Darf man über Rot fahren wenn man jemanden ins Krankenhaus bringen muss und ein Notfall ist?

22 Antworten

Für ganz extreme Ausnahmesituationen gibt es nach §34 StGB den sogenannten "rechtfertigenden Notstand". Das heißt: Wenn du etwas tust, um ein sogenanntes "höheres Gut" zu retten, kannst du dabei straffrei ausgehen, auch wenn du etwas Verbotenes tust.

In dem Fall den du vorschlägst, könnte das also so sein. Um das Leben des Verletzten zu schützen (das höhere Gut) würdest du die Straßenverkehrsordnung missachten. Dies ist zwar verboten und bleibt auch verboten, aber weil es ja um das Leben des Verletzten geht, könnte es sein, dass du am Ende dafür nicht bestraft würdest.

So weit die Theorie. Jetzt kommt das Aber, und das ist ein echt dickes ABER:

Um den rechtfertigenden Notstand in Anspruch nehmen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die wichtigste: es muss zu dieser Zeit keine andere Maßnahme geben, die mit weniger drastischen Mitteln das gleiche Ziel erreicht, wie die von dir ergriffene. Klingt schon wieder toll … hier die Erklärung: Du musst dir überlegen, ob es eine Möglichkeit gibt, den Patienten professioneller Hilfe zuzuführen, ohne ihn blutend in dein Auto zu laden, wie ein Bekloppter über alle Ampeln zu rasen, dabei andere Verkehrsteilnehmer, dich selbst und auch den Patienten massiv zu gefährden. Gibt es so eine Möglichkeit? In Deutschland fast überall ja. Hier kannst du nämlich den Notruf 112 wählen. Dann ist innerhalb von 10- 15 Minuten professionelle Hilfe, ggf sogar ein Notarzt, vor Ort, um den Patienten zu versorgen. Dein Ziel, den Patienten in professionelle Behandlung zu bringen, ist also durch ein Telefonat und ein paar Minuten Warten zu erreichen. Du brauchst gar nicht wie ein Irrer durch die Stadt rasen und dir die Sitze vollbluten zu lassen. Vielleicht gibt es durchaus Situationen, in denen du allerdings auf den rechtfertigenden Notstand hoffen kannst. Stell dir deinen Unfall im Winter vor, starke Schneeverwehungen überall, und du krachst in einen Passanten mitten im Nirgendwo. Bei deinem Anruf auf der 112 sagt man dir, das der Rettungswagen mindestens eine dreiviertel Stunde zu dir braucht, aber du siehst deutlich, dass der Patient viel Blut verliert und schon halb erfroren ist, das nächste Krankenhaus ist deines Wissens nach 15 Minuten Fahrtzeit entfernt. In diesem Fall kannst du nachweisen, dass du versucht hast, den risikoarmen Weg zu gehen (du hast den Notruf gewählt), dass aber diese Lösung nicht rechtzeitig hätte Hilfe bringen können und du dich somit auf deine halsbrecherische Fahrt eingelassen hast. In so einem Fall könntest du durchaus erfolgreich auf die Anerkennung des rechtfertigenden Notstands nach §34 hoffen. Aber auch nur, solange niemand anderes ernsthaft gefährdet oder gar verletzt wird, denn das ist niemals gerechtfertigt.

Ich hoffe, ich konnte dir einigermaßen verdeutlichen, wie solche Entscheidungen ablaufen. Mir ist klar, dass in einer solchen Extremsituation niemand wirklich so gut zurecht ist, um über alle möglichen Konsequenzen nachzudenken und Für und Wider abzuwägen. Meiner Empfehlung nach sollte zumindest in Deutschland von solchen Heldentaten grundsätzlich abgesehen werden – der rechtfertigende Notstand wird nicht leicht anerkannt und bevor man als Helfer plötzlich selbst zum Täter wird, sollte man doch lieber die dafür vorgesehenen Dienste (hier den Rettungsdienst) in Anspruch nehmen.

Theoretisch kannst du dann um eine Strafe herumkommen, wenn du nachweisen warst, dass es lebensnotwendig war.

Praktisch gesehen ist es der größte Unsinn, so zu handeln. Ein unsachgemäßer Transport ist in den meinsten Fällen schädlicher als gar nichts zu machen. Lieber macht man eine Erstversorgung und ruft den Notarzt.

Davon abgesehen, wenn du dermaßen fährst, dass du dich und den Patienten und vielleicht noch Andere gefährdest, brauchst du nachher womöglich nicht einen sondern zwei Notärzte.

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"Theoretisch kannst du dann um eine Strafe herumkommen, wenn du nachweisen warst, dass es lebensnotwendig war.

Garantiert nicht! Wer bei Rot einfach durchrast, setzt nicht nur womöglich sondern definitiv das Leben anderer Menschen aufs Spiel und dieses Recht hat man in keiner Situation.

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@dandy100

"In der Tat gibt es im Ordnungswidrigkeitengesetz den Paragrafen Nr. 16: "Rechtfertigender Notstand". Der besagt:

Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Handlung begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig …

Im absoluten Notfall kann man sich also über geltende Gesetze hinwegsetzen. Aber dafür gelten sehr strenge Bedingungen, die im Rest des Paragrafen benannt sind. Erstens muss "das geschützte Interesse" wesentlich wichtiger sein als das, welches beeinträchtigt wird. Und zweitens muss die "Handlung ein angemessenes Mittel" sein, "um die Gefahr abzuwenden".

Niemand darf gefährdet werden

... Droht der Mitfahrer zu verbluten, könnte das zumindest die überhöhte Geschwindigkeit rechtfertigen, womöglich sogar Rotlichtverstöße – aber nur, wenn man damit niemanden in Gefahr bringt."

https://www.n-tv.de/ratgeber/in-den-Kreisssaal-rasen-article17314511.html

Niemand will hier behaupten, dass man straflos und gefährdend in der Gegend herumrasen darf. Wenn du meine Antwort richtig liest, wirst du auch erkennen, dass ich der Ansicht bin, dass ein solcher Notfalltransport in der Regel auch keinen Sinn macht. Aber mit deiner Ansicht, es würde trotz aller Vorsicht und Notwendigkeit immer bestraft, dann liegst du falsch.

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@PeterSchu

Wenn man über Rot "durchdüst" - und genauso so war die Frage formuliert! .- gefährdet man aber das Leben anderer Menschen und zwar immer!

Dass hier:

.. Droht der Mitfahrer zu verbluten, könnte das zumindest die überhöhte Geschwindigkeit rechtfertigen, womöglich sogar Rotlichtverstöße – aber nur, wenn man damit niemanden in Gefahr bringt."

ist ein Widerspruch in sich, denn man kann eine rote Ampel nicht mit überhöhter Geschwindigkeit überfahren, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Krankenwagen haben ihre Sirene nicht zum Spaß.

Wenn jemand schwer verletzt, muss man 112 wählen und abwarten, man ist in keinen Fall berechtigt, durch die Stadt zu rasen.

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@dandy100

Dann hätte deine Antwort lauten können "nein, düsen darfst du nicht, allerhöchstens ganz vorsichtig und ohne Gefährdung die Kreuzung überqueren, wenn frei ist."

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@PeterSchu

Die Frage war aber nun mal, ob man mit überhöhter Geschwindigkeit durchdüsen kann und genau das habe ich beantwortet

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@dandy100

".. Droht der Mitfahrer zu verbluten, könnte das zumindest die überhöhte Geschwindigkeit rechtfertigen, womöglich sogar Rotlichtverstöße – aber nur, wenn man damit niemanden in Gefahr bringt."

ist ein Widerspruch in sich, denn man kann eine rote Ampel nicht mit überhöhter Geschwindigkeit überfahren, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden."

Du musst auch richtig lesen. Überhöhte Geschwindigkeit oder Rotlichtverstöße. Niemand spricht hier davon, dass man bei rot über die Kreuzung rast. Damit danke, dass du mir zugestimmt hast.

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Hallo, Stui

nein darf man nicht !

Denn es ist ausgemachter Blödsinn, selber einen Verletzten in ein Krankenhaus fahren zu wollen.

Dienstbereites Krankenhaus

Die wenigsten normalen Bürger werden wissen, wo sich das nächste,dienstbereite Krankenhaus für Unfälle befindet.

Krankenhaus heisst nämlich noch lange nicht, das dort 24 Stunden am Tage Personal (Ärtze und Pfleger) samt Operationsaal zur Verfügung stehen.

Transport ohne medizinische Vorbereitung meistens tödlich

Die älteren von uns werden sich sicher noch an früher erinnern, als die Rettung aus 1 Mann plus 1 Kombi-Pkw bestand , wo zwei Tragen drin waren und die Verletzen draufgeladen wurden und dann ging es mit Affenzahn zum Krankenhaus,mit dem Ergebnis,das viele Patienten bei oder kurz nach der Einlieferung starben.

Genau deswegen wurde ja das heute bestehende System mit Rettungswagen und Notarztwagen entwickelt.Die Erstbehandlung erfolgt am Unfallort und zwar so lange,bis der Patient transportfähig ist.Den RTW sind dem Grunde nach fahrende Operationssäle.

Dazu kommt, das die Leitstelle genaustens darüber informiert ist, welches Krankenhaus

a) freie Kapazität für Notfälle hat (Personal, OP, Betten)

b) welche Spezialkliniken freie Kapazitäten haben bei bestimmten Sachen

So kann immer die optimale Lösung gefunden werden und kein Zeitverzug entstehen, da sich der Notarzt am Unfallort dann direkt mit der Klinik besprechen kann.So kann der Patient dann bei der Ankunft am Krankenhaus sofort in den OP gekarrt werden und die Überlebenschancen stehen sehr gut.

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"Denn es ist ausgemachter Blödsinn, selber einen Verletzten in ein Krankenhaus fahrne zu wollen."

Da gebe ich dir vollkommen recht. Du hast auch jede Menge sinnvolle Gründe genannt. Ich würde genau wie du jedem davon abraten, einen solchen Versuch zu wagen.

Trotzdem gibt es - wie schon in anderen Antworten erklärt - durchaus die seltene Möglichkeit, dass ein rechtfertigender Notstand entsteht, nach dem ein Verstoß nicht bestraft wird. Da muss man eben das "es ist verboten" unterscheiden von "es macht absolut keinen Sinn".

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@PeterSchu

Richtig, weil hier bei uns in Deutschland gibt es ABSOLUT keinen Grund dafür.

Neben den Sanitäts-Rettungs-Kräften sind immer mehr Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren als sogenannte FIRST-RESPONDER ausgebildet und außerdem steht ja auch noch die Flugrettung (außer den RTH gibt es ja noch die Maschinen des SAR-Dienstes) in Deutschland und deren unmittelbaren Nachbarländern zur Verfügung.

Denn eines der ganze wenigen guten Dinge der EU ist ja, das die Rettungskräfte der Nachbartländer jetzt grenzübergreifend tätig werden können.

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