Denk Ihr bestimmte Menschen sollten lieber abseits der Gesellschaft leben?

...komplette Frage anzeigen

11 Antworten

Um es auf den Punkt zu bringen:

Du meinst also, Menschen mit bestimmten psychischen Schwierigkeiten (Neigung zu Depressionen) sollten es vermeiden, enge Beziehungen zu irgendwelchen Mitmenschen einzugehen, um zu vermeiden, dass diese Beziehungen notwendigerweise zu einer Belastung für den Partner werden. Lieber sollen sie lebenslange Einsamkeit ertragen und ihre Sehnsüchte und Gefühle unterdrücken.

Meine Meinung ist:

Ich fände es schade, wenn du Recht hättest. Menschen mit psychischen Problemen sind keine Aussätzigen wie im Altertum oder Mittelalter, deren einzige Weiterlebensmöglichkeit in einer Isolation gegenüber den nichtbefallenen Mitmenschen lag.

Auch Menschen, deren Persönlichkeit etwas schwierig ist, dürfen ihren natürlichen Bedürfnissen folgen, Beziehungen zu anderen Menschen zu pflegen. Wenn es dabei zu Konflikten kommt, gibt es ja vielleicht doch eine Lösung. Schlimmstenfalls muss man sich letztendlich trennen, wenn es nicht klappt. Aber es gibt auch das Sprichwort: Zu jedem Topf findet sich ein Deckel. Man muss nur suchen und nicht gleich von Anfang an resignieren.

Das Problem ist ich bin auch noch sehr nett und höflich. Ich ordne mich grundsätzlich anderen unter und stelle deren Sorgen und Probleme über meine.

Vermutlich bist du so erzogen worden; nicht aggressiv sein, Wut unterdrücken und dich im die Probleme der anderen kümmern. Deine Wut ist aber da und wenn du in Kontakt mit anderen Menschen bist, kommt sie auch raus und vermutlich in geballter Form, so dass der andere damit überfordert ist.

Die mit Meditation zu beschäftigen ist eine gute Idee, es geht jedoch nicht darum, deine Emotionen zu dämpfen, sondern sie in konstruktive Bahnen zu lenken. Wut ist eine sehr kraftvolle Emotion und richtig eingesetzt, kann man damit sehr viel erreichen.

Um mit deiner Wut in Kontakt zu kommen, kannst du dich ausdauernd körperlich betätigen. Besorgt dir einen Boxsack, kloppe auf ihn ein und schreie dabei deine Wut raus. Oder mache dir laut Musik an und klatsche dabei in die Hände und singe laut mit (meine Lieblingsmusik in dem Fall sind Red Hot Chili Peppers). Die dynamische Meditation kann ich dir auch empfehlen, musst du mal googeln.

Ich bin auch zum lieb und nett sein erzogen worden und irgendwann brach es aus mir heraus. Ich kann dir nur wärmstens empfehlen, dass du in Kontakt mit deiner Wut kommst, da sie sonst immer wieder aus dir heraus bricht.

Sich immer mal wieder von Menschen zurückzuzehen, weil man dass Alleinsein braucht, ist eine gute Idee! ich kenne das auch und es tut mir immer wieder gut. In der Meditation nennt man das Retreat (Zurückziehung).

Viel Erfolg!!!

Du darfst nicht die Gefühle und Probleme anderer immer über die deinen stellen. Manchmal muss man halt auch einfach mal an sein eigenes Wohl denken, ohne dabei Rücksicht auf andere zu nehmen. Ich will dir jetzt nicht empfehlen deine Probleme immer über die anderer zu stellen aber ab und zu muss das halt einfach mal sein. Deine Theorie mit dem Zahnrädchen finde ich sehr interessant. Nehmen wir jetzt mal das Zusammenleben aller Menschen also ein großes Gerät bestehend aus ca. 7 Milliarden Zahnrädern. Das Gerät kann nur funktionieren wenn sich auch alle Zahnräder in die richtige Richtung drehen. Letztendlich sind wir alle kleine Zahnrädchen, da gibt's keins dass größer oder wichtiger ist als andere. Denk doch mal daran wie damals die Juden verfolgt wurden nur weil ein Mann gesagt hat dass sie nicht so viel wert sind wie Christen? Das ist doch absurd, immerhin sind es alles Menschen da ändert auch keine Religion, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung etwas dran. Denk mal drüber nach.(:

Vielen Dank für Eure Antworten. Es berührt mich zu lesen das es Menschen gibt denen es ähnlich geht. Natürlich denke ich nicht ich bin alleine mit solchen Problemen, aber man vergisst in solchen Zuständen sehr schnell das man nur einer von sehr vielen ist.

Ich hoffe niemand hatte den Eindruck ich möchte nur Mitleid erzeugen. Es ist mir sogar relativ unangenehm, jedoch dank der Anonymität des Internets konnte ich mich durchringen. Sonst lese ich sehr viel mit, vieles vergleichbares habe ich hier schon gelesen. Trotzdem denkt man schnell, so geht es nur mir und sonst fast keinem.

Nun ziehe ich eine erneute Therapie in Betracht, ich gebe zu manche Probleme sind mir evtl. über den Kopf gewachsen. Nochmals Danke für Eure Zeit und das Lesen!

Depression ist eine ernst zu nehmende, lebensgefährliche Krankheit. Du kannst nie sicher sein, wann Du wieder anfängst, über Selbst-Tötung nachzudenken. Nimmst Du Deine Tabletten noch? Machst Du ausreichend Sport, gehst Du täglich 1 Stunde in der Sonne spazieren? Nimmst Du die Umwelt wahr, hörst Du die Vögel zwitschern und siehst Du die Farben der Blumen? Zwingst Du Dich, dies alles wieder wahrzunehmen? Zwingst Du Dich, negative Gedanken und Negative Verhaltensweisen abzulegen? Arbeitest Du daran, gesund zu werden, oder läßt Du Dich hängen?

http://www.diearche.de/pages/erlebnisberichte-newstart-kur-wege-aus-der-depression

Ich hatte die selben Probleme wie du und leide auch unter Depressionen. Ich dachte auch immer nur an andere Menschen, wenn denen es gut geht, dann geht es mir auch gut. Ich habe durch mehrere Therapien herausgefunden das das falsch war das denken. Ich muss mehr auf mich achten und meinen Willen durchsetzen und nicht immer zu sehr Ruecksicht zu nehmen.

Auch ich dachte immer, wenn ich mich ganz zurueckziehe, dann wird es mir schon besser gehen. Ich musste meinen Job aufgeben und habe mich von meiner ersten Frau zuerst getrennt und mich dann scheiden lassen. Ich dachte auch immer das waere das beste fuer alle Beteiligten.

Aber dies half auch nicht sonderlich. Weiterhin hatte ich immer wieder Depressionen und zwar sehr lange und ich war auch in fachaerztlicher Behandlung mit Medikamenten und auch weiterhin mit Therapien.

Was mir schliesslich geholfen hat war, das ich auf die Phillippinen ausgewandert bin und dort neu geheiratet habe. Ich wollte meiner zukuenftigen Frau auch zeigen wie ist es mit den Depressionen, deshalb war ich ein Jahr auf den Phillippinen. Aber zu dieser Zeit keine Depressionen mehr gehabt.

Dies ging einige Zeit gut bis wieder meine Depressionen angefangen habe und zwar wenn ich unter Stress gerate oder mich ueber etwas sehr aufrege. Nun bin ich wieder seit einigen Monaten depressiv und nehme wieder regelmaessig Tabletten.

Hier auf den Phillippinen unternehme ich vielmehr und bin auch sehr viel unter Leuten, weil sie hier sehr freundlich und aufgeschlossen sind. Eine ganz andere Umgebung und Kultur halt.

Also das sich mit dem ganz zurueckziehen halte ich fuer keine gute Loesung und sie wird dir auch nicht weiterhelfen deine Depressionen loszuwerden.

hol dir ein haustier, katze oder hund, das kann viel menschliche gesellschaft ersetzen. ist sogar teils vertrauter, weil unkomplizierter und man sich nichts vorspielen muss.

sonst... "soll" kann dir keiner sagen. du musst/darfst mit den folgen deiner entcsheidungen leben. du musst nichtmal rücksicht auf andere nehmen, auch das wäre dein "recht"

vllt hast du eine etwas vorgenommene einstellung zur meditation, da wird nix gedämpft. man akzeptiert und lässt zu (ohne sich damit zu identifizieren). und auch abseits davon, ja unterdrücken sorgt für gärung, wenn du agressive bedürfnisse hast, dann leb die aus, musst ja niemand damit schaden. mal laut brüllen, herumtrampeln und strampeln mögen vllt erstmal albern wirken, aber können ungemein helfen, weil der körper dabei spürt, dass seine empfindungen auch mal ernstgenommen werden, und dann ist evtl sogar schon wieder gut.

wenn du doch gern menschen mal siehst, geh doch in einen verein oder so, irgendwo, wo man sich recht unverbindlich und für begrenzte zeit begegnet. als jugendlicher hatte ich extreme soziale phobie und hab das aufgearbeitet, indem ich 2 jahre jeden tag einen döner essen gegangen bin und da beim verkaufsgespräch langsam soziale interaktion mit fremden geübt hab. und irgendwann mich getraut hab, verrücktere sachen zu machen, um das panische kopfkino loszuwerden, mir könnte ja was peinliches passieren, dann hab ich nackt in einem springbrunnen neben einer bushaltestelle geduscht oder bin einen tag lang mit einem hundenapf auf dem kopf herumgelaufen, manche hemmschwellen muss man einfach mal überschreiten und danach sind sie schwächer oder weg.

lieben gruß

Ich hatte auch schon Depressionen, zwar nicht so starke, wie du sie hier beschreibst, aber dennoch hatte ich ähnliche Gedanken: ich dachte, ich falle meiner Familie, Freunden und meinem Verlobten zur Last und habe auch ab u. zu gedacht, wäre es nicht besser, ich würde mich von allen zurückziehen und sie ihr Leben leben lassen.

Das war Schwachsinn, denn du brauchst diese Menschen, und diese Menschen brauchen dich. Wenn du mit ihnen über diese Probleme reden würdest, würden sie dir das auch bestätigen. Vielleicht solltest du das echt mal tun: pick dir deinen besten Freund oder Mutter oder so raus u. rede mit ihnen über deine Gefühle. Sie werden dir sicher sagen, dass sie dich lieben und nicht wollen, dass du dich zurückziehst.

Es ist grundfalsch, sich ständig nur für andere aufzuopfern. Dabei geht man unweigerlich unter.

Depressive Menschen gehören IN die Gesellschaft und nicht irgendwo versteckt. Ich weiß auch, was Depressionen sind, hab bis heute meine wiederkehrenden tiefen Seelenabstürze. Aber deshalb hab ich noch nie den Gedanken gehabt, mich verstecken zu wollen.

Ich sag dir auch, warum. Weil die Gesellschaft, die sich so gern als Leistungsgesellschaft darstellen will, sehen soll, dass es falsch ist, Menschen nur dann anzuerkennen, wenn sie Leistung in Form von geldwerter Leistung erbringen.

Es gibt genug andere Leistungen, die erbracht werden, über die die tollen Leistungsträger zwar gern die Nase rümpfen, aber sehr gern für sich in Anspruch nehmen.

Wer sich versteckt, der tut sich keinen Gefallen. Man soll sich nicht hinter seiner Depression verstecken, aber auch nicht, weil man depressiv ist.

Und was Beziehungen angeht: Ich weiß, dass da Ängste sind. Aber man sollte sich nicht selbst als Handbremse betätigen, indem man sich selbst nur als depressiven Menschen sieht, sondern als Mensch, der was zu geben hat, der auch Humor hat, der was weiß, der was kann.

Bist du dessen bewusst?

luckyDog2 05.03.2014, 16:24

Ich weiß auch, was Depressionen sind, hab bis heute meine wiederkehrenden tiefen Seelenabstürze.

wer haette das gedacht ?

0

Ok -langer Text... Ich leide ebenfalls unter Stimmungsschwankungen...bin depressiv (teilweise), war selbstverletzend, auch meine Mitmenschen leiden teilweise darunter. Aber sie mögen mich trotzdem. ich würde mich niemals an den Rand der Gesellschaft stellen.. nein-ich gehöre dazu und kann sie beeinflussen. Du solltest für Dich "funktionieren"... und nicht für andere. Ich stand auch so oft da und war der Meinung, dass ich für andere eher eine Belastung darstelle... war deshalb suizidgefährdet, aber meist habe ich mich da geirrt... Probleme zu verschleiern bzw. etwas zu Bekämpfen bringt nichts, da es an anderer Stelle wieder herauskommt. Wende dich Deinen Emotionen innerlich zu, habe Zeit für sie... Dann siehst Du vll. auch vieles anders. Geh.. das Leben an! Alles Gute.

UmeaM 05.03.2014, 12:24

Daumen Hoch !

1
traurigerkurt85 05.03.2014, 22:36

Vielen Dank, ich werde es versuchen. Es ist schön zu lesen das es möglich ist. Ich wünsche Dir auch weiterhin alles Gute und viel Kraft.

1
Ostseemuschel 06.03.2014, 07:58
@traurigerkurt85

Viele Dinge sind möglich... Auch wenn es manchmal zwei Schritte vor und einen Schritt wieder zurückgeht.. Man muss es nur angehen....

2

Du schreibst: "bin ich zum Schluss gekommen der Menscheit so gut es geht fern zu bleiben." und gleichzeitig "Was soll man tun wenn man sich so sehr nach etwas sehnt, aber weiß das es früher oder später nur in Leid endet? "

Das liest sich für mich, als käme der "Wunsch nach Ferne zur Menschheit" nicht aus Dir, sondern aus schlechter Erfahrung und Deine sehr zurücknehmende Art "Ich ordne mich grundsätzlich anderen unter und stelle deren Sorgen und Probleme über meine." Das heisst nicht, dass es so sein muss. Rufe Dir die positiven Sachen auf: Erfolgreich im Job und den ein oder anderen Freund. Das haben so viele schon nicht, und darauf kannst Du aufbauen. Es ist nicht nötig viele Menschen um sich zu haben, sondern wenige, die die RICHTIGEN sind!! Also auf zur Meditation, Körpererfahrung oder sonstwas. Dort trifft man oft Gleichgesinnte und der Austausch wird Dir gut tun.

Ich wünsch Dir alles Gute, Du hast schon viel geschafft: "Eine mehrjährige Therapie habe ich hinter mir, mit dem Erfolg das die Depressionen zumindest nicht mehr lebensbedrohlich sind." Deswegen: Jeder Augenblick ist so schön wie man ihn sieht, jeder Moment so einzigartig wie man ihn empfindet, jeder Mensch so wichtig wie man ihn im Herzen hat...

Was möchtest Du wissen?