Das andere Geschlecht - Existenzialismus?

2 Antworten

De Beauvoir begriff sich selbst als Existentialistin. Sie war aber sicher keine radikale Existentialistin, sondern ging einige Kompromisse ein.

Sartre betonte in Ist der Existentialismus ein Humanismus die absolute Freiheit des Menschen, sich selbst zu entwerfen und zu wählen. Darum ist bei ihm der Mensch "voll und ganz verantwortlich" für das, was er wird und ist. Die Unfreiheit des Menschen, die darin besteht, dass er von den Verhältnissen und der Gesellschaft geprägt wird, ignoriert er dabei.

Die übliche, feministische Adaption von de Beauvoirs  Das andere Geschlecht stellt darin aber gerade diesen Aspekt in den Vordergrund. Das zeigt sich besonders in der Schwarzer-Übersetzung. "Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht". Der existentialistische Aspekt de Beauvoirs wird dabei ignoriert; zum Existentialismus Sartres steht das im direkten Widerspruch.

Die richtige, existentialistische Interpretation dieser meist zitierten Textstelle lautet: "..., man wird es."  Diese Interpretation lässt den Sartre'schen Ansatz zu, dass der Mensch voll und ganz verantwortlich ist für das, was er wird und ist. Allerdings hätte de Beauvoir das "voll und ganz" sicher nicht unterschrieben. Es gibt eben beides, die Macht der Verhältnisse und die persönliche Freiheit und Verantwortung für das, was der Mann und die Frau wird und ist.

Ich denke man darf auch Sartre nicht so einseitig nehmen. Als bekennender Marxist hat er sicher nicht negiert, dass das Sein das Bewusstsein mitprägt und in einigen seiner Stücke ist die Reibung an den Anderen ja ein großes Thema. Sein "wir sind zur Freiheit verdammt" kann eher als Korrektur der Marxchen Einseitigkeit und Überbetonung des Seins gelesen werden. Wir stehen im Spannungsfeld von gestaltet werden und selbst gestalten und es ist eine Illusion, diesem entfliehen zu können. 

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@berkersheim

Naja, 1945, als er Ist der Existentialismus ein Humanismus geschrieben hat, war er keineswegs ein bekennender Marxist. Sein Bekenntnis zum Marxismus war auch nur eine Phase. Aber es ist sicher richtig, dass man ihn nicht durch eine einzige Schrift verorten kann.

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Simone de Beauvoirs lebt nicht nur mit DEM Philosophen des Existentialismus, mit Jean Paul Sartre, zusammen, sie ist selbst eine existentialistische Philosophin ganz in der Schule von Sartre. Wenn Sartre generell für den Menschen schreibt als Grundbekenntnis des Existentialismus: "Die Existenz geht der Essenz voraus." D.h. man wird als Menschentier geboren, aber was man in der menschlichen Kultur als Mensch mit eigenem Ich und Selbstverständnis wird, das ist ein Prozess und eine Gestaltungsaufgabe. Genau diese Auffassung stellt Simone de Beauvoire ihrem Buch "Das andere Geschlecht" voran, wenn sie schreibt:

„Man ist nicht als Frau geboren, man wird es.“

Dann zeigt sie auf, wie die menschliche Kultur die Frau in eine bestimmte Rolle gedrängt hat und ihr in der Selbstgestaltung viele Wege versprerrt sind. Das ist Existentialismus pur aus Sicht des Feminismus.

Gut -cum grano salis. Als Simone de Beauvoir   Das andere Geschlecht geschrieben hat (1949) war sie keine Feministin. Sie distanziert sich darin deutlich vom Feminismus.

Dem Feminismus hat sie sich erst in den Siebzigern angenähert im Rahmen der Kampagne für die Freigabe der Abtreibung. Es sind aber immer Differenzen übrig geblieben.

Aber Anerkennung dafür, dass Du nicht die Schwarzer-Übersetzung übernommen hast. Ja, "man wird es", nicht "man wird dazu gemacht".

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@Ottavio

Sagen wir, Simone de Beauvoir hat sich in existentialistischer Manier vom politischen Feminismus distanziert, dennoch eine wichtige Analyse für die Frauensoziologie geliefert. Wie ihr Göttergatte wollte sie sich nicht von außen in eine Schablone stecken lassen und nur noch eine Rolle bedienen.

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@berkersheim

Ja, zweifelsohne. Aber "Göttergatte"?  De Beauvoirs und Sartres Beziehung war sicher eng, sie hat ihn auch im Alter gepflegt. Aber es war keine "Beziehung" im Sinne der Ausschließlichkeit und verheiratet waren sie schon gar nicht. Sie hatten auch immer getrennte Wohnungen.

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