Darf man jemand den Tod wünschen, bzw darauf hoffen, wenn es für alle eine Erlösung wäre?

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Hallo coppa, ich kann dich mehr als gut verstehen, weil ich es durchgemacht habe. Ich habe alle 14 Tage abwechselnd mit meinem Bruder meine Mutti gepflegt. Es war ein AUF und AB, aber wir haben ihr versprochen, dass sie nie in ein Pflegeheim muss!!!

Sie hatte Pflegestufe III und war an Demenz erkrankt, wir hatten auch Hilfe durch die Ambulante Pflege.

Sie war das Beste in unserem Leben, alles hat sie uns gegeben und immer vorwärts gedrängt.

Aber das eigene Leben wurde sehr eingeengt, trotzdem war jedes mal die Wiedersehensfreude, ihr Lächel bei der Begrüssung wärmend für mein Herz. Alles was sie uns über Jahre gegeben hat konnten wir nun zurück geben.

Da sie Demenz hatte, kenne ich auch den Undank, Aggressivität und Beschimpfungen. Man weiss, es ist die Krankheit und nicht sie selber, aber es hat viel Kraft gekostet und die eigene Psyche war manchmal gespannt wie Drahtseile.

Trotzdem haben wir in dieser Zeit auch viel glückliche Momente erleben können, auch wenn die Persönlichkeit sich total verändert hat, sie war immer meine Mutter, die ich geliebt habe und für die ich da war, als sie mich am nötigsten brauchte, ohne WENN und ABER!!!!!

Die letzten Monate ihres Lebens hat sie weder gegessen, noch getrunken.... nur geschlafen und fast nicht gesprochen, aber lächeln konnte sie noch.

Sie war nur noch Haut und Knochen, ich habe furchtbar gelitten und leise gesagt: Lieber Gott helfe mir, dass meine Mutter wieder isst und trinkt oder hole sie zu dir!!!

Am 19.02.2011 ist sie verstorben, vorher hat sie mich mir grossen Augen angeschaut, friedlich hat sie ihre Augen geschlossen.

Nun habe ich mein Leben zurück, aber sie für immer verloren, diese Entgültigkeit ist fast nicht zu ertragen. Weisst du, meine Trauer ist noch lange nicht beendet, sie fehlt mir, ihr Lächeln, ihre strahlenden Augen, wenn ich gekommen bin......ich würde sonst was geben sie für kurze Zeit zurück zu bekommen.......obwohhl der Verstand sagt, sie hat einen friedliche Tod gehabt und ist nun erlöst!!!

LG elenore

Liebe Elenore,

meinen aufrichtigen Beileid. Leider kann ich Deine Worte nachfühlen. Aber ich hoffe, sie helfen coppa.

Liebe Grüße

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@elenore Das ist ein wunderschöner Beitrag.

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Unglaublich beeindruckend, Deine Worte! Einfühlsamer hätte man es nicht formulieren können! DH!

Meine Mutti starb schon vor 19 Jahren, aber es fühlt sich heute noch so an, wie Du es beschreibst. Ich kann Dich gut verstehen und wünsche Dir alles Liebe!

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@Momo1965

OMG....wow......da bekommt man ja Gänsehaut u. Wasser in die Augen.......

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Danke. Wunderschön. Hab grad Wasser in den augen

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Vielen Dank für das Sternche, und vielen Dank für euren lieben Kommentare, ja, sie war etwas ganz BESONDERES. LG elenore

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Das ist wunderschön und wahnsinnig traurig zugleich

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Mein aufrichtiges Beileid. Du schreibst sehr schön und ich fühle mit Dir! Dein Text und Deine Gedanken zeigen einmal mehr, wie einmalig doch das Leben ist und wir es uns oft viel zu schwer machen. Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft!

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es ist doch ein unterschied ob man etwas denkt oder etwas in die tat umsetzt. in der wut oder bei problemen denkt jeder manchmal die schlimmsten dinge dem "angeblichen" verursacher an den hals. jedoch würde man diese niemals umsetzen und wenn man dann mal in wut was böses sagt, ärgert man sich nach dem überschlafen oft selbst darüber. sodass ich ein daran denken, für absolut der eigenen psyche hiflreich als wutventil entgegenkommend sehe. danach kann man mit der schweren situation vielleicht wieder leichter umgehen. sozusagen einfach wut ablassen. insgesamt gilt für mich der spruch: man kann niemanden bloss weil man ihn mag das leben verlängern. somit kann man auch niemanden bloss weil man ihn nicht mag das leben verkürzen. (ist glaube ich aus einem hermann hesse buch bei der fragestellung zur todesstrafe)

alles gute und halt die ohren steif

danke

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danke

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danke

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Moral hin, Religion her... Es ist für die Angehörigen immer ein Schock, wenn sich der geliebte Familienagehörige derart verändert. Der Verlust der Persönlichkeit, wie Du sie hier beschreibst, läßt mich an Alzheimer denken, geht über die "normale" Demenz hinaus. Du mußt letztlich Deine Kraft auch für andere Aufgaben und Familienmitglieder aufwenden, als nur für diese eine Person. Und wenn Dir da Gedanken kommen "hoffentlich hat das bald ein Ende" ist es nur zu verständlich.

Wenn auch nicht ganz mit Deiner Situation vergleichbar: mein Bruder, der im Juli gerade mal 50 wird (so er es erlebt) ist einer alkoholbedingten Demenz verfallen. Es ist schrecklich mit anzusehen, wenn sich ein Mensch derart verändert. Von daher hast Du mein Mitgefühl.

Es gibt Situationen, in denen man sagen kann, "es ist eine Erlösung für alle". Manche Menschen können das nicht verstehen, wenn man so etwas sagt, aber was das für manche Familien bedeutet, so einen Tyrann zu pflegen bzw. zu ertragen, das bleibt diesen Menschen verborgen. Ja,ich verurteile diese Leute nicht, weil ich durch meinen Beruf so manche Schicksale kennengelernt habe, die ähnlich waren und wo alle erstmal entspannt haben, als es "vorbei" war. Altersstarrsinn nennt man es wohl, was diese Menschen so verändert. Schade eigentlich, aber es hat ein Gutes, es macht das Abschiednehmen leichter. Und man kann sich ja immer noch an die anderen Zeiten erinnern, als es (er) anders war. Man kann beten, ja: " gib ihm seinen Frieden". Alles Gute - Blacky04

Bitterschlimme Situation.

Aber manche Personen werden mit einem schweren Schicksalsschlag nicht fertig und lassen ihre Frustration an ihrer nächsten Umgebung aus. Das bedürfte auch irgendwie gesonderter Hilfe -- für alle Beteiligten.

Gibt es in der Einrichtung, in der er behandelt wurde eine Anlaufstelle für soziale Angelegenheiten ? Ansonsten würde ich mich mit den Kostenträgern ( Kranken- /Pflegekasse, Landschaftsverband ) in Verbindung setzen.

Vom Hineinversetzen in Eure Lage, kann ich mir durchaus vorstellen, daß man solche Gedanken hegt. Ich halte es nicht für verwerflich - in keinerlei Hinsicht - es ist eine Schutzfunktion.

Wünsche viel Kraft und die Türe, die sich auftun möge, um Hilfe zu finden.

Danke

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