Darf sich der Arbeitgeber beschweren weil die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erst am dritten Tag ankommt und diese einen Tag rückwirkend ausgestellt wurde?

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Wenn es vertraglich geregelt ist, dass die AU erst am 3. Tag vorliegen muss und sie dann am 3. Tag vorliegt ist das alles in Ordnung.

Rückwirkend kann sie ausgestellt sein, wenn sie dann alle Tage abdeckt, in denen du nicht im Geschäft warst.

Wieso genau beschwert sich dein Arbeitgeber nun?

Er meint weil ich das halt öfters rückwirkend ausstellen lassen habe. Und ich falle halt leider öfters aus weil ich leider gesundheitlich nicht wirklich gut gesegnet bin wie manch andere. Also wahrscheinlich auch wegen zu viel Ausfallzeiten.

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@Shine1993

Okay, klar ist ein AG da nicht sehr begeistert, aber solange du eine AU hast ist alles okay. Und ob die AU einen Tag rückwirkend ausgestellt ist, ist auch nicht wirklich von Interesse, Hauptsache sie ist da.

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Nö, der gelbe Zettel muss am 4. Tag beim Arbeitgeber sein. Siehe § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz. Ist es tatsächlich so, dass da der 3. Tag im Arbeitsvertrag steht, dann ist das aber auch gültig. Siehe § 5 Abs. 1 Satz 3.

Und ja, der Arbeitgeber darf sich beschweren, es bringt ihm nur nix. Was er aber kann ist ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit ein Attest anfordern. Das muss der Arbeitnehmer dann auch bringen.

Steht aber bei mir nicht so drin im Vertrag also darf er das auch nicht verlangen wenn ich das richtig weiß.

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@Shine1993

Das weißt du dann nur nicht richtig. Es gilt hier laufende Rechtsprechung. Siehe Bundesarbeitsgericht Az. 5 AZR 886/11.

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@qugart

@qugart:

Das weißt du dann nur nicht richtig.

Selbstverständlich ist es richtig, wenn Sine1993 auf die Gültigkeit des Arbeitsvertrags in dieser Frage verweist!

Due solltest das angeführte Urteil erst einmal lesen, damit Du weißt, worum es dabei überhaupt genau geht: das hat nämlich mit der konkreten Frage hier nichts oder kaum etwas zu tun!!

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@qugart

Gegen diese grundsätzlich Möglichkeit sagt ja auch keiner etwas; sie ist schließlich im Entgeltfortzahlungsgesetz EntgFG ausdrücklich eingeräumt!

Wenn aber vertraglich vereinbart wurde, dass die gesetzliche Regelung gilt oder eine Bescheinigung erst ab dem 2. oder 3. Tag vorgelegt werden muss, kann der Arbeitgeber nicht einseitig eine Vorlage ab dem 1. Tag verlangen - das geht dann nur einvernehmlich!!

Hast Du das Urteil überhaupt gelesen - bevor Du hier so unwissend großartig "rumtönst"???

Dein "Käse" ist ranzig!!

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Rückwirkend ist rechtlich kaum möglich. Nur wenn du beim Doc warst und der dich weggeschickt hat, wenn du glasklare Verhinderung ( Koma etc) dann dürfte er das.

Daher ist ständiges Nachträgliches Krankschreiben eine Grund, ein Mitarbeitergespräch zu führen. 

Rückwirkend ist kein Problem. Insbesondere wenn es sich nur um einen Tag handelt.

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@Rheinflip

@ Rheinflip:

Rückwirkend ist rechtlich kaum möglich.

Das ist falsch!

ÄrzteKammer sieht das anders. 

Die Ärztekammer hat damit überhaupt nichts zu tun.

Es gibt eine Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie des Gemeinsamen Bundeausschusses, dort heißt es in § 5 "Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit" Abs. 3 Satz 2, dass eine rückwirkende Krankschreibung

nur ausnahmsweise und nur nach gewissenhafter Prüfung und in der Regel nur bis zu drei Tagen zulässig

ist.

Siehe hier: https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1300/AU-RL_2016-10-20_iK-2016-12-24.pdf

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@Familiengerd

Wenn das also ständig geschieht, ist es ein Verstoß und Grund genug dem Azubi /ArbeitNehmer ein ProblemGespräch anzubieten.  Wenn das ständig vorkommt. ..

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@Rheinflip

Das hat selbstverständlich auch mit der Art der Erkrankung zu tun.

Es gibt schließlich genug Erkrankungen, bei denen der Arzt feststellen kann, dass sie schon vor dem Besuch bei ihm bestanden haben; von daher wird das "ausnahmsweise" kein grundsätzlicher Hinderungsgrund sein.

Aber ich stimme Dir zu, dass ein solch regelmäßiges Verhalten des Arbeitnehmers dem Arbeitgeber Anlass für ein "Gespräch" beiten dürfte.

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@Rheinflip

Kein Verstoß (per se). Sicherlich unschön, und garantiert ein Anlass für ein "Gesprächsangebot".

Natürlich sollte erörtert werden, warum es regelmäßig zu einer rückwirkenden Krankschreibung kommt.

Und wenn dabei herauskommt, dass der Azubi schlicht zu bequem war, am ersten Tag beim Arzt anzutanzen, dann ist es ein Verstoß gegen seine Sorgfaltspflicht.

Denn die von dir genannten Quellen implizieren ja, dass man am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit den Arzt aufsuchen SOLLTE, wenn keine Gründe dagegensprechen.

Und in einem Punkt denke ich, sind wir uns alle einig: Der Azubi tut sich keinen Gefallen mit seinem Verhalten.

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