Darf man sich als "Maske" verkleiden beim Venezianischen Karneval?

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Selbstverständlich! - ich denke, dass hier mehr als 90 Prozent der "Maskenträger" zu KArneval  Touristen sind! - und manche Touristen  tragen diese Masken sogar bei ihrem Urlaub, irgendwann  zwischen Mai und Oktober auch - wie in Venedigs besten Zeiten!)

(Unter uns: die wenigsten Venezianer tragen des "Carnevale" Masken - denn sie müssen den "normalen Tag" bestreiten - und das geht  "con Maschera" nur sehr schlecht. Ergo bekommen wir hier regelmässig im Jänner Post von unserem Bürgermeister, wir sollten - wenn wir im Karneval ausser Haus gehen, bitteschön, maskiert ausgehen! Cordiali saluti, il suo sindaco)

danke für die Auszeichnung!

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Die klassische Maske ist die erstmals 1270 dokumentierte weiße Bautta1, die mit einer vorspringenden Spitze den Mund verdeckt, aber offen läßt: So kann man mit dieser Maske auch essen, trinken und mit etwas Geschick küssen. Die Kostümierung mit ihr zur Maschera nobile verkörpert den venezianischen Nobilòmo. Zu diesem Kostüm gehört neben der Bautta ein Dreispitz (Tricorno) mit weißer Feder und ein weiter schwarzer Seidenumhang (Tabarro) und das ist dann Sior maschera (Herr Maske), wobei die Bautta seit 1756 auch von Frauen getragen werden kann.

Als typischer Venezianer gilt   der geizige venezianische Kaufmann Pantalone mit spitzem Bart, schwarzer Maske und roten Bundhosen , ältlich wie Venedig selbst, kraftvoll in Pose, zugleich wieder kränklich, galant, lüstern und stets aufs neue betrogen. Aus Bergamo in der venezianischen Terraferma kommen die beiden Zanni Arlecchino und Brighella. Der erste im bunten Flickenkostüm und mit schwarzer plattnasiger Beulenmaske (von der Prügel, die er immer bezieht) ist lustig, ungeschickt, hilfsbereit, naiv-liebenswürdig und ohne es zu wissen geistreich, ein Traumtänzer in prosaischer Wirklichkeit. Brighella ist die intrigante, listige, schlagfertige, bissige Dienstmagd. Beide repräsentieren in Venedig alle, die vom Festland in die Stadt kamen, um hier in Diensttätigkeiten Lohn und Brot zu erhalten. Aus Oberitalien kommt der naive Pagliaccio, der nach Frankreich auswanderte und als Pierrot zurückkehrte. Der rechts-gelehrte Dottore mit Knollennase kommt aus Bologna und ist eitel, dauernd enttäuscht, getäuscht, betrogen. Der Medico della Peste trägt einen langen Schnabel, der mit Kräutern gefüllt wurde, die vor Ansteckung zu schützen sollten. Auch er kann ja nicht  aus Venedig stammen, denn Venedig hatte bis zum 19. Jahrhundert seine Universität nur in Padua.

Der Domino karikierte ursprünglich mit seinem schwerz-weiß-Kostüm Dominikanermönche. Siena entsendet den elegant-schwarzseherischen Cassandro; sonst ist die Toskana für die Liebespaare, die Übermütigen, Feinen, Überzärtlichen zuständig: Orazio und Coralina, Cintio und Flaminia, Lelio und Silvia, Leandro und Isabella.

Aus Neapel stammt der Prahlhans Pulcinella in weißem Kostüm und schwarzer Maske, dumm, faul, gefräßig - aber Realist. Ebenso Scaramuccia, der nichts fürchtet als die Gefahr. Und auch aus Süditalien stammen der stotternde Tartaglia, Coviello, ein Luftikus, der auf alles mit einer Melodie antwortet, und der gefräßige Francatrippa. Letzterer hat viele Verwandte: Fritellino, Gianfarina, Scapino, Mezzetino, Fracasso, Truffaldino und Trivellino. Schließlich sind da noch der grobschlächtige Capitano, die lustige Columbina, Ruzzante, Stenterello und Pasquariello ...

Besonders brauchbar ist die Damen-Maske La Moretta (Mode) für gestreßte Ehemänner oder Liebhaber: Sie hat keinen Mund und kein Halteband, sondern wird mit einem Knopf im Mund gehalten, so daß die Favoritin damit nicht sprechen kann. Sehr beliebt sind auch Mattacini, farbenfrohe Narrenkostüme mit großen Federhüten.

Un lassen Sie sich nicht erzählen, Napoleon, die Österreicher oder wer auch immer hätten den venezianischen Karneval verboten und er sei erst um 1980 wiederbelebt worden. Karneval wurde immer in Venedig gefeiert. Mehr dazu im Kapitel   Der verbotene und wiederbelebte Venezianische Karneval oder: Mehrfach Todgesagte leben heiter meines Buches   Was man so alles nicht über Venedig weiß (erscheint im Herbst 2011).

 

1 Die bauta war ursprünglich eine Kappe oder ein Tuch, das bis auf Schultern reicht. Dazu gehörte die weiße Augenmaske (volo).

Leute die nicht wissen was Masken sind werden sowieso kaum die richtige Antwort kennen.

Warum sollte man sich als Fremder nicht als Maske verkleiden dürfen, man wird darunter sowieso nicht erkannt. Es wird wohl kaum Kontrollen geben.

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