Depressionen im Praktikum. Wie Gespräch mit Chef suchen?

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5 Antworten

Überleg dir, ob du evtl. nicht 100% die Wahrheit mit deiner Krankheit sagst. Da es in psychiatrischen Kliniken oftmals auch ein neurologisches Zentrum gibt (und das auf der Krankmeldung dann auch so drauf steht), würde ich sagen, dass du ein neurologisches Problem hast und das mittels Tests, etc. nun richtig diagnostiziert werden muss.

Ich habe es auch so gemacht, als ich wegen Depressionen in die Psychiatrie kam und lebe gut damit.

Es geht ja auch keinen etwas an, was du hast. Es sollte also auch deinen Chef nicht bis ins Detail interessieren.

Wünsche dir viel Kraft und Durchhaltevermögen!

Silli0815 31.05.2012, 10:05

Ich will es auch nicht so arg ausweiten. Dass ich Medikamente nehme und händeringend nach einem Therapieplatz suche, weiß mein direkter Chef, aber sonst auch keiner. Ich habe überlegt, mich einweisen zu lassen, Überweisung liegt auch hier, aber die nehmen einen nicht so leicht auf, außer man ist akut gefährdet! Andernfalls muss ich warten, bis halt was frei ist! Mein Psychiater rät auch eher zu einer psychosomatischen Klinik, als zur Psychiatrie. Ich bin denen einfach nicht krank genug.

Ich WILL diesen Job haben. Ich will es so sehr und raus aus ALG II, aber derzeit schaffe ich es nicht. Wobei ich ja auch erst zum 01.07. oder 01.08. fit sein muss. Aber ich bin mir sicher, dass ich mich schnell wieder fange. Naja, ich hoffe es zumindest. Danke fürs Mut machen!! Ich kann es selbst nicht fassen, dass ich mir wieder so im Weg stehe!

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primavera88 31.05.2012, 10:13
@Silli0815

Nun ja, du könntest auch mit dieser Einweisung zur Psychiatrie gehen und sagen, dass du hin und wieder an Selbstmord denkst. Dann behalten die dich sofort da. Da kommst du dann aber erst einmal auf die geschlossene Station. Ich persönlich war dort zum Glück nur zwei Tage. Du kommst dann schneller auf eine offene Station, als wenn du dich von "extern" auf eine Warteliste setzen lässt. Das musst du aber selbst entscheiden, je nachdem, wie erträglich bzw. unerträglich deine momentane Situation ist. Ich bin damals hingefahren mit der Einweisung, hatte ein Gespräch mit einer Psychiaterin und habe ihr gesagt, dass ich mich nicht 100% von Selbstmordgedanken distanzieren kann. Sie hat mich dann dort behalten.

Die sehen ja dann aber, wie es dir geht. Und zum Thema Diagnose: Wenn du glaubst, dass du eher auf eine psychosomatische Station musst, dann hast du aber etwas schwerwiegenderes bzw. anderes als Depressionen. Borderline? Das habe ich. Wurde mir dann aber auf der offenen Station diagnostiziert und dementsprechend weitergeholfen.

Also falsch machst du nichts, wenn du dich einweisen lässt. Noch hast du Zeit bis Juli/August. Besser die Sache sofort angehen, als noch unnötig Zeit verstreichen zu lassen!

Oftmals hilft es auch, erst einmal dort (Psychiatrie) aufgefangen zu werden. Ich weiß nicht, ob du schon einmal in einer warst, aber mir hat es, wie gesagt, sehr geholfen.

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Silli0815 31.05.2012, 10:18
@primavera88

Davor habe ich Angst. Habe Dienstag mit meinem Psychiater gesprochen, dass ich Angst habe, in einer geschlossenen keine Kontrolle mehr zu haben. Dass ich besser in einen psychosomatrischen Bereich gehen solle, kam vom Psychiater, aber die nehmen mich auch nicht so schnell auf, mit denen habe ich schon telefoniert. Ich glaub echt, dass es nur über "Hallo hier bin ich und gleich bringe ich mich um" geht.

Es ist schwer, wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt.. Aber du hast recht, ich MUSS jetzt handeln! Ich kann und will nicht warten, bis ich Anfang 2013 einen Platz bekomme. Mir gehts jetzt mies, ich ritze mich jetzt jeden Tag!

Wie stelle ich mir das vor? Tasche packen und hingehen? Puh..

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primavera88 31.05.2012, 10:27
@Silli0815

Ja, die müssen da so vorgehen, weil die Psychatrien - leider - total überfüllt sind. Sag ihnen, dass du dich momentan von Selbstmordgedanken nicht komplett distanzieren kannst. Und wenn du dann auf der geschlossenen Station bist, sind die Eindrücke zwar schon teilweise echt krass, aber die Psychiater dort sehen ja auch, dass du nicht schizophren o.ä. bist und lassen dich nicht länger als notwendig in der geschlossenen Station. Wie gesagt - ich kam dort nach 2 Tagen raus und dann ging's auf die offene! Und dort war's natürlich ganz anders: Mit verschiedenen Therapien, etc. Ich habe diese Entscheidung keine Sekunde lang bereut! Du wirst dann auch viele Menschen treffen, denen es genauso oder ähnlich wie dir geht und allein das hilft schon ungemein!

Genau so kannst du es dir vorstellen: Pack deine wichtigsten Sachen ein und fahr mit der Einweisung hin! Klar, ist das für einen selbst total befremdlich, allein die Vorstellung daran, aber wenn du nichts machst, wird es sicher nicht besser! Ich denke, das weißt du selbst (wenn du das Problem schon länger hast...).

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Silli0815 31.05.2012, 10:37
@primavera88

Vielleicht muss ich da nun einfach durch! Hab halt auch Angst, dass man mir das Telefon wegnimmt, ich keinem Bescheid sagen kann und man sich Sorgen macht.. naja wobei, seit ich vor zwei Wochen einen Absturz hatte, bei dem ich mich verletzt und massiv geblutet habe, hat sich mein bester Freund auch nicht mehr gemeldet. Es wäre den Leuten eh egal ob ich da bin oder nicht! Die meisten können mein "blödes Gerede" (Zitat von gestern..) nicht mehr ab!

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primavera88 31.05.2012, 10:42
@Silli0815

Wie nett... Auf solche Kommentare kannst du gut verzichten. Ich glaube aber auch, dass viele einfach nicht wissen, wie sie mit sowas umgehen sollen.

Das Handy werden sie dir dort abnehmen, weil man mit den Handys "von heute" Fotos von den anderen Patienten machen könnte (wurde mir so gesagt). Bei uns gab's aber ein Münztelefon (Kleingeld mitnehmen!) und da kannst du 24h/Tag telefonieren!

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Silli0815 31.05.2012, 10:57
@primavera88

Oft hilft es, wenn jemand einfach nur zuhört oder für einen da ist, damit man selbst nicht alleine sein muss! Aber das brauche ich dir ja nicht zu erzählen ;-)

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In diese Offensive würde ich an deiner Stelle nicht gehen. Ich kenne zwar die Firma nicht, bei der du bleiben möchtest, aber ich bin da sehr skeptisch.

Du hast Angst, dass die Geschäftsführer denken könnten, du würdest viele Krankheitszeiten haben - erstens weißt du gar nicht, ob sie das wirklich denken und zweitens bringst du sie erst drauf, wenn du von deinen langfährigen Depressionen erzählst.

Wenn du aber etwas erklären möchtest oder musst, dann gib keinen Grund an! Es macht schon Sinn, dass Arbeitgeber auf diese Information kein Recht haben. Rede höchstens so, dass du so einen Zusammenbruch vor mehreren Jahren schon einmal hattest und ihn damals gut überstanden hast, also: du kennst das und du kriegst es hin. Formulier es so, dass es nicht gelogen ist, aber sag nicht die ganze Wahrheit und strahle möglichst aus, dass du selber zuversichtlich bist (dieses Gefühl darfst du haben und du kannst es trainieren: du hast ja selber schon einige Gründe für Zuversicht genannt). Die Geschäftsführer müssen zu dem Eindruck kommen: betriebswirtschaftlich rechnet es sich immer noch, da sie mit deiner Leistung zufrieden sind.

Nicht verwechseln: deine Befürchtungen sind das eine, die tatsächlichen Gedanken anderer Menschen sind das andere!! Sag dir selbst lieber: jeder Mensch darf krank sein, auch ich, und ich bin auf einem guten Weg.

Silli0815 31.05.2012, 10:31

Sehr schöne Antwort, danke. In vielem denke ich ähnlich. Ich will mir mit diesem Gespräch heute nachmittag nicht selbst ein Bein stellen, aber ich will denen klar machen, dass ich das absolut will! Das ist die Branche, in die ich will! So sehr, dass ich mir eben zu viel Druck mache! Ich LEBE dafür, weil ich damit Hobby, Leidenschaft und Beruf verbinden kann!

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ereste 31.05.2012, 10:43
@Silli0815

Ich wünsche es dir von ganzem Herzen, dass es klappt. Diese Motivation bei dir ist ein ganz großer Pluspunkt! In dem Gespräch könntest du von deiner Aufgeregtheit spreche und davon, dass du dir wohl zu sehr diesen Druck des "Unbedingt-Wollens" nach langer Arbeitslosigkeit gemacht hast, aber besser nicht von Depression. Das erste klingt nach "das wird schon werden", das zweite klingt nach Schwierigkeiten mit dem Thema Belastbarkeit. Alles Liebe!

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Silli0815 31.05.2012, 10:53
@ereste

Genau das ist meine Angst! Dass er denkt, dass ich bei jedem bisschen Stress direkt zusammenbreche. Das ist nämlich nicht der Fall! Andererseits wissen sie, was sie an mir haben. Wen sie wen neuen ungesehen einstellen, riskieren sie ja auch, dass was schief läuft, derjenige nicht passt, sich nicht eignet, was auch immer ;) Ich fühle mich jetzt schon ein wenig gewappneter. DANKE!

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Sollte das hier nochmal wer lesen: Dass ich offen und ehrlich auf den Geschäftsführer zu bin, hat sich als richtiger Schritt herausgestellt. Mittlerweile wurde mir eine Festanstellung angeboten, die ich natürlich annehmen werde! Wow, endlich arbeiten und eigenes Geld verdienen! =)

Auch wenn es schwer ist: Rede nicht groß mit ihm drüber; außer er ist bekannt dafür zuhörerisch, rücksichtsvoll zu sein.

Ein Chef hat ganz viele Sachen zu managen; Deine Krankheit kannst du nebenberuflich in den Griff bekommen, 1x die Woche Psychologe würde sich anbieten.

SchneekugeI 31.05.2012, 10:11

Kannst du denn nicht lesen? Er muss mind. 9 Monate warten, um nen Therapie-Platz zu bekommen!

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Silli0815 31.05.2012, 10:12

Therapieplatz bekomme ich halt erst in 9-12 Monaten. Stehe auf fast allen Wartelisten dieser Stadt und warte nun ab!

Ich denke halt, wenn ich jetzt weiter krankgeschrieben bleibe, habe ich keine Chance mehr, den Arbeitsplatz, auf den ich eingearbeitet werde, auch zu bekommen! Daher erachte ich es als sinnvoll, denen zu sagen, dass ich gerade ein Tief habe.

Ich kann nicht abschätzen wie er reagiert, das stimmt. Aber ich denke es ist meine einzige Chance.. ?!

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primavera88 31.05.2012, 10:18

Das kann man doch so pauschal nicht sagen! Es gibt auch schwerwiegende Probleme, die man haben kann, die nicht mit 1x Psychologe/Woche zu lösen sind! Ganz zu schweigen davon, dass man dort auch erst einmal auf Wartelisten gesetzt wird und es sich unter Umständen MONATE hinziehen kann, bis man den für sich geeigneten Therapeuten, mit dem es auch passt, gefunden hat.

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Silli0815 31.05.2012, 10:22
@primavera88

Meine letzte Therapie habe ich bei einem Therapeuten gemacht, mit dem ich gar nicht gut klar kam. Er mochte mich aber auch nicht so sehr, hatte ich das Gefühl. Ich habe es dann eben gemacht, weil ich nicht nochmal ewig warten wollte!

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buongiorno111 31.05.2012, 10:46
@Silli0815

Ich bin aus Bayern und habe 2 Monate gebraucht um in Österreich einen Therapieplatz zu bekommen. Thinking outside the of the box.

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Silli0815 31.05.2012, 10:55
@buongiorno111

Da macht die Krankenkasse mit? Jede Landesgrenze ist von mir hunderte km entfernt, das nächste ist Frankreich mit gut 220 km! Und das eignet sich nicht, um einmal wöchentlich einen Gesprächstermin wahrzunehmen.

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buongiorno111 31.05.2012, 11:06
@Silli0815

Ich sags dir direkt: In deiner Depression siehst du die Möglichkeiten überhaupt nicht, wie es aussieht. Die AOK hat es bei mir mitgemacht. Meine Sozialpädagogin kannte die Sachbearbeiterin privat, und somit ging die Prozedur, mit Antragstellen etc. schneller. Wenn es drauf auf drauf kommt, musst du dich selbst mit deiner Depression auseinander setzen. Ich sage nur: Es gibt Büchereien mit dem Fachgebiet, da steht alles drin was du drüber wissen musst, du wirst dich oft angesprochen fühlen. Es ist so, dass Depression von außen nicht "beachtet" wird, weil es einfach ein düsteres Thema ist. Aber sollte sich durch die Krankenkasse keine Möglichkeit ergeben, dann musst du das Wissen um dich selbst in die Hand nehmen. Ich empfehle dir ganz stark, dich in der Zeit vom PC, oder sonstigen Ablenkungsmitteln zu distanzieren, deinen Tag zu strukturieren, dich beim Sport auszupowern und diese 9 Monate durchhälst. Versuch es doch einfach mal. Wer nicht handelt, wird behandelt. Und nicht weil es schwer ist wagen wir es nicht, weil wir es nicht wagen ist es schwer.

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Silli0815 31.05.2012, 11:11
@buongiorno111

Ich möchte eben nicht warten und mich ablenken, sondern arbeiten. Klar werde ich wieder eine Therapie machen, aber irgendwas muss JETZT passieren. Naja, sollte ich die Stelle nicht bekommen, habe ich ja wieder viel Zeit, mich mit mir zu beschäftigen :-/

Habe mich gestern erst an der Uni Bibliothek angemeldet. Ich glaub die bieten sogar Psychologie an und müssten einige Bücher haben. Ich lese derzeit "Sorge dich nicht, lebe" von Carnegie. Ich bin wirklich gewillt, etwas zu ändern und an mir zu arbeiten!

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Sieh doch zu das du diesen Job behalten kannst,die Krankheit natürlich solltest du auch in den Griff bekommen.

Silli0815 31.05.2012, 10:13

Genau das will ich, ich will diesmal übernommen werden! Aber derzeit sieht der Chef eben nur, dass ich krank geschrieben bin und das macht einen miesen Eindruck.

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