Darf man sagen,dass das Holocaust-Mahnmal ein "Denkmal der Schande" für Deutschland ist?

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44 Antworten

Wer von Euch war denn eigtlich schon mal im/am Holocaust-Mahnmal in Berlin? Schande sieht jedenfalls anders aus. Es ist ein Meisterwerk, man kann sich darin bewegen, wie im Wasser. Beim Besuch von KZ's wie Sachsenhausen würde mir das Herz schwer werden, Zentnerlasten auf meinen Schultern liegen. Deswegen habe ich es noch nicht geschafft, das etwa 20Km von meinem Wohnort entfernte Sachsenhausen zu besuchen aber ich finde es richtig und wichtig, dass solche Gedenkstätten stehen blieben.

Der überwiegende Teil der Deutschen hat es (angestoßen auch durch die Siegermächte des 2. Weltkrieges) hinbekommen, sich ohne übermäßige Komplexe den dunklen Punkten der Vergangenheit zu stellen. Wir bekamen sogar kürzlich ein dickes Lob vom Dauerzyniker Michael Moore in seinem Film "Where to invade next".

Der Umgang mit unserer Vergangenheit ist möglicherweise auch ein Grund, dass Deutschland laut US-amerikanischer Umfragen das beliebteste Land in der Welt ist. Selbst die jüngste Diskussion um unsere koloniale Vergangenheit in Südwest scheint uns nicht nachhaltig zu schaden, unsere Politiker stellen sich ja offensiv der Diskussion ohne großartige Zugeständnisse machen zu müssen.

Ganz anders sieht es in Japan und der Türkei aus. Beide Staaten machen bei ihrer Vergangenheitsbeswältigung eine denkbar schlechte Figur. Und ein Björn Höcke will sich da unbedingt mit einreihen.

Darf man sagen, dass das Holocaust-Denkmal eine Schande für Deutschland ist?

Nein, das darf man nicht sagen!

Soweit ich Höcke verstanden habe, hat er das auch nicht gesagt. Er sprach vom "Denkmal der Schande" - und das ist es ja auch: ein Denkmal, das an die Schande des Holocaust erinnert, den Nazideutschland zu verantworten hat!

Die deutsche Sprache wird heute von immer weniger Menschen wirklich verstanden. Ein "schändliches Denkmal" ist etwas völlig Anderes als ein "Denkmal der Schande"!

Was Höcke gesagt hat - und so dumm ist er leider nicht, dass er die von mir aufgezeigten Bedeutungsunterschiede nicht kennt! -, ist das Eine.

Irgendetwas wird sich der Herr Höcke(AfD) ja bei dieser Aussage gedacht haben?

Eben! Das Andere nämlich ist, was Höcke mit seiner Aussage bezwecken wollte. Und da wusste er sicher, dass sein Publikum, nicht gerade die hellsten Köpfe Deutschlands, ihn nicht missverstehen würde. Denn der Zusammenhang zeigt klar, was er will: nur die positiven Seiten der deutschen Geschichte darstellen und die negativen Seiten verschweigen, wenigstens nicht auch noch mittels eines Denkmals in Erinnerung halten. Dass Höcke ein Geschichtsrevisionist ist, sollte politisch Informierten eigentlich bekannt sein.

Dass einige sich über den Begriff entrüstende Medien und Politiker ebenfalls nicht zu den hellsten Köpfen Deutschlands zu gehören scheinen, zumindest was ihr Sprachverständnis angeht, ist bedauerlich. Sie reiten auf einem Begriff herum, der sprachlich und inhaltlich nicht zu beanstanden ist. Sie lassen sich von Höcke vorführen, der in einer Presseerklärung erläutert hat, dass es ihm nur um die Bedeutung "Denkmal zur Erinnerung an eine Schande" gegangen sei. Aber der Gesamtzusammenhang der Ausführungen Höckes ist es doch, die seine hinterhältige Absicht aufdeckt, die von unseren Politikern den vernünftigen Bürgern erklärt werden sollte. Das unterlassen sie, bieten Höcke zugleich eine Plattform, um sein seltsames Weltbild allgemein bekannt und für die nicht hellen, "systemfeindlichen", von Lügenpresse schwatzenden Hohlköpfe besonders interessant zu machen. Bedauerlich, dass die Dummheit immer weiter um sich greift.

MfG

Arnold

lifefree 19.01.2017, 21:58

Gute Antwort.

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Bei vielen Politikern gilt es als höchst verwerflich, gemachte Fehler zuzugeben. Die werden lieber vertuscht und verschwiegen. In diesem Sinne argumentiert auch dieser Typ.

Wer dagegen der Auffassung ist, Fehler zuzgeben ist eine Stärke, dürfte auch mit dem Holocaustdenkmal kaum Schwierigkeiten haben.

Im übrigen kann ich ihn insofern auch verstehen, dass er an die negativen Erfahrungen, die wir bereits mit Leuten seiner Denkart gemacht haben, nicht gerne erinnert werden möchte wie alle anderen Neonazis auch.

Schau Dich um in der Welt, ob irgendwo irgendetwas besser geworden ist dadurch, dass sie die Völker als die schönsten und besten und makellosesten dargestellt haben, als fehlerlos und perfekt!

Als ob die anderen nicht merken, wie sie schleimen. Als ob die anderen vergessen, was ihnen angetan wurde.

Ein Neuanfang und eine gemeinsame gute Zukunft gibt es nur, wenn man zu seinen Fehlern stehen kann und zu seinen Fehlern steht. Und die Judenvernichtung, die Hitler-Deutschland damals angezettelt und fabrikmäßig durchgeführt hat, war eine grauenvolle Untat, bei der man sich schon fast versündigt, wenn man sie einen "Fehler" nennt.

Ich bin froh, dass es wieder Juden gibt, die trotz allem Deutsch sprechen und hier in Deutschland leben wollen.

Ich bin froh, dass sich nach dem zweiten Weltkrieg im deutsch-französischen Jugendwerk Franzosen wieder drauf eingelassen haben, junge Deutsche kennen zu lernen. Oder im deutsch-polischen Jugendwerk junge Polen. Oder junge Dänen im deutsch-dänischen Jugendwerk.

Zukunft kann man nur haben, wenn man seine Vergangenheit kennt und zu ihr steht.

Schau Dich mal um in der Gegenwart, wie es läuft, wenn jemand nicht zu seiner Vergangenheit steht. Die Türken könnten schon lange Frieden haben mit ihrer kurdischen Minderheit.

Was meinst Du, was demnächst in den USA abgehen wird, wenn die Regierung nur nach "America first" handelt...

Oder wie sieht es in Russland aus, wo alle Fehler der Vergangenheit bestritten werden?!

Wenn man sich die Vergangenheit schön lügt, sagen es einem die anderen ins Gesicht oder zumindest hinter dem Rücken: Nach vorne tut ihr so toll, aber in Wirklichkeit seid ihr verlogene A... Und was hat man gewonnen? Man hat mögliche Freunde verloren.

Jo. Da hat die Partei also wieder neue Werbung und Du machst mit. 

Meine Mutter und meine Oma haben in einem sogenannten Lager arbeiten müssen. Als Strafe dafür, dass meine Oma ihre Liebe geheiratet hatte und den sogenannten jüdischen Händler nicht über Nacht ausblenden wollte aus ihrem Leben. 

Es ist schade, dass beide Frauen nicht miterleben können, dass diese Zeit mitten in Berlin durch ein Denk-Mahl gewürdigt wird. 

ABER

Es waren eben nicht nur Juden und schon gar nicht als Erste, die angegriffen wurden. 

Erst wurden die Sinti und Roma gemeinsam mit Kommunisten zu Moorsoldaten. - Kannst Du online drüber recherchieren. 

Ist doch schön, dass es der CDU eingefallen ist, von dieser Tatsache abzulenken, indem sie die Verbrechen an den Juden ständig thematisieren. Es blendet so schön unseren aktuellen Umgang mit Sinti und Roma ebenso wie mit Kommunisten aus. 

Es war übrigens auch die CDU, die darauf bestand, dass jener Gründungsprofessor dieser Partei überhaupt zum Prof berufen wurde. Entgegen internationalem Fachprotest. 

Ließe sich drüber nachdenken. Hier hast Du Fakten als weitere Grundlage

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ehemaliger_NSDAP-Mitglieder,_die_nach_Mai_1945_politisch_t%C3%A4tig_waren

Und diese hier

http://www.dorsten-unterm-hakenkreuz.de/2012/05/28/ns-vergangenheit-deutscher-politiker-liste-ehemaliger-nsdap-mitglieder-die-nach-mai-1945-in-den-westzonen-bzw-in-der-bundesrepublik-deutschland-politisch-tatig-waren-5/

Es ist ziemlich eindeutig, was Herr Hitl.. ääh Höcke sich dabei gedacht hat, nämlich so ziemlich gar nichts, außer dass er mal wieder seinen nationalistischen Minderwertigkeitskomplex spazieren geführt hat.

Das sind leere Worthülsen, durchtränkt von sich selbst als Opfer inszenierendem Blödsinn, der an den Stammtischen gut ankommen soll, weil es sich selbst als perfekt und den Rest der Welt sowie Andersdenkende als Problem darstellt.

Wer bitte sind die "berühmten Philosophen, Musiker, Entdecker und Erfinder"? Zum Beispiel Albert Einstein (ein jüdischer Deutscher), der gemeinhin als der wichtigste Physiker aller Zeiten gilt und den die Nationalsozialisten aus dem Land vergrault haben?

Falls du eine Liste von wichtigen Entdeckern, Philosophen usw. brauchst, die Deutschland mit seiner "deutschen Geschichte" verfolgt, sich vergrault oder sogar schändlich ermordet hat, kann ich deine und Herrn Höckes Erinnerung auffrischen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_bekannter_deutschsprachiger_Emigranten_und_Exilanten_(1933%E2%80%931945)

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Opfern_des_Nationalsozialismus

Also bitte, hör auf zu heulen und stell dich der Vergangenheit des Landes, auf das du so furchtbar stolz bist. Mit Patriotismusfeindlichkeit hat das nichts zu tun, der Einzige, der das hier über einen Kamm schert, bist du. Ich und viele andere sind zu beidem fähig, ihr Land zu mögen und sich trotzdem der NS-Vergangenheit bewusst zu bleiben und sich klar davon abzugrenzen. Auf das moderne und demokratische Deutschland darf man stolz sein (und wenn man es braucht, kann man das auch öffentlich äußern). Dass deswegen die Geschichte "nicht so schlimm war" oder "wir endlich über die Geschichte hinwegkommen müssen" ist ein offensichtlich aus Undifferenziertheit und armselig emotionaler Selbstbemitleidung resultierender Denkfehler.

RealAutism 19.01.2017, 19:34

Ich heule doch gar nicht und inwiefern soll ich mich dieser Vergangenheit stellen?Unsere Generation trifft keine schuld

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uncledolan 19.01.2017, 20:07
@RealAutism

Damit meine ich eher die Rede von Herrn Höcke, für den Fall dass du die wirklich ernst nimmst, so hat es sich für mich angehört.

Es geht nicht um konkrete Schuld, aber es geht um konkrete Verantwortung. Und der Wortlaut dieser Rede schiebt die Verantwortung von sich weg und erklärt schon jede Aufklärung darüber für unbegründet und sinnlos. Das ist nicht exklusiv für Deutschland gültig, sondern gilt für jedes historische große Verbrechen.

Z.B. die USA muss besondere Feinfühligkeit an den Tag legen, wenn es um die Rechte von Schwarzen oder auch amerikanischer Ureinwohner geht. Denn noch vor wenigen Generationen war instututionalisierter Rassismus oder schlimmeres (Sklaverei oder Massenmord an Nicht-Weißen) omnipräsent. Das für "abgeschlossen" zu erklären, würde ein offensichtlich immer noch existierendes und nachwirkendes Problem kleinreden, etwas das in einer von Menschenrechten ausgehenden Demokratie nicht passieren darf. Ähnlich ist die Verantwortung von Großbritannien für ehemalige Kolonien. All diese Länder haben ein ähnliches Bewusstsein und betreiben eine ähnliche Aufklärung.

Dass die deutschen Verbrechen sogar noch viel weniger lang her sind und der Grad an Grausigkeit und Unmenschlichkeit (aufgrund der besonders industriellen Vorgehensweise und der Tatsache, dass die Weltgemeinschaft eigentlich schon fortgeschrittener im Denken war) sogar noch höher ist, ist meiner Meinung nach nicht zu bestreiten. Ein Abtun der Geschehnisse ist auch mit Blick auf heutige Entwicklungen also eine mehr als schlechte und unangemessene Idee. Ehrlich gesagt beweisen mir immer wieder einzelne Menschen (vor allem seit der Existenz von sozialen Netzwerken), dass diese Aufklärung keinesfalls abgeschlossen ist, sondern entsprechend gehässiges und rückständiges Gedankengut immer noch in vielen Köpfen vorhanden ist. Wenn man mich fragt, ist die Aufklärung heute sogar wieder viel wichtiger geworden, als es vor z.B. 15 oder 25 Jahren der Fall war.

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hydrahydra 20.01.2017, 01:45
@RealAutism

Unsere Generation trifft keine schuld --- Wenn sie den braunen Dreck eines Herrn Höcke unwidersprochen hinnimmt, trifft sie daran sehr wohl Schuld. Unsere Generation ist vielleicht nicht am Dritten Reich schuld, aber es ist ihre Aufgabe, nicht am Vierten Reich Schuld zu sein.

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soprahin 31.03.2017, 00:08
@RealAutism

Du mußt auch niemanden verstehen, der unbedingt am Mittelalter und die Nazizeit festhalten will.

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Rechtlich schwierig, könnte gemäß dem Volksverhetzung Paragraphen ausgelegt werden aber muss nicht.

Gesellschaftlich ist das schon ziemlich abseits und wird von den meisten Bevölkerungs Gruppen kritisiert bzw. klar abgelehnt.

Eine Schande ist die Aussage von Herrn Höcke!  Auch wenn die später geborenen Deutschen keine persönliche Schuld am Holocaust haben, so haben wir doch alle eine gemeinsame geschichtliche Verantwortung für unsere unselige Vergangenheit. Um uns und unsere Nachkommen daran zu erinnern, dafür ist dieses Mahnmal richtig und unverzichtbar.

Hallo,

offensichtlich kennt er die Bedeutung des Begriffs "Mahnmal" nicht: Mahnmale sind eine Unterform von Denkmalen, die an die weniger schönen Ereignisse der Geschichte erinnern. Sie halten dazu an, darüber nachzudenken, und sollen verhindern, dass sich solche Momente wiederholen.

Beides gibt es auch außerhalb von Deutschland. Vor dem Geburtshaus Hitlers in Österreich zum Beispiel steht der Mahnstein gegen Krieg und Faschismus.

Die deutsche Geschichte wird in Schulen nicht ins Lächerliche gezogen. Es werden über die Schuljahre verteilt sehr viele Facetten von ihr gezeigt. Es werden Themen wie die Aufklärung bearbeitet, aber zur Geschichte Deutschlands gehören leider auch die unschönen, wie die Zeit des Nationalsozialismus oder auch die Hexenprozesse der Frühen Neuzeit, die in Deutschland und Frankreich im Vergleich zu anderen Ländern Europas mit einer extremen Häufigkeit auftraten: Schätzungsweise machten die Prozesse in Deutschland 50% aller Hexenprozesse in Europa aus. Solche unschönen Phasen der Geschichte zu verschweigen, wäre Geschichtsverfälschung.

Ich halte auch diese Stelen in Berlin für ein Schandmal und als eine Beleidigung für die Opfer des Holocaust.

Wie kann man nur so etwas bauen? Eine Gedenkstätte sollte nicht zum Urinieren veranlassen. Das habe ich bei meinem Besuch mit eigenen Augen gesehen.

Ich nehme nicht für mich in Anspruch ein Kunstkenner zu sein, das in Berlin ist für mich aber keine Kunst.

Ich gebe dem Höcke recht, ein solches Denkmal ist einmalig auf der Welt. Nun der Holocaust ist ebenfalls einmalig. Allerdings der Höcke hat sich mit Bedacht missverständlich ausgedrückt, das ist ihm anzukreiden. Er hat sich damit endgültig für ein politisches Amt disqualifiziert.

soprahin 30.03.2017, 23:58

Was auch eine Schande ist, ist wenn von Gedenkstätten Eingangssprüche geklaut werden. Oder in solche Stätten ganz viele lustige Selfies gemacht werden.

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Höcke hat sich absichtlich zweideutig ausgedrückt, manche vermuten dahinter weniger Ungeschick als vielmehr Bosheit.

Wenn du diese zweideutige Formulierung eindeutig falsch widergibst, was sollen wir dir dann noch antworten?
Das ist einfach nur ungeschickt, und mit ganz viel Pech könnte sogar der Björk/Blök, oder wie er heißt, dich wegen Verleumdung verklagen.

Lerne erst mal richtig hinhören und abschreiben, und dann mache dir Gedanken, und danach frage dann.

Davon abgesehen lügt der Herr natürlich auch. Es ist kaum möglich, nicht ständig auf berühmte Leistungen von Deutschen zu stoßen, z.B. in den Naturwissenschaften.
Nur sind die Naturwissenschaften nicht so von Nationen bessen wie gewisse andere Leute.

"Holocaust-Denkmal eine Schande für Deutschland ist"

Ich nehme an, daß selbst diese Aussage noch vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt wäre. Allerdings ist die Aussage so von Höcke nie getätigt worden.

Lies Dir bitte den entsprechenden Abschnitt der Rede noch mal in Ruhe durch. Du hast ihn ja selbst zitiert. Dir müßte eigentlich aufgefallen sein, daß Deine Überschrift signifikant von dem Zitat abweicht. Da steht nicht "Schande für Deutschland".

Der Gründer des Spiegel Rudolf Augstein hat sich seinerzeit übrigens ganz ähnlich geäußert:

"Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses  Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende  Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die  Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die  Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7085973.html

Ich kann mich nicht entsinnen, daß der Artikel eine vergleichbare Entrüstung ausgelöst hätte. Der Unterschied ist, daß Augstein - im Gegensatz zu Höcke - nicht als tumber Rechtspopulist unterwegs war, der am äußeren rechten Rand fischt. Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.

Hegemon 19.01.2017, 18:52
@RealAutism

Auch das Göttinger Tageblatt verfälscht vorsätzlich das Zitat.

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Hegemon 19.01.2017, 19:02
@RealAutism

Das kann ja sein. Das ändert trotzdem nichts an der Tatsache, daß es vorsätzlich die falsche Tatsachenbehauptung aufstellt, Höcke hätte gesagt, »das Holocaust-Gedenken der Deutschen sei eine „Schande“«.

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RealAutism 19.01.2017, 19:05
@Hegemon

Na ja gut es könnte aber ja doch stimmen,niemand weiß wie er das jetzt genau gemeint hat 

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Hegemon 19.01.2017, 19:09
@RealAutism

Richtig. Das ist genau der Punkt. Das ist auch das, was Höcke vorzuwerfen ist. Er äußert sich bewußt mißverständlich und bedient dabei rechtsextreme Narrative. Und hinterher kann er sagen, daß er das so nie gesagt hat. Dieses Vorgehen ist bei ihm Methode.

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earnest 19.01.2017, 19:50
@RealAutism

Weiter unten im Artikel steht: "Denkmal der Schande". Und das hat Dr. Adolf Höcke in der Tat gesagt.

Wenn man den Mitschnitt der Rede nicht für eine Fälschung hält.

Möglicherweise war das Tageblatt nicht clever genug, die Doppelbödigkeit der Aussage zu verstehen.

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Hegemon 21.01.2017, 12:35
@earnest

Ja, gut möglich, daß die studierten Journalisten und Germanisten beim Göttinger Tageblatt noch etwas unsicher im Umgang mit der deutschen Sprache sind. Ihnen fehlt ja vielleicht die Ausbildung und die Übung.

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Nun ja als Leerer muss er nicht denken, sondern bestenfalls was sagen :-D

Jeder sollte erst mal alles sagen duerfen, ob das richtig ist, muss sich pruefen lassen und stellt sich schnell heraus, ob es strafbar sein koennte ist an den bestehenden gesetzen zu messen.

Da der mensch sich bisher gut juristisch beraten laesst, ist durchaus davon auszugehen, dass er bis an die aeussersten grenzen der strafbarkeit gegangen ist.

Inhaltlich laesst sich nur dazu schreiben, dass er bewusst verfaelscht und provoziert. Wenn jemand seine geschichte verlaeugnet und verfaelscht, so verfaelscht er nicht nur sein eigenes handeln, sondern nutzt das unwissen ueber die geschichte um menschen zu manipulieren und am ende fuer eigene ziele zu nutzen.

RealAutism 19.01.2017, 18:34

Aber wäre es nicht wirklich besser endlich mit diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte abzuschließen,immerhin ist es jetzt schon ein paar jahrzehnte her, wem nützt das Denkmal denn ?

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Dahika 19.01.2017, 18:38
@RealAutism

Es nützt der Erinnerung. Oder forderst du im Gegenzug auch die viele Goetheschulen umzubenennen, Lutherdenkmäler abzureißen. Ich mein, das ist z.T. schon ein paar Jahrhunderte her. Wem nützten die Denkmäler denn?
Solange es nur einen einzigen Nachfahren des Holocausts gibt - Nachfahre, sage ich, nicht Überlebender, die dürften fast alle tot sein - muss daran erinnert werden.

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Meatwad 19.01.2017, 18:38
@RealAutism

Aber wäre es nicht wirklich besser endlich mit diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte abzuschließen

Endlich? Gerade jetzt wird es wichtig. Denn bald ist der letzte Überlebende gestorben, und erst dann zeigt sich, ob wir etwas gelernt haben.

immerhin ist es jetzt schon ein paar jahrzehnte her

Genau. Ein paar Jahrzehnte. Nicht gerade viel Zeit.

wem nützt das Denkmal denn ?

Uns allen!

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RealAutism 19.01.2017, 18:44
@Meatwad

Aber so etwas wie den Holocaust wird es doch nie wieder geben, die Menschheit hat sich weiterentwickelt , ich glaube an das Gute im Menschen/ der Menschheit

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Meatwad 19.01.2017, 18:46
@RealAutism

So etwas wie den Holocaust hat es seit dem zweiten Weltkrieg bereits mehrfach wieder gegeben. In unmittelbarer Vergangenheit.

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RealAutism 19.01.2017, 18:56
@Meatwad

Meatwald dann nenn doch mal bitte ein paar beispiele die nur ansatzweise so schlimm wie der holocaust (mit mehreren millionen opfern von vergasungen,zwangsarbeit,menschlichen experimenten usw.) waren?

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archibaldesel 19.01.2017, 19:09
@Meatwad

Dann sag mir ein Beispiel für die industrialisierte Ermordung von 6 Mio. Menschen aus reinem Rassenhass.

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James131 19.01.2017, 19:20
@RealAutism

Also geschichte umschreiben, damit sich damit niemand auseinandersetzen muss .....

Wem nuetzen viele andere Denkmale? Warum werden Denkmale von Schlachten und von feldherren gepflegt obwohl diese 1000 jahre her sind? Wem nuetzt also das denkmal?

Du behauptest sowas wie voelkermord aufgrund religoesem bekenntnis wird es nie wieder geben ..... nun, wenn nicht wirklich geschlafen hast oder absolut unwillig bist zur kenntnis zu nehmen, was so alles in der welt geschieht, dann stimmt es, sonst ist das objektiv falsch

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realsausi2 19.01.2017, 19:33
@RealAutism

Aber wäre es nicht wirklich besser endlich mit diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte abzuschließen

Was geschehen ist, kann nicht ungeschehen gemacht werden. Es gilt für alle Generationen der Zukunft, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.

Wie sollte das gehen, wenn man die Kapitel abschließt?

Niemand der heute lebenden Deutschen hat in irgendeiner Form Schuld an dem, was damals geschehen ist. Aber wir alle haben die Verantwortung, uns und andere daran zu gemahnen, dass es niemals wieder geschehen darf.

Das geht nur durch Erinnern.

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Ich will mal eine Antwort auf einer anderen Ebene versuchen.

So schlimm das alles war, was in Deutschland in den 30er- und 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschehen ist: man sollte sich drüber klar sein, dass auf dieser Welt insgesamt unendlich viel Gräuel geschieht. Dieses Jahrhundert, letztes Jahrhundert, frühere Zeiten auch. Da war vielleicht Hitlers organisierter Massenmord an ganzen Bevölkerungsgruppen ein besonders krass herausragendes Ereignis. Aber "wir Deutschen" sind nicht die einzigen, die eine "dreckige" Geschichte haben.

Es fällt bei so einer Gesamtbetrachtung schon auf, dass hier in Deutschland zwar eine "Erinnerungskultur" gelebt wird, andere Staaten dieser Welt aber meist über die dunklen Zeiten ihrer eigenen Geschichte hinweggehen.

Im Rechtsaußen-Lager gab es dafür mal den Begriff des sogenannten "Schuld-Kultes". Ein überaus deutsches Phänomen. Der Begriff wird natürlich gnadenlos verrissen, weil er quasi von den falschen Leuten in die Welt gesetzt wurde. Aber er trifft eigentlich den Nagel ziemlich auf den Kopf.

Wenn man z. B. bei Spiegel Online in die Nachrichten schaut, dann vergeht kaum ein Tag, wo nicht irgendein 3.-Reich-Artikel in den Schlagzeilen auftaucht. Sei es, dass mal wieder irgendwelche Ansprüche (nach über 70 Jahren!) gestellt werden. Sei es, dass über irgendwelche 2.-Weltkrieg-Tragödien à la "Eines Tages" berichtet wird. Und so weiter. Als Nachrichtenleser denke ich dabei immer etwas amerikanischer und assoziiere das Wort "News": ich erwarte Neuigkeiten und keine ollen Kamellen. Und genau nichts anders sind aus meiner Sicht diese ganzen Dinge, die mit dieser "Erinnerungskultur" zusammenhängen.

Zurück zum Denkmal: zu der Zeit, als das Ding gebaut wurde, war die deutsche Stahlindustrie in nicht sonderlich tollem Zustand. Dass man diese ganzen Stelen aus Massivstahl gebaut hat, hat bei mir seinerzeit suggieriert, dass man hier ganz nebenbei ein Konjunkturprogramm für eine Branche aufgelegt hat. Bösartiger Spitzname deshalb: "Denkmal für die deutsche Stahlindustrie". Einen zynischen Schritt weitergedacht: genau die Industrie, die sich an der Realisierung dieses Denkmals etliche Milliönchen verdient hat, besteht genau aus den Firmen, die damals Panzer gebaut und Leute in Zwangsarbeit verdingt hat. Das ganze wird also umso zynischer, je genauer man hinguckt.

Ich glaube nicht, dass ein Herr Höcke so tief in die Details geschaut hat. Ich halte seine Äußerungen manchmal auch für etwas sehr hart am Rande. Aber prinzipiell denke ich, dass er nicht völlig daneben liegt: wir sollten hier im Lande lieber in die Zukunft schauen und diese positiv gestalten, als uns ständig in Vergangenheits-Schuldgefühlen zu suhlen.

morgenstern1983 19.01.2017, 21:08

Leider nichts begriffen. Das ist kein Denkmal der Schande, es ist ein Mahnmal über ein Menschheitsverbrechen. Es soll uns als die Nachkommen der Täter und Dulder an die Fehler einer vorherigen Generation erinnern, in der Hoffnung, diesen nicht noch einmal zu begehen. Ich bin stolz darauf, dass in Deutschland mitten in der Hauptstadt ein ehrlicher und selbstkritischer Umgang mit dieser Vergangenheit stattfindet und da haben wir sicher vielen Ländern etwas voraus.

Es geht hier immerhin um den industrialisierten Massenmord an über 6 Millionen Menschen. 6 Millionen! Eine unfassbare Zahl. Das sind die gesamten Bevölkerungen von Berlin, Hamburg und München zusammen. Menschen, die einfach lebten, liebten und lachten, im ersten Weltkrieg vielleicht sogar für dieses Land kämpften und sich nichts zu Schulden haben kommen lassen. Sie wurden von heute auf morgen aus ihrem Leben und ihrer Umwelt gerissen, um im Auftrag ihres eigenen Staates, der sie qua Definition eigentlich beschützen sollte, wie Vieh zur Schlachtbank geführt, gedemütigt und versklavt zu werden. Für die Erinnerung an Verbrechen, das im Grunde aus genau den gleichen Trieben erwuchs wie der Antiislamismus und Rassismus heute, KANN man gar nicht genügend Mahnmale bauen.

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dan030 19.01.2017, 21:55
@morgenstern1983

Ich habe durchaus begriffen, und um eines klarzustellen: auch ich möchte nicht, dass sich sowas von "uns Deutschen" ausgehend nochmal jemals wiederholt. Und "wir" sollten meines Erachtens auch alles dafür tun, dass solche Massenmorde auch andernorts nicht geschehen.

Trotzdem, meine Abgenervtheit über diese ganze Gedenkerei bleibt.

Ich will es mal an einem ganz praktischen Alltagsbeispiel aufführen: Wenn ich mich z. B. ab Berlin Hbf in den M85er-Bus räume und nach Steglitz runtergondele, dann komme ich gleich an drei von diesen Gedenk-Dingsdas vorbei. Oben genanntes Stahlstehlen-Monument, dann in Schöneberg der "Wegweiser" mit den ganzen Pfeilen Richtung frühere KZ's, schließlich in S+U Rathaus Steglitz am Hermann-Ehlers-Platz mit dieser Glas-/Spiegelwand. Alles Gedenken an "damals". In gerade mal einer halben Stunde Busfahrt.

Falls ich keinen Bock haben sollte, auf der Fahrt aus dem Fenster zu gucken, und die Nachrichten aufmache, grinsen mich auf Spiegel Online diverse anno-dunnemals-Artikel an. Tagesspiegel berichtet tagelang auf der Startseite über irgendwelche "Stolpersteine" in Wilmersdorf, die wegen Nachbarschaftsstreitigkeiten um 2 Meter versetzt werden mussten. Und gleichzeitig darf ich mir dann die relevanten Tagesnachrichten aus dem Ausland zusammenklauben, weil nämlich vor lauter Geschichtskram in den deutschen Medien kein Platz mehr für Berichterstattung über diejenigen Dinge ist, die tatsächlich jetzt gerade aktuell passiert sind.

Und das alles zusammen nervt. Tierisch. Gedenken ist ja gut und schön. Und Vorbeugung vor Wiederholung auch. Aber wenn das ständig und täglich auf einen einprasselt, dann ist's einfach "too much".

Nächste Woche geht's ja wieder munter weiter: Gedenkstunden im Bundestag, über die sicher wieder ausgiebigst berichtet werden wird, obwohl da seit mehr als 50 Jahren immer wieder dasselbe Ritual zelebriert wird. Und die aktuellen Geschehenisse gehen bei dem ganzen Geschichtsgesudel unter.

Wenn es nur ein einziges Denkmal wäre, dann wäre es ja ok. Aber das, was ich insgesamt an "Gedenk-Kultur" erlebe, empfinde ich als eine hoffnungslose Überdosis. Und äußere mich entsprechend auch abwehrend.

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Der Holocaust war der Tiefpunkt der Zivilisation. Es ist Wichtig das jeder Mensch daran erinnert wird, sonst laufen wir Gefahr das wieder zu tun. Wir sind ja mittlereweiter wieder auf direkten Weg...

Zu sagen, dass das Land in dem du geboren bist deinen Stellenwert anhebt ist genau das Problem von Nationalismus. Es ist so einfach und dabei nicht mal wahr: Du hast nichts geleistet, wenn du in einem bestimmten Land geboren bist. Genauso ist es totaler Schwachsinn, die Leistung von bedeutenden Intellektuellen auf den Stellenwert eines Landes zu addieren, den es waren die Leistungen einzelner Menschen, nicht des Volkes.  

Nun müssen wir ja nicht darüber streiten, dass der Herr Höcke ein Nazis ist.

Daher wundert es ja nicht, dass er diese absurde Position vertritt.

Geschichte ist kein Rosinenpicken. Natürlich gibt es in der Geschichte viele hervorragende Leistungen von Menschen, die sich als Deutsche verstehen.

Aber es gibt eben auch den Holocaust.

Man muss das Eine tun, ohne das andere zu lassen. Jeder Versuch, die Gräuel der Nazis zu relativieren, ist schändlich und unpatriotisch.

Natürlich ist das Holocaust Denkmal  ein Denkmal der Schande. Der Schande, die dieses Land auf sich geladen hat, als es zum Monster geworden ist.

Herr Höcke ist einfach noch nicht im Heute angekommen. Dafür reicht es in der Murmel wohl nicht.

Zwar Geschmacklos, aber nicht verboten es zu sagen. Du kannst Gebäude hässlich finden wie du willst. Von mir aus kannst du auch sagen, dass das Bundestagsgebäude eine Schande ist.

Ich persönlich finde das Holocaust-Denkmal hässlich. Ist aber auch nur meine Meinung. Da hätte man auch was anderes zementieren können.

Da wo ich herkomme stehen Tafeln als Denkmäler. Das Holocaust-Denkmal dagegen finde ich hässlich, zu groß und zu teuer.

Das Wort "Schande" würde ich aber nicht benutzen. Denn das hat nichts mehr mit dem Aussehen, den Kosten oder dergleichen zu tun, sondern lässt seeeehr stark eine Assoziation zu dem Hintergrund vermuten. Und da wird mir ehrlich gesagt übel, wenn man Kriegsopfer (egal auf welcher Seite bzw. durch welche Umstände) nicht würdigen darf.

Ich interpretiere das so, dass er der Meinung ist, dass man endlich damit aufhören sollte, in Deutschen Bürgern Schuldgefühle hervorzurufen, die mit diesen schrecklichen Ereignissen überhaupt nicht zu tun haben. Die Verantwortlichen leben schon längst nicht mehr.

Man sollte mit diesem Wehklagen Aufhöhren, ohne dabei zu vergessen, dass damals unermessliches Leid über die Menschheit gebracht wurde und sich das niemals wiederholen darf.

LG Lazarius

Lazybear 19.01.2017, 19:09

eben das tut er mit seiner aussage leider nicht!lg

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Lazarius 19.01.2017, 20:40
@Lazybear

Höcke hatte schon „Vorredner“ die sich in ähnlicher Weise darüber äußerten ohne, dass da viel Wind aufging, weil es angesehene Leute waren wie Rudolf Augstein z. B.
Höcke ist mit dieser Meinung also nicht alleine.

Ich bin kein AfD Wähler und werde es auch niemals sein. Mir scheint aber, dass man hier einen „Aufhänger“ gesucht und gefunden hat, um Meinungen zu manipulieren, um politisch unbequeme Strömungen einen Negativ-Image-Stempel aufzudrücken.

Wäre es nicht viel besser für die führenden Parteien, dafür zu sorgen die Menschen von ihrer Politik zu überzeugen, anstatt ihre Gegner mit allen Mitteln tot zu brüllen?

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realsausi2 19.01.2017, 19:37

ohne dabei zu vergessen, dass damals unermessliches Leid über die Menschheit gebracht wurde

Genau dafür dient so ein Denkmal. Wie sollte das sonst gehen, wenn alle Zeitzeugen irgendwann gestorben sind?

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So ganz Unrecht hat er damit nicht. Nur sollten sich die anderen Nationen ein Vorbild an uns nehmen, nicht umgekehrt. Es ist gut und richtig dass jeder Deutsche von dem Massenmord der Deutschen an den Juden (und anderen Völkern) weiß. Nur dadurch kann künftig ein ähnliches Geschehen im Keim erstickt werden.

Es ist aber auch wahr, dass z.B. ein typischer Brite gar nichts weiß über die Völkermorde der Briten. Und ein typischer Deutscher weiß erst Recht nichts darüber. Entsprechendes gilt für die Völkermorde der Franzosen, Spanier, Italiener u.s.w.

Maarduck 20.01.2017, 01:55

Exemplarisch mal etwas über die britischen Völkermorde.

Die erste Taktik der Briten bei ihren Völkermorden war zumeist eine künstlich erzeugte Hungersnot. Daneben gab es natürlich auch Vertreibungen der Völker von ihrem angestammten Siedlungsgebiet. Da fällt einem zunächst die große irische Hungersnot von 1845 ein. Dann gibt es in dieser Kategorie z.B. den Völkermord an den Tasmaniern und den australischen Ureinwohnern. Das wird sogar bei Wikipedia erwähnt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Tasmanier

und sieh mal hier

http://www.gfbv.it/3dossier/austral/aborig.html


Besonders offen schildert Mike Davis in seinem Buch „Late Victorian Holocausts“, 2001, die Ermordung von 12 bis 29 Millionen Indern 1877 bis 1878. Damals gab es in vielen Gebieten Indiens sehr gute Ernten und in vielen Gebieten sehr schlechte Ernten. Indien musste eine halbe Million t Getreide nach GB exportieren. In die indischen Hungersgebiete durfte nichts gebracht werden. Das „Gesetz gegen wohltätige Spenden“ von 1877 verbot sogar „bei Gefängnisstrafe private Spenden gegen das Notleiden“. In den Arbeitslagern bekamen die Arbeiter weniger Nahrung als die Insassen von Buchenwald. Die Sterberate lag bei 94%. Hier kannst du ein bisschen darüber nachlesen.

http://wikibin.org/articles/british-india-holocaust.html


Und dann fällt mir natürlich GB unter Churchill 1941 bis 1948 ein. Damals starben 6-7 Millionen Menschen in Bengal, ebenfalls ausgelöst durch eine künstlich erzeugte Hungersnot. Nachzulesen hier

http://www.samarthbharat.com/bengalholocaust.htm


Ich empfehle außerdem die Bücher „Britain’s Gulag“ von Caroline Elkins, „Histories of the Hanged“ von David Anderson und „Web of Deceit“ von Mark Curtis. Hier wird geschildert wie weiße Siedler und britisches Militär den Mau Mau-Aufstand im Kenia der 50er Jahre niederschlugen. Die extrem grausamen Einzelheiten möchte ich den Lesern hier ersparen. Es wurden ca. 400.000 bis 1,5 Mill. Menschen brutal ermordet. Die Kikuyu wurden von den Briten vollständig vernichtet. Hier kannst du ein wenig darüber nachlesen

http://www.africanholocaust.net/html\_ah/holocaustspecial.htm


Google mal nach „Lord Robert Lytton“. Ein bisschen nachzulesen hier

http://www.monbiot.com/2005/12/27/how-britain-denies-its-holocausts/



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Auch wenn in den Aussagen von Höcke ein Kern Wahrheit steckt, liegt er meiner Meinung nach insgesamt daneben. Aber er liegt nicht mehr daneben als die, die "Deutschland verrecke" schreien und auf Kosten des Volkes studieren. Auffallend ist, dass sich die Presse über Höcke das Maul zerreißt und über Frau Roth, die als gut bezahlte deutsche Bundestagsabgeordnete hinter einem solchen Plakat hermarschiert ist., wird geschwiegen. Persönlihch finde ich es gut, dass wir uns auch mit der negativen Seite unserer Geschichte auseinandersetzen und sie nicht verdrängen. Ich finde es aber nicht gut, wenn das zur Basis wird, das WIR-Gefühl als Nation zu zerreden, ohne das wir nicht zu Besserem streben können und auch niemandem eine positive Perspektive zeigen können, sich in Deutschland zu integrieren. Wer will schon teil einer Gesellschaft werden, die sich ständig selbst in den Hintern tritt.

Ich gebe zu, es ist schwierig, das Gleichgewicht zu halten zwischen der positiven Seite unserer Geschichte und der erst jüngsten extrem negativen Seite. Ich finde es aber nicht förderlich, wenn man sich durch die negative Vergangenheit weiter herabzieht, statt sich wieder positiv aufzurichten, wenn man Tasse nicht mehr sagen darf, weil auch Nazis mal Tasse gesagt haben und man dann Nazi-Vokabular benutzt. Ich habe etwas gegen diese Art von Denk- und Redeverbote, mit denen wir den Nazigeist geradezu lebendig halten. Wenn die Naziherrschaft unser Denken vernebelt und wir nicht mehr über Martin Luthers Reformation und die Errungenschaften dieser Zeit (z.B. Buchdruck) reden können, ohne auch das in Nazibeleuchtung zu verstellen, dann trifft Höcke da einen Kern unserer Selbstzerfleischung. Ich finde das Holocaust-Denkmal wichtig, wenn es uns immer wieder erinnert, wie schnell eine ganze Gesellschaft auf die schiefe Bahn kommen kann. Negativ wirkt dieses Denkmal, wenn es dazu benutzt wird, die Bahn unserer Perspektive nur ins Negative zu drehen.

pasixundy 19.01.2017, 19:12

Aus Fehlern lernen, und aus Erfolgen niemals aufgeilen. Denn dieses Aufgeilen, dieses Bessersein ist doch der Grund aus dem diese Fehler erst entstehen.

Man kann natürlich das Leben genießen, ABER mit dem Bessersein-getue beginnt unser aller Untergang.

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berkersheim 19.01.2017, 22:13
@pasixundy

@pasisxundy

Aus Fehlern lernen ist richtig. Aus Erfolgen Selbstbewusstsein und neue Stärke ziehen ist auch richtig. Zwischen Erfolge positiv nutzen und Stärke ziehen und sich daran aufgeilen ist aber ein Riesenunterschied. Etwas anderes ist es, sich bei mangelnder Leistung, auf die man stolz sein könnte, sich etwas Moralisches ausdenken und sich damit auf den Götterthron hocken und alle anderen von oben herab abwatschen, ist grundlose Besserwisserei. Das war heute im Bundestag zu beobachten. Was haben ihnen die Tränen des Mitgefühls in den Augen gestanden, diesen verlogenen Politikern, die schließlich mit ihrem gut gemeint und sauschlecht gemacht die Ursache der ganzen Misere bei sich selbst suchen müssten.

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pasixundy 21.01.2017, 00:44
@berkersheim

Nenn mir nur ein Beispiel, wo jemdand oder gar ein Land immer nur Erfolge gefeiert hat, und den gleichen weg unbeirrt, fehlerlos beschreitet.

Meiner Ansicht nach bzw ein Bsp: Wir haben zwei junge Autofahrer. Der erste hat gleich am ersten Tag einen Unfall, weil er zu schnell fährt und die Sitution nicht mehr kontrollieren konnte. Er lernt daraus und fährt von nun an der Situation entsprechen, im Zweifel lieber langsamer.

Der Zweite fährt erstmal nach Tempolimit, dabei fühlt er sich am zweiten Tag so sicher, dass er schon 10kmh zu schnell fährt. Nun fährt er jeden Tag schneller und schneller, bis es irgendwann kracht. Er hatte sich total selbstüberschätzt und musste deshalb zwangsläufig mit Konsequenzen rechnen. Und selbst wenn er der beste Autofahrer der Welt sein sollte, es gibt immer Faktoren die man nicht beeinflussen kann. 

Natürlich können jeden der beiden Fahrer Unfälle passieren, aber aufgrund der gedrosselden Geschwindigkeit von Fahrer 1 ist sein Unfall warscheinlich nicht so gravierend. 

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froggle 19.01.2017, 21:40

Sind die, ich sage mal, provokanten Aussagen von Höcke gewollt, dass die AFD mehr ins gerede kommt? Wenn ja garnicht mal so dumm eigentlich. Wie siehtst du das?

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berkersheim 19.01.2017, 22:04
@froggle

@froggle

Dieses Jahr sind wichtige Wahlkämpfe und da gibt es so viele brennende Themen, mit denen die Berliner in der Definsive sind und die AfD punkten kann, da frage ich mich, warum Höcke diese unnötige Diskussion aufmachen muss, und der linken Mainstreampublizistik aller Art Steilvorlagen gibt. Die sind doch an einer Diskussion über das Thema nicht interessiert, die wollen doch an den rechten Pranger stellen und da hat ihnen Höcke den Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt. Das angeschnittene Thema ist meiner Meinung nach zu problematisch, um es in hitzigen Wahlkampfzeiten in aller notwendigen Differenzierung ernsthaft zu diskutieren. So politisch naiv dürfte auch Höcke nicht sein. Ich glaube, dass er sich bewusst eher am rechten Rand der AfD sieht und dort Zustimmung sucht. Das schadet meiner Meinung nach eher, als dass es hilft und für das durchaus ernsthafte Thema bringt es auch nichts. Prinzipiell muss man akzeptieren, dass in einer national und konservativ ausgerichteten Partei sich auch ein rechter Rand ansammelt. Die LINKE, die GRÜNEN und die SPD sollen mal nicht so tun, als ob sie keine linksradikalen Ränder hätten. Das gehört meiner Meinung nach aber auch ins Spektrum einer Demokratie und da darf die AfD gleiches beanspruchen wie die Linken. Dass die linken Mainstreammedien die AfD gern auf den rechten Rand reduzieren und selbst auf dem linken Auge blind sind, wäre auch kein Problem, wenn sie sich nicht wie die öffentlich Rechtlichen von allen Bürgern bezahlen lassen würden um dann einseitig Stimmung zu machen. Sowas aber müsste auch ein verantwortlicher Politiker der AfD wissen und Themen dort aufmachen, wo die AfD im Vorteil ist.

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froggle 19.01.2017, 22:58
@berkersheim

Das stimmt allerdings. Klug war das nicht gerade, denn jetzt werden die Kampfbegriffe noch inflationärer in Gebrauch genommen. Eine pferfekte Steilvorlage. Ich bin aber trotzdessen, ehrlich gesagt, erschrocken, zugleich aber auch enttäuscht, wie sehr doch in den Medien gehetzt wird. Alles was nicht ins linke Weltbild passt, siehe Trump, AfD  o.ä  wird verbal mit erwähnten Kampfbegriffen wie, z.B Nazi, Verschwörungsthoretiker, Populisten ect. niedergeknüppelt. Für mich sind das einfach nur hole Worte wie Ketzer oder Häretiker, die ja damals auch verwendet worden sind...

"Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus." Ignazio Iilone

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