Demokratieindex 2016: Dreht sich der Trend der weltweiten Demokratisierung zugunsten der Autokraten wieder um?

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7 Antworten

Du stellst Autokratie in Gegensatz zur Demokratie, meinst damit also offenbar Diktatur!? Ein Autokrat kann ein Diktator sein, muß aber nicht - die französische Präsidialdemokratie ist auch autokratisch aufgebaut. Was die meisten übersehen: der französische Präsident ist in seinem Land mächtiger als der US-Präsident in seinem.

Daß die Demokratie am Ende ist sehe ich nicht so!

Beispiel:

Argentinien, Chile, Südafrika, Pakistan und diverse kleine afrikanische und asiatische Länder wurden jahrelang als Demokratien geführt, waren aber faktisch Diktaturen!

Hier wurden auch Türkei, Polen, Ungarn, Philippinen genannt, aber die Türkei war mehrfach eine Militärdiktatur und die Philippinen waren mit dem Marcos-Clan auch alles andere als demokratisch. Was Polen und Ungarn betrifft, so waren sie vor 25 Jahren auch noch Diktaturen. Wenn sie jetzt autokratischer werden heißt das nicht, daß sie sich von der Demokratie verabschieden!

Alle diese Länder (mit Ausnahme der osteurop. u. Südafrika) wurden von Diktatoren regiert, die von den USA verdeckt, teils auch offen, eingesetzt waren (In Südafrika hat die Appartheid sich selber eingesetzt). Und was Rußland betrifft, so ist es heute zwar autokratisch regiert, aber keine Diktatur - das war die UdSSR!

Diese namentlich genannten Länder sind heute Demokratien, auch wenn dort nicht alles so abläuft wie wir uns das vorstellen. Selbst China ist heute demokratischer als noch vor 30 Jahren!

Und was die USA betrifft, so ist es sehr bedenklich Trump für einen Diktator zu halten - dazu fehlen ihm die Machtmittel! Der Kongreß kann ihn sogar absägen, falls er es zu bunt treibt (Nixon kam dem Impeachment nur durch seinen Rücktritt zuvor)!

Deshalb sage ich ein klares nein: Die Demokratisierung schreitet voran, aber es geht langsamer als wir uns das wünschen! Und nicht immer in der Form, die wir uns wünschen!

Was heute zu beobachten ist, ist ein ausufernder Populismus, den die Menschen aber scheinbar so wollen - oder warum wählen sie populistische Politiker?

Gruß

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Die Tatsache, dass es bis heute kein "ideales politisches System" gibt, legt es nahe, dass sich die unterschiedlichen Regierungsformen abwechseln, oder dass es sogar neue Varianten der ehemals etablierten Systeme gibt. 

Demokratien können sich in der Regel in relativ sicheren politischen Zeiten als bewährte Regierungssysteme einstellen. Da die Entscheidungsprozesse in Demokratien allerdings sehr langsam arbeiten, können solche Systeme z.B. nicht so gut auf unmittelbare Bedrohungslagen angemessen reagieren. Hierbei haben autokratisch angelegte Systeme eindeutige Vorteile, allerdings muss man immer bedenken, dass Demokratien die Systeme sind, die noch am besten zur Kriegsvermeidung gegen Außenfeinde geeignet sind. 

In der augenblicklichen brisanten politischen Situation, wo über die aktuelle Masseneinwanderung kulturfremder Menschen nach Nordeuropa eine von vielen Bürgern empfundene Bedrohungslage entstanden ist, gibt es wieder den Trend zu autokratischen Regierungen, die in rigider Weise bestimmte als günstig erkannte Prinzipien autoritär durchsetzen können. Beispiele für so einen Regierungsstil finden wir zur Zeit in der Türkei oder in Ungarn, wo demokratische Strukturen äußerst klein gehalten werden. Allerdings halten die Bürger dieser Länder genau diese Vorgehensweise ihrer Regenten für wirksam und stimmig zur Bewahrung ihrer kulturellen Eigenständigkeit, ihrer Traditionen und ihrer Autonomie.

In Deutschland haben wir genau den umgekehrten Trend. Wir haben eine demokratisch weit gefächerte Parteienlandschaft, die es irgendwie allen Bevölkerungsgruppen recht machen will und dabei nicht versteht, dass die totale Offenheit und multikulturelle Akzeptanz aller einwandernden Gruppen mit total divergenten kulturellen Hintergründen zu einer diffusen Orientierungslosigkeit führt, die letztlich in einen großen Konflikt über die kulturelle Weisungshoheit führt. Ein Kulturenbrei mit substantiellen Machtbedürfnissen der beteiligten Bevölkerungsanteile, die jene naturgemäß ausleben wollen und die dann auch die Akzeptanz durch die Vertreter der anderen Kulturformen einfordern, enden gemäß der aus der Geschichte ableitbaren Prognosen in der Regel in bürgerkriegsähnlichen Zuständen. 

Da zahlreiche Länder der EU eben dieses Wissen weit besser verinnerlicht haben, finden wir hier den Trend zu autokratischen Systemen, die zum Schutz einer definierten Kulturgemeinschaft weit kompetenter auftreten können.  

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Dieser  Trend  wird  das  tägliche  Verbrechen  nicht  beenden.  Auch  eine gegenläufige  Entwicklung  wird  es  nicht  tun.  Die  Entwicklung  sollte  in Richtung  Gerechtigkeit  gehen.  Gerechtigkeit  ist  der  Zustand,  in  dem  alle  möglichst  gut  und  gleich  gut  leben.  Ob  das  Genom  eines  Diktators  regiert,  oder  das  Durchschnittsgenom,  macht  keinen  großen  Unterschied.  4  Milliarden  Jahre  Überlebenskrieg  hat  alle  Genome  siegesgierig  werden  lassen.  Demokratie  ist  die  Gewaltherrschaft  des    Volkes  (also  des  Durchschnittsgenoms,  der  Durchschnittsgesinnung).  Die  Volksherrschaft  sorgt  dafür,  dass  für  die  Starken  ein  gutes  Leben    entsteht,  die  Schwachen  ein  schlechtes  Leben  bekommen,  und  die  Schwächsten  getötet  werden.  Ein  instinktgesteuerter  Diktator  tut  das  Gleiche.  Die  beste  Gesinnung  (also  die  Gesinnung,  die  möglichst  gutes  und  gleich  gutes  Leben  für  alle  anstrebt)  muss  regieren,  nicht  die  siegesgierige  Durchschnittsgesinnung  des  Volkes,  oder  die  ähnlich  siegesgierige  Gesinnung  des  Diktators.  

Das  Volk  bevorzugt  den  Kapitalismus,  weil  er  zum  wirtschaftlichen  Sieg  führt.  Nur  einige,  ganz  kleine  Menschengruppen  wollen  nichtkapitalistisch  Wirtschaften.  Große  Gemeinschaften  (Völker)  möchten  kein  gerechtes  Wirtschaftssystem  haben.  Sie  lieben  die  siegbringende  Politik  und  die  siegbringende  Wirtschaft.  Die  Demokratie  organisiert  die  Sklavenhaltung  und  die  Sklavenhaltung  finanziert  die  Demokratie.  Die  instinktgesteuerten,  willigen  Sklaven  regieren  mit.  Die  Obrigkeitsliebe  der  Sklaven  verwöhnen  die  Investoren  mehr,   als  die  Liebe  des  Diktators.  Liebe  geht  von  unten  nach  oben.  Die  Schwachen  lieben  die  Starken  mehr,  als  die  Starken  die  Schwachen  lieben.  Die  internationalen   Kapitalströme  werden  von   der  Demokratie  stärker  angezogen,  als  von  einer  Diktatur.  Globalisierter  Kapitalismus  und  Demokratie  passen  perfekt  zusammen.  Sie  fördern  und  stärken  sich  gegenseitig.  Niedertracht  und  Erfolg  schweißen  beide  Systeme  zusammen.  Die  Globalisierung  des  Kapitalismus  ist  profitabel.  Die  Volksherrschaft  ermöglicht  und  fördert  die  schwachenfeindliche,  profitmaximierende  Globalisierung.  Dadurch  ist  auch  die  Demokratie  profitmaximierend.  Weil  die  globalisierte  Version  des  Kapitalismus  erfolgreicher  ist,  als  seine  nationalistische  Variante,  setzt  sich  die  Demokratie  weltweit  gegen  Diktaturen  durch.  Die  Globalisierung  demokratisiert,  die  Demokratie  globalisiert.   Aber  nicht  das  Gute  wird  internationalisiert,  sondern  die  kapitalistische  Erpressung,  die  Ausplünderung  der  Schwachen.  Die  Schutzzölle  werden  abgeschafft,  der  Markt  wird  größer,  dadurch  entsteht  mehr  Konkurrenzkampf  zum  Vorteil  der  Starken.  Die  schwachen  sind  weniger  mobil  und  weniger  konkurrenzfähig,  als  ˹die  Starken  und  das  Kapital˺.  Sie   können den  vergrößerten  Markt  weniger  nutzen.  Ihre  Erpressbarkeit  wächst.   Ein  etwaiger,  innerstaatlicher  Schutz   der  Schwachen  wird   durch  die  ethiklose  Globalisierung   verhindert.  Die  Demokratie  basiert  auf  die  (instinktgesteuerte  und  schöngelogene)   internationalisierte  und  damit   intensivierte  Ausbeutung  der  willigen  Sklaven;  auf  den  globalisierten,  also  noch  schwachenfeindlicheren  Kapitalismus. 

Solange  die  Globalisierung  der  kapitalistischen  Märkte  weitergeht,  wird  die  Demokratie  ihren  Siegeszug  fortsetzen.  Gerechtigkeit  muss  die  Demokratie  ablösen.  Gerechtigkeit  ist  nicht  nur  ein  Zustand,  sondern  auch  ein  Herrschaftssystem  und  ein  Wirtschaftssystem.  Existiert  leider  noch  nicht.  Muss  erst  noch  herbeigeführt  werden.

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Durchaus. In einigen demokratischen Staaten werden Demokratie und Rechtsstaatlichkeit derzeit durch Autoritarismus ersetzt, in manchen allmählich und schleichend, in anderen radikal und schnell.

Die Türkei ist das erschreckendste Beispiel hierfür, auch Polen, Ungarn, die Philippinen und die USA schlagen derzeit diesen Weg ein.

In vielen weiteren Staaten, darunter auch EU-Ländern, gibt es starke politische Kräfte, die dieses Ziel verfolgen, sich aber (noch) in der Opposition befinden.

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Kommentar von ArjunasPfeil
04.03.2017, 23:37

Hast im ersen Absatz Deutschland treffend beschrieben.

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Es gab noch gibt es einen weltweiten Trend einer Demokratisierung, wo denkste hin !

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Einem flüchtigen Blick auf diese Tabelle zufoge gelten z.B. Belgien, Italien, Portugal und Tschechien als "unvollständige Demokratien".

Da müsste man erstmal die Kriterien offenlegen, nach denen man zu so einem dümmlichen Ergebnis kommt...

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Kommentar von nax11
04.03.2017, 01:20

Womöglich, weil Belgien nicht den Vorstellungen des Erstellers der Statistik entspricht?

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Kommentar von barfussjim
04.03.2017, 17:55

Ist doch nachvollziehbar. 

In Belgien existiert in der Politik und bei vielen Institutionen ein aufgeblasenes Proporzsystem, das tendenziell Wallonen gegenüber Flamen begünstigt. Über einen längeren Zeitraum konnte nach den Parlamentswahlen keine Regierung gebildet werden.

Italien hat Probleme mit Korruption, Vetternwirtschaft und Privatbereicherung in politischen Ämtern, es gibt ständige Regierungswechsel, der langjährige Ministerpräsident war zugleich der reichste Mann des Landes und Herr über ein Medienimperium.

Beide Länder sind sicher keine autoritären Regime, haben aber Demokratiedefizite.

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Etwas blödsinnigeres als ein "Demokratieindex" kann man sich kaum vorstellen.

Wo gbt es die denn überhaupt?

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Kommentar von barfussjim
05.03.2017, 00:18

Nur bei den Oberdemokraten Assad, Kim und Putin. Letztgenannten wurde sogar von unserem Ex-Kanzler bescheinigt diesbezüglich "lupenreinen" zu sein.

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