Denkt ihr das "unbehinderte" Menschen im Leben weniger mitkriegen als behinderte?

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9 Antworten

menschen ohne handicap sind viel mehr in gesellschaftliche zwänge und normen eingepresst.

menschen mit geistiger beeinträchtigung haben meist eine andere seelische wahrnehmung und menschen mit körperlichen beeinträchtigungen haben eine ganz andere körperwahrnehmung.

für "gesunde" menschen ist alles einfach meist nur "normal". man macht irgendwas und gut. die orientierung findet meist unreflektiert aufgrund dessen statt, was andere für wichtig erachten (dein beispiel: turniere als erstrebenswertes ziel des "erfolgs")

menschen mit beeinträchtigungen definieren bestimmte werte für sich selbst und sehen "erfolg" in einem ganz anderen kontext.

und gerade was die hippotherapie (ich gehe absichtlich über das therapeutische reiten hinaus) betrifft, bietet eine sensitiverer kontakt ungeahnte erfolgsmöglichkeiten.

an einen teil der formen der interaktion kommt der normalmensch oft nicht heran. durch kommunikation ohne "wollen" und auch oft ohne das hilfsmittel einer wortsprache eröffnen sich vielfältige möglichkeiten. die fakten sind da - aber zum beispiel wissenschaftlich nicht erfassbar. der umgang mit dem pferd übt unbestritten einen grossen einfluss auf das vegetative nervensystem aus - wenn man sich darauf einlässt.

mit deinem praktikum hast du nur einen winzigen einblick erhalten. welche wege, möglichkeiten und ziele es noch gibt... dieser sachfilm gehört zu meinen absoluten filmfavoriten. man bekommt damit einen tiefen einblick in die materie. nimm dir doch bitte die zeit, ihn ganz anzuschauen - er ist ziemlich lang...

und wirklich sehr, sehr gut.

unter anderem deshalb, weil es über die meinung hinausgeht.

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Hallo mylovearehorses!

Zunächst mal ein Danke für die Gänsefüße um die Unbehinderten!!

:)

Und ja: Deine Beobachtung ist absolut zutreffend!
Und dabei geht es nicht einmal allein um "das auf Leistung fixiert sein"! Neurotypische sind einfach zu verkopft. Dies führt zu mehrdeutigen Signalen, welche teilweise diametral zur mentalen Verfassung ausgerichtet sind...

Von normativen Vorgaben Unbeleckte sind schon in ihr Körpersprache eindeutiger und ich glaube auch in ihren "mentalen Sendungen" eindeutiger für Pferde - eigentlich für Tiere im Grundsatz - leichter zu "lesen".

Ich habe mal mit einem Pferd gearbeitet, welches sich nicht reiten lies. Diverse Pferdeflüsterer hatten alles mögliche versucht, das Tier "reitbar" zu machen, vergebens. Dann kam eines Tages eine Frau mit Down-Syndrom, "verliebte" sich in das Pferd und wollte unbedingt aufsitzen...^^
Das war ein Unterfangen, was zunächst rundweg abgelehnt wurde, von den Verantwortlichen! Viel zu gefährlich! ...Na ja "hintenrum" haben wir es dann doch versucht, inoffiziell... Und es klappte sehr gut! Sie wollte das Pferd nicht reiten, sie wollte es nur streicheln...^^

Ja, ich denke schon, dass "unbehinderte Menschen im Leben weniger mitkriegen"! ...Unbedingt!

Freundliche Grüße vom Beutelkind!

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Kommentar von Beutelkind
13.07.2016, 19:30

...VERDAMMT...^^

"Welches sich nicht reiten ließ"!!!

...Werd' ich's jemals lernen?!

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In manchen bereichen ( in welchen ist je nach Behinderung unterschiedlich) bekommen behinderte sichelrlich manches intensiver mit.

Auf der anderen Seite können sie halt manche Sachen nicht so gut wahrnhmen

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Behinderte haben generell eine ganz andere Wahrnehmung. ich arbeite zwar nicht mit behinderten, habe aber 2 in der Famile. Ich persönlich glaube das sie die schönen Dinge im Leben einfach besser und intensiver genießen können weil sie die außeneinflüsse dann nicht mehr so richtig wahrnehmen. Also eigentlich eingeschränkte Aufmerksamkeit. Aber bei einer Sache sind sie voll dabei :) ist meine Erfahrung 

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Ich glaube das sie die Welt anders! wahrnehmen, bzw ihnen andere Dinge wichtig sind!

Gerade behinderte Menschen sind oftmals deutlich emotionaler (daher auch der Bezug zum Tier), dafür wird ihnen aber Vielkeucht nicht auffallen wenn Zucker, Mehl und Milch auf einmal doppelt so teuer sind 

(Nur mal als schnödes Beispiel!)

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Kommentar von ponyfliege
14.07.2016, 11:34

...aber du beschreibst ausschliesslich das intelligenzquotientenhandicap. 

spastiker sind beispielsweise häufig hochintelligent, auch wenn das aufgrund des oft anderen aussehens und unbeholfen wirkender bewegungen und teils der unfähigkeit, zum beispiel die körperhygiene selber vornehmen zu können, von der umwelt nicht oder kaum bemerkt wird.

bitte - definiere einschränkung durch behinderung...

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wie definiert man "behindert" ? Nach meiner Auffassung sind diese "Behinderten" nur anders als "normale" Menschen. Ich würde es eher als "in manchen Bereichen eingeschränkt" bezeichnen. 

Sie leben teilweise in ihrer eigenen kleinen Welt, haben andere Vorstellungen; Dinge, die für "normale" eventuell wichtig sind, sind für sie völlig uninteressant.

Auf alle Fälle sind es Menschen, die es schwerer haben im Leben. Darum sollte sich jeder bemühen, auch "Behinderte" als ganz "normale" Menschen zu sehen. Vor allem die Politik hat hier riesigen Nachholbedarf. Zur Zeit gibt es auf diesem Gebiet eine gesetzlich verordnete Ausgrenzung.

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Kommentar von ponyfliege
14.07.2016, 11:31

gilt das leben in der eigenen kleinen welt auch für menschen mit körperlicher einschränkung - oder definierst du behinderung eher auf das geistige handicap in bezug auf schulisches lernen?

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Weniger möchte ich nicht sagen - nur andere Dinge -

Behinderte Menschen sind nicht in die Gesellschaft eingezwängt, sind daher freier für ihre Gefühle. Ähnlich wie Naturvölker sehen behinderte Menschen ihre Umwelt und insbesondere die Natur mit anderen Augen als nicht behinderte. Schenke ihnen ein Lächeln und Du wirst einen Freund gewinnen.

Das gibt ihnen auch die Freiheit, das Pferd nicht als Sportgerät zu sehen, sondern als freundliches Wesen. Durch die Reduktion auf die Gefühlswelt nehmen sie diese natürlich auch anders, nämlich intensiver, wahr. Ich bin überzeugt, daß wir von behinderten Menschen noch etwas über Pferde lernen könnten, wenn sie denn in der Lage wären ihr Gefühl in uns verständlichen Worten zu erklären. Denn sicherlich nehmen sie auch die Gefühlswelt der Pferde wahr.

Das fällt uns nicht behinderten eben nicht so leicht. Nur, wenn man sich viel Zeit und viel Ruhe nimmt und die Pferde beobachtet, lernt man, daß sie sehr wohl kommunizieren - auch mit uns - . Dazu muss man aber auch von den Zwängen der Gesellschaft abschalten können.

LG Calimero

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Kommentar von ponyfliege
14.07.2016, 11:27

wortlose interaktion kann man eben nicht in worte fassen. sie ist eine eigene sprache ;-))

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Ich denke, es ist ein wenig wie bei Kindern - ihr Fokus liegt auf anderen Dingen. 

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Das liegt vielleicht daran, das wir Normalos zu sehr mit "Gut aussehen", "erfolgreich sein"  und "was sollen die anderen denken", beschäftigt sind.

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