoidea)

  • Familie: Menschenaffen (Hominidae)

  • Tribus: Hominini

  • Gattung: Homo

  • Art: sapiens

Wir sind also genau gesagt Affen, nicht mehr und nicht weniger. Affen mit relativ hoch entwickelten Gehirnen freilich, aber dennoch Affen. Und zugegebenerweise: Man sieht es uns nach wie vor an, auch wenn wir es hinter gesellschaftlichen Konstrukten und "Kultur" zu verstecken versuchen.

:-)))))

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Und wie passen die Begriffe Höhere Säugetiere oder hoch entwickelt in Dein Schema?

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@sreebowt

Erstens ist es nicht "mein Schema" sondern die allgemein anderkannte biologische Systematik.

Zweitens: Der wissenschaftliche Begriff "Eutheria" ist der korrekte, "höhere Säugetiere" ist eine veraltete deutsche Bezeichnung. Stattdessen hätte ich wohl besser "Plazentatiere" nehmen sollen - aber am Ende handelt es sich hier nur um einen Namen.

Freilich hat "höher entwickelt" keine wirkliche Bedeutung in der Biologie. Man will damit heutzutage ausdrücken, dass bestimmte Merkmale sich von basalen Merkmalen ausgehend "weiterentwickelt" haben, während diese "basalen" Merkmale bei verwandten Spezies noch in ursprünglicherer Form vorliegen.

Man könnte also alle Aut- und Synapomorphien als im Vergleich zu den ursprünglichen Merkmalen "höher entwickelt" bezeichnen, auch wenn das für die jeweiligen Lebewesen völlig bedeutungslos ist.

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@TomBombadil2010

PS: Mit "relativ hoch entwickelten Gehirnen" meinte ich folglich, dass wir Menschen im Vergleich zu anderen Affen einen kompexeren Neocortex und dementsprechend leistungsstärkere kognitive Fähigkeiten besitzen - wobei dies freilich nicht einmal auf allen kognitiven Ebenen zutrifft.

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@TomBombadil2010

Das Wort "Schema" bezog sich naheliegender Weise auf Dein paradoxes Denkschema, nicht auf die biologische Systematik.

Aber es stimmt zweifellos:

Wir sind also genau gesagt Affen, nicht mehr und nicht weniger.

Das kann man daran sehen, dass - von einigen ausnehmend unintelligenten Exemplaren abgesehen - Affen bekanntlich einen Wortschatz von vielen Tausend Wörtern haben, über die Kreiszahl π Bescheid wissen, ihre Nahrung auf Feldern und Plantagen kultivieren, sich Häuser, Flugzeuge und Computer bauen und in ihrer Freizeit auf dem Smartphone Nachrichten an ihre Freunde bei Facebook tippen. Vorausgesetzt sie sind nicht damit beschäftigt, spannende Romane zu verfassen oder herzerweichende Liebeslieder zu dichten. Ihren Jahresurlaub nehmen sie immer in der Nebensaison. Dann fliegen sie - sofern sie sich das leisten können - in den Urlaub nach Mikronesien und erkunden dort mit ihrer Taucherausrüstung die farbenprächtigen Korallenriffe.

Kurzum: Menschen sind im Grunde ziemlich normale Altweltaffen.

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@sreedowt

Ooooh jetzt fällt es mir erst auf, du bist ja der gute alte twobeers, mein one and ever Lieblingstroll! Schön dich wiederzusehen!

Die basalen Verhaltensweisen und selbst die Neuroethologie des Menschen sind weitgehend identisch oder wenigstens sehr ähnlich jenen anderer Menschenaffen, z.B. Schimpansen einschließlich Bonobos, Gorillas und zum Teil sogar Orang-Utans. Vor allem unser Sozialverhalten und Sexualverhalten offenbaren den Affen in uns, am offensichtlichsten (und am besten erforscht) bei Kindern. Menschenkinder, z.B. in einer Schulklasse, haben eine interne Rangordnung, die nach ähnlichen (häufig unterbewussten) Verhaltensweisen aufgebaut wird wie bei anderen Menschenaffen. Und selbst bei Erwachsenen verrät uns die Neuroendokrinologie, also das Zusammenspiel von Verhalten/neuronaler Aktivität und Hormon/Neurotransmitterspiegel:

The direct connection between status effects and neuroendocrine response is plainly evident in research based on animal models, particularly research on individuals living in naturalistic ecologies in intact social groups. Hormones play a large role in the development and expression of social status. Status correlates with androgen and serotonin levels in many species of primates in that those with higher levels are also higher-ranking (Ellis, 1995; Sapolsky, 1990; Sapolsky & Ray, 1989). This relationship is also bidirectional: Changes in social status produce marked changes in levels of these hormones. Following contests of rank, defeated males exhibit a drop in androgen levels while winners' levels rises; serotonin levels rise in subordinates who improve their social status (Sapolsky, 1990, 1999; Sapolsky & Ray, 1989; Niehoff, 1999). Subordinates who receive frequent beatings from dominants suffer persistently elevated cortisol (stress hormone) levels, and impaired endocrine feedback responses to stress (Blanchard, Sakai, & McEwen, 1993). And cortisol levels of all members of a social group soar during periods of social instability resulting from upheavals in the dominance hierarchy, such as when unfamiliar individuals are introduced into a group or an alpha male is ousted (McEwen & Wingfield, 2002; Niehoff, 1999). Are these effects seen in humans? The answer appears to be decidedly, yes. The intimate relationship between social status and neuroendocrine responses is plainly evident in modern humans. You may believe you don’t think much about status, but your endocrine system shows otherwise. Changes in status produce large changes in hormone levels. For example, following competitive games, male winners typically show elevated testosterone levels relative to losers (Booth, Shelly, Mazur, Tharp, & Kittok, 1989; Elias, 1981). This is true even when the competition involves little physical action, as in chess competitions (Mazur, Booth, & Dabbs, 1992) or contests in reaction time (Gladue, Boechler, & McCaul, 1989). Female winners have lower levels of cortisol (a hormone secreted by the adrenal glands in response to physical or social stressors) than female losers (Bateup, Booth, Shirtcliff, & Granger, 2001). One need not even participate in the game to show the effects; hormone levels in fans who watch the game mirror those of the team they support (Bernhardt, Dabbs, Fielden, & Lutter, 1989). The neuroendocrine responses that are evoked by human competitive games are therefore essentially the same as the responses seen in contests of rank in other species. (Aus: Cummins, 2006. Dominance, Status, and Social Hierarchies. In Buss, D.M. (ed) (2006). The handbook of evolutionary psychology (pp. 676-697). Hoboken, NJ: Wiley. https://netfiles.uiuc.edu/dcummins/www/HomePage/BussChapter.pdf)

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@TomBombadil2010

Ist ja meine Rede. Menschen sind im Grunde ziemlich normale Altweltaffen. Das sieht jeder Blinde. Wenn dann auch noch die Neuroethologie weitgehend identisch ist...

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@sreedowt

Prima, ich bin stolz auf dich! Aber worüber diskutieren wir hier dann überhaupt?

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Doch ist er nicht das höchstentwickelte, allen anderen Lebewesen überlegene Geschöpf, das Beste, was die Evolution hervorgebracht hat?

Nein, meiner Meinung nach nicht. Weder gibt es so etwas wie eine "Höherentwicklung" (Lebewesen entwickeln sich weiter, aber weder in eine bestimmte Richtung noch in einer wie auch immer gearteten hierarchischen Struktur) noch ist der Mensch allen anderen Lebewesen überlegen. Gewiss, er ist das einzige Tier, das ohne Probleme andere Tierarten gleich im Dutzend ausrotten kann. Dennoch ist ein Mensch in einer heissen Quelle, in der Tiefsee oder an den Polen nicht lebensfähig, einige Tiere aber durchaus. Zudem braucht er andere Lebewesen, um überleben zu können. Ohne Darmbakterien sowie die Pflanzen und Tiere, von denen er sich ernährt, kommt er beispielsweise nicht weit.

In der Natur gibt es nichts, was "gut", "schlecht" oder "besser" ist. Was überlebt, das existiert, was nicht überlebt, hat seine Chance vertan. Insofern ist alles gleich gut, was weiterlebt. Da steht der Mensch nicht höher als ein Eizeller. Wobei man anmerken könnte, dass die Menschheit so ziemlich die einzige Tierart ist, die sich und ihre Lebensgrundlage selbst zugrunderichtet. Wenn überhaupt, dann spricht das eher dafür, den Menschen unter der Amöbe zu plazieren - diese gibt es schon seit Urzeiten und ihre Umwelt existiert noch. Ich würde den Menschen jedenfalls auf keinen Fall als "Krone der Schöpfung" bezeichnen. Er ist eine existierende Art, wie alle anderen auch.

Wir gehören wohl mit dazu. Verhalten uns jedoch zu oft anders. Es kann nicht etwas ohne das andere existieren. Wir sind alle aufeinander abgestimmt, wovon ab und zu was daneben geht.

Krönung? Wenns ums Grübeln geht, oder wenn es darum geht vor lauter Grübeln Unfug anzustellen ... ja, wir sind die Krönung. In unserer Sprate. Die anderen in ihrer.

Als einzige Gattung massen wir uns an den Weg anderer zu kreuzen und besser sein zu wollen. Nur. Ohne die anderen ist es eine ziemlich langweilige Sache.

Erst seit kurzer Zeit scheinen wir dies zu bemerken. Das ist eine Glanzleistung. Spät zwar, aber immerhin.

Es kann also noch gut kommen.

In der Evolution gibt es keinen Fortschritt, nur Veränderung. Das liegt einfach daran, dass Fortschritt eine Bewertunsskala, ein angestrebtes Ziel voraussetzt. Aber die Evolution ist kein bewusstes Wesen, und kann daher auch nichts anstreben, nichts als gut oder schlecht einstufen. Das sind kulturelle Denkmuster, die wir Menschen auf einen natürlichen Prozess übertragen, dem sie selbst nicht eigen sind.

Also: Zu sagen, dass der Mensch das beste, höchstentwickelte Lebewesen ist, ist aus evolutionstheoretischer Sicht genauso (un)angemessen, wie zu sagen, dass die Koralle, der Tiger oder die Küchenschabe das beste, höchstentwickelte Lebewesen ist. Und dass der Mensch das überlegenste Lebewesen sein soll, liegt daran, dass wir die Standards / Gründe für Überlegenheit so formuliert haben, dass sie menschlichen Talenten entsprechen. Würden wir stattdessen sagen "Dasjenige Lebewesen ist allen anderen überlegen, welches am höchsten fliegen kann / am tiefsten tauchen kann / am längsten lebt / sich am schnellsten fortbewegen kann / ...", würde der Mensch ganz schlecht abschneiden. Und ob wir diesen oder jenen Standard wählen, ist die reine Willkür.

Noch eine Nebenbemerkung: Genau dasselbe Argument gilt auch, wenn man behaupten will, dass innerhalb der Spezies homo sapiens diese oder jene Gruppe dieser oder jener anderen Gruppe von Natur aus überlegen sei (einmal davon abgesehen, dass es menschliche Rassen noch nicht einmal gibt, im Gegensatz zu verschiedenen Spezies). Genausowenig, wie die Evolution den Menschen hervorbringen wollte oder gut findet, wollte sie Menschen mit heller Haut hervorbringen oder findet sie diese gut. Und zu sagen, dass "die Weißen" "den Schwarzen" von Natur aus überlegen seien, weil "die Weißen" z. B. die griechische Philosophie hervorgebracht haben, ist genauso willkürlich wie die vorigen Überlegenheitsstandards (ganz davon abgesehen, dass 99,999...% "der Weißen" zur griechischen Philosophie absolut nichts beigetragen haben): Warum wählen wir die griechische Philosophie als Kriterium, wer wem überlegen ist? Warum nicht z. B. die Fähigkeit, das eigene Wirtschaftssystem so zu organisieren, dass man damit nicht die Umwelt kaputt macht?

(PS: Der letzte Absatz soll Dir nicht vorwerfen, du wärest Rassist oder Sozialdarwinist. Ich wollte nur die Gelegenheit nutzen, aufzuzeigen, dass Rassismus und Sozialdarwinismus sich nicht auf die Evolutionstheorie berufen können, sondern im Widerspruch zu dieser stehen, weil es sich gerade so gut angeboten hat).

Seit Darwin "wissen" wir gar nicht mehr als vorher. Es ist ein alter Hut, dass der Widersacher nur mit Rhetorik und mit Infragestellung kommt, und er lockt den Menschen gerne über den Verstand und scheinbar intelligente Worte.

Sie füllen viel Zeit und beanspruchen die Zeit zum Lesen. Man kommt sich intelligent vor...

Bewiesen ist gar nichts. Es heißt EvolutionsTheorie. Und dieser alte Hut bringt uns keinen Deut mehr Frieden in unser Gewissen. Es hilft uns nicht die Bohne, wie wir siegreich gegen fiese Mobber bestehen. Es gibt uns in schlimmen Zeiten keinen Frieden. Es bringt Armen nichts, ob sie von einem Affen abstammen oder es einen Schöpfer gab - sie brauchen Barmherzigkeit.

Gott hat nie was Böses im Schilde geführt, aber alle Bosheit der Kriege unterstellen die Menschen Gott.

Die biblische Botschaft, bes. seit Jesus, ist Frieden, Vergebung, Hingabe und Nächstenliebe OHNE Waffengewalt.

Wer das Schwert oder Waffen in die Hand nimmt und schießt und dabei Jesus ruft, wird ein Problem mit selbigen haben.

Außerdem gibt es viele Gegenbeweise gegen die Evolution - aber es ist egal wie die Welt entstand.

Die Menschheit ist so verdorben, so brutal zu Kindern, Frauen, Rassen und Tieren...- die Menschheit brauchte dringend einen Retter. Und das kann den Gläubigen keiner nehmen: Frieden - ob Affe oder nicht.

Jesus tat nur Gutes. Und wer glaubt, er sei erfunden, der hat sich noch nicht beschäftigt mit genügenden Beweisen, die Gott uns verstandesgesteuerten Menschen zu Hauf bewahrt hat.

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