Darf man mit 14 alleine zum Arzt?

12 Antworten

Stellen sich Kinder und Jugendliche in der Sprechstunde vor, kann der Arzt vor der Frage stehen, wer über eine Behandlung aufzuklären ist und auf wessen Einwilligung es ankommt – auf die des Minderjährigen oder die der Eltern. Für die Wirksamkeit seiner Einwilligung kommt es nicht auf die Geschäftsfähigkeit an, also auf die Fähigkeit, Verträge selbstständig abschließen zu können, sondern – so der Bundesgerichtshof (BGH) – darauf, dass der Minderjährige „nach seiner geistigen und sittlichen Reife die Bedeutung und Tragweite des Eingriffs und seiner Gestattung zu ermessen vermag“. Der Minderjährige muss also eine eigenständige Nutzen-Risiko-Abwägung vornehmen können. Der Beginn der Einwilligungsfähigkeit ist an kein Mindestalter gebunden. Nach herrschender Meinung ist aber davon auszugehen, dass Minderjährige unter 14 Jahren nur in Ausnahmefällen bereits einwilligungsfähig sind.

Für die Praxis bedeutet dies, dass der Arzt vor der Behandlung oder Verordnung eines Medikaments im Rahmen des Aufklärungsgesprächs gehalten ist,

  • abzuklären, ob der Minderjährige bereits selbst einwilligungsfähig ist oder nicht
  • gegebenenfalls die Gesichtspunkte zu dokumentieren, die dafür sprechen, dass der Patient über die notwendige geistige Reife verfügt.

So kann ein erst 15-jähriger Patient für Routinemaßnahmen und geringfügige Eingriffe, wie zum Beispiel eine Blutabnahme, bereits über die nötige Urteilskraft verfügen. Deutlich höher liegt die Messlatte bei nicht ganz ungefährlichen Behandlungsmaßnahmen, selbst bei „alltäglichen“ Eingriffen, wie einer diagnostischen Laparoskopie. Ist der Arzt unsicher, ob der minderjährige Patient einwilligungsfähig ist oder nicht, muss er die Eltern in die therapeutische Entscheidung einbeziehen.

hier weiter:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/123624/Aufklaerungspflicht-und-Einwilligungsfaehigkeit-Regeln-fuer-diffizile-Konstellationen

Mit 14 Jahren sieht der Gesetzgeber nur eine eingeschränkte Einwilligungsfähigkeit vor. Das bedeutet, dass der Arzt davon ausgehen muss, dass du in bestimmte Untersuchungen und Behandlungen noch nicht rechtswirksam einwilligen kannst. Wie weit diese Einschränkung besteht, entscheidet der Arzt in jedem Einzelfall. Dass der Arzt jedoch bei dir daheim anruft, ist eher unwahrscheinlich und dies wäre auch nur in bestimmten Gefahrensituationen denkbar. Es kann aber durchaus sein, dass der Arzt dich dazu auffordert, mit den Eltern wiederzukommen.

Falls es um eine Schulbefreieung gehen sollte, und deine Eltern nichts davon erfahren sollen, dass du nicht in der Schule bist, könntest du Pech haben. Viele Ärzte geben nur Schulbefreiungen an Minderjährige heraus, auf denen auch die Eltern unterschreiben müssen.

Woher ich das weiß:
Berufserfahrung

Du kannst auch selber zum Arzt gehen.

Wenn es für dich wichtig ist, dass deine Eltern nichts erfahren, dann musst du das dem Arzt sagen. Er ist dann an seine Schweigepflicht gebunden. Du kannst also vor der Behandlung mit dem Arzt besprechen, dass das geheim bleiben soll.

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