Das deutsche Bildungssystem ist im weltweiten Vergleich sehr gut. Trotzdem sind die deutschen Unis nicht sonderlich angesehen. Warum nicht?

8 Antworten

Also das wir Deutschen ein sehr gutes Bildungssystem haben, halte ich für einen Mythos. Gemessen an unserem Reichtum, unserem Lebensstandard und der Tatsache, dass wir die viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt sind, sind unsere Schulen unterdurchschnittlich. Das unsere Gymnasien und Unis knüppelhart sind, wäre mir auch neu. :) Bei den Unis gibt es natürlich solche und solche, aber ich behaupte mal, gerade in den MINT Fächern würde bei Klausuren von vor 20 oder 30 Jahren heute fast kein Mensch mehr in Mathe durchkommen. Da hat sich vieles nach unten korrigiert.

Dass Deutsche Universitäten wenig prestigeträchtig sind, halte ich auch für nicht richtig. International wird sehr gut über Deutsche Unis gesprochen. Was du wohl meinst ist die Tatsache, dass die Deutschen Unis in diesen Rankings nicht sehr weit vorne liegen oder?

Deutschland ist ein Land, welches in seiner Ansicht sehr einzigartig ist und das einfach auf sehr vielen Ebenen.

Beispw. haben wir, im Gegensatz zu den USA, eine völlig andere Mentalität. In vielen Ländern (wie den USA) gibt es keine Ausbildungsberufe. In Deutschland ist ein Handwerksmeister genauso angesehen wie ein studierter Mensch. Wir konzentrieren Bildung also nicht nur, wie die USA, in colleges und Universitäten. Die haben kein Ausbildungssystem und dort ist man eigentlich nur wer, wenn man ein college besucht hat.

Dazu kommt, dass wir nicht so verrückt nach Prestige und Eliten sind, wie in vielen anderen Ländern. Es gibt Länder wie Japan, wieder die USA und co. da ist es wichtiger, wo man zur Uni gegangen ist als alles andere. Diese Ranking basieren oft auch auf Faktoren, die dieses Elitendenken zu Grunde legt und auch fördert, während wir ein Land sind, welches Bildung in der Breite bevorzugt.

Dazu kommt, dass wir, anders als in den meisten anderen Ländern, eine kostenlose und unabhängige Bildung haben. Bildung ist in GB oder USA sehr stark vernetzt mit der Industrie. Wir stehen dem skeptisch gegenüber, weil wir Angst haben, dass die Bildung zu Gunsten von Industrieinteressen in die falsche Richtung gelenkt werden. Deshalb (und wegen horenden Studiengebühren und Spenden) sind viele Elite-Universitäten sehr sehr reich. Reichtum "kauft" dann eben auch Erfolg in Form von vielen namenhaften professoren, die man da mit Geld überschüttet. Namenhafte Professoren (die Anzahl an Nobelpreisträgern und Preisträgern) ist dann wiederum ein Faktor, der in Rankings einfließt.

Unser Breitendenken hat auch noch andere Auswirkung. Forschungsergebnisse, die ebenfalls für die Rankings total wichtig sind, verteilen sich auf eine breite Unilandschaft (die trotz der oben genannten Zurückstufung) dennoch konstant auf einem guten Nivau ist. Allerdings forschen wir Deutschen auch sehr viel in der Industrie oder in Instituten.

Du hast beispw. bestimmt mal vom weltberühmten Frauenhofer Institut gehört. Eine Einrichtung, die es in den USA, meines Wissens, eher nicht gibt. Das heißt, Spitzenforscher sind in anderen Ländern oft auf den Elite Unis verteilt, während unsere Spitzenfroscher in der Industrie, in Instituten oder in der Hochschullandschaft forschen.

Dazu kommt eben noch Tradition, Imagepflege auch der Aufbau der Universitäten und der Universitätslandschaft und sicherlich noch ein paar andere Dinge.

Dennoch sind Deutsche Unis in ihrer Lehre und Forschung nicht wirklich schlechter.

Hab sowohl in Aachen als auch in München Leute aus GB und den USA kennengelernt, die dort studiert haben und die waren sehr überrascht, dass unser Niveau unserer Top-Unis so hoch war.

Was die von sich eben nicht kennen ist, dass Bildung so eine Massenware ist. In Harvard kommen glaube ich auf 5 0der 10 Studierende 1 Betreuer (oder Professor?!) Als ich in Aachen angefangen habe, da kamen auf einen Prof im Fach Komplexitätstheorie B etwa 150 Leute :D

Moin,

ich kann dir nicht zustimmen! Das Deutsche Bildungssystem ist

  • a) vom Bundesland abhängig!
  • b) im Internationalen Vergleich nicht so gut (Industrieländer)

Du hast allerdings nicht ausgeführt worauf du dich da beziehst!

http://www.oecd.org/pisa/PISA-results_GERMAN.png

Ich beziehe mich hier auf die Pisa Studie aus 2018!

Deutschland ist nur Durchschnittlich (OECD) gut! Viele Entwicklungsländer werden hinter sich gelassen, aber viele Industrieländer und Schwellenländer sind besser! (China; Estland ... )

Deutschland ist eher Massenbildung als Elitebildung! Wobei einige Universitäten doch einen größere Bekanntheit erhalten haben. Heidelberg; Aachen; Tübingen, Charite/Berlin ...

Aber das Duale Ausbildungssystem mit den weiteren Qualifizierungsmöglichkeiten und der Durchlässigkeit des Bildungssystems ist sehr gut! (Einmal Hauptschule heißt nicht immer Hauptschule!)

Grüße

Woher ich das weiß:Recherche

Zum einen wegen der sprachlichen Barriere. Englisch ist DIE lingua franca schlechthin; die allermeisten (angehenden) Akademiker dürften sie zumindest ansatzweise beherrschen. Deutsch dagegen ist im Vergleich dazu wesentlich weniger stark verbreitet. Da für viele Studiengänge die Amtssprache des Landes, in dem sich die Uni befindet, wenigstens so einigermaßen beherrscht werden können sollte, sind die Unis im angelsächsischen Raum im globalen Vergleich natürlich eher denkbar für Studenten als solche in Deutschland. Mal ganz davon abgesehen, dass Deutsch an sich auch viel schwieriger zu erlernen ist als Englisch.

Zum anderen liegt's vermutlich auch am jeweiligen Fokus / Ziel der universitären Ausbildung. In Deutschland bietet wohl so ziemlich jede Uni zumindest in Teilbereichen eine sehr gute Bildungsqualität, wenn auch mit einigen Abstrichen, was bspw. die Digitalisierung angeht. Hier soll die Masse einen guten Bildungsgrundstock erhalten. Demgegenüber investiert z. B. die USA eben vornehmlich in eben die von dir angesprochenen Eliteunis massiv, sodass diese zu DEN Bildungs-Hotspots schlechthin aufsteigen - der Rest wird dann aber entsprechend vernachlässigt. Hier konzentriert man sich auf eine kleine Elite im Bildungssystem, die noch weiter gefördert wird.

Nur eine Teilantwort von mir.

Du darfst die Elite-Unis in den USA (Princeton, Harvard, Yale, MIT, "Ivy League" usw.) nicht mit den Feld-, Wald und Wiesen-Unis und Colleges in den USA vergleichen. Und natürlich auch nicht mit DER typischen deutschen Uni.

In Harvard zum Beispiel bist du mit horrenden Studiengebühren dabei (kannst ja mal zum Spaß googeln, da gehen dir die Augen über). Da gibt es natürlich überragende Profs, ausgesiebte Studis, traumhafte Studienbedingungen, ein wunderschönes Ambiente.

Da trifft der alte Spruch zu: Mit vollen Hosen ist gut stinken.

Es gibt also im Grund keine Vergleichbarkeit mit deutschen Verhältnissen.

Gruß, earnest

Ich denke da gehts auch zu einem gewissen Teil darum, weil die amerikanischen Elite Unis echt teuer sind und das natürlich impliziert, dass das eine bessere Uni sein muss, wenn man viele tausend dollar investiert.

Ich würde das aber garnicht so sehen. In Deutschland gibts auch gute Unis, die International sehr angesehen sind, z.B. das KIT.

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