Darf Vermieter Prostitution untersagen?

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Wenn eine gewerbliche Nutzung einer Wohnung untersagt ist, heißt das nicht

a) dass man in der Wohnung kein Gewerbe angemeldet haben darf

b) dass man die Wohnung nutzen darf, um darin Geld zu erarbeiten/verdienen.

Was meine ich:

Gewerbliche Nutzung meint nicht zwingend, dass ein Gewerbe angemeldet sein muss, sondern dass die Wohnung genutzt wird, um Geld zu verdienen. Es ist weder gewerberechtlich noch steuerrechtlich von Belang, sondern allein die Tatsache, dass in der Wohnung Geld verdient wird, ist gewerbliche Nutzung.

Das bedeutet wiederum auch nicht, dass es verboten ist, eine Wohnung als Firmensitz zu nutzen. Man stelle sich einen Freiberufler vor, der in einem Arbeitszimmer Computerprogramme schreibt, um diese dann ausschließlich außerhalb der Wohnung seinen Auftraggebern zu übergeben. Es findet keinerlei Publikumsverkehr statt und auch sonst gibt es keine störenden Geräusche, Gerüche o. ä., die die Wohnsituation der übrigen Bewohner beeinträchtigt.

Andererseits darf jeder so viele Besuche empfangen, wie er mag. Die Besucher können sich tagaus tagein buchstäblich die Klinke in die Hand geben. Solange es wirklich nur private Gäste sind, mag das zwar für die anderen Bewohner störend sein, aber es ist nicht verboten.

Wenn aber diese Besucherfrequenz dadurch hervor gerufen wird, dass eine sehr unterhaltsame Dame ihren Freundinnen die Fingernägel feilt, poliert und anmalt und sie dafür auch Geld bekommt, ist es gewerbliche Nutzung und damit kann es von vornherein durch entsprechende mietvertragliche Vereinbarung verboten sein.

Nun könnte man zwar sagen, dass das ja niemand mitbekommt, was da so hinter verschlossener Wohnungstür läuft, aber ein "wohlgemeinter" Tipp einer "Freundin" an die Hausverwaltung könnte dazu führen, dass diese auch mal jemand schickt zur "Klauen"-Pflege und diese Kundin protokolliert dann alles, was in dem Nagelstudio vor sich geht und schon ist der Laden aufgeflogen. Ab dem Moment hilft alles Beteuern nichts, dass doch nur die Freundinnen zum Kaffeeplausch kommen.

Genauso ist es für eine Prostituierte. Sobald klar ist, was in der Wohnung läuft, ist es gewerbliche Nutzung und kann damit auch untersagt werden. Eigentlich ganz einfach.


Damit kann man was anfangen, danke dir

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@JanaJana07

Danke für die Auszeichnung. Weiterhin gute Geschäfte, wenn auch vielleicht nicht in der Wohnung.

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Also erstmal ist Prostitution in der Regel ein Gewerbe, da Du ja geschäftsmäßig arbeitest, also das Ziel hast, damit Geld zu verdienen.

Wohnungen sind in der Regel zum Wohnen da und können nicht einfach so zu Geschäftsräumen umgewandelt werden. Wer ohne Absprache mit dem Vermieter ein Gewerbe in der eigenen Wohnung ausübt, muss sogar mit der fristlosen Kündigung rechnen.

Es gibt aber die Ausnahme einer »teilgewerblichen Nutzung«, in in bestimmten Berufsgruppen durchaus möglich sind. Maßgabe sind da vor allem, dass es keinen Kundenverkehr und keine Mitarbeiter gibt, die ein- und ausgehen sowie dass es die anderen Mietparteien nicht stört.

Selbst dann ist eine Genehmigung vom Vermieter erforderlich, die er (sofern die Regeln stimmen) aber auch nicht verwehren kann. Ich als Online-Journalist habe beispielsweise eine solche Genehmigung.

Als Prostituierte hingegen wirst Du damit aber nicht durchkommen, da Du ja »Kundenverkehr« hast und auch andere Mieter durch Lärmbelästigung (Stöhnen usw.) stören kannst. Selbst das Warten von Freiern im Hausflur stellt nach Auffassung so einiger Gerichte ein Mangel dar, so dass Mieter die Miete mindern können. Das nimmt natürlich auch kein Vermieter so hin.

Danke, aber bei mir gibts nur mit Termin, da stehen keine Freier im Hausflur schlange und sooo laut bin ich auch nicht :-)

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@JanaJana07

War ja nur ein Beispiel. Trotzdem würde das als klassischer »Kundenverkehr« gewertet und daher nicht in die übliche teilgewerbliche Nutzung fallen.

Und zur Lautstärke: Die oben erwähnten Mitarbeiter werden unter anderem deshalb häufig nicht zugelassen, da sie sich regelmäßig durch die Wohnung bewegen würden. Selbst das Herumlaufen kann auf Dauer schon sehr störend wirken ;)

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@JanaJana07

Aufpassen musst du jetzt allerdings, da du im Zweifelsfall nachweisen musst, dass du keine Wohnungsprostitution betreibst. Solltest du deinen Vermieter bereits gefragt haben, steckst du jetzt eventuell in einer Klemme.

Einer Mieterin wurde nämlich tatsächlich mal fristlos gekündigt, da der Vermieter den Verdacht hatte, sie betreibe Wohnungsprostitution.

Das war irgendwann mal Mitte der 90er Jahre.

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@JanaJana07

Es drängt sich ja geradezu auf an das Stöhnen zu denken. Aber das ist auch erst unter ferner liefen ... . Wenn ein Gewerbe in einer Wohngegend betrieben wird, dann kommt es zu mehr Straßenverkehr. Parkplatzsuchverkehr. Türen am Auto knallen. Usw. Es ist eben eine Wohngegend.

Dort sollen dann auch keine zusätzlichen Emissionen wie Lärm entstehen, als die die notwendig sind. Daher ist es auch nur eine Hürde, dass Vermieter mit der Nutzung einverstanden sind.

Es gibt da auch noch andere Ämter, die für Dich zuständig sind und die können sehr wohl eine entsprechende Nutzung einer Wohnung ebenfalls untersagen.

Fange einfach bei der Gewerbeaufsicht mit fragen an. Passt es mit den Ämtern, dann kann man auch mit dem Vermieter reden.

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Wenn der Vermieter und/oder andere Mieter ein Problem mit Deinem Gewerbe haben, dann hast Du schlechte Karten - siehe:

http://www.mietrechtslexikon.de/a1lexikon2/f1/fotomodell.htm

Allein wegen "moralischer Bedenken" ist eine Kündigung zwar in der Regel nicht zulässig - aber mit "ist ja kein Gewerbe" kannst Du Dich vermutlich nicht rausreden... .

Statt sich in einer bestehenden "Modelwohnung" einzumieten wäre evtl. auch ein FKK- oder Saunaclub eine Alternative. Da ist dann (im Gegensatz zur eigenen Wohnung) auch für die Sicherheit gesorgt, vor Deiner Haustüre lungern keine "Fans" herum, Du brauchst keine Werbung schalten, kannst selbst auf Männer zugehen, freche, unverschämte, ungewaschene und besoffene Gäste gleich ablehnen und Kosten hast Du nur an Tagen an denen Du arbeitest... .

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

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