Depressionen bei der besten Freundin - wie verhalte ich mich nun richtig?

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4 Antworten

Es ist schwierig mit einem Menschen mit Depressionen umzugehen. Diese Menschen sehen einfach alles durch einen schwarzen Schleier und können einfach auch nicht positiv denken oder die positiven Worte anderer glauben. Daher sollte man nach Möglichkeit auch vermeiden die Person zwanghaft aufheitern zu wollen. Was ich damit genau meine und wie man meiner Erfahrung nach am besten mit einer Person mit Depressionen umgeht erklärt folgender Textausschnitt sehr gut:
"Wenn ich großen emotionalen Schmerz verspüre und einen geliebten Menschen bei mir habe, dann will ich, dass die Person für mich da ist. Dass die Person meine Gefühle respektiert und mich in meiner Trauer ernst nimmt. Dass die Person wahrnimmt, wie es mir geht und mir die Freiheit gibt, meine Gefühle auszudrücken, ohne mich dabei zu verurteilen, krampfhaft aufzuheitern oder meine Gefühle zu bagatellisieren. Wenn ich über meine Gefühle reden will, ist das ok und die Person hört mir aufmerksam zu und wenn ich schweigen will, ist das auch ok und wir schweigen einfach gemeinsam. Ich will, dass die Person mir einfach nur zeigt, dass ich mit meinem Schmerz nicht alleine bin. Dass ich jemanden habe, der für mich da ist.

Und wenn ich weinen muss, ist es schön, einfach sanft in den Arm genommen zu werden, ohne Scham vor meinen Gefühlen. Einfach nur gehalten werden, während man sich ausweint. Und schließlich, nach einer Weile, wenn ich mich beruhigt habe, hilft mir die Person aufmunternd, wieder auf die Beine zu kommen.

Aber in den langen Jahren der Depression habe ich leider nicht sehr oft solche Reaktionen von meinen Mitmenschen bekommen, wenn ich versucht habe, mich und meine Gefühle auszu- drücken. Am ehesten noch von meiner jeweiligen festen Freundin, doch selbst hier habe ich in frustrierender Regelmäßigkeit nicht unbedingt das bekommen, was ich gebraucht hätte.

Ein paar Beispiele gefällig, welche Reaktionen man stattdessen oft erntet?

Gutgemeinte Ratschläge: „Nimm das Leben nicht so schwer“, „Sieh die Sache doch mal positiv“, „mach doch einfach XY“

Unverständnis: „Du hast doch gar keinen Grund, so traurig zu sein. Was ist nur mit dir los?“

DenSchmerzbagatellisieren:„Hey, den Kindern in Afrika geht es viel schlechter als uns hier...“

Erklärungen, warum deine Gedanken und Gefühle irrational sind

Aufforderung zu mehr Optimismus: „Sieh doch mal die positive Seite an der Sache!“

Die depressive Person meiden

Wütend werden: „Verdammt jetzt hör endlich auf damit!“

SchlechtesGewissenmachen:„Ich bin in letzter Zeit auch ständig traurig wegen dir“„Du machst mich manchmal so fertig“

Beschuldigen:„Du bist doch eigentlich selbst schuld an deiner Situation“,„krieg einfach dein Leben auf die Reihe, statt hier rumzujammern“.

Nicht zuhören oder ignorieren, dass es dir nicht gut geht oder das Thema wechseln

Und der Klassiker: „ach sche** drauf, lass uns einen saufen/high werden“

Kommen dir manche dieser Reaktionen bekannt vor? Sicherlich hast du beide Seiten schon erlebt. Natürlich sind nicht alle der oben genannten „negativen“ Reaktionen per se schlecht. Doch in Momenten tiefer Trauer ist es wichtig, einen Raum für den eigenen Schmerz zu schaffen, statt zu versuchen, die negativen Gefühle so schnell wie möglich zu ändern. Nach einer Weile, wenn man sich ein wenig beruhigt und stabilisiert hat, ist man meist auch bereit, konstruktiven Lösungsvorschlägen zuzuhören." - Jannis Freistedt

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Sie wird sich denken das sie eine last sei und euch nur nerven würde
du musst dir vorstellen du seist sie und die anderen würden dich nicht verstehen auch so lieb es gemeint sei.
Von Kliniken halte ich persönlich nichts
Vl. hilft ihr ein freund dem sie vertraut und ihm alles erzählen kann :3

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Es ist wirklich manchmal sehr anstrengend, wenn die beste Freundin alles Negative auf sich bezieht und die Schuld bei sich sucht. Am besten ist es, sich nicht auf Diskussionen einlassen. In 1.Linie geht es darum einfach dazu sein, sie so zu lassen, wie sie ist, denn im Moment kann sie nichts annehmen. Es klingt so, dass sie in ihrem Denken völlig eingeengt ist und dzt. keine Perspektiven sehen kann.
Vielleicht probiert ihr nur kurze Kontakte, dafür aber regelmäßig und nur aktuelle Hilfsangebote, wie Einkauf, sofern sie es nicht schafft oder kurzer gemeinsamer Spaziergang. Könnt ihr sie um Hilfe für Miniaufgaben ersuchen (gibt ihr auch das Gefühl, dass sie etwas für euch zu tun kann), einfach ausprobieren.

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Hi Unrii. Da ich ebenfalls mit Depressionen Erfahrung gemacht habe, versuche ich dir mal zu sagen, was mir persönlich geholfen hat. Es ist sehr gut, dass du und dein Freund eurer Freundin beisteht und sie bei euch Halt finden kann - ihr könntet vielleicht versuchen ihre Eltern miteinzuschalten, das kann helfen, da sie viele verschiedene Personen hat an die sie sich wenden könnte. Wichtig ist auch, auch wenn sie abblock, immer versuchen was zu unternehmen, sei es auch täglich 30 Minuten zu spazieren. Hierbei müsst ihr sehr ruhig und mit bedacht an die Sache gehen, ihr neue Anregungen geben und sie aufmuntern. Falls deine Freundin körperliche Symptome verspürt - Übelkeit, Schwindel oder ähnliches, könnt ihr versuchen zur Akupunktur zu gehen, bei mir haben 4 Sitzungen die Symptome stark gemindert (ich sehe anhand deines Profils, dass ihr aus Köln kommt, in Ehrenfeld gibt es einen sehr guten). Außerdem hilft Sport sehr sehr viel, immer Bewegung. Ich bin pro Woche 3x ins Fitnessstudio gegangen, nur wegen meinem Bruder (glücklicherweise). Ihr müsst euch mit ihr hinsetzen und so nen Plan ausarbeiten, was sie gerne im Leben erreichen möchte, was sie noch gerne erleben würde und versuchen das zu realisieren. Jetzt zum Thema Klinik: Da stehe ich leider kritisch dazu.. Für deine Freundin ist die Situation aussichtslos, aber ich glaube kaum, dass sie alles versucht hat, damit es ihr besser geht. Ihr wird die Klinik nichts bringen, wenn sie bisher keine Besserun gezeigt hat. Das Problem mit der Klinik liegt darin, das man sehr häufig später auf Medikamente angewiesen sein wird. Wovon ich wirklich, aus tiefstem Herzen abrate. Wenn es wirklich so schlimm ist, geh mit ihr zum Hausarzt und lasst ihr "Jarsin" verschreiben, das ist ein pflanzliches Antidepressivum, was definitiv leichter abzustellen ist und nicht so viele Nebenwirkungen hat. Ich wünsche euch viel Erfolg und Gute Besserung! Bei Rückfragen könnt ihr euch gerne melden!

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