Definition von Minderwertigkeitskomplex?

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3 Antworten

Phänomene aus dem gesellschaftlichen, sozialen und vor allem psychologischen Bereich lassen sich nunmal nicht mit naturwissenschaftlicher Exaktheit bestimmtn, da sie in der Regel viel dynamischer gestaltet sind und einem viel komplexeren Wirkungsgefüge unterliegen.

Um da vernünftige Aussagen begründen zu können, braucht es schon etwas mehr als beim bloßen Erbsenzählen.

Minderwertigkeit ist zunächst einmal eine gesellschaftliche Tatsache. Jahrtausendelang beruhten menschliche Gesellschaften auf der strukturellen Akzeptanz und systematischen Reproduktion von Minderwertigkeit.

Sklaven waren systemisch bedingt als bloße Produktionsmittel reine Sachgegenstände und daher minder wert als freie Menschen.

Leibeigene waren systemisch bedingt minder wert als Angehörige gehobener Stände.

Es bedurfte schon einer jahrtausendelang währenden intellektuellen Titanenarbeit, um überhaupt nur in Gestalt des Christentums den Gedanken produzieren zu können, dass alle Menschen gleich seien - zunächst jedoch nur im Jenseits und dort vor Gott.

Dann brauchte man weitere 1800 Jahre, um dieses Gleichheitsprinzip aus dem Jenseits ins Diesseits zu befördern und Gott durch das Gesetz zu ersetzen.

Und in den folgenden 200 Jahren musste man dann "nur" noch deses Gleichheitsprinzip auch noch für die weibliche Hälfte der Menschheit etablieren und ein paar Apartheidregime beseitigen...

Die Idee also, Menschen könnten prinzipiell kraft Geburt einen gleichen Wert haben, ist eine ziemlich moderne Errungenschaft menschlicher Gesellschaften, die ihrerseits weiterhin in vielfältigen Formen und Ausdrücke affirmative Verhältnisse zu einer strukturellen Ungleichwertigkeit und damit auch Minderwertigkeit von Menschen hegen und pflegen, so wie du sie hier u.a. auch in Gestalt von z.B. "Reichtumsbesitz" vorführst.

Vor gut hundert Jahren wurde z.B. noch die Gewichtung von Wahlstimmen nach dem Reichtum bewertet und erst vor ein paar Jahren blödelte sich ein Bundesvorsitzender der JUNGEN UNION mit dem Vorschlag, Hartzer von der Wahlberechtigung auszuschließen, kurzzeitig in den öffentlichen Fokus.

Vor solchen Hintergründen entwickelt "Minderwertigkeit" denn auch eine individuelle, subjektive Dimension und kann sich dann eben auch zu einem ganze "Komplex" verdichten.

Wie genau das passiert, wodurch das passiert und worin sich das dann äußert, bleibt letztlich aber ebenso individuell und subjektiv zu erfassen und zu bestimmen.

Minderwertigkeitskomplexe hat man, wenn man das Gefühl hat, nichts wert zu sein, nichts zu wissen, nichts zu können usw. Man denkt dann: Die anderen können viel mehr als ich, sie wissen mehr, sehen besser aus . Man fühlt sich minderwertig, traut sich nichts zu, glaubt, ein Versager zu sein.

Minderwertigkeitskomplex (auch Minderwertigkkeitsgefühl) ist richtig, wie du erklärt hast. Das ist das Gefühl Unvollkommen zu sein.
Wenn du dich mit einem reichen Typen vergleichst und dir denkst "Boah bin ich arm",dann hast du das Minderwertigkeitsgefühl. Es sei denn, du pfeifst darauf und dir das egal ist, dann denkt man an sich und fühlt sich auch nicht minderwertig :)
Ich hab mich auch mit anderen verglichen und habe zum Schluss bemerkt, wie ich mir selber Stress mache damit ;)

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