Darf man seinem Psychotherapeuten Vorwürfe machen und wütend auf ihn sein und das auch sagen?

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5 Antworten

Was genau meinst du mit "dürfen"? 

  • Ist es gesetzlich erlaubt? Natürlich darf man Gefühle haben.
  • Ist es moralisch erlaubt? Natürlich darf man Gefühle haben.
  • Ist es höflich? Nun, das kommt sehr auf den Tonfall und die Situation an.

Natürlich kann es passieren, dass Psychotherapeuten ihren Patienten wütend machen. Wut ist ein gesundes, erlaubtes und nicht allzu seltenes Gefühl des Menschen, das in manchen Situationen angemessen und passend ist. 

Wenn Du Wut gegenüber dem Psychotherapeuten empfindest, so solltest du das unbedingt auch sagen, denn ohne klare Kommunikation ist keine Therapie möglich. Aber du solltest versuchen, trotz der Wut einen angemessenen Tonfall zu behalten und deiner Wut in einer anständigen Form Ausdruck verleihen. Oftmals ist es gerade bei Psychotherapeuten am besten, ganz geradlinig zu sein, zum Beispiel: "Das macht mich jetzt wirklich wütend. Ich b in gerade sehr aufgebracht." -- Dann kann man dieses Gefühl analysieren und auch diagnostizieren, was genau dich so reagieren lässt. Dies kann wertvolle Erkenntnisse bringen.

Falsch und destruktiv wäre es auf jeden Fall, das Gefühl in sich hineinzufressen und seine Wut zu verbergen. Dann wären weitere Sitzungen wahrscheinlich nutzlos. Ebenso unangemessen wäre es natürlich aber auch, seiner Wut freien Lauf zu lassen und in einer Sitzung auszuticken.

Alles Gute!

Hier kommt es auf die "Kommunikationsbasis" an. Also auch, WIE Du es ihm mitteilst.

"Vorwürfe" sind oftmals eine Form von "Verzweiflung". Es kann sehr schnell ins 'Unendliche' ausarten, weil sich reingesteigert wird.

Wenn Du hingegen "fundierte Vorwürfe" meinst, so ist es in der Regel effektiver, weil damit gearbeitet werden kann. Das heißt: Die Vorwürfe in Form von "Wünschen" äußern. Außerdem in "Ich-Form".

Wenn Du ihm zum Beispiel mitteilen magst, dass Du Dich nicht gesehen fühlst, weil Du immer mehr in Verzweiflung rutschst, dann vielleicht auch so mitteilen. Nicht "Sie helfen mir gar nicht" oder "Ihnen ist es doch egal, wie ich mich fühle". Gut, es kann doch hilfreich sein. Es ist dann zumindest der Fakt, dass eine andere Erwartungshaltung vorliegt. Aber vielleicht kennt er gar nicht den Zusammenhang. Dass er versucht an etwas anderes zu arbeiten, was Du vielleicht gar nicht so wahrgenommen werden kann.

Außerdem werden gewiss auch Rückfragen entstehen. Und innerhalb der Wut können diese meistens nicht beantwortet werden, weil die Wut erst 'aufgefangen' werden muss, bzw. sollte. Andernfalls kann es schnell passieren, dass sich (noch mehr) unverstanden gefühlt wird.

Bitte versuche herauszufinden, was genau Du ihm mitteilen magst. Und welche Erwartungshaltung Du an ihm hast.

Wenn Du etwas erreichen möchtest (Klärung schaffen, damit ihr eine andere Basis finden könnt), dann sollte dies im Vordergrund stehen.

Wenn hingegen sowieso gar nicht mehr die Therapie fortgesetzt werden mag, dann ist es auch egal, WIE kommuniziert wird. Wenn er allerdings verstehen soll, dann ist es auch hilfreich eher ohne Vorwürfe zu arbeiten.


Anmerkungen:

Wobei ich nicht weiß, ob meine Worte auch auf alle Personen zutreffen. Denn manchmal ist es wohl auch so, dass es einen "großen Knall" geben muss, damit eine Änderung entstehen darf. Also das sonst die Worte und Änderungswünsche gar nicht verstanden werden. Wobei ich hier nicht weiß, ob es eine "Charaktersache" ist (also individuell) oder ob es generell "Typ-Mensch" verschieden ist. Also auf eine Gruppe von Menschen zutrifft, was auch vorhersehbar sein könnte. Das weiß ich nicht. Aber diese beiden Erfahrungen durfte ich machen.


Und weil ich nicht weiß, ob es eine allgemeine Frage ist oder auf Dich, so habe ich etwas geschwankt innerhalb der Anrede. Also Du darfst Dich angesprochen fühlen, aber auch als "allgemeine Formulierung" auffassen.

Regulus123 07.11.2015, 13:28

Na, dann habe ich bereits alles falsch gemacht. Ich habe viele Warum Fragen gestellt und unterstellt, dass ich ihm egal wäre... Es rutscht einem einfach raus, obwohl ich die "Ich wünsche mir"- Form kenne...

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verquert 07.11.2015, 13:36
@Regulus123

nun, als "alles falsch machen" würde ich es nicht sehen. Eher als "Versuch auf Missstände aufmerksam zu machen". Das meine ich mit der "Kommunikationsbasis". Manchmal braucht es "einen Knall", damit 'die Not' auch anerkannt wird.

Manchmal führt "der Knall" aber auch nur zu "Ahnungslosigkeit", weil die Botschaft dahinter nicht verstanden wird.

Vielleicht / gewiss gibt es auch andere Konfliktebenen. Aber aktuell nicht im Kopf.

Wenn Deine bisherige nicht funktioniert hat, dann kannst hast Du entweder die Möglichkeit Deine Strategie zu ändern, vielleicht ihn auch direkt fragen, was Du machen kannst, damit er Deine Botschaften versteht (Du Dich verstanden fühlst). Eventuell kann er auch zusammenfassen, was er aus Deinen Worten gehört hat.

Oder vielleicht magst Du ihm auch mitteilen, WIE Du es anders haben magst. WAS genau sich ändern soll, damit Du die Therapie als hilfreich ansehen kannst. Eventuell gibt es unterschiedliche Ziele oder was auch immer.

Oder Du - bzw. ihr beide kommt zum Entschluss, dass ihr nicht *auf einer Wellenlänge* seid. Ihr also im Mensch-Sein zu unterschiedlich seid, als es vielleicht angebrachter ist, dass Du den Therapeuten wechselst. Das bedeutet zwar auch wieder Zeit, Geduld, Arbeit... aber ist auf langer Sicht hilfreicher, als sich nun zu ärgern, nichts zu erreichen - bis alle Stunden weg sind.

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Ja, das darfst du und sollst es sogar. Und du musst auch nicht höflich bleiben. Du kannst ruhig sagen: "Wissen Sie was, Sie sind der gemeinste Kerl/die gemeinste Frau auf Erden. Sie sind ein A***ch" Man darf (und sollte) alles ungefiltert sagen. Dafür ist die Therapie da.
Man darf es nur nicht ausagieren (in Handlung umsetzen.)

Man darf also sagen: ich könnte Ihnen den Stuhl an den Kopf werfen. Tun, darf man es nicht.

du solltest in einem sachlichen Gespräch sagen, was dich stört!

Natürlich, Psychotherapeuten werden oft mit solchen Dingen konfrontiert.

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