Das Osmanische Reich als Vorbild?

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16 Antworten

Ich höre oft von Türken bzw. Muslime, dass das Osmanische Reich den Islam auf der schönsten Art und Weise verbreitet hat. Sie sehen es als Vorbild und finden es gut.

Es ist immer gefährlich, zu versuchen, mit Hilfe von Hörensagen Erkenntnisse zu gewinnen. Denn im Hörensagen, auch wenn es "oft" wiederholt wird, findet man meist nur Wunschvorstellungen und Idealisierungen von wenig informierten Menschen wieder, die mit der Realität nichts zu tun haben. Was soll denn "Islam auf der schönsten Art und Weise verbreitet" bedeuten? Es ist ein idealisiertes Traumgebilde! In Wahrheit hat das Osmanische Reich niemals unter den ihm unterworfenen Völkern zur Verbreitung des Islam planmäßig missioniert bzw. eine solche Mission angeordnet, wie sie beispielsweise christliche Länder in vielen ihrer Kolonien durchgeführt haben.

Dann höre ich von Andersgläubigen, dass das Osmanische Reich jeden getötet hat, der nicht zum Islam übertreten wollte und dass sie Völkermorde an Christen verübt haben.

Diese Aussage ist eine Mischung aus Halbwahrheiten. In der überwiegenden Zeit seines Bestehens hat das Osmanische Reich nur wenige seiner Untertanen gezwungen, zum Moslem zu werden - eine Ausnahme wäre z. B. die aus christlichen Familien rekrutierte Elitetruppe der Janitscharen. Im Osmanischen Reich herrschte eine oberflächliche religiöse Toleranz, die Nichtmuslime zwar nicht zur Konversion zwang, aber gesellschaftlich z. B. durch Zusatzabgaben diskriminierte.

Was "Völkermorde an Christen" angeht: ja, diese hat es gegeben, Besonders in der Endzeit des Osmanischen Reiches und im Ersten Weltkrieg gab es rücksichtslose Verfolgungen, ja Völkermord an griechischen, armenischen und syrisch-aramäischen Christen.

Zum Abschluss möchte ich noch Buchempfehlungen aussprechen, damit historisch Interessierte Zusammenhänge und Details nachlesen können:

  • Suraiya Faroqhi: Geschichte des Osmanischen Reiches. 6. Aufl. 2014.
  • Josef Matuz: Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte. 7. Aufl. 2012.
  • Klaus Kreiser: Der Osmanische Staat 1300-1922 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte).2. Aufl. 2008.

MfG

Arnold

Das Osmanische Reich war eine hundsgewöhnliche Invasions- und Gewaltherrschaft. Die Türken an sich sind zugewanderte in der Türkei.

Insofern ist die osmanische Geschichte weder besonders vorbildhaft, noch besonders verderbt, noch war die oktroyierte Konversion besonders schön.

Jeder Land hat einen Gründungsmythos. Die haben es so an sich, dass man hier nur eine sehr verklärte Form der wahren Ereignisse wiedergibt. Die Türken gehören hierbei, ähnlich den Briten, zu der Gruppe derer, die heute vergleichsweise Bedeutungslos sind in Relation zu der Macht, die sie damals innehatten.

In der heute wenig bedeutsamen Türkei ist es nur natürlich, daß man sich besonders gerne der Zeiten erinnert, wo man es den Christen und Europäern noch so richtig zeigen konnte .

Es fällt Menschen immer schwer, den Rang, den sie glauben zu haben, mit der Realität in Einklang zu bringen. Hierzu ein irgendwie passendes, wenn auch thematisch völlig anderes Zitat:"Der Sozialismus hat in Amerika nie Fuß fassen können, weil sich die Armen nicht als Unterdrückte empfinden, sondern als Millionäre, bei denen es vorübergehend nicht so gut läuft. "

das osmanische Reich hat sich vor allem durch Expansion und Plünderung vergrößert und ihren Reichtum eingefahren. Als die Expansion aufhörte, war das Ende schon absehbar, wenn es auch sehr viel länger gehalten hat (über 250 Jahre dauerte der Untergang)

Das Problem war die fehlende Verwaltung im Reich. Man hatte zwar Völker die sich auf Krieg verstanden, aber nicht auf Politik, Bildung, Wissenschaft etc. dort gab es keine zivilisatorischen Sprünge. Etwa Rathäuser suchte man in der Vormoderne im osmanischen Reich vergeblich. Der Buchdruck kam etwa 300 Jahre später erst an, durch einen Ausländer, einen Ungarn importiert, obwohl Europa nebenan ist, europäisch aussehende Frauen für den Harem dagegen hat man sofort importiert.. Das sagt viel aus über falschen Stolz und vorgetäuschter Überlegenheit der Osmanen.



Wenn man die Muslime als vorbildhafte Eroberer sehen will, dann gilt das noch zuerst für das 8. bis 15. Jahrhundert. 

Sie brachten die Architektur, Handwerkskünste und Heilkunde nach Europa, insbesondere in das von ihnen eroberte Spanien (Al Andaluz).

Die Osmanen haben zwar auch große Gebiete erobert, aber in Arabien mehr durch Großgrundbesitzer die Erträge kassiert.

Die Eroberungen auf den Balkan führten zwar zweimal vor Wien. aber nicht zu größeren Gebietsgewinnen von Bestand. Albanien und Bosnien wurden islamisch.

rawierawie 02.08.2016, 02:06

El Cid brachte die Erlösung über Andalusien, so dass die Forscher und Entdecker endlich machen konnten, was die Welt heute so ausmacht: Der Drang nach mehr. Undenkbar, wenn die Muslime die Oberhand heute noch hätten!

Die Muslime als vorbildhafte Eroberer darzustellen, ist mehr als abenteuerlich!

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wfwbinder 02.08.2016, 02:33
@rawierawie

Bitte genau lesen. Ich habe die Araber nicht vorbildhafte Eroberer genannt, sondern nur dargestellt, dass wenn man muslimische Eroberer als solche sehen möchte es eher auf die Araber zutreffen mag, als auf die Osmanen.

Natürlich war die Befreiung 1453 wichtig für Spanien, aber auf der anderen Seite haben die Araber auch viel zur intressanten Geschichte beigetragen und die Überreste sind bis heute wichtig.

Im Gegensatz dazu haben die Osmanen (die ausserdem später, über den Balkan vordringen wollten, so etwas nicht gebracht.

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Schau dir den Balkan an, da gibt es Länder, welche rund 500 Jahre unter den Osmanen waren und heute weiterhin Christen sind, mit zwei Ausnahmen und zwar Bosnien und Albanien, die sich von Rom lösen wollten. Wäre es so, wie es einige behaupten, dann gebe es heute in Griechenland, Bulgarien, Mazedonien, Serbien, usw. keine Christen. Bedenke immer "300 bis 500 Jahre" sind lange genug, um alles nicht christliche zu zerstören aber so war es nicht.

Die Juden sind auch damals ins osmanische Reich geflüchtet. Schau dir die Geschichte der spanischen Juden an, die nach Bosnien geflohen sind und jetzt beispielsweise eine 500 Jahre lange Geschichte in Bosnien haben. Die mussten zwar Steuern zahlen, dafür konnten die ohne Anhst dort leben und durften Ihren Glauben frei ausleben (halt nicht dafür werben aber darum gingnes den ja nicht).

Alleine diese zwei Punkte beweisen dir das Gegenteil und das sind Fakten, welche niemand anzweifelt.

Mark1616 02.08.2016, 15:28

Die muslimische Eroberung Indiens, bei der mehrere hundert Millionen Menschen getötet worden sind, hat genausowenig zu einer vollständigen Islamisierung geführt. Es ist fast so, als ob die gewalttätige Unterdrückung fast nie Erfolg hat.

Was du hier betreibst ist Geschichtsleugnung vom feinsten. Ist Anti-Intellektualismus im Islam nicht verboten? Ab in die Hölle mit dir. ;)

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ollesgemuese 04.08.2016, 19:23

Gerade die Albaner mussten 100Jahre lang niedergeknüppelt werden, um die osmanischen Herrscher und deren höherwertige Religion zu akzeptieren...

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muhamedba 04.08.2016, 19:29
@ollesgemuese

Und bei den Griechen, Makedonen, Serben, Bulgaren, usw. usf. hat es nicht funktioniert :D

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Über Osmanen und das Osmanische Reich gibt es eine Fülle an Literatur, in allen Schattierungen, und in deutscher Sprache. Diese Literatur ist zum größten Teil leicht zugänglich. Aber es gibt auch Lücken in der Literatur, die Anlaß zu berechtigten Fragen sein können.

In der Frage mit Andeutung einer Hymne zu beginnen, und dann im 3. Satz gleich den "blutigen Säbel" in die Diskussion zu schmeissen, kann aber nur zur Verhärtung der Meinungs-Fronten führen. Ich bin der Meinung, dass das Osmanische Reich immer wieder vorbildliches gezeigt hat, und dass etwas davon noch heute vorbildlich sein kann, wenn es beachtet wird.

Zur Frage des Niedergangs habe ich eine besondere Meinung, die nur schwach in der Literatur vorkommt: das ist die verderbliche Leidenschaft der staatstragenden Völker zum Tabak, der im 16. Jahrhundert aus Amerika, über Europa, eingeführt wurde, und mit dem im 17. Jahrhundert ca. die halbe innere Struktur des Imperiums zerstört wurde. Seiher tendierte die Position der Minderheiten im Osmanischen Reich ebenso abwärts, wie die des Imperiums. (Es gibt dazu weitere Details, z. B. Rauchen und osmanische Architektur).

Das osmanische Reich ist für viele islamisch geprägte Staaten ein Vorbild, zumindest was die Korruption angeht. In vielen Staaten (Saudi-Arabien, Türkei ...) habe ich selbst erlebt, dass dort mit Geld ALLES möglich ist, wie eben im Osmanischen Reich auch.

Die Osmanen haben , wie alle anderen Imperien auch, ihre Grenzen erweitert, das heißt andere Länder erobert und da die Staatsreligion des Osmanischen Reiches der Islam ist , wurden die Länder dementsprechend umstrukturiert ( dh. Moscheen etc wurden gebaut).

ABER die Religionen der andersgläubigen wurde respektiert, also ein Christ konnte leben wie ein Christ und hatte die Möglichkeit sonntags im die Kirche zu gehen und sich taufen zu lassen .
Die einzigen Religiösen die getötet wurden waren die Revolutionäre und unteranderem die Kreuzritter ,also die die dem Reich schaden wollten.
Es gab auch viele andersgläubige Generäle und Offiziere in der Osmanischen Armee .

Ist eine Romantisierung der Geschichte.
Mehr oder weniger träumen alle Islamis von einer islamischen Großmacht, statt die Vielstaaterei mehrheitlich künstlicher Staatengebilde.

Das innerislamische Problem ist eher, welcher Islam es denn eigentlich sin soll? Kurden, Schiiten, Sunniten, Wahabiten, die Talibans, die Salafisten und wer das sonstig noch im Kaftan durch die Wüsten läuft.

Dazu gibt es keine allgemein gültige Antwort.

Die einen sehen es eben so, die Anderen anders.

Je nachdem, welchen Glauben, politische Haltung, Erziehung und eigene Erfahrungen man hat, neigt man zu einer entsprechenden subjektiven Einschätzung.

Objektive Aussagen sind dabei wirklich nicht möglich.

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Manche Mosleme mögen es so empfinden, wie von dir erwähnt....wobei man da sicher als Moslem untersuchen könnte, welches "die schönste Art und Weise" ist.. den Islam zu verbreiten.

Evtl. gibt es da Vorbildbeispiele des Propheten Mohammed... ?

Falls ja:

Dann wäre "die schönste Art und Weise" für Mosleme.....wohl diejenige, wie es der Prophet gemacht hat

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"Andersgläubige" , wie ebenfalls von dir erwähnt, die -- in irgendeiner Form--darunter gelitten haben, empfinden es berechtigterweise anders.

Es sind mir derzeit keine Aussagen bekannt... 

[ auch nicht seitens der christlichen bzw. andersgläubigen  Flüchtlinge, die ich (neben moslemischen Flüchtlingen) gel. ehrenamtlich betreue....]

die lauten würden:

"Wir haben die Ausbreitung des Islams auf schöne Art und Weise erlebt..."

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Sorry, das war ja nicht die Frage...

sondern nur, ob das osmanische Reich es so gemacht hat.

Dabei spielt wohl auch eine nachrangige Rolle, WIE es Andersgläubige erlebt und empfunden haben....

...sondern vermutlich nur, wie es moslemische  "Osmanen" selbst empfinden.

... könnte ich diese alle fragen... bin ich (gefühlt) davon überzeugt, dass sie diesen Weg wirklich als "die beste Art und Weise" bestätigen würden...

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Jedenfalls sind nahezu ALLE sunnitischen Türken.. ( darf man sie denn "Osmanen" nennen .. ?...ich weiß es nicht....)...

...die ich kenne und wo wir darüber sprechen...

....inhaltlich davon überzeugt, dass die Türkei mittlerweile durch Herrn Präsident Erdogan auf dem absolut richtigen und besten Weg ist.....

Warum haben denn wohl die vom Osmanischen Reich besetzen Araber für ihre Unabhängigkeit gekämpft? Doch wohl um das Osmanische Joch abzuschütteln!

das osmanische reich ist auf gewalt aufgebaut gewesen

Na dann werden wir alle zum Islam übertreten ! Macht doch Laune die Alte einzusperren in einen Mumienrock. Geschützt vor gierigen Blicken der Restungläubigen.

Blutgetränkte untergegangene Reiche voller Religionswahn können und dürfen nie ein Vorbild sein.

ich habe vom Osmanischen reich noch nie etwas schönes und positives gehört, die haben in unzähligen Kriegen und Schlachten so viele menschen getötet, das man das kaum als Vorbild nehmen kann. 

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