Darf man ein Messer im Falle eines Angriffs zur Verteidigung nutzen?

12 Antworten

Das ist nicht die Frage.

Die Frage ist ob Notwehr in diesem Fall erlaubt ist. Das entscheidet wiederum ob der Angriff gegenwärtig und rechtswidrig ist.

Bei Notwehr gibt es keine Verhältnismäßigkeit und du darfst dich dann auch mit einem Messer wehren.

Später wird ein Gericht darüber entscheiden. Und da sind Recht haben und Recht bekommen oft zwei unterschiedliche Dinge.

Das beste ist es, gar nicht erst in so eine Situation zu kommen, in dem man z.B. schon vor dem Weggehen am Abend überlegt wie man gefährliche Orte meiden kann (Taxi z.B.).

Pfefferspray ist übrigens die bessere Alternative. Denn du kannst Abstand wahren und die Flucht antreten. Niemand mit Pfefferspray im Gesicht wird die Ausdauer haben dich lange genug zu verfolgen.

NOTWEHR wird geregelt in §32StGB, www.gesetze-im-internet.de/stgb/__32.html
danach darf man alles ! tun was "erforderlich" !!! ist einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.
Das muß auch kein Angriff auf Leib & Leben sein, alle individuellen Rechtsgüter sind Notwehrfähig.
Lass dir nicht einreden du dürftest erst reagieren wenn der Angriff schon im Gange ist,
bei einem Angriff mit Tötungsabsicht wäre das eindeutig zu spät.
Im §32StGB steht nichts von verhältnismäßig*. Es kann auch Notwehr sein einen unbewaffneten Angreifer zu töten, wenn kein milderes erfolgversprechende Mittel verfügbar ist.
Man muss sich auch keinesfalls auf einen Kampf mit ungewissem Ausgang einlassen. (Von wegen Angriff nur mit gleichen Mitteln abwehren).
Selbstverständlich endet das Recht auf Notwehr sobald der Angriff beendet ist.
Andererseits wird jede Körperverletzung nachträglich durch unser Rechtssystem im Einzelfall untersucht und dann werden Unbeteiligte anhand der Fakten und Zeugenaussagen entscheiden ob die Tat "erforderlich" war oder bestraft wird.
Es gibt kein Rezept und keinen Freibrief für eine Situation die jemand von vornherein ein Recht auf ein bestimmtes Notwehrverhalten zuspricht.
Wenn du dir einen Überblick verschaffen möchtest was Gerichte für Urteile fällen lies hier:
https://dejure.org/dienste/lex/StGB/32/1.html
Ein besonders interessantes Urteil weil hier zur Notwehr eine illegale Schusswaffe eingesetzt wurde:
http://www.quellengrun.de/index.php?option=com_content&view=article&id=160
Oder hier mit einer legalen Schusswaffe gegen die Polizei:
http://www.stern.de/panorama/stern-crime/polizist-erschossen-bundesgericht-spricht-hells-angel-frei-3875278.html
Ich möchte aber nicht verschweigen dass man vor Gericht auf das Wohlwollen des Richters angewiesen ist.
Es kann auch so ausgehen:
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.muenchen-nach-604-tagen-gefaengnis-notwehr-messerstecher-kommt-frei.fe3a5b15-1b55-4ca1-a458-c151986d6bba.html

*In Beiträgen zum Thema Notwehr/Selbstverteidigung wird oft das Wort "verhältnismäßig" benutzt,
leider meist von Leuten die den Wortsinn missdeuten.
Verhältnismäßig (lt. Duden: 1.im Verhältnis zu etwas anderem,
verglichen mit oder gemessen an etwas anderem, relativ --
2. einem bestimmten Verhältnis angemessen; entsprechend) würde bedeuten dass
die Abwehr im "fairen/vergleichbaren" Verhältnis zum Angriff steht
also wenn der Angreifer unbewaffnet wäre dürfe man nicht schiessen o.ä.
Daß das so nicht stimmen kann erklärt sich schon dadurch dass niemand
von einer Frau verlangt sie dürfe sich gegen eine Vergewaltigung nur mit einem Penis verteidigen.
Selbstverständlich darf sie den Angreifer notfalls töten
(sofern eine mildere Verteidigung nicht erfolgversprechend ist) und zwar mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln

Das Führen von Messern regelt § 42a WaffG (völlig unabhängig vom Alter!) Kurzfassung: Verboten ist das Führen (unverschlossen dabeihaben) von Messern die als Waffe gelten (Dolch, Karambit, Springmesser ...) Außerdem verboten ist das Führen von feststehenden Messern mit Klingen über 12cm Länge und von allen Messern die einhändig verriegeln (Einhandmesser) https://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/__42a.html Abgesehen davon ist ein Messer zur Verteidigung völlig ungeeignet weil du die Wirkung nie sicher vorhersagen/kontrollieren kannst. Schlecht getroffen und du ärgerst ihn so dass er dich richtig fertig macht oder ein paar Millimeter daneben und du triffst statt Fleisch/Muskel ein Blutgefäß und der Angreifer verblutet. Dann macht dich hinterher ein Richter fertig wenn du nicht (mindestens 43) Zeugen hast die dir Notwehr bezeugen. Ich selbst betrachte mich als nicht besonders gefährdet (die Zeit in der ich mich beruflich nachts auf Bahnhöfen herumgetrieben habe sind vorbei), trotzdem habe ich seit 25 Jahren immer ein Pfefferspray dabei, besser haben und nicht brauchen als anders herum. Dazu noch eine LED-Lampe die gut blendet und die Faust ausfüllt und ich fühle mich gerüstet, es geht ja nur darum ein Fluchtfenster zu öffnen. Lt §42a WaffG ist das Führen von Hieb&Stoßwaffen verboten. Legal kannst du Pfefferspray mitführen, da es in D nur als Tierabwehrspray verkauft werden darf (muss unbedingt draufstehen!) fällt es nicht unter das WaffG. Mit einem kleinen Waffenschein darfst du auch eine Schreckschuß/Gaspistole führen aber die kann nicht mehr als eine Dose Pfefferspray auch kann. Pfefferspray Pfefferspray (Strahl/Nebel/Gel/Schaum/Piexon) hat in D keine Zulassung als Abwehrspray gegen Menschen erhalten. Desshalb darf es ausschließlich als Tierabwehrspray verkauft werden. (Muss draufstehen). Dosen ohne diese Kennzeichnung (z.B. aus dem Ausland oder von Behörden) sind in D verbotene Waffen! Pfefferspray als Tierabwehrspray fällt nicht unter das WaffG und unterliegt somit auch nicht den Beschränkungen von RSG (ReizstoffSprühGeräte) mit CS/CN- Wirkstoff die erst ab 14 sind. Es gibt KEINE Altersgrenze für Pfefferspray! In einer Notwehrsituation darf Pfefferspray auch gegen Menschen eingesetzt werden. Einsatz von Pfefferspray gegen Menschen ist immer eine Körperverletzung, straffrei ausschließlich bei berechtigter Notwehhttps://www.youtube.com/results?search_query=pfefferspray+strahlspray+strahl

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Wenn es eine notwendige und angemessene Maßnahme ist, einen gegenwärtigen Angriff abzuwehren, dann könnte das durchaus noch als Notwehr durchgehen und somit straffrei bleiben. Allerdings ist es ein sehr schmaler Grad, auf dem Du da wandelst. Denn es bleibt immer noch die Frage im Raum stehen, warum jemand ein zur Verteidigung taugliches Messer mit sich herumträgt. Hier könnte ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorliegen. Und das würde dann selbstverständlich auch strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, denn das hat mit Notwehr nun nichts mehr zu tun. Das Messer war ja schon da, bevor die Notsituation überhaupt eingetreten ist.

Warum sollte das Bereithalten eines Verteidigungsmittels etwas an der Notwehrsituation ändern? Ist es kein gegenwärtiger rechtswidriger Angriff mehr wenn ich vorsichtshalber schon die Hand zur Faust balle?

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@ES1956

Wenn das erwähnte "Verteidigungsmittel" ein verbotener Gegenstand ist - und das trifft auf diverse Messer zu - dann ist bereits das "Bereithalten" mitunter eine verbotene Handlung. Auf diesen Umstand habe ich hinweisen wollen und Du hast das Thema ja auch in einem Kommentar erläutert. Dann wäre eventuell zwar eine Notwehrsituation gegeben, aber dennoch würde ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorliegen. Das würde dann sicher in einem separaten Verfahren untersucht und gegebenenfalls gewürdigt werden müssen.

Bei Fragen zum Thema  "Verteidigung" und "Messer" gehe ich nun mal davon aus, daß kein schweizer Allzweckwerkzeug gemeint ist ;)

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Alles klar. Dass ein Verstoss gg WaffG auch bei berechtigter Notwehr gesühnt wird ist klar. Aber selbst wenn ich illegal eine Knarre besorge und sie illegal trage bleibt Notwehr trotzdem Notwehr und es wird nur der Waffenbesitz bestraft.

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@ES1956

Genau so sehe ich das auch. Und ich wollte nur ganz vorsichtig andeuten, daß eine möglicherweise irgendwann eintretenede Notsituation nicht als Vorwand herangezogen werden sollte, einen verbotenen Gegenstand zu führen.

Über die Nützlichkeit eines Messers zur Selbstverteidigung hast Du ja auch schon eine klare Aussage gemacht. Diese kann eigentlich nicht oft genug wiederholt werden. Die Realität ist eben kein Computerspiel.

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