Definitionen von Stolz?

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Maximilian Forschner, Ehre. In: Lexikon der Ethik. Herausgegeben von Otfried Höffe. Original-Ausgabe, 5., neubearbeitete und erweiterte Auflage. München : Beck, 1997 (Beck'sche Reihe ; 152), S. 52:

„Hoher Sinn (gr. Megalopsychia), Stolz, Hochmut, Ehrgeiz und Eitelkeit sind jene Tugenden u. Untugenden, die das Verhältnis des Menschen zu seiner E. bestimmen. Als hochsinnig gilt, wer sich hoher Dinge für wert hält u. es auch wirklich ist, wer E. allein nach Maßgabe seiner Verdienste beansprucht, sie nur bei ernstzunehmenden Personen sucht u. über ihre unberechtigte Kränkung gelassen hinwegschaut (Aristoteles). Ähnliches gilt vom Stolz als einer feststehenden Überzeugung vom eigenen überwiegenden Wert in irgendeiner Hinsicht; fehlt diesem das Bewußtsein des rechten Maßes, so spricht man von Hochmut (gr. Hybris); als ehrgeizig u. eitel gilt, wer zu sehr nach E. strebt (inordinatus honoris appetitus, Thomas v. Aquin) und das Selbstwertgefühl nur durch Anerkennung von seiten anderer zu erringen trachtet u. zu bewahren vermag.“

eine Anzahl an Definitionen verschiedener Denker enthält:

Urs Thurnherr, Stolz. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 10: St -T. Basel : Schwabe, 1998, Spalte 201 - 208

Spalte 201: „Mit dem Begriff <S.> wird in der Folge ganz allgemein eine Art Selbstbewußtsein oder ein spezifisches Selbstwertgefühl bezeichnet, d. h. das Bewußtsein oder das innere Gefühl, durch welches ein Mensch sich selbst einen bestimmten Wert zuerkennt.“

„Entsprechend den beiden Möglichkeiten, daß ein Mensch das ihm gebührende Maß an Ansehen und Geltung richtig einschätzt bzw. sich selber richtig ‘bewertet’, oder daß er sich überhebt, kann <S.> insgesamt zu einem im Sinn des Großmuts eine Tugend und zum anderen in einem engeren Sinn des Hochmuts eine Untugend bezeichnen: Vom Blickwinkel der Geistesgeschichte aus hat der Begriff >S.> sowohl die Bedeutung des griechischen Begriffs μεγαλοψυχία als auch des lateinischen Begriffs <superbia> übernommen.“

„Die Prägung des Begriffs μεγαλοψυχία (lat. magnanimitas; frz. magnanimité) bzw. <Großmut> (oder <hoher Sinn>) geht auf ARISTOTELES zurück, der die Großmut im Rahmen seiner ethischen Schriften als eine Tugend definiert, die sich gemäß dem Aristotelischen Ethik-Konzept in der Mitte zwischen »Engherzigkeit« (μικροψυχία) und »Aufgeblasenheit« (χαυνότης) als den beiden der entgegengesetzten charakterlichen Fehler bewegt. Der Großmütige belegt nicht nur durch seinen Rat, daß er verdient, daß man ihm die größte Ehre anerbietet und zuweist, sondern in seiner ganzen Haltung drückt sich zugleich das Bewußtsein aus, daß er sich auch selber einer solchen Ehre für würdig erachtet.“

Aristoteles, Nikomachische Ethik 4, 7, 1123 b in Bezug auf μεγαλοψυχία (Großmut/Hochsinnigkeit/Seeelengröße): δοκεῖ δὴ μεγαλόψυχος εἶναι ὁ μεγάλων αὑτὸν ἀξιῶν ἄξιος ὤν•

„Hochsinnig also scheint zu sein, wer sich selbst großer Dinge für würdig hält und ihrer auch würdig ist.“

Weil für die Hochsinnigen sogar Ehre etwas Kleines wie auch die andern Dinge ist, gilt (1124 a): διὸ ὑπερόπται δοκοῦσιν εἶναι.

„Daher scheinen sie stolz zu sein.“

David Hume, A Treatise of Human Nature 2, 1, 7 (Of vice and virtue): „But not to dispute about words, I observe, that by pride I understand that agreeable impression, which arises in the mind, when the view either of our virtue, beauty, riches or power makes us satisfyed with ourselves: and that by humility I mean the opposite impression. It is evident the former impression is not always vicious, nor the latter virtuous.”

„Aber um nicht über Worte zu streiten, ich beobachte, daß ich unter Stolz den angenehmen Eindruck verstehe, der im Geist entsteht, wenn der Blick auf unsere Tugend/Vorzüglichkeit, Schönheit, Reichtümer oder macht uns mit uns selbst zufrieden stimmt; und mit Demut/Niedergedrücktheit meine ich den entgegengesetzten Eindruck. Es ist offensichtlich, daß der erstgenannte Eindruck nicht immer lasterhaft/verwerflich/fehlerhaft und der letztgenannte nicht immer tugendhaft ist.“

Immanuel Kant. Die Metaphysik der Sitten. Zweiter Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre. I. Ethische Elementlehre. II. Teil. Von den Tugendpflichten gegen andere. Erstes Hauptstück. Von den Pflichten gegen andere, bloß als Menschen. Zweiter Abschnitt. Von den Tugendpflichten gegen andere Menschen aus der ihnen gebührenden Achtung. Von den die Pflicht der Achtung für andere Menschen verletzenden Lastern A. Der Hochmut § 42

„Der Hochmut (superbia und, wie dieses Wort es ausdrückt, die Neigung, immer oben zu schwimmen) ist eine Art von Ehrbegierde (ambitio), nach welcher wir anderen Menschen ansinnen, sich selbst in Vergleichung mit uns gering zu schätzen, und ist also ein der Achtung, worauf jeder Mensch gesetzmäßigen Anspruch machen kann, widerstreitendes Laster.

Er ist vom Stolz (animus elatus), als Ehrliebe, d.i. Sorgfalt, seiner Menschenwürde in Vergleichung mit anderen nichts zu vergeben (der daher auch mit dem Beiwort des edlen belegt zu werden pflegt), unterschieden; denn der Hochmut verlangt von anderen eine Achtung, die er ihnen doch verweigert. – Aber dieser Stolz selbst wird doch zum Fehler und Beleidigung, wenn er auch bloß ein Ansinnen an andere ist, sich mit seiner Wichtigkeit zu beschäftigen.“

Arthur Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit, Kapitel 4: Von dem, was einer vorstellt:

„Die hier geschilderte Torheit unserer Natur treibt hauptsächlich drei Sprößlinge: Ehrgeiz, Eitelkeit und Stolz. Zwischen diesen zwei letzteren beruht der Unterschied darauf, daß der Stolz die bereits feststehende Überzeugung vom eigenen überwiegenden Werte, in irgendeiner Hinsicht ist; Eitelkeit hingegen der Wunsch, in andern eine solche Überzeugung zu erwecken, meistens begleitet von der stillen Hoffnung, sie, in Folge davon, auch selbst zu der seinigen machen zu können. Demnach ist Stolz die von innen ausgehende, folglich direkte Hochschätzung seiner selbst; hingegen Eitelkeit das Streben, solche von außen her, also indirekt zu erlangen. Dementsprechend macht die Eitelkeit gesprächig, der Stolz schweigsam.“

„Stolz ist nicht wer will, sondern höchstens kann wer will Stolz affektieren, wird aber aus dieser, wie aus jeder angenommenen Rolle bald herausfallen. Denn nur die feste, innere, unerschütterliche Überzeugung von überwiegenden Vorzügen und besonderem Werte macht wirklich stolz. Diese Überzeugung mag nun irrig sein, oder auch auf bloß äußerlichen und konventionellen Vorzügen beruhen, – das schadet dem Stolze nicht, wenn sie nur wirklich und ernstlich vorhanden ist.“

„Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein: hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.“

Friedrich Nietzsche, Nachgelassene Fragmente 1884 25 (350) bezieht sich auf Stolz als das Grundgefühl des Herausragenden, der sich durch seine außergewöhnlichen Leistungen auf bestimmte Weise außerhalb steht: „Man redet so dumm vom Stolze — und das Christenthum hat ihn gar als sündlich empfinden machen! Die Sache ist: wer Großes von sich verlangt und erlangt, der muß sich von denen sehr fern fühlen, welche dies nicht thun — diese Distanz wird von diesen Anderen gedeutet als ‘Meinung über sich’: aber Jener kennt sie nur als fortwährende Arbeit, Krieg, Sieg, bei Tag und Nacht: von dem Allen wissen die Anderen nichts!“

Spalte 205: Max Scheler, Über Scham und Schamhaftigkeit, versteht Stolz als das „positive Gefühl des eigenen Selbstwertes".

Otto Friedrich Bollnow, Einfache Sittlichkeit : kleine philosophische Aufsätze (Zweite Reihe, 15: das Selbstbewußtsein): „Der Stolz aber ist ursprünglich ein Verhalten zu sich selbst, d. h. ein Bewußtsein davon, seiner eigenen Würde verpflichtet zu sein. Ausdruck des Stolzes ist die aufrechte Haltung im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Er bricht eher, als das er sich beugt. Der Stolz hängt so eng mit dem Ehrbewußtsein zusammen.“ Stolz quille von innen, gehe auf das innere Sein des Menschen.

Stolz ist ein unscharfer Begriff, ich würde erst einmal etwas differenzierter von "Eitelkeit" und "gesundem Selbstbewusstsein" sprechen. Dass Eitelkeit nicht gut ist, das dürfte unumstritten sein. Dann ist jetzt die Frage, was denn ein gesundes Selbstbewusstsein sei. Ab wann ist es nicht mehr so, sondern eitel, narzisstisch, größenwahnsinnig oder diskriminierend? Die Grenze kann man wahrscheinlich nicht einfach so allgemein definieren, sondern man muss die Grenzfällen einzeln betrachten. Ich denke, so kommt der Wahrheit näher.

Selbst-Bewusstsein ist (spirituell besehen) nicht gesund, nur Bewusstsein ohne Selbst.

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Ich würde Stolz in zwei Kategorien einteilen:

  1. Der Stoz als Bewusstsein der eigenen Fähigkeiten, Talente, erbrachter Leistungen, gutes Aussehen.

  2. Stolz als Mittel, über das eigene Unvermögen hinwegzutäuschen.

Beide Arten von Stolz halte ich für NICHT erstrebenswert.

Zu 1 - Meine Talente und die mir damit ermöglichten Leistungen sind ein Geschenk.Was soll ich stolz darauf sein, dass ich etwas gut gemacht habe, das jemand anderem nicht (so gut) möglich wäre,weil seine Talente nicht in diesem Bereich liegen? Ich habe ja nur mein Talent erkannt und es genutzt, mich also des Geschenkes würdig erwiesen. Das ist meine Aufgabe im Leben. Kein Grund also stolz zu sein.

ZU 2 - Dazu zähle ich Nationalstolz, Stolz auf die Kinder, den Partner, Stolz irgendeiner Gruppe anzugehören. Dabei erbringe ich keine Leistung, bin aber stolz darauf, dass ich zu denen gehöre, die tolle Leistungen erbringen. Grotesk wird es, wenn jemand voll Stolz erzählt, irgendeine berühmte Persönlichkeit wohne im gleichen Dorf, oder meine Mutter kennt dieunddie Berühmtheit, etc.

Am fiesesten finde ich den stolzen Vater/ die stolze Mutter: "Das hat das Kind von mir!", wenn es was gut gemacht hat. Das mindert die Leistung des Kindes, weil es nicht aus eigenem Vermögen was gut gemacht hat, sondern, weil die Eltern das Talent vererbt haben oder dem Kind etwas so gut beigebracht haben.

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