Das Böse im Menschen psychologisch gesehen?

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11 Antworten

Es gibt kein Böses im Menschen. Maximal möchte ich mich darauf einlassen, dass das Gute im Menschen bisweilen nicht erkennbar ist, wenn es dieses denn tatsächlich gibt.

Was ist überhaupt das Böse? Wenn selbst Mord oder Völkermord oft von ganzen Völkern als nicht böse sondern rechtens empfunden wird, ist es doch wohl offensichtlich, dass es keine einheitlich gültige Abgrenzung zwischen Gutem und Bösem gibt.

Tatsächlich ist jedes vermeintlich noch so "böse" Handeln eines Menschen für diesen Menschen die einzig richtig erscheindende Handlungsweise - ansonsten hätte er anders gehandelt. Die Grundannahmen, die dieser Mensch seiner Entscheidung zum (bösen) Handeln zugrunde legt, dürften dann wohl höchst zweifelhaft sein, sie sind für diesen Menschen jedoch DIE Realität.

Diese Grundannahmen, die offensichtlich ein wenig aus der Bahn geraten sind, können die unterschiedlichsten Ursachen haben; die meisten davon entstehen durch das individuelle Erleben seiner Umwelt und der dazugehörigen (Fehl-) Interpretation durch den ach so bösen Menschen.

Davon abzugrenzen sind noch ein paar psychische Störungen, wie z.B. F60.2 Dissoziale (antisoziale) Persönlichkeitsstörung u.a.

Selbstverständlich bleibt so manches sog. böse Handeln inakzeptabel und ggfls. zu bestrafen, böse im eigentlichen Sinne ist es aus psychologischer Sicht nicht.

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Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich mal ein Buch gelesen von Josef Rattner, Aggression. Kraft zum Guten und zu Bösem. Es ist sicher lohnend. Aber eigentlich gehören die Begriffe "gut" und "böse" nicht in die Psychologie, sondern in die Ethik. genau genommen in die theologische Ethik. Während Augustinus und nach ihm Luther der Ansicht war, dass der Mensch von Grund aus böse und nur durch die Gnade Gottes gerechtfertigt sei, weil er aufgrund seines Wesens gar nicht in der Lage ist, die göttlichen Gebote, besonders das zehnte, zu erfüllen, vertrat Thomas d'Aquino und nach ihm lange die Katholische Kirche die Auffassung, dass der Mensch seinem Wesen nach gut sei. inzwischen hat sie sich der lutherischen Auffassung von der Rechtfertigung allein durch die Gnade angenähert.

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Du kritisierst bei „oxygenium“ die Bezugnahme auf Tiere (auf die "oxygenium" dann noch einmal eingeht).

Der Grundfehler in JEDER Betrachtung zum Menschen (so der Fehler – noch – begangen wird) liegt darin, den Menschen als Menschen sehen zu wollen, die Tiere aber als Tiere.

Grundsituation IST: Der Mensch ist ein Tier. Man möchte zumindest noch eine Unterscheidung sehen, wo "Tier" und "Pflanze" voneinander trennbar erscheinen. Aber selbst da sind ja bisweilen die Grenzen fließend.

Der Mensch muss erst einmal akzeptieren, dass er zwar wesentlich weiter entwickelt ist, als ein Wurm oder eine Ameise… Aber schon, ob er sozial weiter entwickelt ist als eine Ratte, das darf man mal diskutieren. Und intelligenter als ALLE Tiere ist er alle Male nicht. Da müsste der Mensch sich schon sehr anstrengen (und die Grundbedingungen eines Wettbewerbes nach den ihm selbst bekannten Grundregeln festlegen), um etwa mit Elefanten oder mit einem Orca wahrhaftig konkurrieren zu können.

Nächst wird man entdecken, dass es „das Böse“ nicht gibt. Alles ist erst einmal gelenkt vom bloßen Überlebenstrieb. Und möge der Mensch es bitte nicht ideologisiert den ÜberlebensWILLEN nennen. Es ist kein WILLE, derweil, zu überleben, keine Entscheidung aus einem Wünschen heraus ist, sondern ein aus Milliarden von Körperzellen heraus vordefiniertes Ziel des Gesamtsystems „Mensch“: Jede Zelle – und eine jede auf ihre Art, spezialisiert zu sein und damit auch auf spezielle Weise wiederum abhängig zu sein vom Zusammenspiel mit anderen Zellen (!) – hat zum besinnungslosen Ziel, so etwas wie Leben so lange aufrecht zu erhalten, wie es eben geht. "Leben" ist die Veränderung von substanziellen Grundzuständen durch (bio-)chemische Prozesse, bei denen der Veränderer aber erhalten bleibt und sich nicht bloß als neues Endprodukt in eine Reaktion einbringt.

Ein bisschen vereinfacht gesprochen – also mal ohne Farbabstufungen und mit wenigen Graustufen:
Auch ein Tier kennt keine eindeutige „Freund-Feind-Kennung“. Was Beute ist, ist kein Feind. Was Beute ist, wird niemals Freund – außer das Tier ist jenseits seines natürlichen Beuteschemas stets gesättigt. Die Aufbrechung des Beuteschemas also findet im Rahmen einer Domestikation statt. Domestikation bedeutet nicht zwangsläufig, ein Tier häuslich zu machen, sondern erst einmal nur, einem Tier nahe zu bringen, Führung anzuerkennen (das geht in erster Linie über das Angebot von Nahrung) oder aber Führung aufzuzwingen (das geht dann je nach der Veranlagung des Tieres auch über die Anwendung von roher Gewalt). – Feind ist, wer um Beute konkurriert. Freund ist, wer einen Beutevorteil zu verschaffen verhilft. „Freund“ kann also auch der nur durch Gewalt akzeptierte Beherrscher sein.

Gut im ethischen Sinne erscheint der Mensch da, wo er nicht allein an sich selbst denkt, sondern dem Kollektiv des Menschen an sich beim Überleben hilft: Gut ist der Mensch, wo er definitiv selbstlos handelt oder aber lediglich ebenfalls ein Profiteur vom kollektiven Nutzen ist, den er befördert. Nicht „gut“ ist der Mensch, wo er allein dem eigenen Nutzen dienlich ist – was aber im Grunde immerhin den Überlebenstrieb befriedigt. „Böse“ ist der Mensch, wo er für sich nimmt oder wo er für seine eigene kleine Gruppe nimmt – und anderen gegenüber dabei rücksichtslos erscheint.

Hier nun aber wird das „Böse“ in der Tat eine kulturelle Definitionsfrage. Denn eine Kultur ist stets bemüht, die rücksichtslose Hinwegnahme zumindest dann zu rechtfertigen (wenn nicht gar als gut hinzustellen), wenn sie der eigenen Gruppe und der eigenen Definition von Einheitlichkeit dient.

So funktionieren Familien. So funktionieren Dörfer oder Vereine. So funktionieren Staaten und Nationen. So funktionieren nicht minder oder allen voran: Religionen und ebenso alle anderen Ideologien.

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Die Erziehung und das Verhalten der Eltern spielen definitiv eine große Rolle, ebenso die Gene...

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Kauf dir das Buch: Die Lust am Bösen von Eugen Sorg

Da Lesen braucht allerdings Nerven.

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Was ist  das Böse aus psychologischer Sicht? Keine Ahnung, mir fällt dabei dennoch das Buch von Erich Fromm ein: "Die Anatomie der menschlichen Destruktivität."

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ClarissaNeumber 01.06.2016, 13:56

in das Buch hab ich sogar schon reingelesen, leider hat mir das nicht so viel gebracht.

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Das böse im menschen gibt es nicht. so jedenfalls der stand der neuesten Psychologie. Aggressives Verhalten ist erlernt oder entstand durch triebfrustration etc. Schau dir die Theorie von Freud an die psychoanalyse aber hier vorsicht denn er war jedenfalls der meinung dass es einen zerstörungstrieb gibt den die heute psychologie abweist. Und die theorien von Rogers und Bandur. Hier findest du verschiedene Ansätze wie "das böse" im menschen entstanden ist. Außerdem gibt es auch psychische störungen die verschieden ursprung haben. (zu der erziehung: Freud hat gute arbeit bei der libidoentwicklung geleistet) aber mach dich im allgemeinen einfach in der psychologie schlau denn alles ist voneinander abhängig, so wäre es unsinnig zu denken du kommst um alles andere drum rum wenn dich das böse des menschen interessiert. LG :)

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ClarissaNeumber 01.06.2016, 14:25

Du widersprichst dir doch selbst, wenn du sagst, dass auf dem Stand der neusten Psychologie es nicht das Böse im Menschen gibt und ich mir deshalb Freund anschauen soll, der aber ganz sicher nicht auf dem neusten Stand der Wissenschaft ist.

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Siamari 01.06.2016, 14:48
@ClarissaNeumber

Nein, freud hat bezug auf die entwicklung in der libidoentwicklung genommen, was dich auch interessierte war ja die erziehung. Naja freud ist sicher ein alter schinken aber lohnt es sich doch sich seine theorie mal anzuschauen. Wobei du recht hast mit dem dass seine these nicht zum neuesten stand passt aber vlt findest du ja was interessanntes da er sich auch für "das böse" im menschen interessiert hat 

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ClarissaNeumber 01.06.2016, 13:57

in dem Buch gehts leider nur um Tiere.

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oxygenium 01.06.2016, 14:01
@ClarissaNeumber

Konrad Lorenz hält in diesem Buch der Menschheit den eigentlichen Spiegel vor.

 Er ist als Verhaltensforscher auch zu einem Nobelpreis gekommen, aber hier zeigt er Parallelen zwischen tierischen und menschlichem Verhalten auf und jeder kann die von ihm geschriebenen Situationen bei sich selbst wieder erkennen.

Mit der Veröffentlichung dieses Buchs entfachte Lorenz anfangs heftige Diskussionen auf den Gebieten der Psychologie und Biologie gleichermaßen.

 Kurze Zeit später galt das Werk als bahnbrechend in beiden Wissenschaftsdisziplinen. 

Aber ist auch nicht einfach zu verstehen.

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Ich empfehle Dir das Buch "Anatomie der menschlichen Destruktivität" von Erich Fromm.

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Zum "Bösen im Menschen" ebenso zum "Guten" gibt es nur eine vernünftge Fundamentalaussage.

Ergoogel dir die 6. Feuerbachthese von Karl Marx...:-)

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Hallo Clarissa

Lydia Beneke, "Auf dünnem Eis"

LG

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