Darf mir der Lehrer wirklich keine Punkte geben?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Der Lehrer / die Lehrerin hat hier einen Fehler gemacht. Er wäre verpflichtet gewesen, den mündlichen Hinweis laut und deutlich zu sagen, so dass es alle Schüler eindeutig hören können. Er wäre außerdem verpflichtet gewesen, sich zu vergewissern, dass alle Schüler den Hinweis gehört und verstanden haben, z.b. durch geeignete Nachfrage.

In einer Prüfungssituation ist es typischerweise so, dass Schüler aufgeregt sind und sich bereits auf die Klausur konzentrieren. Deshalb hat der Lehrer hier erhöhte Sorgfaltspflichten bei der Erteilung von mündlichen Hinweisen.

Das gilt um so mehr, als die Aufgabe im Übrigen vollständig schriftlich formuliert war. Wenn neben dem schriftlichen Aufgabenteil auch noch mündliche Hinweise verbindlichen Charakter für die Bewertung haben sollen, dann trifft den Lehrer eine erhöhte Sorgfaltspflicht.

Nachdem jedoch der mündliche Hinweis nicht ausreichend deutlich gegeben wurde, darf der Lehrer bei der Bewertung der Klausur keine Abzüge im Falle der Nichtbeachtung des mündlichen Hinweises geben. Ansonsten ist die Bewertung rechtswidrig. Nach ständiger Rechtsprechung der Verwaltungsgerichtsbarkeit muss das Prüfungsverfahren fairen und berechenbaren Mindeststandards genügen. Der mündliche Hinweis ist hier deshalb so zu behandeln, als wäre er nicht gegeben worden.

Mit der hinsichtlich der Sprache nicht eindeutig formulierten schriftlichen Frage hat der Schüler / Prüfungskandidat einen Antwortspielraum (vgl. Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes zum "Antwortspielraum des Prüfungskandidaten"). Soweit aus der schriftlichen Aufgabenstellung sich nicht klar ergibt, dass nur eine in deutscher Sprache gegebene Antwort bewertet wird, kann ein Schüler im Falle einer Englischklausur auch in englischer Sprache antworten.

Eine Bewertung mit Null punkten ist daher rechtsfehlerhaft.

Sofern der Lehrer kein faires Verfahren bei der Stellung ihrer Klausuren sicherstellt, solltet ihr das bei der Rechtsaufsicht des Lehrers beanstanden (z.B. in Baden Württemberg ist das der Schulrat.) Außerdem kann ein Schulzeugnis (Verwaltungsakt), in das diese fehlerhafte Bewertung eingeflossen ist, vor dem Verwaltungsgericht angefochten werden.  

Also macht ihm klar, dass ihr euch das nicht gefallen lasst.

Danke für die sehr detaillierte Antwort ^-^ Du hast mir meine rechte als Schüler ein gutes Stück näher und verständlicher gemacht ;D

1

Zunächst einmal finde ich es - ich sag es jetzt mal so - etwas ungewöhnlich, wenn in einer "normalen" Englischarbeit deutsche Antworten gefordert werden. 

Und, jetzt blicken wir in die Zukunft, ich fände es pädagogisch nicht vertretbar, wenn englische Antworten null Punkte bekämen. Ist es nicht der Zweck des Englischunterrichts, Englisch zu üben und zu sprechen?

Aber das scheinen ja bisher nur deine Vermutungen und Befürchtungen zu sein. 

Würden sie sich bewahrheiten, solltet ihr auf die Barrikaden gehen.

Alles Gute - so oder so!

Gruß, earnest

hat sie denn gesagt, dass es dafür keine punkte gibt?

wenn der inhalt der antwort stimmt, könnte das ja maximal ei formfehler sein... also nicht wirklich gravierend. verstehen wird sie ja wohl was ihr da geantwortet habt.

und meistens ist es so, dass wenn viele den gleichen "fehler" machen, wird das nicht als fehler gewertet. also wenn es um die aufgabenstellung geht.

also erstmal abwarten wie sie es bewertet?

Einer meiner Klassenkameraden ist nach dem Test zu ihr gegangen und hat sie gefragt ob das jetzt 0 punkte gibt... darauf hat sie nur genervt geantwortet 0 Punkte 

0
@TheFreeman

Wenn ein Mensch genervt ist, - und auch Lehrkräfte sind Menschen - dann wird manches gesagt, über das man hinterher nicht so ganz glücklich ist.

Redet mit ihr in einer ruhigen Minute, und zwar ganz ruhig.

1

Was möchtest Du wissen?