Depressiv / Selbstmitleid / Aufmerksamkeit?

8 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Sieht so aus, dass deine Freundin einen ganzen Stall von Problemen hat. Ich würde aber nicht soweit gehen zu sagen, dass sie keine Depressionen oder depressive Phasen hat. Das ist ja nicht wie beim Fieber messen, dass man was ins Ohr steckt und einen genauen Wert angezeigt bekommt.

Psychische Krankheiten zu diagnostizieren ist aufwendig und schwer. Und du bist ja bei den Gesprächen mit ihrem Psychologen nicht dabei. Vielleicht sagt sie da nicht alles oder vielleicht sagt sie euch nicht ihre genaue Diagnose oder vielleicht gibt es auch keine eindeutige Diagnose. 

Aber das ist ja auch gar nicht wichtig. Es geht ja mehr darum, dass dich ihre Sucht nach Aufmerksamkeit nervt und ich würde sagen diese Sucht ist Teil ihrer Persönlichkeitsstörung. Das Ritzen ist ja oft auch ein Schrei nach Aufmerksamkeit und eigentlich würde ich sagen ist es ein relativ gutes Zeichen, dass sie zumindest offen mit ihren Problemen umgeht. 

Besser als es in sich reinzufressen. Jetzt kenn ich sie natürlich nicht gut genug, um nach zu empfinden ob sie nur dringend einen Freund sucht, der sie versteht oder ob es ihr generell nur darum geht Aufmerksamkeit zu kriegen. Sie tut mir auf jeden Fall leid und ich kann aber auch dich verstehen, dass das nervt.

Mit Menschen umzugehen, die eine Persönlichkeitsstörung haben und davon gehe ich bei ihr jetzt einfach mal aus, ist wirklich schwierig. So jmd braucht auf jeden Fall professionelle Hilfe, am besten auch eine Kur, wo sie mal mehrere Wochen etwas über ihre eigene Krankheit lernt, denn nicht nur das Umfeld muss lernen damit umzugehen, sondern sie muss auch lernen wie sie mit "normalen" Menschen umgehen sollte. 

Ihre Methode offensiv einfach jedem das zu erzählen ist ja offensichtlich nicht die beste Strategie, aber wie gesagt was da richtig oder falsch ist vermag ich aus der Ferne nicht zu sagen. Sie braucht auf jeden Fall Hilfe und du kannst dich ja frei entscheiden, ob du selbst genug Kraft und Nerven hast ihr ein Freund zu sein. 

Aber du musst auch auf dich aufpassen und klare Grenzen ziehen. Wenn ihr gute Freunde seid und sie dir ein wenig vertraut dann ist es auch völlig ok sie mal offen darauf anzusprechen. Treff dich doch mal privat mit ihr, verbring nen halben Tag mit ihr allein und rede mal ausführlich mit ihr. 

Das ist erstens ne gute Tat und schadet dir sicher nicht im Leben Empathie zu zeigen, aber du machst es nicht nur für sie, sondern auch für dich. Weil bei diesem Gespräch wirst du merken wo ihr eigentlich steht. Vertraut sie dir genug, dass sie deine Meinung überhaupt ernst nimmt und kann sie auch was Sinnvolles dazu sagen?

Es ist nicht garantiert, dass sie ihr Verhalten nach dem Gespräch sofort bessern kann. Da muss man auch ein bisschen Geduld haben. Für sie ist es vielleicht wirklich alles sehr hart. Aber bei dem Gespräch wirst du merken, ob du weiter mit ihr eng befreundet sein willst, ihr ne Stütze sein willst oder ob da gar kein so richtiger Draht ist und du dich in Zukunft etwas mehr im Hintergrund hälst. 

Und das wäre dein gutes Recht. Ich halte das für den richtigen Weg. Treff dich mal mit ihr allein und sprich das offen an. Sag ihr, dass du ihre Situation verstehst, aber dass sie aufpassen muss, weil wenn sie jedem zu viel erzählt dann kann es sein, dass sie damit negativ auffällt. Vielleicht ist ihr das so gar nicht klar. Sich mitteilen ist ok, sich in den Mittelpunkt drängen nicht. Auch nicht, wenn man tatsächlich krank ist. 

Du kannst ihr ja sagen, dass du immer für sie da bist, wenn was ist, aber dass sie aufhören muss ständig und nur darüber zu reden, weil das nichts bringt. Wenn ein konkretes Problem vorliegt, schlimmer Tag, schlimme Phase, kann sie es ja mal erwähnen, aber es darf nicht das einzige Thema in einer Freundschaft sein, sonst funktioniert das nicht. 

Sie ist ja nicht schizophren, sie wird deinen Gedanken folgen können und dann siehst du ja wie sie sich entscheidet und ob sie an sich arbeiten möchte, denn auch der Kranke muss natürlich bereit sein auch an sich zu arbeiten. Sie kann nicht erwarten, dass andere ihre Probleme lösen, wenn sie sich selbst überhaupt nicht auf andere einlässt. Und zusätzlich braucht sie halt echte Hilfe von Profis. 

Da würde ich sie auch mal genau fragen, ob sie das Gefühl hat den richtigen Arzt zu haben und ob sie nicht mal mit Eltern oder dem Arzt reden möchte eine stationäre Therapie zu machen. 

Alles Gute!

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Mir gefällt deine Antwort sehr gut und ich hätte es nicht viel anders formuliert. Ergänzen möchte ich noch, dass sie mit 16 wahrscheinlich auch zusätzlich zu den mehr oder weniger offensichtlichen Problemen, die sie hat (und damit meine ich tatsächlich eher, was da im Hintergrund passiert und nicht, was sie inhaltlich teilweise auch ein bisschen beliebig weitergibt) noch mitten in der Pubertät steckt. Und das ist für die allermeisten Menschen eine turbulente Zeit, weil sowohl Körper als auch Gehirn in dieser Phase quasi Baustellen sind.  Auch deshalb kann es sein, dass es ihr vielleicht erstmal schwer fällt, das richtig zu verstehen geschweige dem darauf basierend eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Eventuell reagiert sie darauf nicht so gut, wenn jemand das anspricht, was aber nicht heißen soll, dass das nicht richtig wäre, das zu tun,  ganz im Gegenteil. Ich würde mir als Freund vorher überlegen, wie ich das am besten formuliere und auch damit rechnen, dass sie es nicht (gleich) versteht und im schlimmsten Fall sogar aggressiv reagieren könnte. Aber man merkt schon, dass dem Fragesteller viel an dem Mädchen liegt, sonst würde er sich nicht so viele Gedanken machen und hier Rat suchen. Und als guter Freund muss man sowas auch ansprechen, finde ich. Ich wäre halt ein bisschen vorsichtig mit Interpretationen, und würde eher nochmal genauer nachfragen, wie sie das erlebt. Denn selbst wenn Aufmerksamkeit sicher ein Aspekt ist ist es wahrscheinlich eher ein Symptom als der eigentliche Zweck des Ganzen. Ich vermute da (so weit das aus der Ferne überhaupt möglich ist) auch sowas wie eine Persönlichkeitsstörung, eventuell in Richtung Borderline. Das tritt übrigens auch häufiger zusammen mit AD(H)S auf. In jedem Fall finde ich toll, dass sich jemand solche Gedanken um sie macht - egal, wie man sich letztlich entscheidet, ob man sich (auch zum Selbstschutz) erstmal zurück zieht oder die Freundschaft ähnlich intensiv weiterführt - nur, wer Probleme auch anspricht, ist meiner Meinung nach ein echter Freund. Viel Glück bei dem Gespräch und bleib so aufmerksam, wie du bist, lieber Fragesteller. :)

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@Kruemel1981

Super Antwort von Punxsu, herzlichen Dank für den ausführlichen Text :) Auch dir Krümel, vielen Dank für die Ergänzung. Ich werde mir eure Antworten zu Herzen nehmen und mal vorsichtig mit ihr darüber reden. 

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Das diagnostische Label ist - glaube ich - gar nicht so wichtig. Auch wenn es "nur" extreme Suche nach Aufmerksamkeit und Ritzen wäre, kann man das mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit als behandlungsbedürftig einstufen. Ob du das jetzt Depression nennst oder Suche nach Aufmerksamkeit - in beiden Fällen scheint deine Freundin ein Problem zu haben.

Du kannst sie ja mal fragen, ob sie denn eigentlich Antidepressiva bekommt, bzw. was der Psychiater zu der Frage sagt, ob sie eine Depression hat.

Ggf. reicht ein Besuch beim Psychiater nicht aus, und es kann sein, dass deine Freundin eine Therapie bei einem Psychologischen Psychotherapeuten bräuchte (Termine beim Psychiater sind meist kürzer und nach meiner Erfahrung auch nicht unbedingt so therapieintensiv).

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Es wurden Abklärungen bezüglich Depressionen gemacht und sie hat depressive Züge, allerdings keine ausgeprägte Depression. Antidepressiva bekommt sie nicht, nur Methylphenidat gegen das ADHS. Ich stimme dir zu das dieses Verhalten auch behandlungsbedürftig ist, aber sie wird sich das nicht eingestehen und ich kann schlecht zu ihrem Psychiater gehen und ihm die Situation schildern.

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Wenn sie ADHS hat, dann kann es durchaus sein, dass sie alle Leute mit ihren Problemen zuquatscht, auch wenn sie tatsächlich schwer depressiv ist.

Unpassende Gespräche führen ist ein Symptom von ADHS, das geht auch bei einer Depression nicht weg.

Sie hat auf alle Fälle ein schweres Problem.

Aber Du solltest ihr schon klar und eindeutig sagen, wie das bei anderen ankommt.

Wieso ist das Schulsystem so unsinnig?

Das wird vermutlich etwas länger. Ich freue mich über jeden, der den Text liest.

Also ich war eigentlich eine ganz normale Schülerin auf der Realschule.

Irgendwann fing ich an nicht mehr so oft in die Schule zu gehen. Ich bekam dort jedes Mal richtig große Angst. Ich habe das lange für mich behalten und musste die 7. Klasse wiederholen. Doch auch so wurde es nicht wirklich besser.

Irgendwann haben meine Eltern das bemerkt und ich landete ein paar Monate in der Klapse. dort wurde vieles schlimmer aber mir zuhause auch niemand wirklich helfen konnte, war ich in einer anderen Klinik. Psychosomatik oder so.

Auf jeden Fall hätte ich die 7. Klasse wieder widerholen müssen auf der real. Also kam ich in die 8. Aufe Hauptschule. Dort hatte ich einen Rückfall mit der Schulangst. Daher musste ich in die 7. Wegen nicht bestandener Probezeit.

Ich habe neben vielen anderen mental health Problemen auch adhs. Wegen einer Essstörung die mittlerweile eig geheilt ist darf ich keine Medikamente bekommen. Ich kann mich null konzentrieren. Daher muss ich die Haupt bald verlassen.

Ich hatte Freitag ein Gespräch mit einer sozialen Arbeiterin, die schlug statt der Lern Sonderschule eine Schule für Schulschwänzer vor. Dort habe ich mehr Möglichkeiten als auf der Sonderschule. Aber auch dort habe ich wieder eine Probezeit und vorher ein Test . Da geht es dann auch um Leistung und ich habe einfach Angst auch das wegen mein adhs nicht zu schaffen.

Aber ich gehöre nicht auf eine Sonderschule. In der Klapse wurde auch mein IQ gemessen und der ist im guten Bereich. Der genaue Wert wurde mir nicht gesagt, aber der ist wenigstens durchschnittlich.

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Wäre cool wenn jemand fundierte Antworten hätte :)

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