David Hume - Frage?

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1 Antwort

Ehrlich gesagt ist mir die Aussage von Russel zu allgemein, um wirklich beurteilen zu können, was er meint. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso ausgerechnet David Hume den Empirismus vernichtet haben soll? Er hat Kant zu der Einsicht gebracht, dass die Empirie die Basis unseres begrifflichen Denkens ist. Ohne Erfahrungen keine Begriffe. In Wikipedia heißt es zu David Hume: „Er war einer der bedeutendsten Vertreter der schottischen Aufklärung und wird der philosophischen Strömung des Empirismus bzw. des Sensualismus zugerechnet.“ So sehe ich es auch und es stellt sich die Frage, welchen Empirismus Russell meint, wenn er ausgerechnet Hume dessen Vernichtung vorwirft.

Unvernunft und Irrationalismus des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts haben meiner Meinung andere Gründe als ausgerechnet die Philosophie. Die Kraftmeierei zur Zeit des 19. und dann des 20. Jahrhunderts ist der Einstellung entsprungen, die Welt wissenschaftlich-technisch „im Griff“ zu haben. Der wuchernde unbändige Fortschrittsglaube hätte in David Humes Philosophie gerade keine Nahrung finden können. Der aufblühende Kolonialismus und dann Nationalismus findet nirgendwo auch nur annähernd eine Nahrung in David Humes kritischer Einstellung. Hätte Russel Immanuel Kant angegriffen mit seinem Glauben an die Vernunft und Hegels Lobhudelei des Weltgeistes und dessen Höhepunkt im preußischen Reich, hätte man streiten können, wieviel Einfluss Kant und Hegel auf das allgemeine Volksempfinden gehabt hätten. Aber David Hume? Der Zweifler als Vater von grandioser Selbstüberschätzung? Im Gegenteil: Wer Humes Betonung der Kraft der Emotionen liest, hätte gewarnt sein können, das allgemeine Volk derart emotional aufzuputschen.

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