Definition Was ist Religion?

7 Antworten

Es gibt keine einheitliche Definition von Religion, die von allen akzeptiert wäre. So hat zum Beispiel selbst die Religionswissenschaft in ihrer 150-jährigen Existenz als eigenständige Wissensdisziplin noch keinen von allen ReligionswissenschaftlerInnen akzeptierten Religionsbegriff hervorgebracht.


Ich werde daher versuchen verschiedene Religionsbegriffe, die mir spontan einfallen, exemplarisch aufzuzählen, wobei ich diese der Verständlichkeit halber tlw. vereinfache:

  • Das deutsche Wort Religion stammt vom lateinischen Wort religio ab. In der Antike wurde "religio" (z.B. von Cicero) meist für öffentliche Kulthandlungen verwendet. Im lateinischen Mittelalter  wurde "religio" in der Bedeutung "Glaube" oder als Oberbegriff für ein System von Glaubenslehren bezeichnet.
  • Immanuel Kant (Philosoph) definierte Religion als "Erkenntnis unserer [moralischen] Pflichten als göttliche Gebote". Religion hat bei Kant also vor allem eine moralisch-ethische Bedeutung. Die Existenz Gottes lässt sich nach Kant nicht vernünftig beweisen (aber auch nicht widerlegen). Das Moralgesetz gilt jedoch universal für jedes Vernunftswesen und ist unabhänigig davon, ob man an Gott glaubt, auf für jedes Vernunftswesen erkennbar. Die Existenz Gottes anzunehmen ist jedoch sinnvoll und Religion kann eine gute Sache sein, weil man dadurch motivert wird das Moralgesetz zu befolgen.
  • Für den Philosophen G. F. W. Hegel wird Religion vom "absoluten Geist" (vereinfacht gesagt: der auf das Ganze gerichteten Vernunft) hervorgebracht. Die vollendete Religion war für Hegel das protestantische Christentum. Die Religion war für Hegel gewissermaßen eine Vorstufe zur Philosophie; zwar geht es in der vollendeten Religion (protestantisches Christentum) um die selbe Wahrheit, wie in der Philosophie, aber ohne die Philosophie erkennt man nicht, worum es in der Religion wirklich geht.
  • Für den protestantischen Religionsphilosophen und Theologen F. D. E. Schleiermacher vor allem eine Sache des Gefühls, nicht der Vernunft. Religion ist "Anschauung und Geschmack des Unendlichen" und gehört zum Menschsein dazu. Die beste Religion war für Schleiermacher das (preußische) protestantische Christentum.
  • Auch für den Begründer des Neo-Hinduismus Swami Vivekananda ist Religion vor allem eine Sache der Innerlichkeit. Heiligkeit und gute Werke gegenüber den Mitmenschen sind keine ausschließlichen Besitztümer irgendeiner konkreten Glaubensgemeinschaft. Religionen sind verschiedene Zugänge zu Gott und der Wahrheit, dennoch sind nicht alle Religionen gleichwertig. Die beste Religion war für Vivekananda der Hinduismus (bzw. seine eigene Vorstellung davon).
  • Für religionskritische Philosophen, wie Feuerbach oder Marx, ist etwas, was der Mensch sich ausdenkt um irgendwelchen Probleme zu kompensieren. Religion wird dabei negativ bewertet, da sie den Menschen daran hindert seine Probleme anzugehen und zu lösen.
  • Auch der  protestantischen Theologen Karl Barth bewertete Religion negativ. Religion war für ihn Unglaube, denn Religion sind menschliche Versuche zu Gott zu kommen. Der Mensch kann aber nicht zu Gott kommen und ist daher auf Gottes Wort angewiesen. Was Karl Barth damit meinte: Alle Religionen sind Unglaube - außer seine: das evangelisch-reformierte Christentum.
  • Für den Philosophen Ernst Cassirer war Religion ein Teil eine Weise, wie sich der Mensch die Welt erschießt neben Sprache, Wissenschaft, Kunst, etc... Religion entsteht in der Kulturgeschichte, wenn Menschen ihre Mythen nicht mehr wörtlich nehmen und anfangen darüber nachzudenken. Religion ist ein erhaltenswerter Bestandteil der Kultur, weil sie im Gegesnatz zur Wissenschaft, unter Anderem auch den emotionalen Aspekt der Wirklichkeit erschließen hilft.

So! Das reicht erstman. Suchen Sie sich was aus!

Hm. Mir fällt auf, dass die meisten Leute Religion so definieren, dass ihre eigene Religion dabei am besten dasteht. Oder - wenn die Leute Religion kritisch sehen - sie so definieren, dass alle Religionen möglichst schlecht wegkommen...

Da sind jetzt einige Tippfehler und sogar Rechtschreibfehler drin - ich hoffe die stören nicht. Hätte wohl vor dem Abschicken Korrekturlesen sollen.

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"Religion" ist die Suche des Menschen nach Sinn für sein Leben. Während die Naturwissenschaften das "Wie" der Wirklichkeit zu erklären trachtet, beschäftigt sich die Religion mit dem "Wozu" und "Weshalb". Religion und Wissenschaft sind daher keine Gegensätze, sondern ergänzen sich.

Hallo,

Habt ihr eine Definition für Religion 

Ja, "auf den Punkt gebracht".
Religion ist die kulturelle kollektive Bewältigung von Furcht.
Alle anderen Definitionen schränken teils ein oder aus, z.Bsp. die "religiösen" Kulthandlungen der Urvölker.
Je größer der Aufwand für eine "Definition" desto einschränkender.
Persönliche Religion gibt es nicht sondern nur persönlicher "Glaube". Auch gemeinsamer Glaube einer Gruppe ist noch keine Religion.
Bewältigung von Furcht kann auch Überwindung von Furcht beinhalten oder Pflege von Ehrfurcht.
Auch der Buddhismus ist hier eingeschlossen (manche behaupten dies wäre keine Religion) weil der Furcht vor Wiedergeburt (=Leid !) durch koll.kult. "Handlungen" begegnet wird auch wenn jeder Einzelne letztendlich seine "(Heils-)Wege" gehen muß.
Dies ist aber auch im Christentum nicht anders.
Glaubensinhalte definieren nicht Religion "an sich".

Die meisten Definitionen (und vielen Beschreibungen z.Bsp. bei Wikipedia) treffen den Sachverhalt Religion nur ungenügend.

Gruß Viktor

Ich habe mir nur das ,dickgedruckte. Das hat mir gereicht um zu wissen,dass es nur um Schwachsinn geht

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Meine persönlich Definition:

Religion ist eine Art und Weise der Bezugnahme auf die Transzendenz.

Jetzt muss man nur noch "Transzendenz" definieren.

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Religionen sind der verzweifelte Versuch, Erklärungen für die Entstehung der Welt und weiteres zu finden.

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