Das dunkle Mittelalter?

12 Antworten

Das Mittelalter war nicht ganz so dunkel, wie dies später dargestellt wurde. Natürlich gab es viele moderne Annehmlichkeiten nicht, und das Leben konnte recht hart sein. Dennoch muss man ein paar Klischees ein wenig gerade rücken.

Mangelnde Bildung: natürlich war der untere Stand nicht genau so gebildet wie Adel oder Klerus, aber man wusste (bei entsprechender Bildung) durchaus, dass die Erde eine Kugel war.

Aberglaube: sicher gab es das, allerdings muss man dazu sagen, dass die eigentlichen Hexenverfolgungen später stattfanden (meist nach 1500).

Mangelnde Quellen: natürlich gibt es Lücken, andererseits war die mittelhochdeutsche Dichtung ziemlich reichhaltig (wobei deren Themen zum Teil auf noch ältere Zeiten zurückblicken, die Völkerwanderungszeit, siehe Nibelungenlied).

Krankheiten: sicher gab es die Pest (und andere Krankheiten), andererseits gab es auch Badehäuser und Dampfbäder. Abgesehen von den Pestperioden gab es auch ein deutliches Bevölkerungswachstum, was darauf hindeutet, dass die Ernährung und allgemeine Gesundheit in weiten Teilen nicht ganz so schlecht war.

Auf Island galt das Mittelalter als Blütezeit, die spätere Phase (mit starker Einflussnahme aus Norwegen und später aus Dänemark) galt als eher negativ. Im Mittelalter hatte Island zunächst keinen König, jeder freie Mann war im Thing stimmberechtigt. Die Werke der Edda entstanden (zu einer vergleichbaren zeit wie das Nibelungenlied). Schon damals nutzte man heiße Quellen als Bäder.

Der Begriff "Mittelalter" wurde genau zu diesem Zweck erfunden: um die seit dem Untergang des Weströmischen Imperiums mittlerweile verstrichene Zeit als eine minderwertige Kulturepoche zu diffamieren. Die Leute, die sich das ausdachten, waren italienische Intellektuelle des 14. Jahrhunderts, die von der Kultur der Antike schwärmten und sich ihre Wiedergeburt herbeiwünschten.

Ein prägendes Merkmal der humanistischen Bewegung war das Bewusstsein, einer neuen Epoche anzugehören, und das Bedürfnis, sich von der Vergangenheit der vorhergehenden Jahrhunderte abzugrenzen. Diese Vergangenheit, die man „Mittelalter“ zu nennen begann, wurde von maßgeblichen Vertretern der neuen Denkrichtung verächtlich abgelehnt. Insbesondere den spätmittelalterlichen scholastischen Lehrbetrieb hielten die Humanisten für verfehlt. Dem „barbarischen“ Zeitalter der „Finsternis“ stellten sie die Antike als schlechthin maßgebliche Norm für alle Lebensbereiche entgegen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance-Humanismus

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Dem „barbarischen“ Zeitalter der „Finsternis“ stellten sie die Antike als schlechthin maßgebliche Norm für alle Lebensbereiche entgegen.

Und das in Vielem zu recht.

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@voayager

Wobei aber doch auffällt, daß sie unbekümmert den Begriff des "Barbarischen" von den alten Griechen übernahmen, die, (wie es auch für moderne Sklavenhaltergesellschaften typisch bleibt), diejenigen Menschen, die sie ausbeuteten, als eine niedrigere Art von Menschen ansahen als sich selbst.

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  • viel antikes Wissenund Technik wie z.B. der Bau von Aquädukten versank im Dunkeln und wurde durch Aberglaube ersetzt
  • Gesellschaftlicher oder technischer Fortschritt fand nicht statt, im Gegenteil, Veränderung wurde von der katholischen Kirche als "Teufelszeug" gebrandmarkt
  • Unterdrückung der Sexualität, von der Kirche gebrandmarkt als sündig
  • keine Kenntnis der Zusammenhänge der Hygiene zur Krankheitsverhütung, z.B. bzgl. des Kindbettfiebers

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