Datierungen in der Schlachter 2000 Bibel?

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8 Antworten

Hallo 1NV1CTVS,

hier bekommst Du die Daten nach zuverlässiger Forschung:




Matthäusevangelium


Zeit der Niederschrift. Unterschriften am Ende etlicher Handschriften des Matthäusevangeliums (alle aus der Zeit nach dem 10. Jahrhundert u. Z.) besagen, dass der Bericht ungefähr acht Jahre nach Christi Himmelfahrt geschrieben wurde (um 41 u. Z.). Das wäre nicht unvereinbar mit dem Inhalt des Berichts. Die Tatsache, dass darin nichts über die Erfüllung der Prophezeiung Jesu hinsichtlich der Zerstörung Jerusalems gesagt wird, dürfte darauf hinweisen, dass er vor dem Jahre 70 u. Z. abgefasst wurde (Mat 5:35; 24:16). Auch deutet der Ausdruck „bis auf den heutigen Tag“ (Mat 27:8; 28:15) darauf hin, dass zwischen den beschriebenen Ereignissen und der Zeit der Niederschrift einige Zeit verging.

Ursprünglich in Hebräisch geschrieben. Einen außerbiblischen Beweis dafür, dass Matthäus sein Evangelium ursprünglich in Hebräisch schrieb, finden wir schon bei Papias von Hierapolis (2. Jahrhundert u. Z.). Eusebius führt folgende Worte des Papias an: „Matthäus hat in hebräischer Sprache die Reden [Jesu] zusammengestellt“ (Kirchengeschichte, herausgegeben von H. Kraft, 1967, III, XXXIX, l⁠6, S. 191). Des weiteren zitiert Eusebius Origenes, der zu Beginn des 3. Jahrhunderts in seinem Kommentar zu den vier Evangelien über Matthäus folgendes schrieb: „Zuerst wurde das Evangelium nach Matthäus, dem früheren Zöllner und späteren Apostel Jesu Christi, für die Gläubigen aus dem Judentum in hebräischer Sprache geschrieben“ (Kirchengeschichte, VI, XXV, 3-6, S. 299).

Der Gelehrte Hieronymus (der im 4. und 5. Jahrhundert u. Z. lebte) schrieb in seinem Werk De viris inlustribus (Über berühmte Männer), Kap. III folgendes: „[Matthäus] verfasste zuerst ein Evangelium von Christus in Judäa in der hebräischen Sprache und in [hebräischen] Schriftzeichen zum Nutzen derer aus der Beschneidung, die geglaubt hatten. . . . Übrigens ist das Hebräische bis auf diesen Tag in der Bibliothek von Cäsarea erhalten geblieben, die Pamphilus, der Märtyrer, sehr bereicherte.“ (Die Übersetzung erfolgte nach dem lateinischen Text, der von E. C. Richardson in der Serie „Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur“, Leipzig 1896, Bd. 14, S. 8, 9 herausgegeben und veröffentlicht worden ist.)

Von einigen wird angenommen, dass Matthäus seinen Bericht, nachdem er ihn in Hebräisch zusammengestellt hatte, selbst in die griechische Umgangssprache (Koine) übersetzte.


Lukasevangelium

Der Schreiber und die Zeit der Niederschrift. Obwohl Lukas, ein Arzt (Kol 4:14), in dem Bericht nicht namentlich erwähnt wird, erkennt man allgemein an, dass er der Schreiber war. Dafür gibt es einen schriftlichen Beweis, einen Beweis, der aus dem 2. Jahrhundert stammt: Im Muratorischen Fragment (um 170 u. Z.) wird das Evangelium Lukas zugeschrieben. Aufgrund gewisser Merkmale kann man ebenfalls darauf schließen, dass der Schreiber ein gebildeter Arzt war. Sein Wortschatz war größer als derjenige der Schreiber der anderen drei Evangelien zusammengenommen. Manchmal werden die von Jesus durchgeführten Heilungen genauer beschrieben als in den anderen Berichten. (Vgl. Mat 8:14; Mar 1:30; Luk 4:38; Mat 8:2; Mar 1:40; Luk 5:12.)

Lukas vollendete sein Evangelium zweifellos, bevor er die Apostelgeschichte schrieb (Apg 1:1, 2). Da er Paulus am Ende seiner dritten Missionsreise nach Jerusalem begleitet hatte (Apg 21:15-17), muss er gut in der Lage gewesen sein, in dem Land, wo der Sohn Gottes seine Tätigkeit ausgeübt hatte, allem, was mit Jesus Christus in Verbindung stand, genau nachzugehen. Nach der Gefangennahme des Apostels Paulus in Jerusalem und während der späteren Haft des Apostels in Cäsarea hatte Lukas möglicherweise viele Gelegenheiten, Augenzeugen zu interviewen und in schriftlichen Berichten nachzuschlagen. Es ist also vernünftig anzunehmen, dass das Evangelium in Cäsarea während der dortigen etwa zweijährigen Haft des Paulus (um 56—58 u. Z.) niedergeschrieben wurde (Apg 21:30-33; 23:26-35; 24:27).


Johannesevangelium

Wann und wo geschrieben. Man nimmt allgemein an, dass sich Johannes nach seiner Rückkehr aus der Verbannung auf der Insel Patmos in oder bei Ephesus (etwa 100 km davon entfernt) aufhielt, als er um das Jahr 98 u. Z. sein Evangelium schrieb. Der römische Kaiser Nerva (96—98 u. Z.) rief viele zurück, die am Ende der Regierungszeit seines Vorgängers Domitian verbannt worden waren. Johannes könnte einer von ihnen gewesen sein. Ephesus gehörte zu den Versammlungen, denen Johannes gemäß der Offenbarung, die er auf Patmos empfangen hatte, schreiben musste.

Johannes erreichte ein sehr hohes Alter; er war vermutlich etwa 90 oder 100 Jahre alt, als er sein Evangelium schrieb. Ohne Zweifel kannte er die anderen drei Berichte über das irdische Leben und den Dienst Jesu sowie die Apostelgeschichte und die von Paulus, Petrus, Jakobus und Judas geschriebenen Briefe. Er hatte miterlebt, wie die christliche Lehre völlig geoffenbart wurde, und gesehen, was sie bewirkte, als sie allen Nationen gepredigt wurde. Auch die Entwicklung des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ hatte er beobachtet (2Th 2:3) und war Zeuge der Erfüllung vieler Prophezeiungen Jesu gewesen, besonders derjenigen über die Zerstörung Jerusalems und über das Ende des damaligen jüdischen Systems der Dinge.


Markusevangelium

Zeit und Ort der Niederschrift. Gemäß der alten Überlieferung wurde das Markusevangelium zuerst in Rom veröffentlicht. Das wird von frühen Geschichtsschreibern bestätigt, z. B. von Klemens, Eusebius und Hieronymus. Während der ersten Gefangenschaft des Paulus in Rom befand sich Markus ebenfalls dort (Kol 4:10; Phm 1, 23, 24). Danach war dieser mit Petrus in Babylon (1Pe 5:13). Als man dann Paulus das zweite Mal in Rom gefangen hielt, bat er Timotheus, bald zu kommen und Markus mitzubringen (2Ti 4:11). Wahrscheinlich kehrte Markus daraufhin nach Rom zurück. Da er die Zerstörung Jerusalems, die in Übereinstimmung mit der Prophezeiung Jesu hereinbrach, in seinem Bericht nicht erwähnte, muss er ihn vor diesem Ereignis, das 70 u. Z. eintrat, zusammengestellt haben. Von 60 bis 65 u. Z. hat er sich mindestens einmal, wenn nicht sogar zweimal, in Rom aufgehalten; daraus ist zu schließen, dass er möglicherweise sein Evangelium irgendwann in dieser Zeit dort beendete.



Soweit nach Daten der WACHTTURM-ONLINE-BIBLIOTHEK zusammen gestellt.


Eine andere Sichtweise zeigt die Webseite bibelwissenschaft.

http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/neues-testament/evangelien/matthaeus/

"Das Mt setzt die Zerstörung Jerusalems im Jüdischen Krieg bereits voraus (vgl. 21,41; 22,7; 23,38). Auf Verfolgungen der Christen von Seiten der Juden blickt der Evangelist als vergangenes Problem zurück. Dagegen rechnet er mit weltweiten Verfolgungen der Christen und sieht die eigentliche Gefährdung in innergemeindlichen Problemen (24,9-14). Die Entstehung des Evangeliums wird aus diesen Gründen meist in die Zeit zwischen 80 und 90 n.Chr. datiert."

http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/neues-testament/evangelien/markus/

"Die synoptische Apokalypse in Kap.13 lässt vermuten, dass das Mk in den turbulenten Zeiten kurz nach der Eroberung Jerusalems durch die Römer im Jüdischen Krieg (August 70) entstanden ist. Der Verfasser steht noch unter dem Eindruck der Kriegsereignisse"


Du siehst, die WACHTTURM-ONLINE-BIBLIOTHEK sieht Jesu Worte aus Mt Kapitel 24 und 25, Mk 13 sowie Lk 21 als Gottes prophetische Voraussage, einschließlich der zum Teil recht detaillierten Aussagen zum Jüdischen Aufstand oder Jüdischen Krieg. Auch aus diesem Grund wird keines der drei "synoptischen" Evangelien auf nach 70 n. Chr. datiert.

Genau das Gegenteil lehrt die andere Online-bibelwissenschaft-bibelkunde.


Entscheide Du für Dich.



Grüße, kdd

Die Datierungen sind nicht inspiriert, genausowenig wie die Kapitel- und Versangaben.

Die Zeiträume sind zum Teil großflächig angegeben. Ausschnitte aus der Elberfelder Studienbibel:

Markus auf 70 n. Chr. datiert

In allen alten Sammlungen neutestamentlicher Handschriften steht das Matthäusev. an erster Stelle, danach folgen Markus, Lukas und Johannes. Hinter dieser Reihenfolge steht wahrscheilich ein chronologisches Ordnungsschema. Nach Meinung der alten Kirche ist das Matth.ev. demnach das älteste. ... Das führt in eine Zeit, die wahrscheinlich kurz vor dem Märtyrertod des Petrus im Jahr 64 n. Chr. liegt.

Lukas: Die Entstehungszeit ist ungewiss; in Frage kommt der Zeitraum zwischen 60 und 85 n. Chr.

Johannes: geschrieben wurde das Buch wahrscheinlich gegen Ende des apostolischen Zeitalters (um 90-100 n. Chr.)

Genau datieren lassen sich die Evangelien nicht, aber man kann durchaus Aussagen über ihr ungefähres Alter treffen. 

Einigkeit herrscht unter den Exegeten vor allem bei der Angabe des Alters des Markusevangeliums. Da dort auf die Zerstörung des Tempels von Jerusalem Bezug genommen wird, wird es in eine Zeit nach dem Jahre 70 datiert (es sei denn es handelt sich dabei un eine echte Prophezeihung, wie manche glauben, bei ihnen ist das Werk dann deutlich älter).

Lukas und Matthäus bedienten sich nach allgemeiner Auffassung bei Markus als Quelle und müssen demnach also erst nach 70 geschrieben worden sein. Da in beiden Werken nichs von den ersten Christenverfolgungen unter Domitian zu lesen ist, wird ihre Entstehungszeit meist vor seiner Herrschaftszeit (81 - 96) datiert.

Weitestgehend einig ist man sich auch darin, dass Johannes das jüngste Evangelium ist und erst nach 80 entstanden ist, viele Autoren gehen sogar davon aus, dass Johannes erst im zweiten Jahrhundert schrieb. In Ägypten fand man ein Textfragment, das wissenschaftlich etwa auf das Jahr 125 datiert wurde; berücksichtigt man die Zeit, welche es zur Ausbreitung nach Ägypten brauchte, stimmt dies mit der inhaltsbezogenen Datierung überein.

Die Frühdatierung in der Schlachter-Bibel folgt der tradtionellen Datierung der frühen Kirchenväter wie Augustinus, welcher das Matthäusevangeliun als das älteste ansah und tatsächlich von einer prophetischen Schrift ausging. Diese Ansicht wird heute jedoch kaum noch geteilt, obwohl sie auch nicht hundertprozentig widerlegbar ist.

Die Datierungen beruhen alle auf Vermutungen.

Markus wird oft auf vor 70 datiert, da er auf die Zerstörung Jerusalems nur sehr allgemein Bezug nimmt (und es durchaus glaubwürdig ist, dass Jesus so was vorausgesagt hat). Bei Mt und Lk denken die meisten Ausleger, dass die entsprechenden Aussagen schon durch die Ereignisse um 70 beeinflusst sind.

Die Schlachter-2000 ist von Leuten erstellt worden, die sich über die alte Übersetzung von F.E. Schlachter hergemacht haben (Schlachter wäre garantiert dagegen gewesen, den Text auf den Textus Receptus zu basieren, aber das wär ein anderes Kapitel). Und die haben auch ihre eigene Meinung zu den Evangelien: Demnach hat Markus Material von Matthäus und Lukas von Markus und Matthäus übernommen. Und Lukas hat sein Evangelium vor der Apg geschrieben, die wiederum relativ kurz nach Ende der darin beschriebenen Ereignissen verfasst wurde.

Meist wird angenommen, dass Mt von Mk übernommen hat, und Mt und Lk beide von einer hypothetischen Quelle Q. Und mit den Theorien hängen auch die Unterschiede in den Datierungen zusammen. Je nach Autor spielt zuweilen auch die Meinung mit herein, dass es keine echte Prophetie gibt.

Sind sie generell glaubwürdig?

Was heißt schon glaubwürdig. Befass dich mit den Theorien, die den Datierungen zugrunde liegen, die sind mehr oder weniger wahrscheinlich. Mt vor 50 ist aus meiner Sicht unwahrscheinlich, genauso wie Johannes nach 100.

johannes ist das jüngste evangelium.

1NV1CTVS 30.03.2016, 04:47

Nun das wäre mir sehr neu...Wo haben sie das denn gelesen?

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helmutwk 30.03.2016, 12:11
@1NV1CTVS

Gemeint ist natürlich, dass Jh das jüngste (zeitlich letzte) der vier biblischen Evangelien ist. Die außerbiblischen Evangelien kommen natürlich noch später, oft um mehrere Jahrhunderte.

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1NV1CTVS 30.03.2016, 13:34

@helmutwk danke für die Aufklärung. Habe die Antwort wohl missverstanden. :)

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Es gibt noch andere Lexika, die das Matthäus-Evangelium so früh datieren.

Einsichten über die Heilige Schrift:

Zeit der Niederschrift. Unterschriften am Ende etlicher
Handschriften des Matthäusevangeliums (alle aus der Zeit nach dem
10. Jahrhundert u. Z.) besagen, daß der Bericht ungefähr acht Jahre nach
Christi Himmelfahrt geschrieben wurde (um 41 u. Z.). Das wäre nicht
unvereinbar mit dem Inhalt des Berichts. Die Tatsache, daß darin nichts
über die Erfüllung der Prophezeiung Jesu hinsichtlich der Zerstörung
Jerusalems gesagt wird, dürfte darauf hinweisen, daß er vor dem Jahre 70
u. Z. abgefaßt wurde (Mat 5:35; 24:16). Auch deutet der Ausdruck „bis auf den heutigen Tag“ (Mat 27:8; 28:15) darauf hin, daß zwischen den beschriebenen Ereignissen und der Zeit der Niederschrift einige Zeit verging.

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Fausset´s Bible Dictionary:

Time of writing. As our Lord's words divide Acts (Acts 1:8) into its three parts, ("ye shall be witnesses unto Me in Jerusalem, and all Judea, and in Samaria, and unto the uttermost part of the earth": (1) the period in which the church was Jewish, Acts 1--11; ; (2) the period when it was Gentile with strong Jewish admixture; (3) the period when the Gentiles preponderated,) Matthew's Gospel answers to the first or Jewish period, ending about A.D. 41, and was written probably in and for Jerusalem and Judea. The expression (Mt. 27:7,8; 28:15) "unto this day" implies some interval after Christ's crucifixion.

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The Scofield Reference Bible:

The date of Matthew has been much discussed, but no convincing reason has been given for discrediting the traditional date of A.D. 37.

helmutwk 30.03.2016, 12:08

Der ist zu oberflächlich. Der Vergleich mit dem Johannes-Evangelium zeigt, dass Mt, Mk und LK nicht nur zufällig übereinstimmen. Die Reihenfolge zeigt, dass Mt und Lk vor allem jeweils mit Mk zusammenhängen.

Da wegen der Vorworts zu Lk (1,1-4) niemand sagt, dass Mk von Lk abhängig ist, gibt es somit zwei Möglichkeiten:

  • Mt->Mk->Lk
  • Mt<-Mk->Lk

Beide müssen noch um "Details" ergänzt werden, die die Gemeinsamkeiten zwischen Mt und Lk in dem Material erklären, dass Mk nicht enthält.

Welche der beiden Möglichkeiten stimmt, ist nicht trivial zu entscheiden. Hat Mt die Berichte von Mk gekürzt, weil er Platz für die zusätzlichen Berichte bzw. Reden brauchte, oder hat Mk aus Mt ausgewählt, aber in den einzelnen Berichten Einzelheiten aus einer Quelle ergänzt (laut Tradition war die mündlich: Petrus, dessen Übersetzer Mk gewesen sein soll)? Und so weiter ...

Nur so platt wie bei Gitt schreibt geht das aber nicht. Wenn die drei Autoren ihre Texte alle gegenseitig nicht gekannt haben (auch indirekt nicht), dann sind die Ähnlichkeiten der "Synoptiker" ein veritables Wunder Gottes (das wenig sinnvoll wäre, auch  nirgendwo versprochen wurde etc.). Und aus zwei Texten mit Unterschiede in der Reihenfolge der einzelnen Episoden einen dritten Text zu basteln, der dann eine so gute Reihenfolge wie bei Mk ergibt, dürfte auch nur möglich sein, wenn die beiden ersten Autoren sich wenigstens etwas abgesprochen haben ...

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Wenn es bei dir in dieser Sache um das "ewige Leben" geht, ist das schlimm (Joh.3,16).

Daten der Niederschrift sind von Menschen geschrieben, Gottes Wort (Joh.17,17) wurde vom Geist Gottes inspiriert (Offb.22,18-19).

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