Darf man mit einem Fahrrad auch auf der Straße fahren oder nur auf den Radweg?

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Wenn Du älter als zehn Jahre bist, darfst Du nicht auf dem Gehweg fahren.
Ausnahme: das weiße Zusatzschild 1022-10 (Radfahrer frei), allerdings nur in Schrittgeschwindigkeit.

D.h. Radfahrer fahren Fahrzeuge. Diese gehören auf die Straße, außer wenn der Radweg angeordnet durch Zeichen 237, 240, 241 benutzungspflichtig und benutzbar ist.

Gerade die "Benutzbarkeit" kann strittig sein, z.B. bei Glasscherben oder Laub.

Auf dem Gehweg darfst du auf keinen Falk fahren. Dieser ist nur für Fußgänger, außer dies ist durch eine Beschilderung erlaubt. Auf der Straße darfst du immer dann fahren wenn kein Radweg vorhanden ist. Auch dann wenn das fahren auf dem Fußweg erlaubt ist. Guck mal in §2 StVO

Auf dem Gehweg darfst du auf keinen Falk fahren

Was meinst Du damit?

Gibt es inzwischen Falkpläne wo die Radwege eingezeichnet sind?

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Deine Frage wird in Paragraph 2 der StVO beantwortet.

Generell gehören Radfahrende auf die Fahrbahn. Der Gehweg ist übrigens Teil der Straße, aber das nur nebenbei. Auf dem Gehweg haben Radfahrende grundsätzlich nichts zu suchen. Das kann sogar richtig Teuer werden. Das Bußgeld dafür wurde grad im April wieder erhöht. Eine Ausnahme gilt nur, wenn du unter 10 bist, dann DARFST du auf dem Gehweg radeln. Wenn du unter 8 bist, MUSST du es sogar. Der Gesetzgeber drückt das etwas kompliziert aus. An deinem 10. Gebutstag hast du dein 10-tes Lebensjahr vollendet. Vor Vollendung des 10. Lebensjahres darf man den Gehweg befahren.

Wenn es auf der Straße neben der Fahrbahn noch einen unbeschilderten Radweg gibt, dann ist das ein Angebots-Radweg (in Beamten-Deutsch auch "Anderer Radweg" genannt). Den DARFST du benutzen, musst du aber nicht. Du kannst genauso gut und völlig legal auf der Fahrbahn fahren!

Hat der Radweg eine Beschilderung (blaues rundes Schild mit Fahrrad drin - das sind die Zeichen 237, 240 & 241), dann ist er benutzungspflichtig. Aber in dem von dir geschilderten Fall würde das Teilstück mit den Scherben oder der großen Personengruppe "unbenutzbar" werden. Du darfst dann eine Abfahrt vorher auf die Fahrbahn wechseln und bei der nächsten geeigneten Bordsteinabsenkung wechselst du wieder zurück, sobald der Radweg wieder "benutzbar" ist.

Über den Gehweg darfst du bei einem Hindernis übrigens nur ausweichen wenn du schiebst.

Das selbe gilt natürlich auch, wenn Autos, Mülltonnen auf dem Radweg parken, oder dort Schnee nicht geräumt wurde, auf der Fahrbahn aber schon. Außerdem wäre es unzumutbar für dich, wenn du andauernd hin und her wechseln müsstest. Treten also viele Einzelhindernisse hintereinander auf einem Radweg auf, wird der gesamte Radweg unbenutzbar.

Auf die Fahrbahn darfst du zusätzlich auch immer wechseln, wenn der Radweg nicht dorthin führt wo du hin willst. Du möchtest z.B. direkt links abbiegen? Oder rechts, wenn der beschilderte Radweg auf der linken Seite ist? Kein Problem: du darfst dafür rechtzeitig vorher auf die Fahrbahn wechseln. Das direkte Abbiegen ist oft viel schneller, weil man nur eine Ampel hat statt sonst zwei bis fünf.

Das mit dem Abbiegen wollen ist übrigens die perfekte Ausrede, wenn du beim unerlaubten Fahrbahnradeln doch mal von der Polizei gestoppt werden solltest. Wie will man dir bitte nachweisen, dass du in 100 Metern nicht hättest abbiegen wollen? Dafür müsste der Peterwagen dir schon 500 Meter langsam hinterherfahren und das würdest du merken!

Ist dein Fahrrad überbreit, z.B. durch sperriges Transportgut, oder Anhänger, oder weil es drei Räder hat, dann sagt die Verwaltungsvorschrift der Polizei, dass selbst unerlaubtes Fahrbahnradeln nicht geahndet werden soll. Die Radwege sind nämlich nur für normal-breite Räder ausgelegt und selbst als Fußgänger mit Handwagen musst du auf die Fahrbahn, wenn du auf den Gehweg sonst Andere gefährden würdest. Genau wie der Mann mit dem Handwagen aus den Fahrschul-Theoriebögen darfst du dein Rad natürlich auch auf der Fahrbahn schieben, aber dann kannst du ja auch gleich fahren...

Die einzige Ausnahme als über 9 Jahre alter Radfahrender den Gehweg nicht schiebend sondern fahrend zu benutzen ist übrigens das Zusatzzeichen "Radfahrer frei". Es ist aber ein tückisches Zeichen, denn dort darfst du maximal Schrittgeschwindigkeit fahren und muss Fußgängern Vorrang gewähren. Dort solltest du also nur im Notfall radeln. Ein Busgeld wegen zu schnellem fahren gibts dort quasi automatisch.

Du siehst das Fahren auf der Fahrbahn ist der vom Gesetzgeber geplante Normalfall, der Radweg die Ausnahme. Die meisten Radwege sind außerdem unbeschillderte Angebots-Radwege. Und bei den wenigen beschilderten gibt es genügend Ausnahmeregelungen um sie im Einzelfall nicht nutzen zu müssen. Meine Auflistung war längst noch nicht abschließend.

So sieht es der Gesetzgeber: Fahrräder sind Fahrzeuge und Fahrzeuge gehören auf die Fahrbahn!

Die Autofahrer, die das gerne anders sehen sind vornehmlich die, die die StVO nur dem Namen nach kennen. Aber fehlendes Wissen wird auf deutschen Straßen ja gerne mit erhöhter Agression kompensiert.

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