Depression: Psychische Krankheit oder Emotionale Krise?

7 Antworten

Hallo ManuScript,

du beschreibst genau das, was ich über viele Jahre immer wieder von Menschen gehört habe, die in der Psychiatrie waren. Vollständige Entmündigung, Abschießen mit Haldol und extrem unzureichendes Therapieangebot.

Ohne anschließendem Aufenthalt in hilfreichen Umgebungen taugt die herkömmliche Psychiatrie bestenfalls zu einer Krisenintervention.

"Ein Ungleichgewicht in der Hirnchemie" welches sich leicht raus medikamentieren lässt. Das ist meiner Meinung nach der größte Irrtum der "Ärzte", die den Menschen wie überwiegend mechanisch sehen und entsprechend hilflos agieren.

Das auszusprechen ist tabu und wird oft als Nestbeschmutzung gesehen.

Dennoch sträubt sich alles in mir, diese Erkenntnis zu akzeptieren, denn das ist für unser reiches Deutschland völlig unwürdig.

Ein wichtiges Kriterium ist die Bewusstheit eines Menschen. Die hängt stark vom energetischen Umfeld ab, in dem ein Mensch lebt. Dieses Feld ist in einer Psychiatrie extrem niedrig und wirkt ständig auf die Ärzte, Pfleger und Patienten. Etwas übertrieben könnte man sagen, man versucht weiße Wäsche mit Tinte zu waschen.

Ich kann auch niemand eine Schuld zuweisen. Um die Verhältnisse entscheidend zu verbessern, brauchte man tiefgreifendes Wissen, sehr viel Liebe, einen wirklich guten Willen und Unmengen an emotional qualifiziertem Personal. Das ließe sich finanziell aber nicht durchsetzen, so dass mir und vielleicht auch dir nur die Hoffnung bleibt.

Ich versuche mich über den geschichtlichen Hintergrund zu retten, indem ich an Zeiten zurück denke, als die Psychiatrien noch Irrenanstalten hießen und die Patienten außer stofflicher Nahrung wirklich gar nichts bekommen haben. Gegenüber den früheren Zuständen ist die Psychiatrie sicher fortgeschritten, doch es gibt noch viel zu tun.

Alles Gute, insbesondere für die Menschen, die auf eine Psychiatrie angewiesen sind.

Depressionen sind etwas völlig anderes als Überforderung (Selbsterfahrung). Das mit der Gehirnchemie mag stimmen, doch so einfach wie "ein Mangel an Serotonin" ist es sicher nicht. Sonst würden Medikamente, welche die Wiederaufnahme von Serotonin hemmen bei allen Menschen wirken und dies tun sie nachweislich nicht mal ansatzweise. Serotonin mag einen Einfluss haben, doch dem Menschen sind bei weitem nicht alle Botenstoffe bekannt.

Wie es dazu kommt dass die Gehirnchemie nicht mehr richtig funktioniert ist eine andere Frage. Doch wenn die Gehirnchemie durch negative Erlebnisse (Trauma, Stress etc.) beeinflussbar ist, dann ist sie es durch eine Psychotherapie auch.

Ja die Hirnchemie haut bei depressiven Patienten nicht mehr hin. Doch das ist lange nicht alles. Einfach Medikamente geben und der Mensch ist gesund? Zu kurz gedacht.

Die Medikamente lindern einzelne Symptome aber verstärken oder schaffen andere Symptome und Krankheiten.

 

Eine Depression kann auch als Symptom einer anderen Krankheit oder Stoffwechselstörung auftreten. Die Depression wird dann gern als Erklärung für die anderen Symptome genommen und alles auf die Psyche geschoben. Dies kann die Situation massiv verschlechtern. In diesen Fällen ist die Depression die einfache Erklärung, wenn der Arzt nicht weiter weiß. Selten ist das leider nicht. Wird einmal Depression gesagt, dann werden andere Ursachen meist nicht mehr untersucht. Da können Betroffene machen was sie wollen.

 

Zu: die Hirnchemie in Ordnung bringen – Serotoninwiederaufnahmehemmer usw. bringen nichts in Ordnung. Die verhindern den Abbau des Serotonins, das oft zu gering ist. Damit steigt Serotonin wirklich an. Der geringe Serotoninwert ist aber nicht der einzige Effekt jeder Depression. Der Stoffwechsel ist komplex.

Auch kann es gefährlich sein. Was, wenn die Ursache für den niedrigen Serotoninwert behoben wird aber dieses nicht abgebaut wird?

Ich habe im Moment eine erhöhte Anzahl an Rezeptoren für Katecholamine und einen Gendefekt, der diese langsamer abbaut. Würde mein Stoffwechsel kein Serotonin produzieren, ich dann SRI nehmen könnte es lebensgefährlich werden.

Schlechte Erlebnisse, die die Hirnchemie beeinflussen, haben auch andere Wirkungen. So beeinträchtigen sie auch die Genetik eines Menschen – Stichwort Epigenetik. Das kann wieder einen Einfluss auf den Stoffwechsel haben.

Auch Gesprächstherapien und Verhaltenstherapien bringen nicht jedem etwas.

Will sagen, ich sehe es kritisch, das Behandeln ohne Ursachenforschung. Das Problem liegt daran, dass viele Ärzte bei Depressionen nicht differenzieren. Es wird zu eindimensional gedacht. Medikamente und Psychotherapie und fertig. Doch bei vielen macht es das nicht besser und oft viel schlimmer.

 

Zu deiner Frage, was mit den suizidgefährdeten Leuten ist, das kommt doch ganz drauf an, was mit ihnen los ist. Auch hier ist die Ursache das entscheidende Kriterium.

Es gibt auch Leute, die krank sind und leiden, da kann ich den Wunsch absolut nachvollziehen.

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