Demenzielle Erkrankung, welcher Facharzt ist da zuständig?

5 Antworten

Genau, der Neurologe ist zuständig. Das ist eine umfangreiche Untersuchung: MRT bzw. CT des Gehirns, Blutbild (z. B. auf Folsäure- und Vitamin B 12-Mangel, Blutfette), Blutdruck, Liquor-Punktion (Nervenwasser wird aus der Wirbelsäule entnommen) und ähnliches. Außerdem wird ein Demenz-Test gemacht. Bevor deine Mutter zum Neurologen, sich zwecks gründlicher Untersuchung vielleicht sogar auf die neurologische Abteilung eures Krankenhauses überweisen lässt, könnte sie zunächst ihren Hausarzt aufsuchen. 

Es reicht aber nicht, nur einen Demenz-Test zu machen! So kann man die Ursache der Demenz nicht feststellen. Du kannst nicht alleine an Hand eines Testes sagen, ob es sich beispielsweise um die Alzheimer-Krankheit handelt. Höchstens von einer gewissen Tendenz oder Wahrscheinlichkeit könnte man ausgehen. Denn wer weiß wie viele angebliche Alzheimer-Erkrankungen in Wirklichkeit gar keine sind. Das wüsste ich gerne. Eine sorgfältige ärztliche Untersuchung ist also notwendig!

Deine Mutter könnte sich auch zu einem Psychiater bzw. Gerontopsychiater (falls sie schon etwas älter ist) überweisen lassen. Ich würde den Neurologen vorziehen. Vielleicht ist es ja etwas behebbares wie etwa ein Hydrocephalus (Wasserkopf).

Meine Mutter litt auch an Demenz und zwar an der sogenannten vaskulären Demenz (ein Oberbegriff). Bei ihr hatte man im MRT im Gehirn eine Mikroangiopathie (Schäden an den kleinsten Gefäßen) festgestellt. Die damit verbundene Krankheit nennt sich subkortikale vaskuläre Enzephalopathie (SVE) [Binswanger-Krankheit], das ist eine etwas ältere Bezeichnung, eine Unterform der vaskulären Demenz. 

Jetzt noch ein Hinweis, von dem ich leider nicht weiß, ob er eurer Mutter etwas nützen wird. Ich bin erst darauf gestoßen während meine Mutter bereits ziemlich krank war, ich kann also nicht aus tatsächlicher Erfahrung sprechen, alles Theorie! Lasst auch den Homocystein-Wert überprüfen. Er darf nicht zu hoch sein und steht im Zusammenhang mit Vitamin B6, B12 und Folsäure. In einem Fachbuch habe ich gelesen, gerade Patienten mit SVE (Mikroangiopathie), im Gegensatz zu denen, die an einer Makroangiopathie leiden, haben einen zu hohen Homocysteinspiegel. Ich meine auch gelesen zu haben, Homocytein schädigt von sich aus die Nervenzellen.

Des Weiteren würde ich testen lassen, ob der Östrogenspiegel eurer Mutter hoch genug ist. Denn ist der Östrogenspiegel zu niedrig, könnte deshalb der Homocysteinspiegel zu hoch sein. Außerdem sind die Östrogene (bzw. auch das Testosteron und das Progesteron) wichtig etwa für die Neurotransmitterbildung im Gehirn, so wie für den Aufbau und den Schutz der Myelinummantelung (Schwann-Zellen bzw. Oligodendrozyten) der Nervenzellen. Fehlt das Myelin ist zunächst die Übertragungsgeschwindigkeit in den Nervenzellen verringert, schließlich sterben die Nervenzellen ab. Außerdem sind die Östrogene wichtig für die Bildung von Seladin-1, das schützt die Nervenzellen vor dem Untergang, weshalb bestimmte Gehirnbereiche bei Alzheimer gesund bleiben.

Vielleicht ist es einen Versuch wert! Was die Östrogene anbelangt, muss man natürlich in Bezug auf bestimmte Krebserkrankungen (z. B. Brustkrebs) aufpassen. 

Hatte eurer Mutter sich früher die Gebärmutter ode sogar die Eierstöcke entfernen lassen? Beispielsweise (wenn die Eierstöcke fehlen ist klar, ich weiß) dann hat sie auch ein höheres Risiko für eine Störung der Eierstockfunktion (siehe oben: Geschlechtshormone). 

 

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Herzlichen Dank für deine sehr ausführliche Antwort!!!

Ich werde mir diese ausdrucken und meiner Schwester zeigen (sie gehört zum medizinischen Fachpersonal).

Ich hatte schon in einige Richtungen recherchiert, dabei ist mir schon aufgefallen, wie unglaublich komplex das Thema ist.

In deiner Antwort finden sich sehr viele Hinweise, dafür danke ich dir wirklich sehr!

Ich möchte hier nicht die Krankengeschichte meiner Mama breittreten, daher betrachte ich die von dir gestellten Fragen als Hinweis auf mögliche Ursachen und abklärungsbedürftige Fakten.

Per PN beantworte ich das allerdings gerne :-)

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@michi57319

So ist es, meine Frage sollte ein Hinweis auf eine mögliche Ursache sein. Einige Stichworte zum Thema Östrogene:

J. Matthias Wenderlein, Universität Ulm: "Operative Gynäkologie braucht endokrinologische Kompetenz"

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: "Hormonmangel durch vorzeitige Wechseljahre schadet Gehirn und Gedächtnis"

https://www.pressetext.com/news/20080930030

http://www.hirnliga.de/sites/default/files/2017-01/GreeveArtikel.pdf

http://www.innovations-report.de/html/berichte/medizin-gesundheit/bericht-7409.html

(Das Original auf der Seite der "Max-Planck-Gesellschaft" habe ich nicht gefunden.)

http://www.alexanderroemmler.com/uploads/tx_sbdownloader/2006_Roemmler_A._Schlafstoerungen_Endokr_Aspekte.pdf

Die Informationen über Homocystein und Mikroangiopathie habe ich aus dem Buch "Homocystein, Grundlagen, Klinik, Therapie, Prävention" von Olaf Stanger. "Im Vergleich mit Gesunden und Demenzpatienten mit Makroangiopathie wurden die höchsten Homocysteinspiegel bei einer besonderen Form der Mikroangiopathiedemenz (subkortikale vaskuläre Enzephalopathie) gefunden." (Fassbender, K., ET AL.: Homocysteine in Cerebral Macroangiography and Microangiopathie. Lancet 353, 1586 - 1587 (1999))

Ich hoffe, ich habe die Quellenangabe richtig abgeschrieben.

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Am besten zum Hausarzt gehen, er wird euch helfen und an die richtigen Ärzte/Kliniken überweisen und euch ggfs auch beraten über die Krankheit, Hilfsangebote usw..

Es gibt auch Geriater, meist in Krankenhäusern. Aber der Hausarzt ist wohl als niederschwelligstes Angebot der erste Anlaufpartner.

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