Definition Mittelalter?

3 Antworten

Das Problem dieser Definition ist, dass sie zwei Dinge in einen Entwicklungszusammenhang stellt, den man an einigen Stellen hinterfragen muss. Deine Frage resultiert genau aus diesem Problem. Zunächst einmal halte ich es für sinnvoll zu trennen zwischen auf die Funktion verweisende Dimension des Terminus "Ritter" (Berittener, reitender Kämpfer) und zwischen dem auf den sozialen Status verweisende Dimension "Ritter" (i.d.R. zum "Adel" gehörende Person mit kriegerischem Habitus).

Das eine, die Funktionseinheit des berittenen Kämpfers, entstand im poströmischen lateinischen Westen des Frühmittelalters und wird relevant spätestens im 9. Jahrhundert. Dass der Terminus im Verlauf des Hohen Mittelalters immer mehr zu einem Begriff der sozialen und gesellschaftlichen Differenzierung wird und damit eine soziale Gruppe nach innen und außen definiert, ist zunächst eine Beobachtung. Die begriffliche Übertragung (Ritter=Reiter ---> Ritter=Reicher ^^) resultiert wahrscheinlich einerseits aus der militärischen Relevanz berittener Einheiten und andererseits aus den notwendigen finanziellen Mitteln, die es aufzuwenden galt, um 1. entsprechende militärische Ausrüstung zu finanzieren und 2. (viel wichtiger) Zeit und Auskommen zu haben, um sich an militärischen Kampagnen zu beteiligen.

Dass solche Personen vor allem unter Grundbesitzern zu suchen sind, leuchtet ein, wobei es auch Biografien gibt, die einen umgekehrten Weg vom Krieger zum Grundbesitzer aufzeigen. Durch militärische Relevanz und finanzielle Potenz gehören diese Personen dann auch i.d.R. dem näheren Umfeld eines Herrschers (oder anderweitigen Potens) an. Diese Nähe zu Herrschern war es vor allem anderen, was bei den Reitern/Rittern zu einem Gefühl gehobenen sozialen Status' führte. Ihren Grundbesitz vererbten die Reiter häufig mit ihrem gehobenen sozialen Status und das Kämpfen auf dem Pferd und die damit verbundene militärische, finanzielle und soziale Potenz dieser Typen war gewissermaßen das Bündel indentitätsstiftender Handlungen und Eigenschaften, was generationenübergreifend zur Begriffsübertragung (R(e)itter=Reicher=Angesehener=etc) geführt haben mag.

Ich tendiere immer dazu, bis zum 12. Jahrhundert von Reitern zu sprechen und erst ab dann von Rittern. Letzteres aber auch nur dann, wenn ich das soziale Selbstbewusstsein dieser Personen und ihren sozialen Status fokussiere. Auf dem Schlachtfeld bleiben sie für mich berittene Einheiten, auf dem Tunier sind sie R(e)itter und in der Gruppe bei Tisch Ritter. Der berittene Kämpfer muss aber nicht zwingend auf Turnieren reiten oder zur Gesellschaft bewaffneter Grundbesitzer gehören.

"Ich tendiere immer dazu, bis zum 12. Jahrhundert von Reitern zu sprechen und erst ab dann von Rittern. Letzteres aber auch nur dann, wenn ich das soziale Selbstbewusstsein dieser Personen und ihren sozialen Status fokussiere."

Das sehe ich ähnlich, zumal man davon ausgehen darf, daß Ritter vor dem 12. Jahrhundert noch keinen fest umrissenen Stand darstellten. Und schon gar nicht kann man in dieser Zeit den Begriff "Ritter" mit "Adel" oder gar "Reichtum" gleichsetzen.

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@Henryettex

Ja, ich glaube, man sollte sich einfach darüber bewusst werden, dass "Ritter" in weiten Teilen auch ein Forschungsbegriff ist, der möglicherweise Dinge miteinander gleichstellt, die nicht völlig deckungsgleich miteinander sind.

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Ritter tauchten im 9. Jahrhundert erstmalig auf und waren in losen Gruppen unterwegs und/oder unterstanden dem König. In 12 Jahrhundert bildeten sie einen Stand ähnlich/gleich dem adel oder als Geistlicher Orden im Sinne von mönchen (Templer, Deutschorden, Schwertbrüder...). Ritter konnte ja auch nur der werden, der adligen Geschlechts war oder als unadliger einen "Ehrentitel" erhielt. Letztere waren aber oftmals verarmt

Ritter im Sinne von "berittene Krieger" zählten zunächst gar nicht automatisch zum Adel. Meistens waren diese Männer nichts weiter als berittene Krieger. Aus diesen bildete sich der sogenannte "Niedere Adel". Bis zum Jahre 1187 konnten sogar unfreie Personen zum Ritter geschlagen werden.

Andersherum war nicht jeder Sohn eines Ritters, auch wenn er faktisch als berittener Krieger oder Dienstmann eines höhergestellten Adeligen diente, automatisch ein Ritter. Noch nicht einmal alle Söhne des eigentlichen Adels, also ab Edelherrn aufwärts, wurden zum Ritter geschlagen, da dies im Alltag keinerlei Bedeutung hatte. Viele Rittersöhne blieben aus gutem Grund Zeit ihres Lebens Knappen.

Verarmt waren viele Ritter nicht wegen ihrer Herkunft aus der Ministerialität, sondern weil die Agrarkrise des Spätmittelalters ihre Lebensgrundlage empfindlich schmälerte.

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